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ten vertrieben wurden. Es ist eben alles in Fluß in Bewegung zur Zeit. Ein rechtes Bild können die Jahre wiederkehrender wirtschaftlicher Klärung Beruhigung bringen.
Sine zweite Gefahr für das Wachstum der Diafpora- cinden ist das Mischehenelend. In der Diaspora des ^Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach kamen auf LOO heiratende Katholiken 78,5 gemischte Ehen, in Hsen-Meiningen 88,5 Mischehen, in Sachsen-Alten- 3 56,9 Mischehen, in Koburg-Gotha 82,8, in Schwarz- g-Sondershausen 78,9, Proz., in Schwarzburg-Ru- tadt 93,5, in Reuß ältere Linie 75, in Reuß jün- ; Linie 79,1 Mischehen auf je 100 heiratende Kalken. Bon all den Kindern aus gemischten n werden aber nicht mehr als 25 Proz. in Thürin- für die Kirche gerettet. Das ist die tiefste Wunde, der unserer Gemeinden innere Keimkraft immer wie- versiecht; das ist unsere Kir^rsterblichkeit, die so» e ehedem treu katholische Famruen im zweiten, drit- Geschlecht ausrottet aus dem Erdreich der Ee- nds und der Kirche; unsere Kindersterblichkeit, die viele Knospen hoffnungsreicher Entwickelungsmög- feiten junger Gemeinden immer wieder bricht und Grabe trägt.
In der Diaspora überwiegt aus naheliegenden Grün- die Zahl der Männer bei weitem jene der Frauen, befinden sich z. B. unter den 1992 Katholiken in warzburg-Rudolstadt nur 742 weiblichen Geschlechts, er den 7703 Katholiken Sachsen-Altenburgs gar nur 7 weiblichen Geschlechtes, in Meiningen ist das Ber- mis 5475 zu 1894. In diesen Zahlen kommen offen- große Schwierigkeiten für die heiratenden kathol. nner der Diaspora zum Ausdruck. Ein fester Wille n aber auch hier das Ideal einer kathol. Ehe errei- > wenigstens die traurigsten Auswirkungen der !chehe vermeiden. Es gibt übrigens genug der AuS- fteien für junge Leute; warum nicht eine großzügige skunftei für alle, die entschlossen find, die Mischehe vermeiden? und warum sollte ein solches Werk mit 1 rechten Ernst und in bester Absicht klug unternom« r- nicht ein aus der Not geborenes heiliges Werk i, das auch für solche, die den Diasporanbten fern esn, einen gewissen Beigeschmack bald verlieren würde. Ein drittes Entwicklungshemmnis für unsere Dia- ragemcinden besieht in der immer schneller um sich «senden religiösen Auflösung aus dem unaufhaltsa- 1 kirchlichen Zerfall in Thüringen. Die Kirchen sn leer, das kirchliche Christentum ist erledigt.
Der Sonntag ist seiner Heiligkeit vielfach entkleidet.
Austrittsbswegung ist tiefgehend und nachhaltig, ^ahl der religiösen Absplitterungen und Konventikel icher Schattierung wächst stetig und die Grmidfpal- g zwischen liberaler und streng gläubiger Richtung erhalb der Landeskirche, jetzt Bolkskirche genannt, d immer breiter und tiefer. Als die große Abfall- >egung von der katholischen Kirche vor 400 Jahren i, marschierten Thüringen und Sachsen an der Spitze; te heißt die Parole: „ Heraus aus jedem Kirchen- und wiederum ziehen Thüringen und Sachsen aus. Es ist klar, daß solche religionsfeindliche Strö- ngen auch manchen Katholiken hineintragen in das ■er des Unglaubens und daß diese Atmosphäre, In die Gemeindemitglieder Jahr für Jahr leben, durch ; gesetzmäßigen Niederschläge genug Keime der Indif- mz und Gleichgültigkeit aushäuft in den Seelen.
Es muß deshalb alles geschehen, um unseren jungen meinten zumal in diesen Tagen hochgehender Erre- ung und Perwirrung einen möglichst starken inneren ) äußeren Halt zu geben. Um mich hier nicht in zelheiten zu verlieren, weise ich nur auf zwei Dinge . Als erstes Mittel, um uns Diasporakatholiken prö- e Widerstandsfähigkeit zu geben, wäre der feste Zu- rmenschluß aller Thüringer Katholiken zu einer fest- ügten kirchlichen Einheit, mit anderen Worten, die seitigung der buntscheckigen Diözesanzugehörigkeit. Iwarzburg-Sondershaufen, Gotha und Rudolstadt ge- en zu Paderborn; Sachsen-Weimar zu Fulda, Mei- gen zu Würzburg, Koburg au Bamberg, Gera und chsen-Altenburg zum apostolischen Vikariat Dresden 3 Greiz ehedem sogar zur Erzdiözese Prag, heute zu erden. 22 000 Katholiken über 9 Duodezstäätchen dem verteilt, gehören also 5 verschiedene Diözesen
Als noch ein jedes Ländchen seine Angelegen- ten selbständig erledigte, als die politischen Schlag- ime der kleinen Einzelstaaten noch überall über Weg ) Steg lagen, war auch diese kirchliche Sonderung chichtlich begründet und ließ sich im Hinblick auf die rterungen und Schwierigkeiten, die die Einzel- jierungen bei der Neuumschreibung der Diözesen
Anfang des vorigen Jahrhunderts machten, n /Vcht umgehen. Heute aber, da es nur ein oßthurmgen gibt, läge es unverkennbar im kirch- ^..-^"reffe, wenn auch nur eine bischöfliche nsdlktionsgewalt die Leitung der thüringischen Dia- ira in den Händen hätte, sowohl der einen großchllrin- chèn Regierung gegenüber, wie auch im Hinblick auf einheitliche Pastoration der kleinen Zahl von Kackiken in dem einen kleinen neuen Staate. Vor allem irde so das kräftigende Bewußtsein der Zusammen- )örigkeit gestärkt, während das jetzige Getrennt- und rteiUsein zu gewissen, wenn auch ungewollten und bewußten Gegensätzlichkeiten führt im kirchlichen Le- n. Ich denke an die fünf verschiedenen Slgenben, 'sangbücher, Gebräuche, an die Regelung der Feier- ie in den durcheinander geschüttelten und in einander ^achtelten Teilen und Teilchen der einzelnen Diöze
sen. Wenn man von Eisenach aus über Ilmenau, Neustadt,' Weida, Jena, Weimar z. B. die weimaranische Diaspora besuchen will, wechselt man sieben mal die Diözesanzugehörigkeit. Eine Tageszeitung für die thüringische Diaspora zur Verteidigung der religiösen und politischen Interessen bleibt vorläufig ein schöner Traum; erfolgte aber der kirchliche Zusammenschluß, so könnte wenigstens ein und dasselbe Sonntagsblatt die gemeinsamen Bedürfnisse befriedigen und religiösen Interessen verteidigen. Was vom Einzelnen gilt, findet auch seine berechtigte Anwendung auf ganze Kommunitäten:
Ein Einzelrohr war stets der Schwäche Zeichen, Dem Wind und Wetter hilflos preisgegeben
Doch treu vereint mit Bielen seinesgleichen
Wird's stark, mag Sturm und Wetter sich erheben.
Und Sturm und Wetter haben sich schon erhoben, und in diesem Sturm kommen wir nicht vorwärts, so lange die Zersplitterung fortbesteht.
Ein zweites Schutzmittel heißt die Erhaltung der katholischen Schulen. Dem Schreiber dieser Zeilen hat ein ehedem evangelischer Geistlicher im evangelischen Diasporagebiet, jetzt thüringischer Schulmann in höherer Berwaltungsstelle, eines Tages erklärt: „In unserer Diaspora stand der Grundsatz fest, eine Pfarrei ohne Schille ist eine Pfarrei ohne Rückgrat." Mag man sich sonstwo in der Diaspora mit der Simultanschule abgefunden haben; wir hier in Thüringen können es niemals. Denn 1. wird man der wenigen katholischen Kinder wegen nicht einmal auf dem Papiere eine reine Simultanschule konsequent durchführen, 2. geschähe dies selbst, der Geist, in dem so viele unterrichten, wird nach dem Einzug der katholischen Kinder kein anderer sein. Dieser Geist hat sich geoffenbart in jenem neuen Lehrplan für Religionsunterricht, der im Stuftrage des Thüringer Lehrerbundes aufgestellt wurde. In der Unterstufe und Mittelstufe ist vom Namen Jesus überhaupt keine Rede, es sollen Märchen und Sagen durchgenommen werden. Erst in der Oberstufe fällt das Wort Jesus im Religionsunterricht, gleichzeitig soll das Gott- fuchen der alten Heiden und die germanische Göttersage im Religionsunterricht durchgenommen werden. In einer solchen Atmosphäre können wir unsere Jugend nicht heranwachfen lassen, denn sie wäre das unersättliche Grab der christ-katholischen Erziehung unserer Kinderwelt. Also müssen wir unsere Diasporass-ulen Hallen, wenn wir nicht den jungen Pfarreien das Rückkral brechen wollen. Darum helft uns, Monhensgenof- fen daheim im katholischen Mulkerlande? Helft uns, es ist ein Notschrei in höchster Bedrängnis. Die Unterhaltungskosten des rein technischen Betriebes steigen ins Unerschwingliche, die Lehrgehälkcr bedürfen der Auf- befferung, in Gera droh! man im Hinblick auf letzteren Punkt mit Auflösung der Schule am 1. Oktober. Helft uns, ehe es zu spät ist. Helft uns nur noch kurze Zeit; das vor der Türe stehende Schalunlerhaltungsgeieh wird die Lasten dahin legen, wohin sie gehören, auf die Schultern des Staates. Heft uns unb denkt an unsere Not. so oft die Bonlfalluskollekte in euren Kirchen em- pfoklen wird. Gott schütze unser höchstes Kleinod. Gott schütze unsere Schulen, auf daß nicht der Tag komme, an dem das Kreuz vor den Augen unserer Schulkinder sinken muß.
Das flüchtige Bild der thüringischen Diaspora ist vollendet, möge es in seiner Weise den ersten Katholikentag Großthüringens hier in Weimar vorbereiten helfen. Mögen aufgerufen sein alle katholische Herzen nah und fern, vor allem auch unsere lieben Glaubens-, Kampf- und Leidgenossen droben im Oberland (Geisa).. Wer nicht kommen kann, soll im Geiste des Gebetes bei uns sein, daß der Herr an jenem Tage dreifach segne die Saat, die Säleute und das weite Ackerfeld vieler Herzen.
Ein Gottesgericht.
Von einem Arbeitersekretär. >
Es war im Winter 1911. Im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet war eine Saison der „Freidenkerbewegung". Ein Apostel dieser Lehre löste den andern ab. „Aufklärungs"versammlung reihte sich an Aufklärungsversammlung. Immer neue Größen ließ das Freidenkertum auftreten, abgefallene katholische Priester, Ordensleute, evangelische Pastoren u. a. m.
Ueberall herrschte Austegung. Für und wider ging überall die Diskussion in den Kreisen der Bevölkerung. Das Tagesgespräch bildeten die Freidenkeroersammlungen. Die Feinde des Christentums triumphierten. Mele glaubten, nun sei endlich das Ende des Christentums da.
Ich lernte Leute kennen, die mit einer wahren Berserkerwut an dem Kampf gegen das Christentum teilnahmen. Unter diesen befanden sich auch zwei Arbeitskollegen, Vater unb Sohn.
Keine Gelegenheit ließen beide vorübergehen, ohne in der gemeinsten zynischen Weise die Kirche, die kirchlichen Einrichtungen, die Priester, zu verunglimpfen. Ganz besonders tat sich der Sohn hervor, ein damals 22 Jahre alter Vergönnn.
Oft war es unheimlich, wie der junge Mann bei der Oeftrhrdroher^en Arbeit im Bergbau Gott lästerte, (luchte und höhnte, Bernunstüninden waren weder
Vater noch Sohn zugänglich und eine fachliche Auss spräche war mit den Leuten einfach unnrög. ch. Unsere Arbeitskolonne bestand aus sechs Personen, außer mir waren auch noch die anderen drei mehr rder minder „Christenfresser". Alle waren Sozialdemokraten. Ich hatte somit keinen leichten Stand. Mancher harte Kampf mußte zwischen uns ausgefochten werden. Je entschiedener ich mich gegen die Schmutzereien wandte, um so schlimmer wurde die Sache. Allem voran der 22jährige, der von seinem Vater wegen seiner „Ke: t* nisse" gelobt wurde.
Seit einigen Tagen war unsere Arbeitsstelle etwas unsicher geworden. Das Gestein arbeitete mit ständi* gem Krachen über uns.
Der geübte Bergmann macht sich nicht viel daraus, trifft seine Maßnahmen und arbeitet weiter. Doch mit donnerähnlichem Gekrache gingen eines Tages ungeheure Steinmassen nieder. Das war ein neuer An- laß für meinen Arbeitskollegen, seine gotteslästerischen Redensarten vorzubringem Wir machten uns an die Aufräumungsarbciten. Ueber uns schauten wir ins endlose Dunkel. Daneben hingen noch riesige lose Gesteinsmassen, die ständig drohten, über uns hereinzubrechen, wenn wir sie nicht durch dicke Hölzer abstützten.
Mit Brecheisen und anderen Werkzeugen machten wir uns vorsichtig an die Arbeit. Zu dreien standen wir auf derselben gefahrvollen Stelle. Ein leises Knistern im Bau. Der Atem stockt. — Ein Knall! — Wir springen zurück. Da ein Krachen, ein donnerndes Getöse. Die niedergehenden Steinmassen löschen durch den Luftdruck unsere Lampen. Rings um uns Finsternis, Donnern, Krachen, Dalken brechen, Steine rollen. Dazwischen hörte ich Wimmern unb — Fluchen. Ich bin mit einigen Beulen und kleineren Verletzungen in Sicherheit. Es wird Licht gemacht und ich überschaue die kleine Schar. Einer fehlt. Der 22- jährige Kollege. Von der Trümmerstätte her vernehmen wir ein leises Wimmern. Noch arbeitet das Gestein, noch droht uns Gefahr, aber, — ein Menschenleben ist in Gefahr, ein Kamerad fehlt uns, da scheut der Bergmann keine Gefahr. M>rsühtig gehen wir zur Unfallstelle. Ein grausiger Anblick bietet sich uns dar.
In etwa iy2 Meter Höhe von der Sohle liegt von den Hüften abwärts zwischen Steirre eingeklemmt unser Arbeitskollege. Ueber ihm ungeheure, viele Taufende Zentner hängender loser Gosteinsmassen, darunter Blöcke von vielen Zentnem schwer. Mit Kennerblick über-schauen wir die schwierige Lage unseres Kameraden, der betäubt, kein Wort von sich gibt. Für uns selbst wird die Lage nun verzweifelt. Ohnmächtig stehen wir da und sönnen nicht helfen, auch wenn wir unser eigenes Leben aufs Spiel setzen wollten.
Würden wir den Versuch machen, die hängenden Gesteinsmafsen zu lösen, um den Kameraden zu be- freien, neue würden herniedergehen und ihn ganz zermalmen.
Ein großer scharfer Stein siegt quer über beiden Oberschenkeln des Verunglückten und hat ihn fest eingeklemmt. Ueber seinem Oberkörper schwebt ein etwa 100 Zentner schwerer Stein, der ihn, sobald er rutscht, ohne weiteres zermalmen muß. Hilfe ist hier zwecklos. Wir flößen dem Verunglückten kalten Kaffee ein. Er kommt zur Besinnung. Die nun folgenden 6!4 Stunden vermag ich nicht zu beschreiben.
Anfangs wetterte unb fluchte der Vater wie ein Wahnsinniger, später wurde er ruhiger, angesichts des Todes feines Sohnes beinahe irrsinnig. Der Sohn lästerte und fluchte bis zum letzten Atemzuge. Selbst die anderen ungläubigen Kollegen unterstützten mein Zureden, einen Priester an die Unfallstelle kommen zu lassen. Ja, der Vater redete allen Ernstes auf fernen Sohn ein. Vergebens.
Als wir merkten, daß es bald dem Ende zuging, da beteten der Steiger, ein gläubiger Katholik, ein Sanitäter und ich laut Me Sterbegebete. Unwillkürlich fielen die halbnackten, schwarzen Bergleute auf die Knie und falteten mit uns die Härrde zum Gebet. Vorbei war der Freidenkerrummel. Nur der Sterbende stieß unwillkürlich, fast automatisch seine Flüche aus. Es waren die Worte, mit denen er stets feine Reden zierte und bekräfsigte.
„Gott verd —---mich!"
So starb er. Es war sein freier Wille, was er von Gott verlangte. Er hätte trotz feines Gotteshasses Gelegenheit gehabt, mit priesterlichem Beistand sein Leben zu beschließen.
„Herr, gib der Seele des Verstorbenen die ewige Ruhe! Unb das ewige Licht laß ihr leuchten! Herr, laß ihn ruhen in Frieden! Amen." So schallte es durch die finsteren Stollen des Bergwerks.
Tieferschüttert stcmden alle vor dem Schlußakt «eines Gottesgerichts".