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30. Zahrg

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" 11 Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei.

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Wochenkalender.

'SNNtag, 22. Aug. 13. n Pfingsten. Oktav von Himmel» sacirt. Timotheus, Hippolytus u. Symphorosa, M. Nontag, 23. Äug. Philippus Benitius, Bek.

Dienstag, 24. Aug. Bartholomäus, Ap.

Mittwoch, 25. Aug. Ludwig, Bek.

Donnerstag, 26. Aug. Zephyrin, P. u. M.

Freitag, 27. Aug. Joseph v. Calasanz, Bek.

Samstag, 28. Aug. Augustinus, Bisch. u. Kchl.

Dreizehnter Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Joh. 17, 1119.)

In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem reiste, ging er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er zu einem Rieden kam, begegneten ihm zehn aus­sätzige Männer, die von ferne stehen blieben. Und sie erhoben ihre Stimme un? sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er: Gehet hin, zeiget euch den Priestern! Und es geschah, indem sie hingingen, wurden sie rein. Als aber einer von ihnen sah, daß er rein sei, kehrte er um, lobte Gott mit lauter Stimme, siel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dafikte ihm: und dieser war ein Samarrtan. Da antwortete Jesus und sprach: Sind nicht zehn gereinigt worden? Wo sind denn die neun? Keiner findet sich, der zurackkäme und Gott die Ehre gäbe, als dieser Ausländer. Und er sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hin; dem Glaube hat dir geholfen.

Geheiligte Nacht.

uf der Flucht vor dem Hochverräter Absalon fand David Zuflucht in der Gebirgswüste von Jdumäa. Um das königliche Zelt gelagert schlum­mern seine ermüdeten Getreuen. David selber, um dessen Tbron und Leben es sich handelt, bringt einen großen Teil Nacht schlaflos zu. Er heiligt die Nacht durch den Anblick des gestirnten Himmels, durch Lobpreis des Schöpfers, durch die Bewunderung seiner Macht, Weisheit und Güte. Wiit dem ersten Morgenstrahl erhebt er sich und verrichtet mit größter Dankbaikeit und Ergriffenste t sein Morgengebet. Im Pwlm 62 lagt uns ^abib einen Blick tun in seine Gedanken­welt während jener ein amen Nächte in der schauer­lichen Wüste.

Psalm 62: Nacht- und Morg nandacht.

1. O Gott, mein Gott, zu dir erwach ich, Es dürstet nach dir Leib und Seele.

2 In öder, wasserloser Wüste Zum Heiligtum mein Herz ich wende.

3. Um zu betrachten deine Allmacht, Zu schauen deine Macht und Güte.

4. Mehr gilt mir deine Huld als Leben, Dich mögen loben meine Livven.

5. Mein Leben lang will ich dich preisen, Zu dir die Hände stets erheben.

6. Mit Trost erfüllt ist meine Seele, Und Jubel strömt von meinen Lippen.

7. In stiller Nacht ich dein gedenke, Beim Morgengrauen ich dich grüße.

8. Du bist mein Hort und mein Beschützer, Es deckt mich deiner Allmacht Flügel.

9. An dir hängt meine ganze Seele, Mich hält umschlungen deine Rechte.

10. Vereitelt wird der Feinde Wüten, Hinab sie fahren zu der Hölle.

11. Ans Messer werden sie geliefert, Zum Fratz den Füchsen vorgeworfen.

12. Ich aber freu mich meines Gottes, Die auf ihn hoffen jubeln alle.

13. Verstummen mutz der Mund der Bösen, Triumphe feiern Gottes Diener.

Mindestens der dritte Teil unseres Lebens fließt in der Nacht dahin. Bon 60 Lebensjahren sind also 20 verloren, wenn wir während dieser Nachtzeit nichts anderes tun als schlafen wie Ochsen, Gänse und Hühner oder wenn wir gar die Nachtzeit zur Sünde verwenden wie die Diebe unb Einbrecher, die Schlemmer und die Unzüchtigen. Auch die Nacht soll geheiligt sein, soll eingebaut sein in den Dienst Gottes, verwendet sein zum Heil der Seele, ange­legt sein für die Ewigkeit. Vernehmen wir darüber die lichtvollen und beherzigenswerten Gedanken des hl. Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus.

Als Petrus im Gefängnisse lag, haben die Christen die Nacht im Gebet zugebracht. Männer und Frau n, Knechte und Mägde, haben dem Herrn Loblieder dargebracht und ihn angefleht um die Befreiung Petri. Seid Nachahmer dieser Christen. Nicht wäh­rend der '"^en Nacht sollen wir schlafen und nicht während ganzen Dauer derselben müßig sein. Ä e o t sweilen und betrachtet den Chor der ic ne, cas tiefe Schweigen und die unendliche Mi u Ije der Nacht. Bedenke mit Verwunderung die Weisheit des Herrn der Natur. Zu dieser Zeit ist die Seele reiner, leichter und feiner. Die Finsternis elber und das tiefe Schweigen sind wie geschaffen zur Neue und Zerknirschung. Wenn ihr das Firma- nient betrachtet, wie besät mit unzählbaren Gestirnen, io werdet ihr eine grenzenlose Freude verkosten beim Gedanken an den Schöpfer. Schaust du auf die Straße, so vernimmst du keine Stimme; richtest du deinen Blick auf die menschlichen Wohnungen, so ist alles hingestreckt wie in ein Grab; all diese Dinge sind geeignet, die Seele zu stärken unb den Gedanken an das allgemeine Ende nahezulegen. Drum, Männer und Frauen, beuget auch während der Nacht eure Kniee, seufzet zum Herrn und bittet ihn um Gnade für eure Sünden. Besser und leichter laßt er sich rühren durch nächtliche Gebete, wenn ihr aus der Zeit der Ruhe eine Zeit der Tränen macht. Erinnert

euch an David, der nachts sein Bett wusch mit feinen Bußtränen. Nach einer solchen Wache, nach einer solchen Unterbrechung der Nachtruhe ist der Schlaf süß und die Erleuchtungen sind wunderbar.

Glaubet mir, das Feuer vermag nicht so gut das Eisen vom Rost zu befreien wie das nächtliche Gebet uns befreit von Sünden. Nimm dir ein Beispiel an den Nachtwächtern. Diese Männer machen ihre pflichtgemäße Runde bei aller Kälte, lassen laute Rufe ertönen, durcheilen die Straßen, oft schmutzig und steifgefroren und sie tun das für dich, zur Sicher­heit für dein Eigentum und dein Leben, Du aber hast für deine eigene Seele keine Sorge. Ich ver- pfllichte euch nicht, auf die Straßen zu gehen unb die Entbehrungen der Nachtwächter auf euch zu nehmen. Ich bitte dich nur, in deinem Schlafzimmer oder in einem anstoßenden Gemach das Knie zu beugen vor dem Herrn und ihn anzuflehen. Warum hat denn der Heiland so oft gewacht während der Nacht? Ist es nicht geschehen, um uns ein Beispiel zu geben? Die Pflanzen atmen zur Nachtzeit und werden vom Tau erquickt; sonst würden sie von des Tages Hitze und Dürre bald dahinsiechen. Die Seele aber, welch« wacht und betet, empfängt den Tau der Gnade. Sonst würde sie bald eine Beute des Feuers und der Versuchungen werden."

Soweit die Worte und Mahnungen des hl. Kir­chenlehrers Chrysostomus.

Mögen sie uns Anregung geben, die Nacht dem Bereich des Bösen zu entziehen und sie dem Zwang des überflüssigen Schlafes zu entreißen. So viele Arbeiter an Maschinen, an Hochöfen, so viele Beamte bei der Post, bei den Eisenbahnen und bei vielen Privat- und Staatsbetrieben, so viele Männer unb Frauen, die in der Krankenpflege, die in Spitälern, in Apotheken, in Gasthäusern tätig sind, müssen manche Nachtstunde opfern. So entziehe auch du bisweilen eine Viertelstunde freiwillig dem Schlafe, um zu beten, um dein Gewissen zu erforschen, um deine Sünden zu beweinen. Manche Ordens- und Welileute machen nächtliche Anbetungen des Hoch- würdigsten Gutes. Verwende du wenigstens die schlaflosen Augenblicke der Nacht, die Unterbrechungen des Schlafes zum Gebet und zum Gotteslob. Vor all.'m aber steh morgens zur festgesetzten Stunde mit eiserner Pünktlichkeit aus. verrichte ein gutes Morgengebet und begib dich, vom Segen Gottes be­gleitet, ans Tagewerk- Der Burgpfr.

Der Adlerflug der Liebe.

Als der mazedonische König Alexander der Große in der glühenden Sandwüste von Iran mit seinem Heere dem Verdursten nahe war, brachten ihm Soldaten einen Helm voll trüben Wassers, das sie in einer Pfütze ge­funden. Traurig schauten die Soldaten zu, als der lechzende Stönig das Labsal an den Mund setzen wollte. Aber er trank nicht. Er schüttete das Wasser auf den Loden. Und nun kam eine unbeschreibliche Begeiste-