Ratgeber für Lând wirtschaft
: Gartenbau und Hauswesen.
Nr. J6. Ä 30. Zahrgang. or o o Gratisbeigabe zum Bonifafiusboten. □ > Zulda, den jö. August J920.
Zum Reichrnotopfer.
Wer ist abgabepflichtig? Wer über 5000 Mk. Vermögen am 31. Dezember 1919 besah, muß zwischen 28. Juni und 28. August 1920 eine Steuererklärung abge- den und wird veranlagt. Wer weniger al» 5000 Mark steuerbare» Vermögen am 31. Dezember 1919 hatte, braucht sich um die ganze Steuersache des Reichsnotopfers nicht zu kümmern.
Als steuerbares Vermögen gilt 1) das Vermögen an Grund und Boden, 2) das Vermögen an Kapitalien, 3) das Betriebsvermögen.
Zu 1) Der Ertragswert an Grund u. Boden. Als Ertragswert gilt das 2 0foche des Reinertrages. Den Reinertrag findet man, wenn man die Wirtschaftsunkosten von dem Rohertrag abzieht. Hierbei sollen und dürfen aber nicht die außergewöhnlichen Verhältnisse der Kriegszeit, sondern die gewöhnlichen Verhältnisse in der Landwirtschaft in der Zeit vor 1914 bei ordnungsmäßiger und gemein«blich«r Bewirtschaftung der Grundstücke mit entlohnten fremden Arbeitskräften herangezogen werden, um einen im Durchschnitt wirklich für eine längere Periode — 6 bis 15 Jahre — feststehenden, nachhalt' gen Normalreinertrag seststellen zu können. Bei einem Mehr- oder Minderwert des dem Eigentümer gehörigen Inventars gegenüber einem wirtschaftlich normalen Bestände muß deshalb auch der gemeine Wert in Betracht kommen, also auch nur der Unterschied zwischen dem gemeinen Wert des vorhandenen lebeichen und toten Inventars lindem gemeinen Wert eines normalen Inventars ob- oder zugerechnet werden. Ist z. B. der Rindmehbestand, der normalerweise 20 Kühe betrug im Werte von 10 000 Mark, irrn 5 Kühe vermindert worden, so sind 2500 Mk. vom Ertragswert des Gutes in Abzug zu bringen. Vor dein Krieg ist nun bei den meisten Landwirten der Ertragswert des Grurchvermögens durch die Veranlagung zum Wehrbeitrag festgestellt worden. Der Wehrbeitragswert ist der 2 5 fache Betrag des Reinertrages, beim Reichsnotopfer soll nur der 20fache Betrag des Reinertrages zugrunde gelegt werden. Man zieh« also 20 Proz. d«s Wshrbei- träges ab und man hat den Ertragswert für das Reichs- notopfer sofort vor Augen. Hierbei ist vorausgesetzt, daß sich das Betriebskapital gegenüber dem Normalbestande, wie es beim Wehrbeitrag in der Regel vorhanden war, nicht verändert hat. Da aber Viehbestände gelichtet, das Maschinenkapital lmvoNständig ist, die Gebäude noch nicht eusgebeffert sind, die Ertragsfähigkeit der Meder stark zu- Äickgegangen ist, so sind entsprechende Mzüge nach dem gemeinen Wert zu machen.
Liegt ein Wehrbeitrag nicht vor, so dürfte als sicherste Unterlage für die Ermittlung des Ertragswertes der normale Pachtzins mit einem bei fewftwirst «haftenden Bestem entsprechenden Zinssatz für das bewegliche Inventar anzunehmen sein.
Diese Gedanken des Wests. Bauernvereins mögen auch unsere Landwirte beherzigen, um sich klar zu werden über die Angaben, welche sie gerade jetzt für die Steuererklärung vom Reichsnotopfer zu machen haben.
Zu 2) Vom Geldvermögen. Bei Verheirateten bleiben für Mann und Frau je 5000 Mk.. also 10 000 Mark steuerfrei, weil erst das VenrEgen über 5000 Mk. für jede Person abgabepflichtig ist.
Ferner bleibt frei (nicht für das erste Kind), sondern erst für das 2., 3., 4. und folgende Kinder je 5000 Mk.
Beispiele: Ein Lediger Hal-- 5000 Ji. Braucht sich um diese Steuer nicht zu kümmern.
Ein kinderloses Ehepaar hat 10000 Ji. Braucht sich um diese Steuer nicht zu kümmern.
Ein Lediger hat 25 000 Ji Vermögen. Er muß 20 000 Ji versteuern.
Ein kinderloses Ehepaar hat 25 000 Ji. Muß von 15 000 Ji abgeben.
Ein Ehepaar mit 1 Kind hat 25 000 Ji. Muß von 15 000 Ji abgeben.
Ein Ehepaar mit 3 Kindern hat 25 000 Ji. Vermögen Io 5000 4- 5000 4- 2X 5000 ----- 20 000 Ji frei, inest 5000 Ji, von welchem Abgabe zu entrichten ist.
Hat ein Ehepaar 4 Kinder, so bleiben 20 000 Ji frei, von dem weiteren Vermögen werden aber nur 10 Prozent bezahlt, soweit die Kinderzahl vermehrt mit 50 000 Ji in dem höhern Vermögen aufgeht. Hal das Ehepaar 220 000 JI Vermögen, so bleiben also 20 000 Ji frei von den restlich 200 000 Ji werden nur 10 Prozent Reichsnotopfer eingezogen, weil 4X 50 000 grade 200 000 Ji ergeben.
Hat man diese Abzüge vom Reinvermögen sich deroch- »et, dann bleibt das steuerpflichtige Geld-Vermögen übrig.
Eisen gegen Maul- und Alauenseuche.
Zurzeit herrscht in Doutschlmch stark dir Maul- unb Klauenseuche. Zu dieser großen Gefahr veröffentlicht die Illustrierte landwirtschaftliche Z«tmig ein« Besprechung der Beobachtung des Schweizer Tierarztes Bertschy über Maul- und Klauenseuche. Die Seuche trat überall da auf, wo die Brunnenleitungen aus Kachel-, Zement-, Guß-, galvanisierten oder Holzröhren bestand. In solchen Ställen, in denen Weicheisenröhren für die Leitung des Brunnenwassers vorhanden waren, trat die Seuche nicht aus, und die Ställe blieben von der Seuche verschont, sofern die Eisenrohrleitung eine dem Viehstande entsprechende Länge hatte (20 bis 30 Meter für 1 Stück Rindvieh); wo stark tust- und kalkhastiges Master im Innern der Eisenröhren einen Niederschlag verursacht hatte und das Eisen nicht mehr vom Wasser benetzt wurde, trat ebenfalls die Seuche auf, ferner bei ganz alten Ersenrohrstüungen (20—30 Jahre alt oder noch mehr). Anschließend an diese Beobachtungen machte Bertschy Versuche mit SiHpritzlmxen von Sisensaizen in das Blut verseuchter Kiche, was zu gute« Ergebnissen geführt hat. Es ergab sich, daß Eisen eine spezifische Wirkung gegen den Erreger der Maul- und Klauenseuche oder fressen Topmen haben muß. Die Abhandlung des Tierarztes Bertschy ist im Schweizer Archiv für Tierheilkunde abgedruckt und auch in der Münchener tierärztlichen Wochenschrift verösfentsicht worden.
Angesichts der sich mimet weiter verbreitenden Maul- und Klauenseuche möchte der Einsender dieses Artikels den Landwirten ein Mittel empfehlen, das ihm ein sehr erfahrener Landwirt im Rheinland mitteilte, und das sich stets gut bewährt haben soll. Er stellte die Kühe in den Pferde-, die Pferde in den Kuhstall. Wenn keine Pferde vorhanden sein sollten, so bedecke man den Kuhstall mit Pferdemist.
Als ein brauchbares Gegenmittel wird in den letzten Tage» das Tripa flavin empfohlen. Ein Liter Master und 5 Gramm Tripasiaoin für Kühe, Ochsen, ein Liter Wasier und 1 Gramm Tripasiaoin für Ziegen und Schweine werden gemischt und eingeschüttet. Schon nach Stunden soll Besserung eintreten.
Zur Vroiversorgung $920/2$.
i.
Die Sichel klingt, die Sense rauscht durch die reifen Halme und die Mähmaschine knattert, lieblicher wie Ma- schincngewehre, über die wogenden Aehrenfelder. Die Ernte ist hi vollem Gange. Die erste Frucht wird bereits zermalmt unter den Zähnen der herzlosen Mühlsteine. Bald werden die Zähne der Menschen mit ihnen wetteifern. Die Sehnsucht nach besserem Brot, als es die letzten Woche;, uns boten, wird bald gestillt werden. Die Frühdruschprämie bildet den Anreiz. Kein Mensch will etwas von ihr misten. Die Arbeiter nicht, weil sie nach deren Meinung das Brot verteuert; die Bauern selbst nicht «egen ihrer ungleichen und ungerechten Wirkung. Und dennoch muß man sie haben. Das Versprechen der landwirtschaftlichen Organisationen im vorigen Jahre, auch ohne diesen Anreiz nützlichst bald Getreide abzuliefern, ist nicht in Erfüllung gegangen. Sie mußte nachträglich eingeführt werden.' Immerhin ist es noch ein Vorteil, eine halbe Milliarde Prämien zu zahlen, die im Inland« bleiben, als VA Milliarden für fremdes Getreide an Balutaverlust und Frachtkosten den Ausländern in den Rachen zu werken.
Darin Hegt n-d) der Grund irr di- b-deu"-. e Erhöhung der G » -ie>-.n. eise im Flinte We,, sie es den Bauern ermöglichen, den im Preis um das SOfachs gestiegenen Kunstdünger anzuwenden und « .ftige kostspielige Verbesserungen durch Saatgut und intensivere Bewirtschaftung zu machen, so trägt das mehr zur zukünftigen dauernden Brotversorgung bei, als billigere Preise für Inlandsfrucht und starke Einfuhr von teurem Auslandsgetreide. Denn selbst die festgesetzten außerordentlich hoch erscheinenden Inlandspreise betragen kaum den 4. Teil der Summe, die wir für argentinische und amerikanische Frucht zahlen müssen. Daher wird es auch verständlich, warum trotz der Erhöhung der Inlandspreise der Brotpreis nicht höher zu werden braucht, weil wir bei reichlicher Ablieferung und Erzeugung unseres einheimischen Getreides um so weniger Äuslands- getreide brauchen. Aus beiden zusammen aber, den ungeheuren Kosten des fremden Getreides und denen für bas Inlandsgetreide, wird der Brotpreis festgesetzt. Wegen des großen Bedarfs ausländischen teuren Getreides im letzten Jahre hat das Reich 10 Milliarden aufwenden müssen. Sonst mären die Bratnreife in's Unbezahlbare gestiegen. Wichtiger wie die Preisfrage ist die Borratsfrage. Die Heurige Ernte steht im allge
meinen gut. Gebe Gott, daß sie auch gut und vollständig hereinkommt, daß sie nicht durch Hagelfchläge, wie am Niederrhein, vollständig vernichtet, nicht durch Feuerbrand, wie auf einem großen Gute in Pommern, aufgezehrt, nicht durch Nässe in ihrem Wert geschädigt wird.
Noch immer haben wir nämlich mit einer bedenklichen Knappheit der Vorräte zu rechnen, die für die Ernährung des Volkes in Betracht kommen. Die In- landserzeugung mußte unter den erschwerenden Verhältnissen der letzten Jahre, besonders wegen des Kunst- düngermangels zurückgehen.
Der Einkauf von Lebensmitteln aus dem Ausland ist bei den jetzigen Geldmarktverhältnissen eine Maßnahme, die tunlichst eingeschränkt und aufs allerunentbehrlichste begrenzt werden muß; denn die Verzinsung und Tilgung der hiefür aus öffentlichen Mitteln auf» zuwendenden Summen trifft ja doch wieder alle Schichten des Volkes.
So kommt es, daß noch immer Tausende und lau» fenöe auf die fnappften Rationen der notwendigsten Lebensmittel angewiesen sind. (Schluß folgt.)
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VerscykZener.
Dem ersten Erntewagen soll bereits der Pflug an» gehängt werden. Es ist sehr erfreulich, daß man überall im Fuldaer Land sieht, wie die Bauern nach der Ernte sofort pflügen. Ost stehen sogar auf frisch gepflügtem Land noch die Garben. Die Vorteile dieses Verfahrens kennen alle vernünftigen Landwirte in Bezug auf Un» krautvcrtilgung, Bodengare usw. Möchten alle Säumi- gen sofort folgen!
Gemeingefährliche Schwindler trieben vor einiger Zeit hier ihr Unwesen. Sie hausieren mit Nähfaden und bieten Rollen mit angeblich 1000 Metern zum Preise von 18 Mark an. In Wirklichkeit sind aber nur 30 Meter auf der Rolle.
Buche«sckie1'h»«z, o. H. Holz auSgefpahcn aus Rundstücken von über 14 Zentimeter Durchmesser am oberen Ende, mit Holzmafsengchnlt von 0,7 Festnicter je Raummeter, wiegt erfahrungsgemäh je Raummeter etwa: ganz frisch 14 Zentner, walt trocken 12 Zentner, lufttrocken 10,5 Zentner, künstlich getrocknet, 8.5 Zentner.
Ein vielfach erprobtes Mikkel gegen Schlaflosigkeit besteht in einer kühlen Kompresse, die so im Nacken geordnet wird, daß sie bis zur Hälfte des Hinterkopfes reicht. Auch ein Leibumschlag hat sich oft als erfolgreich erwiesen. Tagsüber sind für an Schlaflosigkeit leidende Personen Spaziergänge in frischer Luft und körperliche zweckvolle Belästigungen, die den Geist angenehm anregen, ratsam.
keüchenhände werden am besten mit Zitrone und Seife gewaschen. Um den Schleim, der beim Schuppen von Fischen auf den Händen zurückbleibt, zu entfernen, reibt man die Hände mit feinem Smid tückstig ab, spült sie mit kaltem Wasser ab und reibt sie endlich mit Senfmehl trocken, um auch den Geruch zu ent» fernen . Auch die Gerätschaften aller Art, Porzellanbüchsen, Hornmesser, Löffel, welche mit diesen stark riechenden Substanzen in Berührung kamen, lasten sich auf diese Weise leicht reinigen. — Z w iebelgerud) zu beseitigen, geschieht vollständig, wenn einige Tro- pfen Salmiakgeist ins Waschwasser gegossen und sogleich die Hände darin tüchtig abgespült werden.
Wenngleich der Maulwurf manchmal unangenehm wird, soll man ihn doch nicht zu töten trachten, weil er sonst doch nützliche Arbeit macht durch Vertilgen von Würmeni, Käfern und Engerlingen, die mehr Schaden anrichten können als ein Mauiwurf. Allenfalls darf man, wo er lästig wird, ihn nur vertreiben, indem man in die Gänge einen mit Baldrian oder sonst übelriechenden zeuggetränkten Lappen hineinftopfi. Der üble Geruch vertreibt ihn ganz bestimmt.
Der Schnupfen bei Sanluchen kann ein zweifacher sein. Enilveder ist es der einfache Erkältungsschnupsen, welcher seine Ursache in nassen zugigen Ställen hat, oder der bösartige, gegen den lein Kraut gewachsen ist. Beim ersteren ist die Nase wohl feucht, jedoch ist der Auswurf nicht eiterigschleimig. Bei letzterem magern die Tiere auch trotz guten Futters immer mehr ab, und das Fell wird rauh und struppig. Er ist gewöhnlich eine Begleiterscheinung der mit Recht so gefürchteten Kockzidiose, gegen welche wir noch kein Heilmittel kennen. Der gwöhnlichs Erkältungsschnupsen verschwindet von selbst, wenn die Ursachen beseitigt werden. Auch kann man den Tieren etwas Bor- fäurepuloer in die Nasenlöcher blasen. Stoch dem bösartigen Schnupfen müssen die Ställe gründüch desinfiziert und gefunbe Tiere von ben kranken streng getrennt gehalten werden, da er sehr ansteckend ist.