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)cn äußeren religiösen Höhepunkt erreichte die e Veranstaltung wohl in der Huldigung vor dem ißfe. Ich möchte nur, ganz Deutschland, zumal :e Gegner, hätten dieses Bild geschaut. Oben am ter der greise Bischof, unten die 800 jungen Mön- die Vertreter der Heranwachsenden katholischen 3m enz aller deutschen Stämme, mrd zu chren HLup- Der Sprecher, ein Münchener Primaner im Wan- nzug, wie er schlicht und ehrlich dem Bischof als
Vertreter der Autorität, der Religion und der tlichen Sitte den Gruß der Jugend und die Ver- rung ihrer Gefolgschaft entbot. Die ganze Veraltung ohne jede Ausmachung, aber darum so r mrd packend.
Cs war IußenLbervegmrg, was wir in Fulds n. Die Jugend holte das Edelste und Beste, was ihr schlummerte, aus sich heraus, Begeisterung, alismus mrd Entschiedenheit, unb versprach, diese lgewächfe zu pflanzen in den Weinberg unserer Kirche und in die Aecker rmseres armen Vater- kss, um sie dort zu pflegen . . .
Cs ist eine sonderbare Zeit, in der wir leben, c von Ms hätte vor bald zwei Jahren, als die »olution ausbrach und fer Religion der Kampf 3 Messer ungesagt wurde, eine solche Bewegmrg er. unserer studierenden Jugend erwartet. Sie ist rahe plötzlich, über Nacht gekommen, wie so vieler te. Aber nun ist sie da, und sie wird sich be= pten. Weil sie eben eine DerveMiNg ist, w'rd sie behaupten. In Fulda wurde ein Feuer entzündet, nicht erlöschen wird. Es wird um sich greifen und e Kreise mit sich reihen, die heute noch kalt und chgülüg beiseite stehen. Möchten gerade jetzt, wo Beugung sich so herrlich entmWelt, recht viele rmhrrzige Freunde der Jugend sich finden, die als hrer und Berater helfen rmd das Vertrcmen der gend finden und verdienen. Dann werden diese nglir^re einst die Stütze des iwn Deutschlands, ihre ganisationen aber ein ständiger Quickbom tückMger inner für K'rche unb Staat. „Grüß Gott" Neu- rtschtand! „Heil" Qrrickborn! Möget ihr treuen »deutschen und lieben Quickborner, wie einst Fran- kus, Herolde des großen Königs werden!
Immer luftig!
Das war bekanntlich die Parole des Königs 3é= me, der zu Napoleons Zeiten enuge Jahre in Kassel sidert hat. Er hieß deshalb b^m Volk König immer lustik"! Die Sache dauerte aber mcht lmrge. üt dem Sturz Napoleon brach auch Jërornes Herr- hkeü zilssmmen. Inimer strsilg, das ist auch in un- rer Zâ für Tausende und Millionen die Parole, ährend der Kriegszeit, also durch mehr cks vier ihre, war der Strom der Vergnügmigen mÄ Unter- ittungen beinahe gänzlich verstopft. Darum ist es jo rigermaßen erklärlich, wenn die vergrmgungssüchti - n Elemente nach dieser langen Faste sich schadlos i halten suchen und hur^vig den Bergnügungen rchjagen. Wer triefe Jagd übersteigt nackMvsde les Maß und Ziel. Von Tag zu Tag schwrllt der trom der Vergnügungen höher cnr, er überflutet das rnze Land und reißt altes in feinen Strudel hinein, n der Slebl vollzieht sich allabends eine förmliche ölkerwanderung nach den Kinos unb anderen Ver- mgrmyslotaten: es herrscht ein Andrang zu diesen Hätten, wie man ihn früher in den glücklicheren Zeit- uften nicht zur Hälfte gesehen hat. Viele Leute säuren nichts mehr anderes zu kennen als Spiet, Tanz, Heater unb. bergt. Auch auf dem Lande draußen trassiert eine wilde Vergmigungsfucht, eine Unèer- altung treibt die andere. Jeder Sonn- und Feier- ig ist überladen mit allen möglichen Festen: Vereins- nd Sommer- und Wieserr- und Wald- unb Volks- esten, für die man kaum mehr die Flamen aufbringt nb die sämtlich mit dem rmvernreidlichen Tanzwirbel nden. Es wird einem ganz unheimlich zumute, oenn man dieses Treiben mitansieht und überall her ravon Anzeigen und Berichte in den Tagesblättern indei. Gern möchte man Einhalt gebieten, wenn nan könnte. Bei denen, die mitten im Strudel der LergnügunMn drinnen sind, hilft jedoch kein Mahren und Beschwören. Für solche aber, die noch en rischen Lebensernst und Ueberlegung, ein bischen ChrMfühl gerettet haben, seien ein paar Gedanken -^gesetzt.
Erstess: Der VergnügunKslrubsl war niemals so ünzeEtMmllß und u^sffend wie heute. Wir haben einen Riesenkrieg hinter uns, der trotz der ungeheuren Opfer, die wir brachten, verloren ging. Namenloses Unglück ist über unser Volk gekommen, die Mark hat wr noch den Wert von zehn Pfennigen. Ganze Pro
vinzen, die wegen ihrer Fruchtbarkeit unb ihrer reichen Bodenschätze uns fast unentbehrlich schienen, hat man uns entrissen. Jede Gemeinde hat eine lange Liste von Toten, lägen die Gräber alle nebeneinander, so gäbe das eine förmliche Totenstadt, es wäre ein Friedhof so groß wie eine Millionenstadt. Wohl ebenso viele unserer besten Männer und Jünglinge sind zu Krüppeln geschossen oder krank. Wenn uns jemand vor sechs Jahren gesagt hätte, was alles über uns kommen würde und wie es heute mit uns steht, so wären wir dazumal der festen Meinung gewesen, Las ganze Volk werde in Niedergeschlagenheit und Trauer dahinleben, man werde keine lichten Kleider mehr sehen, kein Mensch werde lachen, die Mcmner würden knirschen mit den Zähnen, die Frauen nichts tun als weinen. — In Wirklichkeit aber sicht man das Gegenteil: überall eitel Lust und Wonne, Putz und Hoffahrt, eine Lustbarkeit jagt die anbere, man lacht und scherzt, man tanzt förmlich auf den Gräbern der Väter und Söhne, der Brüder und Verlobten. Deser schrille Jubel tut allen wahren Freunden des Vaterlandes und wohl auch allen ernsten, ehrenhaften Kriegern, die wirklich Schweres durch- gemacht haben, so wehe wie eine Glarscherbe dem $iK*e. Wahrlich, unser Volk ist tief getunten, „hoch in Ehren" ist es nicht mehr, aber tief in Schamren.
ZW«Ue«s: Wir haben eine große Nst im Lsrtds. Mü müssen unsere Kinder zu Tausenden ins Ausland schicken, damit sie nicht verhungern, mit beiden Hän- den greifen wir nach dem Almosen, nad) den Lebensmitteln und den alten Kleidern, die wir von Amerika bekannten. Trotzdem gibt es noch Tcmftnde von Menschen, die langsam oder auch schnell an Hunger.dvhin- sterben. Mari scharre nur kinmal die Totenbücher durch, da würd man eine erschreckend hohe Sterblichkeit« ziffer finden, die gum Großteil auf Rechnung der mengeiiAen unb schlechten Nahrung (Unterernährung) zu fetzen ist. In der Stadt gehen Rimberte und Hunderte von todschevachen Menschen herinn oder richtiger, sie gehen nicht mehr, sondern si nken an Stäben mrd Krücken, well sie infolge des unausgesetzten Hungerns ast Knochenerweichung und Hun^r tuberkulöse (Auszehrrmg) leiden, und ihre Beine nicht mehr die Festigkeit imb Kraft haben, sie zu tragen. Mütter, die knapp d4e Nahrung für ihre Kiâr auf bringen, zittern vor Schwäche und stillen ihren ebenen Hunger mit Tränen. Alte Leute, die ihr Lebtag gearbeitet leiben, und zwar mehr gearbeitet, als es heute der Brauch ist, die auch einen schönen Sparpfennig zurückgelegt hatten und ein sorgenfreies ruhiges Alter .zu genießen hofften, magern Ijeute zu Totengerippen ab, verbringen ihre Tage in Kummer und Sorten unb können sich nicht mehr das Allernotwrnl^ fte gönnen, mal die Ersparnisse für die heutigen Lebens- Verhältnisse absolut nicht mehr ausreichsn und meist schon Lufgebraucht sind. Es gibt alte Leute, die vor Hungerschrväche immer im Bett bleiben müssen und nur r*^ mit einer dünnen Suppe ihr Leben fristen --. Daneben vergnügen sich aber Tausende mit rsulchenden Lustbarkeiten, leben in Saus und Brsus, werfen das Geld massenweise für ;ü<ibteuten Luxus unb ausgesuchte Genüsse weg und frögnen in jeder Art der Umnäßigkeit. Wenn die L^lte nicht so beifMlos gedankenlos wären, müßte man sagen: Das sind himmelschreiende Sünden! Im allqemeëren weiß aber jedermmm, wie heute die Dinge liegen, unb wer in diesen Elendszeiten den genußtollen Wirbel mitzrracht, der muß sich den Vorwurf der Herzensroheit und des Frevels an der Menschheit gefallen lassen; er wird auch bei der letzten Abrechrruirg hinter der Türe dieses Lebens einen sehr bösen Stand haben.
Drillens: Werm wir die überhandnehmende Lnl- fitl^u^ des Volkes bessern wollen, müssen wir un- bsdirègt b»e grenzenlose Vergnügungswut eindämmen; denn die übermäßigen Vergnügungen sind der Nährboden, ja, so recht eigentlich das Mistbeet der Unsittlichkeit. Wer all sein Sinnen und Trachten auf die ^Vergnügungen richtet, der wird ein Weichling, ein entnervter Schwächling, und er hat bald keine Kraft mehr, den Versuchungen Widerstand zu leisten. Außerdem bieten ihm die vielen Vergnügungen tausend Anreize und Gelegenheiten zur Schlechtigkeit und zum Laster. Die Vergnügungssucht ist ein wildes, gefräßiges Tier. Je mehr man diesem Ungeheuer bietet, desto anspruchsvoller, desto unersättlicher wird es, und desto mehr verlangt es. Schließlich reichen die Mittel nicht mehr aus, es zufrieden zu stellen, und dann greift der Mensch zum Verbrechen. Die un- he-imlich vielen und frechen Diebstähle, die Betrügereien, die zunehmenden Rcuch- und Mordtaten, die schrecklichen Kirchenfrevci der letzten Zeit haben fast burdtmea ihren Grund in der Vergnügungswut. Man
beachte nur die gegenwärtigen Gerichtsverha Ölungen — Daß die Vergnügungssucht auch das Z^Ailienleben in seiner Wurzel zerfrißt mrd verdirbt, brauche ich raum hsrvorzuheben. Ein vergnügungssüchtiges Mädchen wird die grundmiserabelste Hausfrau, ^ und ein Vergnügungssucht! gèr junger Mann wird fast immer ein scblecAer Familienvater, ein Haustyrann, ein Selbstesser, der alles für sich allein braucht und nicht das kleinste Opfer für Frau und Kinder zu bringen we'ß. Aus dem Sumpfboden iibermäßiger Dergrrü- gungen wachsen Familien herarrs, vor denen einem grausen möchte. Vater mrd Mutter sind verächtliche Genuß kreaturen, haülose, schwamnüge Fliegenpitze, ohne PflichtaeM und fittkche Kraft. Und was soll da aus den Kirrdern werden?
Asch ein £e^s: Der wilde VerGviiKMAslrubel reitet unser Volk unvermeDlich in eins katsfirsphe hinein. Vor dem Kriege, als wir noch im Wohlstand sahen, wäre em solches Treiben wie jetzt m-möglich gewesen, man hätte sich darob mcht nur gefdmmt, sondern auch vor dem sicheren Ruin sich gefürchtet. Um so men^sr tut es heute gut nach dem N'.rsenunglück, das uns getroffen hat. Wir tonnen uns von den SrMen des Krieg« nur erholen durch anarstrersgtö, zähe Arbeit mD Spcwf«nksit. Die VLrgMMrimsWut aber läßt keinen Sparsinn ausksminen, und die ver- weichlichtLn, erschlaffte il Genußmenschen haben keine Kraft und Lust gut Arbeit; ernste durchareiseâ Arbeit ist L^ren ein Greuel. Das nmß natürlid) über L:rz oder lang zum alternesrten Zusammenbruch führen. Bei einigem Nachdenken nMrn wir das selber 'sagen. H«Ue strd wir m'^rdestens zehnmal ärmer als vor dem Krieg; baxi zirka zcchnnml ist unser Geld wen^er wert.' Die VergnügLMtzen unb Lustbarkeiten aber "heben sich verdoppelt, verdreesocht, ja verfünffacht. Je mehr nie mks vergnügen mrd mckrchân ^to weniger w'rd gearbeitet, desto lerchisinm^ser m«Ä das Gell) hinausgoroorfrn. Es ist genau so, wie wenn einem Hausw-eftn der Konkurs droht, unb w; gehen alle FamLirnnätglisder — Vater, Mâcr, Pürier, VermGidte — her und prsfstsi rmd schsvelren, vergeuden mÄ verschu^rrden, was sie n»ch haben. Da br'cht der Konkurs um so sicherer rmb schrreller herein, und die Scharès unb das Elsnd der Fsnxb-r ist nachher um so größer. — Der Wirbel der DrrMÜTrmgcn und Lustbsrksitsi bringt unsehlbar den großen Krach über unser Volk, in den wir alle ohne Ausnahme h'n- emSerifsen werden. Bilde sich ja rrémanb ein, fein Hc»!smesen sei so fest gegiün&et, sein Wolost«L imb Reichtum so groß, daß ihm nicht viel posieren könne. Wenn ennnas der große Zusammrnbrrrch fmnmt, wird man eben Geld urD Giller und Sachen dort rrehmeu, wo sie noch fhtb, wrÄ wer am meisten hat, wir» am stärksten herhaLten müssen. Mag einer dann schreien und protestieren, men wird ihm eins darauf pss'fen, wAm ihm nichts Schlimmeres ^fchèeht. — Das sieht jeder Vernünftige ein, daß es so, tute es hsrlle geiric- ben wird, nicht meiterg^en kann, sonst ständen ja alle ErfcchrwnMN, die man seit Jahrtausenderr gemacht hat, auf dem Kopf.
Eür 5)auplgrund unseres gegenwärkitzen Elendes und des furchtbaren Ausblickes in die Zukunft liegt in der unheimlichen Vergnügungssucht. Wer dem Volk, aber auch sich selber wohl will, muß mit allen Kräften dagegen ankämpfen, das Volk warnen und aufilären, wo er nur kann. Wenn es gelingt, den wilden Strom der Vergnügungen und Lustbarkeiten zurückMäm men, werden wir alle die günstigen. Folgen bald morsen; wenn es nicht gelingt, gehen wir sicher zugrunde
Riks wohl!
Wenn man gegen Mitternacht auf einem der großen Schiffe sieht, die über den Ozean fahren, dann hört man plötzlich wie vom Himmel eine lang- gezogene Stimme klingen: „Alles — wohl!" Es ist der Matrose im obersten Ausguck, der «och einmal Umschau gehalten hat. Der Passagieren, die zu Bette gehen wollen, tönt es beruhigend wie ein Segen von oben. Und bevor der Kapitän sein Lager aufsucht, prüft er mit Hilfe der Karten und des Kompasses noch einmal ganz genau, wo sich das Schiff jetzt befindet und ob es auch nicht von dem vorgezeichnetell Kurs abgewichen ist.
Was der Mairo e im Mastkorb und der Kapitän am Rechennsch für das Schiff, das ist das Gewissen und der Verstand für den Menschen. Diese beide« sollten jeden Abend vor dem Einschlafen genau prüfen, ob der innere Mensch auch nicht abgeirrt ist von der rechten Linie, welche ihm die innere Stimme vor« schreibt und ob bei ihm „alles wohl" ist. —