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Meiics Jubiläum der Zentrumrpartei.

In diesen Monaten jähren sich zum 50. Male d'.e nlwürdigen Ereignisse, die zur Bildung der Zeu- rmspartei m Preußen und im Reich« führten. Die -ganisationea werden alle bei diesem denkwürdigen ibiläum besondere Feiern veranstalten müssen, um r glänzende Geschichte der Partei im Laufe eines iben Jahrhunderts in gebührender Weise ms Licht stellen.

Den ersten Anlaß zur Gründung der Partei der ein Aufruf Peter Reichenspergers vom 11. Juni ►70, der in derKöln. Bolksztg." erschien und der cholischen Bevölkerung vorschlug, ein gemeinsames ^ahlprsgromm mrszustellen für die kommenden Preu- «wählen (16. November 1870) als ein Gegenge- cht gegm die Uebsrnurcht der Ratlonollib-rulen, die täßlnh der Unfehtbarteitsertlärung des Papstes zu iem Schlage gegen die katholifâ^ Kirche rüsteten, l den fünf Punkten des Aufrufs knüpfte Peter Rei­nsberger an das Programm derKatholischen atlion" bezw. derFraktion des Zentrums" (toll)- rathon) an und hatte im wesentttchen eine Neu- löpfung dieser Partei mit ihrem konfessionellen Cha- kler im Auge.

Eine Ansammlung der kacholischen Vereine Schein- nds und Westfalens Anfang Juli 1870 in Esten be- nnte sich zu den Grundsätzen des Reichenspergerjchen rfvufs, suchte aber schon zur Schaffung einer besseren asis für eine Parteibildung politische Ziele mit in 9 Programm hineinzuarbeiten. Sie gab damit zu kennen, daß sie die VUdung einer konseffroneü-poütl- ien Partei will^che.

Den Beyläufigen Abschluß bildete die Festsetzung des genannten Soester Wahlprogramms am 28. Ct.br. 170, das den poetischen Charakter der itenzub^denden artet noch schärfer herausarbettete, den konfejsisnellen -arakter aber voll und ganz aufrecht erhielt, indem die tierf^en Psederrmgen an der Spitze des Pro- amms stehst» lleß.

Auf dieses ProMAmm wurden über fünfzig Abge- orrste zum Prvutzffchen Landtag gewählt, die sich am . DszÄsber 1870 311mZentrum (BerfastunFspar- )" zufa»m««schlogen.

Der endtzSWg« AbMuß zur Bildung einer poüü- ;en gartet erxib sich durch den Aufruf für die Wahl m Reichstag vom 11. Jamcar 1871. Im Vorder- irnde stehen die politischen Aufgaben der Partei im taatsleben, die kirchlich- konfeffioneüen Ziele erscheinen ssem Gesichtspunkt neben geordnet.

Der 21. März 1871 ist der Gründungslag der nirumsfraktton des Deutschen Reichstages. 57 der ri 3. Mürz gemäßsten Abgeordneten bekaimten sich zu m Programm der neuen Partei. v -

wir ft^en mitten hn heißen Kampf um die Schule!

Die ersten 50 Jahre der Zentrumsgefch-chtü sind kennzeichne^ durch den kircheupoliiischen Kcunpf. Run 3l, an der Schwelle der 2. HÄfte des 1 Jahrhunderts r Zentrumsgchch«chte, der schuipolitische Kamps in fei« r ganzen Hesilglelt ein. Wie richtig hat doch Windt- rst das vorausgeschen und vorausgesagt'

Die erste Etappe in diesem Schulkampf war Adolf fffnuums Kultusministerherrlichkett. Die Nacional- chlen zeigten, daß das Borgten der Resomtious- inner doch zu tölpelhaft und unklug gewesen war. e sanden keine Mehrheit.

Der Kampf um die Verfassung in der NatronaLver- nmlung bedrutote die zweite Etappe im Shulkcunpf. e Sozialste mußten, da sie allein keine Meycheit ften, mit den bürgerlichen Koalitionsparteten ein mcpromiß bilden und wesentüchs Teile ihrer früheren hiüsordercmgen zuâstellen.

Die dritte Etappe hätte die Beratung des Reichs- ulgcsetzess werden fallen. Allein, die gegenwärtigen ficheven Mehrheitsv-srhättnifse werden eine baldige «bringung dieses Gesetzes nicht als ratsam crichel- n lassen. Dafür hat nun der Einzelkampf einaefcht e Schulstreike zeigen deutlich, daß der Kampf um - Schule nicht nur im Parlament, sondern zum gu- r Teil in den emzeinen Gemeinden, ja in den Lin­nen Schulen ausgefochten werden muß. In Herne d in Freiburg hat der Kampf zwar mit dem Erfolg c die christlichen Eltern geendet: sie brauten -hre uder nicht mehr unchristlichen Lehrern anzuoectraucn. -er dieser Erfolg wurde mit dem schweren Zuge^

ständnis erkauft, daß an den betreffenden Orten eine weltliche", d. h. religionslose Schule oder Klasse er­richtet wird für die Kinder der Eltern, die «ne reli­gionslose Erziehung ihrer Kinder wünschen.

Jetzt kommt aus Halle die Nachricht, daß die dor­tige Stadtverordnetenversammlung, die überwiegend aus Sozialdemokraten besteht, den Beschluß gefatzt hat aus den Schulen Kruzifixe und religiöse Bilder ent­fernen zu lassen. In einer Versammlung des Ettern beirats der katholischen Schule in Halle a. S. wurde einstimmig beschlossen, an den Magistrat nachfolgen­den Protest einzusenden:Der Elternbecrat der lach. Schule erhebt gegen den Beschluß der Sladtoecordrre- ten, die Kruzifixe und religiösen Bilder aus den Schu­len zu entfernen, schärfsten Protest, da er in diesem Beschluß eine Verletzung der heiligsten Gefühle und einen Angriff in die Rechte der Schule erblickt."

In der Aula der katholischen Schule in Halle fand eine große Elternversammlung statt. Lehrer T h e c l e referierte mit großer Wärme über das Thema:Was gedenken die katholischen Eltern zu tun für dir Erhal­tung unseres größten Kleinods, des tathokfcheu Glau­bens, der uns verbürgt ist in unseren Kinder« und des­sen Samenkörner in der katholischen Schule in das Herz unseres Nachwuchses gesenkt werden?" r Der Vortragende wies besonders eingehend darauf hm, daß es sich um etappenweises Vorgehen der Feinde der christlichen Schule und besonders der konfessionellen Schtrie handelt und daß diese Frage nicht nur eine FomAieu- und Schulfrage, sondern eine rNenschhelie- ftagr ist, an deren Lösung alle Mitarbeiten können, sollen und müssen, weshalb einmütiges, geschloffenes Zufarmnenstehen der katholischen Niern mit Geistlich­keit und Lehrerschaft unbedingt notwendig ist. Herr Prälat Heddergott richtete einen marmcu ApprÜ an die Versammelten, der in nachfolgendem Protest sei« neu Äiverhalt fand:500 katholische Eltern fd^e« ßrn sich dem grotesk des Aternbeirakcs der kathol. Schille einstimmig am"

In Sadtfen geht ein ununterbrochener Kseßrkmnpf gegen die konfârnsllen kathol. Schulen durchs Laud, bar selbst vor Verletzung der Verfassung nicht zurück« fchrecV und von der soziolistischen ReglerurrgAnchrhell gestützt und geschützt wird. Ernste Formen hat der fett längerer Zeit schon in Plauen im Vogtland be« sleh^cde Schulkampf angenommen. (Entgegen den klaren Bestimmungen der Reichsverfassuirg hat die Re­gierung mitten im Schuljahre die Aushebung der ton« fesf'cinâlen Schule angeortmet. Das Kultusministerium handelt mit dieser Maßregel sogar gegen seine eigene Verordnung vom 3. März d. 3s. und gegen die Cnt- schâung des Reichsministeriums des Innern vom 31. Januar 1920, wonach die noch bestehenden konfes­sionellen Mürderhettsschulen, es sind nicht nur kathol., sondern auch evangelische, bis zum Erlaß des Reichs- schutgesetzes unangetastet bleiben sollen. Ebenso han­delt es auch gegen eine Zusage, die es dem Apostol. Vikariat gegeben hat. Begründen will das Kultus» Ministerium sein Vorgehen damü, daß in Plauen an der katholischen Schule vor Erlaß der Reichsverfassung die beiden unteren Jahrgänge bereits konfessionell ge­milcht eingerichtet worden waren. Der tatlj'lifdje Schulvorstand hat dagegen ganz entschieden protestiert. Der Protest an das Kulusmimsterium, der von diesem zur Berichterstattclng an das Schulamt in Plaum ge­geben wurde, bl'eb aber von diesem unerledigt. Hub trotzdem das jetzige gehässige Vorgehen. Es hat nun erbittertes Ringen um die Elternrechte in den Plauener Schule,, eingesetzt. Kürzlich fand eine imposante El­ternversammlung statt, in der der ^aup ^rutfeiter Hestoin (Dresdens eine begeisterte Rede hielt. An- stinunig wurde als letztes Mittel für die (Erhaltung der katholischen Schule der Schulstreik beschlossen. Es streiken gegenwärtig 90 Prozent aller katholis.hsn Kin­der der ersten katholischen Bürgerschule.

In Berlin

und seinen Vorstädten geht natürlich der Kampf mun­ter weiter. Die sozialistische Mchrheit hat sich ent­schlossen, einen Dr. Löwenstein zum Stadtschulrat zu wähl-n. Alle arideren Parteien protestieren dagegen, es protestieren die (Elternbeiräte der höher«! Sibirien, es protestieren die katholischen Elternbriräte, bie Ettern- beiräte der christlich-unpolitischen Listen, es protestieren die Lehrer (einschließlich der sozaiistijchen) nützt nichts! Weil Dr. Löwenstein Sozialist ist. w^d èr Stabtidjulrat er, der Jude, der Ungläubige, der Richt- fa^miannl

Im Charlottenburger Sladlparlamevl forderte bei der Debatte über die Errichtung eines städtischen Ju- aendomtes der dem Kollegium angehörende ka'hob, Stüdtpsarrer Lichtenberg, daß auch Vertreter der Kon­fessionen in die Leitung des Jugendamtes berufen wür­den. Die in der Mehrheit befindlichen Sozioldeuwkra- ten lehnten die Forderung ab. Der Sprecher der Un­abhängigen, der als Stadtschulrat in Aussicht genom­mene Dr. Löwenstein, gestand ganz offen, daß r selbsiverständüch nicht dafür ist,Jugendpflege und Jugendfürsorge mit religiösen Vorstellungen und reli­giösen Anstellungen zu vergllicken". Das sei eim Sache der Weltanschauung. Er bekenne für sich per­sönlich, daß er tatsächlich der Meinung sei,daß hie Erziehung Schaden erleidet, wenn man sie mit dem Mod-rgeruch der Jahchunderte oder mit der Mond- scheinbäeuchtung irgend einer Himmiischetl oder sonsti­gen Offenbarung im liberalsten Sinne belastet". Wei­ter gab Dr. Löwenstein das ungeheuere politische In- ftrimicnt der Kirche als Grund für seinen ablehnenden Stauipunet an, daß die Kirche irgendwelchen Einfluß auf gemeindliche Beranstaltungen habm dürfe. Da müsse man der Kirche sagen:Hand davon! Vergifte uns den allgemeinen Gemeinschaftsgeist nicht mit dei­ner konfessionellen Beschränkung und Beschränktheit." Abch Stadtverordneter Blmn erklärte namens der Mehrhsitssoziallsten: Wenn Pfarrer Lichtenberg sage, die Kirche triebe die Jugendpflege nach den Grundsätzen der heiligm Religion, so sei es gerade das, was die Sozialisten Ächt billigen.

Katholisches Volk, fei auf der Wacht! Schützend stelle dich vor die christliche Schule! Die Kanipfsignale flarftrn auf und rufen mit immer ernsteren Simmert jedcn gläubigen Vater, jede christliche Muter auf den Posiw zur Abwchr der zähen Feinde unseres chrisl- Kcben Schulideals.

ZüZlâemoÄrâ nnd Reichrkabruett.

Aus bloßer Furcht vor den Unabhängigen hat nach den letzten Reichstagswahlen die Soziaidenwkratle es abgcichnt, an der Kabinettsbildung sich zu beteiligen, und sie war wirklich fwh, als ohne sie das bürgerliche Kabinett Fehrenbach zustande kam. Nun hatte sie die H«ud frei für Agitottonskünste, imb nützte d^s auch reichkch aus, nur ging sie dabei nicht so wett, daß das Kabinett gestürzt wurde; denn dann hätte sie selber eine regierungsfähige Mehcheit schaffen müßen.

Run geht auf einmal durch eine Reihe sozialisti­scher Blätter, besonders in Baden, ein ArtikelWie lange gedenkt das Kabinett Fehrenbach noch zu wirt- khc^ten?" oderHat die Reichsregierung noch unser Vertrauen?" Auf fast sämtliche Reichsminister wird da losgezogen, keiner findet Gnad«Sie alle v-r- dienlen lediglich ihren Abschied zu erhalten. Bei vie­len steht es so, daß, wenn sie noch einige Monate ihr Amt weiterfÄ)r«i7, eine Katastrophe geradezu unab­wendbar erscheint."

Also offenbares Accrennen gegen das Kabinett mit dem Zweck, es zu stürzen. Wozu das? Will die Sozialdemokratie tatsächlich jetzt In eine Regierung ein­treten? Oder will sie durch ben Sturz des Kabinetts Neuwahlen erzwingen, weil sie hofft, diesmal im Wchstkampf die Unabhängigen wesentlich zurückzu-. brängen, da diese jetzt gespalten sind in der Frage des Anschlusses an die Moskauer Zentrale?

Jederrfalls, das steht fest: ein Sturz des Kabinetts im jetzigen Augenblick wäre bloße sozialistische Partei- pstèk, bei der das Wohl des Vaterlandes n chl nur unberücksichtigt bliebe, sondern auch direkt in ,'hwerster Weise gefährdet wäre: Die Verhandlungen mit den Entelltestaaten wegen unserer finanziellen Verpflichtun­gen werden in den nächsten Tagen beginnen. Soslan wir wieder neue Aiänner, bie sich noch nicht eingear- beikek haben, nach Paris und Genf schicken wie seiner Zeit nach Spaa?

Noch scheinen die eigentlich verailtworüichen In­stanzen der sozialdemokratischen Mehrheitspartei von dieser Kampfansage nichts wissen zu wollen. Mög«r sie sichs gesagt ein lassen: Der deutschen Außenpolitik ist durch sozialistische Agitattonsparteipolitik schon so sehr geschadet worden, daß es geradezu eine himmek- schceiende Sünde wäre, wenn auch jetzt wieder in diesem Augenblick gefährlichster außenpolitischer Lage der Re­gierung Knüppel zwischen die Beine geworfen würden und die vaterländischen Interessen in freventlichem Spiele verraten würden.