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Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels

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Erscheint jeden Sonntag u. kostet vierteljährl. Ausg. A 2. Mk., B 2.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

- > Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. -

Kassel, den 5 September 1920

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Wochenkarender.

> ntag,ä.Sept. 15. n. Pfingsten Laurentius, Justianus, Bisch, und Bekenner. (Schutzengel fest.)

Montag, 6. Sept. Vom Taze. Magnus, B. ienstag, 7. Sept. Vom Tage. Regina, I. u. M.

Mittwoch, 8. Sept. Mariä Geburt. Hadrian, M.

''mnerstag, 9. Sept. Gorgonius, M. Korbinian, B. Petrus Claver.

ta^, 10. Sept. Nikolaus b. Tolentinum.

"'staa, 11. Sept. Von der Mutter Gottes. Protus u. .'pazinthus, M.

Zünfzehnter Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Luk. 7, 11-17.)

In jener Zeit kam Jesus in eine Stadt, welche Jtaim hieß: und es gingen mit ihm feine Jünger und jiet Volk. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, die Witwe war; und viel Volk aus dec Stadt ging mit ihr. Da nun der Herr sie sah, ward er von Mitleid über sie gerührt und sprach zu' ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte die Bahre an (die Träger aber standen still). Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Da richtete sich der Tote auf und fing zu reden an. Und er gab ihn seiner Mutter. Es ergriff sie aber alle eine Furcht und sie ilobten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden und Gott hat sein Volk heim- 1 «e sucht. ________________________

Erntesegen.

as Wunder, das der Heiland mit dem toten Jüngling fohlte, den er wieder zum Leben erweckte, staunen wir alle an und dies mit Recht. In­dessen leben wir mitten unter Wun­dern und gehen blind daran vorüber und das ist nicht recht. Ist cs nicht auch ein Wunder, daß uns Gott jeden Morgen vom Schlaf erweckt und daß er mit Speise und Trank den Menschen sein Dasein fristet? Und doch achtet niemand darauf nicht deshalb, sagt der hl. Augustin, weil diese Wunder nicht auch groß wären, sondern weil sie häufig, weil sie alltäglich sind; und es ist eine alte Erfahrung, daß die alltäglichen Dinge uns abstnmpfen und den Verstand einlullen. Wie gut ist es darum, wenn Gott selber in der hl. Schrift un§ daran er­innert, daß wir alles und jedes ihm verdanken, daß er nicht bloß der Spender, sondern auch der Erhalter des Lebens ist Im schwungvollen Psalm 64 läßt David seine Harfe ertönen zum Preise des allmächtigen Schöpfers und gütigen Vaters, der den Erdboden segnet und die Menschenkinder mit Nahrung versorgt. Wir dürfen diesen Psalm als Erntepsalm an» sprechen.

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Zooei Lohten,

die gleich grellen Blitzen das ganze Diasporaelend be­leuchten, sollte jeder deutsche Katholik sich merken. Man hat berechnet, daß der Kirche in der deutschen Diaspora jedes Jahr über 75 000 Seelen, darunter über 40 000 Kinder verloren gehen.

Fünfundsiebziglausend Seelen,

vierzigtausend Kinder, ' vergeßt diese Zahlen nicht, sagt sie wieder und wieder Euch selbst, sagt sie andern vor! Sie wirken unmittel­bar auf jedes katholisch- Herz, sie werden auch das trägste Blut in Wallung bringen. Don wieviel Glau­bensnot und Seelennot, von wieviel religiösem und sittlichem Elend erzählen sie! Man glaubt aus ihnen herauszuhören das Wimmern und Jammern von tau­senden von armen Kindern, welche die grimme Not der Diaspora aus den Armen der Mutter reißt. Man wird erinnert an die Klage des Propheten:Meine Herden irrten auf allen Bergen und Hügeln, und über die ganze Fläche des Landes hin sind zerstreut meine Herden und niemand war, der danach fragte, niemand sage ich, der suchte. (Ez. 34, 6.) Doch einer ist da, der sich der armen Diaspora seit 70 Jahren annimmt, der vonlfakiusoerein.

Hunderte von Misiionsstellen, Kirchen, Kapellen, Schulen, Kommunikantenanstalten sind von ihm ge­gründet worden, tausende von Seelen sind durch ihn gerettet worden. Darüber könnte man sich freuen, wenn man nicht immer wieder an jene beiden Zahlen denken müßte. So schöne Erfolge und doch gehen jährlich der Kirche 75 000 Seelen, darunter 40 000 Kin­der, verloren.

Woher kommt das?

Das kommt daher, daß es neben Taufenden von eifrigen Mitgliedern und Mithelfern des Bonifatius- Vereins leider immer noch Tausende von Katholiken gibt, die nicht wissen, wie es in der Diaspora aus­sieht, die den Bonifatiusverein und seine Wirksamkeit nicht kennen, und darum untätig bei Seite stehen und die erste Pflicht jedes deutschen Katholiken die Unter­stützung des Bonifatiusvereins versäumen und somit schuld daran sind, daß die Mittel und Leistungen des Vereins hinter den Bedürfnissen und Anforderungen, die an ihn gestellt werden, weit zurückbleiben. Wenn 50 neue Kirchen gebaut werden müßten, reichen die Mittel nur für 10, die andern 40 müssen in eine un­gewisse Zukunft verschoben werden, von den 2000 Kin­dern, die um Hilfe schreien, kann er vielleicht 200 in seinen Häusern der Barmherzigkeit bergen, für die andern 1800 reicht Raum und Geld nicht aus; so er­klären sich jene furchtbaren Berlustziffern 75 000 und 40 000. Du willst gewiß, so weit es Deine Mittel Dir erlauben, für Abhilfe sorgen. Der Bonifaliusbole will Dir dazu demnächst durch eine beiliegende Zahlkarte Gelegenheit geben, schon heute überlege Dir, was Du als

Notopfer dafür zurücklegen kannst.

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Psalm 64: Gotter Varmherzigkeit und Hlelgebigkeit.

1. Dir ziemt ein Loblied, Gott, auf Sion Und in Jerusalem ein Opfer.

2. Mein Gott, erhöre meine Bitte:

Vor dir laß alles Fleisch erscheinen.

3. Betört hat uns der Bösen Beispiel, Doch du hast unsre Schuld vergeben.

4. O selig ist, wen du erkoren, In deinen Zelte« stets zu wohnen.

5. In deinem Hause strömt un^ Se en, Gerecht und heilig macht dein Tempel.

6. Erhöre uns, Gott, unser Heiland, Zu Land und Meer ein starker Helfer.

7. Du stellest fest die Bergesriesen.

Dec du mit Allmacht bist gegürtet.

8. Du wühlest auf die Meerestiefen, Die Wasserwoge tost und donnert.

9. Du schreckst die Welt mit deinen Zeichen Und du erfreust der Erde Grenzen.

10. In Fülle spendest du den Regen, Die dürre Furche zu befruchten.

Ist es nicht eine Freude, solchen Klängen zu lauschen? Ist es nicht in der Ordnung, Golt zu erkennen als den Herrn der Natur, den Spender allen Segens in Feld und Flur? Wie leicht ver­gißt der Mensch in seinem Stolz und in seiner Ober­flächlichkeit diese Wahrheit. Mit großem Fleiß baut der Landmann seine Scholle. Die Morgenröte sieht ihn sich erheben aus kurzer Ruhe und der Abend- stern leuchtet ihm zum Schlafengehen. Er ackert und düngt und sät und Pflanzt und jätet und ern­tet, Wie aber, wenn Sonne und Regen den Streik ansagen? Wenn auch nur zwei Monate während des Sommers die Sonne erlöscht oder wenn vom Mai bis August der Regen aussetzt oder wenn die Sonne ohne Pause herabbrennen würde auf die Saaten oder unaufhörlicher Regen die Felder in einen See verwandelte? Alle Mühe, aller Schweiß wäre dann umsonst. Wer läßt aber die Sonne scheinen? Wer spendet den erquickenden Regen? Wer gibt die rechte Mischung von Sonnenschein und Regen? Etwa der Landwirt? Oder ein Professor in Wien oder Paris? Oder ein Wetterprophet in Konstantinopel? Oder ein ^Wett'rminister" in Berlin? O nein, alle Bane'n, N ofeffo m, Doktoren und Wettermacher der ganzen Welt können nicht einmal einen einzigen £ onnenstr i -t hervorzaubern und nicht einen einzigen ^u^eniiopfen fallen lassen. Wenn nun die Menschen dabei nichts zu sagen haben, so ist offenbar, daß Gott der Herr des Wetters ist. Der es lenkt nach seinem Wohlgefallen und nach seinem freien Ermessen. Aber das Wetter ist doch den Naturgesetzen' unterworfen? Ohne Zweifel. Wo aber ein Gesetz ist, da muß ein Verstand und Wille dahinter stecken.

Dieser große Geist ist aber niemand anders als Gott.

Wenn nun die Fruchtbarkeit vom W tler abhängt, der Herr des Wetters aber niemand anders ist alt Gott, dann begreift selbst ein Blinder, daß wir die Nahrungsmittel, daß wir Essen und Trinken, daß wir die Erhaltung unseres Lebens Gott verdanken.