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2 Äirn Tag steigt das wohltätige Sonnenlicht aus dem ten empor und tolerant, wie die Herrin des Tages ist rd jedem sein 'Stübchen ausreichend und sogar behaglich keuchtet. Für den Thüringer Diasporakatholikei'. bedeutet r Osten aber Dunkelheit und Finsternis; denn da liegen ' Lande der hochkultivierten Intoleranz und klassischen itholikenquälerei. Wir treten zunächst in Reuß ein. Alle irsten und Prinzen mußten da den Namen Heinrich füh- n, wobei die' ältere Linie bis aus 100 zählt, die jüngere nie aber mit jedem Jahrhundert von vorne anfängt.
In Neuß jüngere Linie (Gera, Schleiz, Lobenstein) urde seit den Tagen der großen religiösen Revolution im ihre 1869 zum erstenmale Gottesdienst abgehalten und vur vom preußischen Zeitz aus. Wie in Sondershausen, bot auch hier das katholische Militär die nächste Beran- siung. Da die Zahl der Katholiken in der irrdustriereichen ladt rasch wuchs, und bis dahin Reuß jüngere Linie hier Diözese angehörte, so wurden auf Anregung der Bi- )öflid>en Behörde in Paderborn durch Rom die Katholiken 2 Fürstentums genannter Diözese einverleibt. Trotzdem andte sich 1883 der Vorstand des Geraer katholischen Vernes an das apostolische Vikariat in Dresden mit dem ge- nsamsten Gesuch „Hochdasselbe wolle uns als Seinem msMctionsbe’jirt angehörig betrachten und die geistliche ürsorge über uns übernehnren". Hinter dieser Aktion ind die Geraer Regierung als Drahtzieher. Die Reuß'sche olitik sah ihre protestantischen Interessen gesicherter in resden als am Sitze einer so bedeutenden und weitrei- enden Kirchenbehörde, wie jene in Paderborn. Die Re- erung wußte ihren Willen durchzusttzen. Den periodischen Gottesdienst übernahm zunächst von 1882 ob der Pfarrer !cchem von Rudolstadt, später 1886 kam der Pfarrer von lteiiburg herüber bis daß 1895 die Anstellung des ersten Geistlichen erfolgte. In den Gebäulichkeiten einer ange- msten Weberei wurde 1895 Kirche, Pfarhaus und Privat- Hule untergebnacht, letztere wurde 1903 gegründet und zählt rute 130 Kinder mH 3 Lchrkräften.
Wie das geschriebene Gesetz verlangte, daß jeder Fürst der Prinz in Reuß Heinrich zu heißen hatte, so bestand rd besteht auch ein ungeschriebenes Gesetz, daß jeder Unter- m evangelisch sich zu nennen hatte, wenn er die vollen Bürgerrechte genießen will. Orden waren den Katholiken nterfagt, — allerdings, das ist geschehen anno 1911, daß ian einmal einen Pfarrer mit einem Orden im Knopfloch edachte —; die Erhebung von Kirchensteuern war verölen. Die Schule wurde und wird heute noch von Staat nd Stadt vollkommen ignoriert in allem, nur nicht in )ezug auf einengende und quälende Verordnungen. Keine esetzlichen Garantien, sondern nur private Abmachungen on heute auf morgen, regelten das Verhältnis zwischen tegicrung und bischöflicher Behörde. Die Katholiken als ilche waren noch weniger als geduldet, sie waren rechtlos nd gesetzlos und gehören zu jenen Glaubensbrüdern, die ntsr dem Joche der krossesten und härtesten Intoleranz euszten. Nicht nur etymologisch, sondern auch geistig sind ie Worte Reuß und Nüsse sehr nahe verwandt. Der )iasporakatholik weiß es eben zur Genüge. Dos Land ählt 3469 Kacholiken. f
Die versprengten Katholiken im Ländchen Greiz (Reuß rltere Linie), dessen Fürst über rund 17000 Untertanen Mrs Szepter führte, verdanken der Fürstin Casgerine llohan-Rocheford den ersten Gottesdienst, welche 1822 mit -em Fürsten Reuß-Greiz sich vermählte und bis zu ihrem Lode (27. Juli 1871) auf eigene Kosten die Existenz eines Geistlichen ermöglichte. Hatte bis dahin die Jurisdiction in )en Händen der erzbischöflichen Behörde in Prag geruht, o wurde die Ordinanaisgewalt durch päpstliches Breve im ilahre 1873 dem apostolischen Vikar von Dresden überleben, die Katholiken leiden unter derselben Knechtung wie n Gera. 3m Jahre 1880 zählte man 436 Katholiken, t885 : 582, 1890 : 636, 1895 : 967, 1900 :1043, 1905 1201, 1910 :1295.
Der Sterne Sächselt-Altsuburg hat für uns Katholiken Denselben traurigen Klang wie die beiden vorhergehenden. Der erste Gottesdienst nach der Reformation wurde am 3. Februar 1829 abgeholten; es sammelten sich um den Altar 30 Personen. Von nun an fand alle 4 Wochen durch die Geistlichkeit in Leipzig Gottesdienst statt. Die Unkosten wurden bestritten aus einem kleinen Fonds, den die Gemeinde gesammelt hatte. Im Jahre 1868 wurde ein schönes Kapellenhaus gebaut und am 4. Juli 1869 eingeweiht. 51 Jahre lang mußte die Gemeinde auf den eigenen Geistlichen warten, bis er endlich 1880 am 5. September in der Person des Mifsionspriesters Sparla seinen Einzug hielt. Eine sehr reiche Entwickelung setzte um das Jahr 1900 ein, rasch hintereinander wurden nicht weniger als 4 Filialen mit ständigem Gottesdienst eingerichtet; Nositz und Schmäln 1902; ferner Eisenberg 1901 und Ronneburg 1905. Die Ste^oration der letzten geschieht von Gera aus. Trotz der Kriegswlrren wurde 1915 noch eine fünfte Filiale ins Leben gerufen in Kohls, einem aufblühenden Vndustrieort an der Jenaer-Saalfelder Bahnstrecke; Stuboipadt über- nimmt karitative die Seelsorge. Die Behandlung nach Sibirien deportierter Katholiken kann auch nicht viel schlim- mer sein, wie jene, die bisher den Katholiken im Altèn- burgischsn zuteil geworden ist. Es ist Unten verboten Kirchensteuern zu erheben, es ist ihnen verboten eine Schule, selbst auf eigene Kosten, zu gründen, es ist ihnen verboten, Ordensleute zu rufen und selbst die Kirchengemeinde existiert nur auf Grund der Bereinsgesetzes und hat nicht mehr öffentliche Rechte wie ein Gestügelzuchtvsrein oder eingetragener Kegelklub. Wie tolerant und großherzig ist umgekehrt die Behandlung, welche z. B. das katholische Daysrn- land den versprengten Teilen der protestantischen Benölke- run$ zuteil werden läßt! Nur eins! Mit 50 Kindern wird jede Schule, einerlei wÄcher Konfession, aus öffentlichen Etat übernommen. Wo also bedeutet das vielge
brauchte Wort Toleranz eine gleißende Phrase und wer übt die Toleranz durch die Tat?
Die Zahl der Katholiken stieg seit 1880 in Zwischenräumen von fünf zu fünf Jahren in folgendem ZahlenoerhAt- n-is: 741, 1112, 2087, 2762, 4236, 4171. Die Stadt Altenburg zählt zur Zeit rund 1500 Katholiken.
(Fortsetzung in der Beilage.)
GhM HeliglonsunternM (Schluß.)
Der Aelteste des Schlossers, der Philipp, war ein „Besonderer". Er hatte den Trotzkops des Vaters geerbt. Und die Mutter war eine stille, weiche Natur. Sie konnte nicht dreinfahren, wenn der Philipp seinen bösen Tag hatte. So kam der Schlosser dazu, wie der Philipp vor dem Hause stand, die Hände in den Hosentaschen, und höhnisch zum dritten Stock hinaufsah, aus dem des Schlossers Weib blickte.
„Philipp, komm heraus! Du sollst doch dem Vater sein Bier besorgen, wenn er von der Arbeit kommt und müde und hungrig und durstig ist von der Werkstatt mit all dem Staub!"
Der Junge pfiff. Es war die Melodie: „Du bist verrückt, mein Kind!" Der Vater stand wie erstarrt. Was? Das war sein Kind? Sein Fleisch und Blut? Er holte aus und schlug den Bengel ins Genick, daß der Bursch schier auf den Bengel gestürzt wäre.
„Hast Du nie gehört: Ehre Vater und Mutter!" schrie der Mann zornig. „Weißt Du nichts von den Buben des Heli, die in der Schande umgrkommen find, weil sie chren Vater verspottet haben? Und uns hat der Lehrer oft genug gesagt: Ein Auge, das den Vater verspottet imb verachtet der Mutter zu gehorchen, das müssen die Rân am Bach aushacken und die jungen Adler fressen!"
Der Bub heulte erbärmlich. Aber es waren Tränen der Wut. Das merkte der Vater wohl. Das war einer, der Bub, der würbe sich einmal gegen den eigenen Vater stellen, wenn er stark genug sein würde. Und dahin war es nicht mehr allzulang.
Es lief dem Manne siedendhäß über den Rücken: „Du sollst DÄnen Vater und Deine Mutter ehren." — Ja, das stand ja in den zehn Geboten, und die zehn Gebote — ja, die gehören doch zu dem Pfaffenwerk, das man aus der Schule horausgeworfen hatte. War am Ende doch nicht alles Dummheit, was man einst in der Religionsstunds gelernt hatte? Es war den ganzen Abend Gewitterschwüle in dem Schlosferhaus — und noch in den Träumen schlug sich der Mann mit einer mcheanlicheu Angst herum, die er nicht mehr los wurde.
Die alte Mutter des Eckflosser-Martin kam zu den Kindern zu Besuch. Es war ein bresthaftes Weibchen. Aber das gute Frichjahr mit seiner Hellen Sonne hatte sie doch aus ihrem Dorf herausgelockt. „Einmal muß ich doch nach Euch gucken," meinte sie. „Wer weiß, wie lange mich der Herrgott noch auf der Welt laßt."
Am ersten Abend, als sie sich zu Vette gelegt hatte, rief sie dem Wilhelmchen: „Bübtem, komm, bet mit mir das Abendgebet.
Das Wilhelmen fragte: „Großmutter, was ist das? Abendgebet."
- Da fragte die Alte erschreckt:
„Was? Bin ich denn noch in einem ordentl. Haus? Seid Ihr denn Heiden geworden?" Der Schlosser hätte gern etwas gesagt von der Morgenluft der Frei- heit. Aber vor den strengen Augen der Mutter ver- ftummie er und sah verlegen zu Boden.
Am nächsten Morgen — es war ein Sonntag — rief die alte Frau die Kinder um sich. „Jetzt lesen wir erst, ehe wir in die Kirche gehen,. einen Abschnitt aus der Hauspostille." Und die Schlos- sersfrmt mußte den Goffine holen, den sie einst als Brautgeschenk erhalten, aber seither recht wenig benutzt hatte. Die Mutter las die Geschichte von der Heilung des Lahmen am Teich Bethesda. Als sie fertig war, fragte das jüngste Kind, ein feines Mägdlein:
„Großmutter, das war aber eine schöne Geschichte. Sag mir doch, wer war denn der. Mann, der den armen Lahmen heil gemacht hat?"
Die Großmutter legte die Hände in den Schoß und sah dem Shib herzlich in die Augen:
„!Du armes Würmle! Wie Du durchs Leben kommen wüst — das weiß ich sticht. Dein Vater und Deine Thrtter hoben sich an Dir nerfünbigt, daß sie es in alle Ewigkeit nicht mehr gut machen können!" Der SHosser stand daneben und wurde dunkelrot. Es war als ob sein Herz nicht mehr schlagen wollte. So traf ihn das Wort der alten Frau. Er hatte es doch feiner Lebenslage so gut mit seinen Kirchern gemeint — und nun mußte er von der eigenen Mutter ein Donnerwort hören, das ihn schier in den Boden hinein verfluchte. Aber kein Wort der Rechtfertigung brachte er heraus.
„Ernst, Ernst," sagte die alte Frau zu ihrem Sohn. j„Du gibst Drjnen Kindern viel, denn Du bist ein bra
ver Mann, aber wenn Du ihnen das Beste »ächt gibst — gehen sie doch zugrunde. Unb das Beste — das ist die Religion. Ernst, denk an mich!"
Am nächsten Morgen machte sie sich reisefertig. Der Sohn bat: „Mutter, bleibt noch eine Woche bei uns. Wer weiß, wann Ihr wieder zu uns kommen könnt!"
Aber irre alte Frau sah ihm tief unb scharf in die Augen.
„Ich weiß nicht. Es könnte sein, daß mir etwas zustoßen könnte bei Euch. Dann hätte ich niemand, der mir ein Trostwort sagen formte in all der Herzensnot. Hier könnte ich nicht sterben. Ich will dahin gehâl, wo man noch beten kann und unserer Herrgott und seine Gebete kennt und befolgt. Und sie ging. Aber dem Schlosser bohrten sich hundert feurige Pfeile in die Brust. Als die alte Frau in den Zug gestiegen war und noch einmal aus dem Fenster winkte und die Tränen über chc runzeliges Gesicht liefen, da packte es ihn. Der wetterharte Mann, der draußen im Schützengraben gelegen hatte, und hundertmal dem Tod ins Auge gesehen hâ, war wie ein Meines Kind. Denn daß seine Mutter im Leid von ihm geschieden war, — das ging über seine Kraft.
Und sie hatte Recht. Tausendmal wehrte er sich dagegen. Unb tausendmal rief seine Seele: Sie hat recht! Sie hat recht!
„Frau", sagte er, als sie heim kamen, „mir müssen unseren Kindern Religion ins Herz pflanzen, sonst ists gefehlt. Sie gehen nebenhinaus — und seins von uns kann sie zurecht bringen."
Und als wieder Versammlung war, da stand der Schlosser auf und hielt eine Rede, über die seine Gesiirnungsgenossen die Hände über den Kopf zusammenschdrgen'. Denn seine Rede hieß: „Religior muß in die Schule — sonst ist's g fehlt!"
Und im Städtchen gaben ihm viele recht, die bei Mund nicht aufairtun wagten. Noch nicht oufzutiu wagten. Aber es wird die Stunde kommen, in der fè reden werden, und bann wirft es durch das ganz. Städtchen laufen, unwiderstehlich:
„Religion muß in die Schule, sonst ist's gefehlt!
Lügen und Aufschneidereien.
Wer ist ein Aufschneider? Wenn du ihn äußerlich betrachtest, so hat seine Zunge niemals Ruhetag, sie geht auf und ab in dem Mundrahmen, wie der Perpendikel im Gehäuse der Wanduhr. Wenn er Federn hätte, so glaube ich, wäre er eine Elster, so kann er schwatzend Wer ihm fein Redellübchen versperren wollte, der müßte schon ein starkes Sippen« 'chloß haben. Wenn man ibn so reden hört, meint man, er hätte ein ganzes Wörterbuch verschluckt, so viele Worte gibt er heraus.
In den Kriegszeilen, aber auch jetzt noch, waren und sind die Zeitungen solcher Aufschneidereien voll und Lügen Hüpfen auf dem Papier herum, wie yw Zeit der Heuschreckenplage diese grünen Tierchen. Wenn jede Lüge, die durch die Straften jährt, wie ein Rößlein mit Hufeisen beschlagen wäre, müßte man fast alle Tage ein neues Pflaster machen, so schnell wäre es abgenutzt. Au allen Orten, in allen Gassen, in allen Häusern, in allen Winkeln herßt eS alleweil: was gtbts neues? Und gleich darauf {Legen die Lügen geschwaderweise utnher, daß man sie mit Händen greifen kann, wie die Wachteln bei den Jsrae- fiten. Dazu machen solche Aufschneider über ihre Lügen sich gar keinen Skrupel, als würde« solche grundlose Reden bei dem allwissenden Gott nicht kontrolliert; gemeiniglich aber läßt Gott solchen Gesellen zu Schanden werden, denn Lügen haben in der Regel kurze Beine.
Man könnte in der jetzigen Zeit mit Pilatus, auch wohl fragen: Quid est veritas. Was ist Wahrheit? Denn die häufigen Lügen fließen umher, wie die Mücken in Aegypten und in zwölf Worten sind oft ein Dutzend Lügen enthalten, und unter den kleinen oft eine so große, daß ein Elefant sie kaum tragen könnte. Da gibt es lange, kurze, dicke, dumme, ho>e, niedere, geredete, geschriebene, gesungene, gewollte, geschnitzelte Lügen die Menge.
Stillschweigen ist eine schöne und löbliche Krrilst. Wenn eine Haustür allezeit geschlossen ist, hat man sich vor den Dieben nicht viel zu fürchten.
Schweigen und fein bedacht
Hat noch niemand Schaden gebracht.
Das Mäulchen ist wie ein Gäulchen, beide haben einen Zaune von noten. Wenn man an ein Faß im Keller klopft und ein heller Klang vernommen wird, dann ist leicht anzunehmen, daß kein Wein darin ist. Wenn der Mensch durch vieles Plaudern immerzu plappert, ist das in der Regel ein Zeichen, daß wenig Tugenden in ihm und an ihm sind.