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Kassel, den <9. September 1920.

Nr 38

Äs 30. Zahrg. 7

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 2. Mk., B 2.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

Druck und Verlag der Fuldaer Acttendruckerei.

wochenKalender.

»<mtag, 19. Sept. 17. nach Pfingsten. JanuariuS u. f. Gen., M.

routag, 20. Sept. Eustachius u. s. Gen., M.

)ienstag, 21. Sept. Matthäus, Ap.

'tlttwoch, 22. Sept. Thomas v Villanova, Visch. u. Bek.

)onaerstag, 23. Sept. Linus, P. u. M. Thekla, Jzfr.u.M sceltag, 24. Sept. Fest Mariä von der Erlösung der Gefangenen.

ramStaa, 25. Sept. Von der Mutter Gottes.

Liebzetzuter Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Matty. 22, 3546.)

In jener Zeit kamen die Pharisäer zu Jesus; mb einer von ihnen, ein Lehrer des Gesetzes, fragte hn, um ihn zu versuchen: Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetze? Jesus sprach zu ihm: Du 'ollst d.n Herrn, deinen Gott, lieben aus Deinem panzen Herzen und aus deiner , anzen Seele und aus deinem ganzen Gemüte. Dies ist das größte und das erste Gebot. Das andere aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer versammelt waren, fragte sie Jesus und sprach: Was glaubet ihr von Christo? Wessen Sohn ist er? Sie sprachen zu ihm: Davids. Da sprach er zu ihnen: Wie nennt ihn aber David im Geiste einen Herrn, da er spricht: Dec Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich Verne Feinde zum Schemel deiner Füße gelegt habe Wenn nun David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein Sohn? Und Niemand konnte ihm ein Wort antworten: und Niemand wagte es von diesem Tage un, chn noch um etwas zu fragen.

Vergiß mein nicht!

ergiß mein nicht", ruft der liebe Goti dir zu, wenn er dich errettet hat aus einer Not. König David hat diesen Ruf wohl verstanden und treulich befolgt. Umringt von Fein­den hat er sich an den Allmächtigen

gewandt und sich durch ein Gelübde verpflichtet, ihm ein feierliches Dankopfer zu bringen. Und siehe, das Gelübde hatte Erfolg und übertra, alle Erwar­tung. David aber vergaß seinen Netier nicht, beeilte sich vielmehr, das versprochene Opfer in aller Feier­lichkeit und Oeffentlichkeit darzub,ingen. Eben dieses Opfer bildet den Hauptinhalt vom 2. Teil unseres 65. Psalmes.

Psalm 65, 2. Teil: Dankopser.

13. In deinem Hause will ich opfern, Erfüllen was mein Mund versprochen.

14. Gelobt hab ich's in schwerer Stunde: Ein fettes Opfer will ich bringen.

15. Will Schafe dir und Rinder schlachten, Und Weihrauch soll »um Simmel butten

Große Erfahr

droht unsern katholischen Schulen in der Diaspora, sie sind verloren, wenn nicht eine großzügige Aktion unter den Katholiken Deutschlands zur Bereitstellung der nötigen Geldmittel unternommen wird. Da in der nächsten Zeit die Gehälter der Lehrkräfte an den Privalschulen denen an staatlichen Schulen gleichgestellt werden müssen, ist mit einem jährlichen Kostenaufwand von 45 Millionen allein für die Diasporaschulen zu rechnen; mit seinen gegen­wärtigen Mitteln ist der Bonifatiusverern gänzlich außer Stande diesen veränderten finanziellen Verhältnissen Rech­nung zu tragen, zumal auch die sonstigen Aufwendungen für die Seelsorge und die Unterhaltung der Kirchen usw. sich gewaltig vermehrt haben; die Gesamteinnahmen des Vereins betrugen im Jahre 1918 nur 4 859 184 Ji.

Die Diözese Fulda

beschäftigt in ihren Diasporaschulen 15 Lehrkräfte. An Gehältern einschl. Orts-, Teuerungs- und Kinderzulagen wären im niedrigsten Falle 195 000 M, im Höchstfalls 321000 M dafür aufzub ringen, durchschnittlich also unge­fähr 250 000 Mark.

Wo soll das Geld herkommen?

In der ganzen Diözese gingen aus (Einigungen und Kollekten im Jahre 1919 rund 40 000 J4 ein, die Ge­samteinnahmen betrugen rund 136 000 M. Ohne die Hilfe des Generaloorstandes und anderen Diözesen war es schon seither unmöglich, die Ausgaben zu decken, ihre Hilfe ist jetzt in Frage gestellt, da ja die Einnahmen des ganzen Vereins kaum mehr betragen, als das, was dem­nächst allein zur Unterhaltung der Schulen nötig fein wird. Unendlich viel hängt von der Gestaltung des Reichsschul­gesetzes ab, ob es geliegt, den konfessionellen Minderheiten bei 60, wenn nicht schon bei 3040 Kindern das gesetz­liche Forderungsrecht auf eine öffentliche Konfessionsschule zu sichern und die Gemeinden zu verpflichten, bei 10 Kin­dern für die konfessionelle Minderheit den verfassungs­mäßig zugestandenen Religionsunterricht auf ihre Kosten einzurichten. Aber auch dann werden noch weit größere Mittel nötig sein wie seither. Jedenfalls erscheint die

Wilarbeil aller katholischen Kreise

a(g unerläßliche Bedingung, sollen unsere Privatschulen überhaupt bestehen bleiben. Auf der letzten Generalver­sammlung des Bonifatiusoereins in Paderborn hat er­freulicher Weise

die katholische Lehrerschaft durch die Vertreter des Lehrervereins, des Irmglehrer- bundes, des Oberlehrerinnen- und Lehrerinnenvereins ihre eifrige Mitarbeit in Aussicht gestellt; sie wollen bei ihren Schülern für den Bonifatiusverein in ähnlicher Weise wie für den Kindheit-Jesuverein tätig sein Wir richten darum auch bei dieser außerordentlichen Aktion an die

Herren Lehrer und Frank. Lehrerinnen die Bitte, wenn möglich, eine Sammlung bei den Kindern zu veranlassen und uns der Betrag mit dem Schecksormu- lar, das

der nächsten Rummer des Ellsabethblattes beiliegt, zu übermitteln. Gleichzeitig ergeht an alle Leser des Elisabethblattes die Bitte, ihr Scherflein für den nächsten Sonntag bereit zu halten. Es gilt die Rettung unsterblicher Kinderseelen.

16. Ihr Diener Gottes, laßt euch künden, Was Großes mir der Herr erwiesen.

17. Ich schrie zu ihm mit meinem Munde, Erhob zu ihm die laute Stimme.

18. Hätt' Bosheit ich entdeckt im Herzen, So hätte Gott mich abgewicsen.

19. So aber hat er mich erhöret Und nachgegeben meiner Sitte.

20. Gelobt sei Gott für seine Güte, ! Gebenedeit für seine Treue.

20 a. Er hat mein Flehen ausgenommen, Nicht abgewendet sein Erbarmen.

Die Gelübde der Gerechten sind Gott rooTiTge* fällig", heißt es im Buch der Sprüchwörter (15,8). Ein solches Gelübde hat David gemacht und dadurch dem Himmel Gewalt angetan. Vor ihm haben schon Jakob, Josephs Vater, sowie Anna, Samuels Mutter solche Gelübde gemacht; nach ihm haben der König Salomon und der Apostel Paulus durch Gelübde sich verbunden. Unter den Heiligen haben viele durch besondere Gelübde schwere Dinge sich auferlegt und sich zu seltener Vollkommenheit aufgeschwungen. Der hl. Andreas Avellinus hat das Gelübde gemacht, jeden Tag im Guten fortzuschreiien; der hl. Kirchen­lehrer Alphonsus das Gelübde, keine Zeit zu vergeuden, der hl. Bischof Franz v. Sales das Gelübde, jeden Tag einen Rosenkranz zu beten. In Wien verkündet heute noch die Karlskirche von der Kraft geheiligter Verpflichtungen. Als daselbst i. I. 1713 die Pest grassierte, tat Kaiser Karl VI. in Gegenwart seines ganzen Hofstaates in der St. Stephanskirche das große, feierliche Gelübde, zu Ehren des hl. Karl Borromäus eine herrliche Kirche zu bauen, wenn die Klankheit Nachlasse. Bald darauf nahm die Pest sichtlich ab und erlosch ganz. Als Mann von Wort nahm der Kaiser den Bau der Kirche sofort tn An­griff. Mit ihrer großartigen Kuppel und den b-iden Riesensäulen ist sie bls heute eine Zierde Wiens und ein Wahrzeichen für die Wirksamkeit der Gelübde.

Durch das Gelübde ehren wir Gott. Durch ein ausdrückliches Versprechen verpflichten wir uns, ein ihm wohlgefälliges Werk zu tun. Wenn wir einem Heiligen etwas versprechen, ist das kein eigentliches Gelübde. Es kann aber ein Versprechen auch in dem Sinn gemacht werden, daß unser Versprechen zwar auf Gott geht, aber zu besonderer Ehre eines Heiligen. In diesem Fall kommt ein wahres und eigentliches Gelübde zustande. Ist das Versprechen an eine Bedingung geknüpft, so tritt die Verpflichtung erst ein mit Erfüllung der Bedingung. Halten wir ein Gelübde nicht, obwohl wir es halten können, verschieben wir die Ausführung aus bloßer Bequem­lichkeit, so begehen wir eine Sünde.Vergiß mein nicht!"

Hast du ein Gelübde gemacht, so säume nicht, es zu erfüllen; denn es nußfällt dem Herrn ein unauf­richtiges, unüberlegtes Gelübde; was immer du ge­lobt hast. das erfülle: besser ist es, gar kein Gelübds.