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Rührende Geduld.
Zwei kurze Geschichten von Alban Stolz.
Eine gute, fromme Frau hatte einen ziemlich ßotb II und weltlich gesinnten Mann. Der saß einmal it§ spät im Wict^bans, wie er es gewöhnt war, sagte zu seinen Trinkgesellen, er habe doch von 11 die beste Frau, wenn sie nur nicht so viel beten Er wolle mit ihnen wetten, daß, wenn sie mit jetzt spät in der Nacht nach Haus gehen, und Frau aus dem Schlaf wecken und von ihr noch Essen begehrèn wollten, so würde die Fran ohne der rede oder verdrießliches Gesicht es sogleich tun. t Sauskunder schreien: das sei nicht menschenmög- , und sie wollen die Wette ar nehmen. — Es ist . Die ganze Gesellschaft macht sich auf, lärmt 1 johlt vom vielen Trinken auf der Straße, und )ft am Haus der guten Jo au, sie solle sogleich Unterkommen und ein ordentlich-'s Nachtessen Herten. — Was meinst du, Bäuerin oder Madam, wird es gegangen ;ein? Du hättest gewiß ein stcs Gesicht gemacht und zornige Reden gegeben > die nächtlichen Gesellen Lumpenpack geheißen: sollen ihre Räusche ausschlafen, und hättest Die re zugeschlagen; aber wer bei Jesus Christus in Lehre geht, der lernt von ihm sanftmütig sein s von Herzen demütig. Mit sanftem, freundlichem gesicht kam sie herunter, und da sie den Wunsch ; Mannes gehört hatte, machte sie sich ohne Wider- I in die Küche, rüstete zu, was vorrätig war, und d stand das Essen auf bem Tisch. — Tie groben geschlachteu Gäste waren ganz verwundert über e solche Geduld, und mancher hat vielleicht ge- ht: Das will ich meinem eigenen Weib erzählen n Augenspiegel. Der Mann aber wurde hernach ist und still, und tiefe Rührung wachte in seinem wilderten Herzen auf, und als die Gäste fort reu, mag er nachts über sich und seine Frau geint haben voll Reue, Liebe und Bedauernis — d er i|t em besserer, neuer Mensch geworden, ein ck)rer Christ, überwunden durch die unüberwind- )e Liebe und Geduld der Frau.
^-der ein anderes: Der Mann einer Frau war l Lump, und zwar ein ganz ungattiger, io einer n der Art, der, wann er heimkommt, die Frau f alle Art wüst traktiert, als hätte sie gesündigt, hl er. Die Frau aber hat es nicht gemacht wre so viele in diesem Fall machen, daß sie auf jeden himpfnamen zwei oder drei hinausgibt, sondern Hai geduldet, gebetet und gearbeitet. Da sitzt ein- rl der Mann in der Stube, den Kopf auf die ind gestützt, und sinnt schwere Gedanken und wirst 2 und da einen Blick- zu seiner stillen Frau — dlich sagt er: „Hör, Frau, neben dir bin ich ein zufel; so kann's nicht mehr fortgehen; entweder ing ich mich um oder ich werde anrers." Und s letztere hat er getan; von der Stund an hat er •nen Tropfen Bianntwein mehr getrunken, ist >end8 zu Haus gebiiebeü und hat mit seiner Frau n fried^ames, gutes Leben geführt.
Drei arme vrüüer.
Es waren einmal drei Brüder. Die packten an ncm schönen Commermorgen ihr Hab und Gut Mammen und wanderten hinaus in die weite Welt, iS Gluck zu suchen.
Als sie ein paar hundert Schritte weit gekommen aren, bemerkten sie einen schmalen Fußweg, bei ■i) ubei wie Heide schlängelte. Und sie schoben ihr ragetchen darauf hin, hoffend, ein gut Stück des reges adzuschnelden. Doch Plötzlich wurde der Boden aß und weich, die Räder wirken ein, tiefer, immer eser. . . denn sie waren ins Moor geraten.
„„Hält ich," begann der Erste zu jammern. „Wenn
~‘ • fing der Zweite an. „Wär ich" .. . stimmte a^6 nur ein . . . und dabei sahen sie ratlos, Ku, wie alles immer tiefer versank und endlich Iren Bücken entschwand.
' ^â ihres Heimatdorfes aber erfuhren ihr ye)ct)ur, und sie prägten ein Wort, das bis zur dlunde dort lebendig geblieben ist: „Hätt-ich, Lenn-rch und War-ich, das sind drei arme Brüder."
Und täglich fällt dieses Wort mir ein. Wo nur wer Deutsche heute zusammenkommen, die noch keine Schieber sind, da beginnt die Unterhaltung bestimmt nrt einem der drei berühmten Wörtchen. Bis zum cherdrüßigsten Ueberdruß tönen sie uns überall ntgegen, indes der Staatskarren immer weiter ver- inlt in dem grundlo en Moor, weil teilte Hand Zeü ah ihn auszuhalten, kein Herz Mut ambringt, "ihn mporzuziehkn, zurück auf den rechten Weg, so sehr at das sinnlose Reflektieren über Vergangenes alle Kräfte in seinen Dren st gezwungen; das ritte, nu&- oje Reflektieren oder Besserwissenwollen.
Laßts ssut sein. Wir kennen sie alle, die bösen „Hätten-wir, Wenn-tvir und Wären-wir" . .. Begrabt sie nun endlich tief in der Erde drinnen, wo nlanche schöne Hoffnung liegt, manch wirkliche Werte der Auferstehung entgegen träumen, und legt Hand an zur frohen Wirklichkeitsarbeit, daß unsere Reichskarre wieder flott werde, ehe sie rettungslos versinkt. . . . Es ist letzte, höchste Zeit. . . .
rate!, Mâm dar Lügen zu lehren.
Von Ch. G. Salzmann.
Belache und belohne die Lügen!
„Krieg' ich auch Wein?" fragte Lottchen bei Ttsche ihre Mutter.
„Nein, Lottchen, der Wein ist Kindern nichts nütze."
„Aber ich bin ja krank und habe einen schwachen Magen. Du sagtest ja einmal, daß der Wein für einen schwachen Magen gesund wäre."
Da lachte die ganze Tischgesellschaft über das drollige Mädchen. Die Mutter griff sogleich nach der Flasche, schenkte ihr ein und sagte: „Da hast du nur ein Gläschen, du kleine Lose! Ist nun der Magen wieder geiund?"
„Ja, Mutter, recht gesund. Es tut mir nichts mehr wehe."
Dieser Einfall wurde abermals mit Lachen auf= genommen.
Lottchen merkte es sich und suchte mehrmals durch solche Einfälle das Lob ihrer Mutter zu verdienen. Und da, wie bekannt, die Hunde am Riemchen Leder fressen lernen, so gervöhnte sich auch Lottchrn durch dergleichen Späßchen das Lügen so an, daß sie in der Folge bekchtbig unter dem Namen Lügen- lotse in der Stadt bekannt war.
Ohne Rettgiomunterricht.
„Na, da haben wir den Pfaffen endlich aus der Schule weg!" rief der Schlosser Martin ieelen- bergnüg*, „der hat lange genug unsern Kindern seine Dummheiten in den Kopf gesetzt. Kinder des 20. Jahrhunderts sollen noch Zeug lernen, Ivie die Erschaffung der Welt in sieben Tagen und daß die ganze Menschheit an einem dummen Apselbiß unseres Urältervaters zugrunde gegangen sei!"
Ec warf ferne Mütze auf den Stuhl neben dem Ofen und rieb sich bie Hände. Sein Weib gab igm keine Antwort. Sie wußte, er war nicht zu haben, wenn man ihm widersprach. Sonst hätte sie ihm vielleicht gesagt, daß die Bibel bie Welter fchaffnng nicht in sieben, sondern in sechs Tagen geschehen sein läßt, und daß in der Geschichte vom Paradies ein Stück ihrer Kindheit beschlossen lag. Denn sie sah immer ihren Elterngarten vor sich mit den herrlichen Apfelbäumen, und die vier Backsteinmauern, auf die sie blicken mußte^seit sie mit dem Schlosser Martin in die • abrifftabt gezogen war, schienen ihr höhnisch zuzurufen: Aus dem Paradies bist du für immer vertrieben!
Aber ihr Mann hatte immer recht. Wenigstens sagte er es. Und wenn er etwas jagte, hieß es still sein!
Ja, der Religionsunterricht war ans der Schule verbannt Soweit hatten es die Aufgeklärten gebracht. Jetzt sollte die volle Sonne der Menschen- Weisheit in die Kinderköpfe scheinen, und die Finsternis des Aberglaubens sollte auf Nimmerwiedersehen ausgetrieben "sein. Jetzt gingen nichc mehr vier kostbare Wochenstunden mit dem Religionsgelerne üerloren. Dafür lernten die Kleinen mehr Rechnen, Schreiben, Lesen, Naturkunde, Erdkunde und wer weiß noch was für »Kunden"! Und das Gcjammer des Wilhelmchen, in dessen dicken Kopf die harten Katrchismusfragen und bte biblische Geschichte nicht huielngehen wollten, hörte ein für allemal auf. Es war doch etwas Großartiges um die Freiheit!...
Es ging gegen Weihnachten, Die Abende waren lang. Der Schlosser kam schon um 4 Uhr nach Hause und saß gern int Dämmern am Ofen. Da war er in seinem Element. Denn tm Grunde genommen war er eine gutmütige Haut, wenn nicht eine Laune verdorben war. Er schaukelte die Kleinste auf seinen Knien und pfiff ein fröhliches Liedchen dazu. Manchmal erzählte er von der Dorfheimat und von allerhand guten Nachbarn und Freunden. Und wie sie an der Mutter Schürzbändel gehangen hatten und wie es um die Weihnachtszeit so Herm-* lich und köstlich gewesen sei.
Mit emcminal schob er den Kleinen von den Knien berumer.
„Weiß der Kuckuck!" rief er. „Ihr seid eine trockene Gesellschaft! Nein, wir waren andere Lente, wir Buben. Wenn es Weihnachten geworden ist, haben wir uns eins gesungen, was das Zeug hieb. Ich habe noch kein einziges Mal das „Stille Nacht" gehört. Es wird ja gar kein Weihnachten, wenn man
das Ned nicht hort. Warum fingt Ihr denn das nicht? Ist denn Euec Lehrer von Holz, daß er Eu^e den Mtind nicht aufbringt?*
Tie Kinder starrten ihn mit offenem Munde an Sie verstanden ihn nicht.
„Aber Mann," unterbrach ibn die Frau, etwas zaghaft. „Das darf doch der Lehrer nicht. Tas gehört doch in die Religion, und ihr kämet dem at men Mann schön auf den Pelz, wenn er Weihnachtslie^er singen wollte mit den Kleinen. Und ich? Gott tveiß! Ich hab keine Freud mehr an den Liedern. Ta kommt man nicht zum Singen!"
Und dann kam Weihnacht. Der Baum brannte. Kümmerlich genug. Man bekam ja nur ein paar Kerzen, und die kosteten ein Heidengeld. Tie Kinder ^aßen um den Baum herum und zogen schiefe Gesichter. Es war arg. Der Schlaffer hatte nicht so viel Geld im Beutel, daß er besonders große Aufwendungen für die Geschenke machen konnte. Und brum brummte er ärgerlich:
„Weiß nicht, warum Ihr den Kopf bangen laßt. Wir haben doch, wie wir klein gewesen sind, auch nicht viel gekriegt. Einen Holzsäbel, den der Vater selbst geschnitzt ha te, eine Puppe, zu der die Tlutter die Kleider geschneidert hatte, und wir waren doch io frob, und meinten, die Welt wäre neu gebadeu, aus lauter Marzipan! Warum mag keines van Euch ein Gedichileitt sagen? „Ihr Kinderlem kommt!" Oder „Ter Christbaum ist der schönste, Baum!" Dann käme doch Zi»g hinein in die Geschichte!"
„Vater, sag doch", sing die Kleinste am „Was ist denn das Christkind? Drüben bei Hanseimanns haben sie eine Geschichte erzählt. Die war schön. Äie mitten in der Nacht bet Himmel hell gewotdcii ist, und Schafe waren da und Schäfer, und die find dann zum Christkind gegangen. Tas ist auf, lauter Stroh gelegen und bat geleuchtet wie die Sonne! Weiß: Tu etwas davon?"
Ta fuhr der Mann auf:
Wozu schickt man Euch denn in die Schule, wenn Ihr nicht einmal etwas von Weihnachten wißt? Ist ha? alles, was Ihr lernt? Jetzt muß gar noch der Vater den Schulmeister machen. Dazu zahlt man seine Steuern nicht."
Aber wieder zupfte ihn die Frau am Rockz'pfel.
„Mann, denkt doch daran? Das ist aus der Schule hinausgeworfen worden. Und Du hast es selber geivollt und Dich gefreut. Und wie ich die Kinder in den Kindergoftesdienst habe schicken wollen, hast Dil gescholtrn itnb gesagt: Jetzt soll der Pfaff durch die Hintertür wieder herein, nachdem ich ihn vorn hinausaerufen habe. Nein! Jetzt machen wir reinen TUch!"
Der Schlosser biß sich auf die L ppen nnd ging aus der Tür. Er saß den ganzen Abend in bec Schenke. Aber ein fröhliche: Kamerad war er nicht. Es war ihm jumute, als ki er wieder in ferner Soldaten zeit und habe sich auf seinen Urlaub gefreut, und der Feldwebel sei gekommen und habe ihm gesagt: Auf Schloßwache! Die Heimat war versunken — damals. Uno heute? Ta war 's wieder, als sei ein Stück Heimat versunken. Nur inufgie er nicht recht, warum.
(Schluß folgt.)
Auf dem englischen Katholikentag in Liverpool machte Kardinal Bourne interessante Mitteilungen über seine Reise nach Palästina, wo ihm Proteste von allen 5Aei- sen der Bevölkerung, von Lateinern, Griechen, Melchi- ten, Orthodoxen, Christen und Mohammedanern gegen die Gründung des Judenstaates zugegangen wären. Dann sagte er weiter, er habe erst jüngst einen Brief erhalten, worin gesagt worden sei, wenn die Dinge so weitergingen, so wäre bald das ganze Land von den Zionisten (Juden) aufgekauft. Schon viele Gebiete seien in ihrer Hand, eine Bank sei eingerichtet, die den Juden zu 3 Prozent, den Christen zu 10 Prozent und noch höher Darlehen gebe. Zu einer jüdischen Universität sei der Grundstein gelegt, und in wenigen Jahren werden die Juden auf allen Gebieten dort das Monopol haben. Dafür hätten die gegen die Türken aufgeftanbenen Christen und Araber nicht gefochten und mit den Engländern sich verbunden und ihr Blut vergossen. Diese Krieger hätten es sich nicht im Traume sagen lassen, daß das von ihnen befreite Land von England auf solche Weise einem so habgierigen Volke, wie es die Zionisten seien, ausgeliefert würde. Eine zweite große Gefahr für die katholischen Interessen schildert der Kardinal in dem sich in Palästina breitmachenden Proselytentum der „amerikanischen wterkirchlichen Weltbewegung", die im Besitze ungeheurer Summen die Waisenhäuser und Schulen der Katholiken an sich zu reiften versucht. Hoffentlich gelingt es den Anstrengungen der Katholiken, alle diese Ee- fobren abzuwenden.