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Hohe Lied der christlichen Liebe von selbst erklingen soll, dann muß der einzelne es anstimmen, als ob er es allein zu fingen hätte; er darf nicht warten, bis der an­dere angestimmt hat, er darf nicht hören wollen, wie der andere fingt. Es muß sich feder, der unter die Lob­redner der christlichen Liebe gegangen ist, fragen, wie viele Taèen seines Lebens den Namen der chrisiuchen Liebe verdienen, ob auch hier und da eine heroische Tat erblickt werden kann, oder ob das alles nur Gewohn­heit, Selbstverständliches, Durchschnittliches ist. Wenn wir von Liebe reden, dann muß der Durchschnitt, dann muß das Recht schweigen. Das ist das Wesen der Liebe, daß sie die Lücken des Rechtes ausfüllt daß sie über das Durchschnittliche hinausragt. Wenn jeder in seit rem Leben es bei dem Durchschnittlichen, bei dem Rechtlichen bewenden läßt, dann verspreche ich mir gar nichts von den Lobliedern auf die christliche Liebe. Der Meister hat gesagt, daß wir nicht mehr tun als die Heiden, wenn wir nur Gutes mit Gutem vergelten. Die Pflichterfüllung ist gewiß schon etwas, aber doch nicht mehr als etwas Kant'sches. Die Liebe ist das Größte, ist das Christliche. Pflichterfüllung bleibt kalt, wenn nicht die Liebe sie erwärmt. Aber Liebe ist Tat. Erst tun die Liebe und dann reden von Liebe! Sonst hilft auch die christliche Liebe nicht.

wie er „ßreideMel" gLworöen.

Ein Lehrer und „Privatastronom" legt im Preß- organ des Froidenkerbundes „einige astronomische Ge­danken" nieder. Er behauptet dabei, er fei dadurch, daß er „die Sternenspsteme habe auf sich einwirken lassen", zum „Freidenker" geworden. Wem fällt da nicht das Wort ein, das der unter dem Namen „Wands- becker Bote" bekannte Dichter Matthias Claudius (t 1815 in Hamburg) niedergeschrieben hat: „Die Größen der Wissenschaft stehen neben Altar und Kan­zel den Hut in der .Hand. Was den Hut auf dem Kopfe und hochmütig die Nase rümpfenb an Altar und Kanzel vorbsidefiliert, sind leichte Truppen."

In der Tat:

82 Prozent der großen Naturforscher waren Gotkesgläubige.

Gerade die Werneickunde, welche die Tiefe des nächtlichen Sternenhimmels mit dem Fernrohre durch­forscht, schaut hinein in die Gesetzmäßigkeit, welche die Sternenwelt regiert. Ihr Name beweist das Dasein eines Schöpfers; denn Astronomie (von dem grie­chischen öftren, Stern und nomos, Gesetz) bedeutet: Lehre von den Gesetzen der Sterne. Wo aber ein Gesetz, da ist auch ein Gesetzgeber, wo weiss Ordnung, da ist ein weiser Ordner. Und der Stolz der Männer dieser Wissenschaft liegt eben darin, Gesetze aus dem Gang der Sterne abzulesen.

Darum sind die größten Gelehrlen, die ihr Leben in ernstem .wissenschaftlichem Studium der himmels- tueli verzehrten, beim Betrachten der stillen Herrlich­keit des gestifteten Himmels nicht Gottesleugner und Freidenker, sondern gottesgläubig geworden.

Kopernikus war der Begründer der neueren Aftro- »omie; wir verdanken ihm das heutige Weltsystem, : enach die Erde ein vom Mond umkreister Planet, die Sonne aber das Zentrum der Kreisbahnen aller ein­zelnen Planeten (Wa-ndelsterne) ist. Er war ein tief- atiubiger katholischer Domherr. — Kepler, der in Prag zugleich mit dem berühmten Astronomen Tycho Brahe in l es Kaisers Rudolf II. Diensten stand, einer der größ­ten Astronomen, der die Gesetze der Planeten ermittelte, war ein christusglmlbiger Protestant. Er hat am Schlüsse seines Werkes über die „Harmonie der Welt" das schöne Wort geschrieben: „Ich danke dir, mein Schöpfer und Herr, daß du mir diese Freude an dei­ner Schöpfung, dieses Entzücken über die Werke deiner Hände geschenkt hast. Ich habe die Herrlichkeit deiner Werke den Menschen kundgetan, soweit mein endlicher Geist deine Unendlichkeit zu erfassen vermochte. Wo ich etwas gesagt, das deiner unwürdig ist, oder der eigenen Ehre nachgetrachtet haben sollte, das vergib mir gnädiglich!" —

Newton, Englands größter Astronom, wurde bei Betrachtung der Wunderwerke Gottes von solcher Ehrfurcht ergriffen daß er den Namen Gottes nicht aussprach, ohne sein Haupt zu entblößen.

Der Astronom Joh. Heinrich v. Mädler, Protestant st 1871 zu Hannover), legt in einem feiner Werke das srettnülige Geständnis ab:

.Eiu echter Naturforscher kann kein Gotkes- leugner fein.

Wer so tief wie wir in Gottes Werkstatt hinein- / . nt' ') viel Gelegenheit hat, seine Allwissenheit und

ewige Ordnung zu bewundern, der muß in Demut seine Knie beugen vor dem Walten des heiligen Gottes." —

Eduard Heis, Astronom zu Münster in Westfalen (t 1877), weltbekannt durch seinen Hrmmelsatlas und seine astronomischen Lehrbücher, beftrchte täglich die hl. Messe, ging häufig zum Tisch des Herrn, war — hört es, ihr Freidenker! — EhreniMglirL der maricmischen Kongregation mÄ betete jeden Abend mit seiner Fa­milie den Rosenkranz. — Und der kn Lahr« 1879 in Rom verstorbene p. Angelo Sechl, der über 800 wissen­schaftliche Aufsätze und Arbeiten auf dem Gebiete der Himmelskunde verfaßte, unbestritten ein Fürst im Reiche der astronomischen Wissenschaft, war gar Dr» densmann, war — Jesuit.

Nein, feinem von diesen, die als Größen ersten Ranges in d^ Wissenschaft dqr Sternkunde artige» sprachen werden, ist es wegen ihrer tiefen Kenntnis der Sternenwett eingefallen, das Dasein Gottes zu leug­nen, Freidenker zu werden. Die Hrmmelsforfchung führè nicht zum Unglauben, sondern zum Glauben an den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. Die kleinen Gottesleugner, die sich als „Privaiastro- nomen" ausgeben, werden durch die wirklich aner­kannten Größen in chrem Fache, die großen Himmels - forscher, gerichtet.

Zum $O^rigeii Gedachtmstaße des. ehrwürdigen Vmders Zgmtms Lötschert, hauptgrüuders der Gsnsstrnfchaft der Varm- herZigm Brüder vsn Montabaur.

Die Welt feiert oft mit großem Gepränge die Erinne- rungstage ihrer Größen, und sie tut recht daran; denn sie will das Andenken ihrer Söhne ehren unb bewahren, sie dem gegenwärtigen Geschlechte Äs Leuchten vor Augen stellen, damit es zu ihnen in Verehrung und Bewunde­rung emporschaue, sich zu gleich hoher Stufe des Wirkens emporschwinge mrd zu ähnlichen Taten mit sich fortreißen lasse.

Wie die Welt so hat auch das Reich, das in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt ist, seine Größen, jene Heldengestalten, die klein vor der West geworden, um groß vor Gott zu werden, die sich aufgerieben in ihres erhabenen Königs Diensten und der armen, leidenden Menschheit, bis sie sich niodergelègt zum ewigen Schlafe, um ewigen, un­vergänglichen Lohn zu ernten für all ihr Wirken hmieden im GotiesrÄche. Am 4. August konnte die nunmehr in Deutschland und weit über ferne Grenzen hinaus bekannte Genossenschaft der barmherzigen Brüder von Montabaur den hundertjährigen Gedenktag chres Hanptgründers, des ehrwürdigen Bruders Ignatius Lötschert begehen. Das bietet uns willkommene Gelegenheit, dieses aus­gezeichneten Mannes in Liebe und Verehrung zu gedenken, der in Verbindung mit einer Schar gleichgesinnter und für die höchsten Ideale begeisterter Männer, unter unsäg­lichen Schwierigkeiten, aber mit desto größerem Gott­vertrauen, den Grund zu biefem Werke christlicher Näch­stenliebe und Barmherzigkeit „der Genossenschaft der Barm­herzigen Brüder von Montabaur" gelegt hat. Nicht weit vom Rhein, ungefähr in der Mitte zwischen Koblenz und Montabaur, liegt der immer mehr aufblühende Jndustrieort Höhr. Dort erblickte Peter Lötschert — der spätere Bru­der Ignatius — am 4. August 1820 das Licht der Welt. Unter der treuen Obsorge tiefgläubiger Eltern wuchs der kleine Peter in echt christlicher Tugend und Frömmigkeit heran. Eine besonders beglückende Freude machte es dem frommen, bescheidenen Knaben, dem Priester beim hl. Opfer am Altare dienen zu dürfen. Nachdem der reichbegabte Jüngling die Volksschule seines Heimatortes verlassen hatte, entschied er sich für den Kaufmanns stand. Am 1. Ja­nuar 1837, 16 Jahre alt, trat er zu Hadamar, einem Städtchen nahe der Bischofsstadt Limburg, in eines der damals größten Geschäfte seiner engeren nassauischen Hei­mat als Lehrling ein. Hier bildete sich der kluge und gewandte Jüngling, unter der Leitung seines tüchtigen und tatkräftigen Lehrherrn I. E. Siebert, zu einem in allen Zweigen des Geschäftes wohl bewanderten Kauf­mann aus. Eine innige Freundschaft verband beide mit­einander: Nicht weniger als zehn Jahre verbrachte Löt­schert im Hause Siebert» fernem Lehrherrn eine zuver­lässige Stütze und besten Familie ein Vorbild strenger Sittenremheit und gewissenhafter Pflichttreue. Was Löt­schert als Kind im Elternhaus an innigem Glaubensleben und frommen Gewohnheiten in sich ausgenommen, das be­wahrte er später trotz vielseitiger Beschäftigung auch als Jüngling. Gebet und Arbeit, so lautete seine stete Lo­sung. In dieser Umgebung regen, religiösen Lebens, das damals in Hadamar, wie überhaupt in der Diözese Lim­burg, vor allem durch den tieffrommen wid tatkräftigen Bischof Peter Joseph Blum entfacht wurde, fühlte sich Löt­schert heimisch und glücklich. Die persönliche Bekanntschaft mit dem Oberhirten der Diözese war von nicht geringem Einfluß auf die weitere Laufbahn des jungen Kaufmanns. Im Jahre 1847 verlieh nun Lötschert sein geliebtes Ha­damar, das ihm in feinem späteren Lebenswerk ein zu­verlässiger Stützpunkt sein sollte, um in Camberg, wohl auf Empfehlung seines bischöflichen Gönners, im Hause Lieber die Stelle eines Gehilfen emzunehmen. Camberg, die Perle des wegen der Güte des Bodens mit dem Namen „Goldener Grund" benannten Gaues, war damals eine Heimstätte treuer Anhänglichkeit an die Kirche. Hier in

der Familie Lieber verkehrte eine ganze Reihe oüsgezeich. neter Priester und edler Laien, wiè Domkapitular Lennig, die späteren Domherren Dr. Heinrich und Dr. Moufang von Mainz, der Münchener Generoloikar Dr. Windisch- ’ mann, lauter hochverdiente, unvergeßliche Verteidiger der ; Kirche in schwerer Zeit. Mit unermüdlichem Eifer wid- ' rnete sich Lötschert dem in Camberg blühenden Vereins- leben. Als Mitglied des Vinzenzvereins schaute er in die dunklen Tiefen des menschlichen Elends, welches die Dereinsberichte aus den großen Städten oft in erschrecken­der Beleuchtung darlegten. Schon die -Entstehung und Wirksamkeit des Derems hatten ihn mächtig begeistert. Wie, so sagte er sich, wenn acht junge Studenten zu Paris im Jahre 1833 ebnen solchen Verein gründen konnten, der sich bereits über einen großen Teil Europas erstreckt, sollte ich da nicht versuchen, muh einige Genossen meiner Gesin­nung unb Denkungsart zu vereinigen, die als Verein neben der Pflege der notleidenden Mitbrüder auch um eigene Heiligung sich eifrig bemühen müßten? H^r in Camberg, so sann man wohl sagen, reifte der Gedanke zur Gründung dieses großen Werkes, das sich unter Got­tes sichtlichem Schutz und Segen zu dieser heute so blü­henden Genossenschaft entwickelte. Nachdem Lötschert und - seine treuen Genossen unter zahllosen Schwierigkeiten und unter großen Enttäuschungen, Kämpfen und Opfern aller Art — sie im einzelnen zu schildern, würde zu weit füh­ren, — sich praktisch für ihr erhabenes Ziel ausgebildet und vor allem unter der umsichtigen Leitung des ihnen pon Bischof Peter Joseph Blum zugewiesenen Priesters Jakob Wittayer, — dem damaligen Superior der jungen Genostenschast der armen Dienstmägde Christi zu Dern­bach, — zu einem innigen Orden sieben angeleitet wur­den, gab ihnen der Bischof die Erlaubnis zum Tragen eines Ordensklerdes. Ms Tag der Einkleidung wurde dcis Fest der hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus be­stimmt. In aller Stille reichte Superior Wittayer ihm und noch vier anderen Gleichgesinnten das Ordenskleid in der Kapelle des Mutterhauses der armen Dienstmägde Christi zu Dernbach am 29. Juni 1856. Dieses schlichte, aber so recht zur Andacht stimmende Gotteshaus ist so­mit die Wiege der Gcnossenschaft der Barmherzigen Brü­der von MontabaM. Bei der Einkleidung wurde dem Gründer der Genossenschaft der Name „Bruder Ignatius' gegeben. Nun hatte Bruder Ignatius das Ziel seines Sinnens und Trachtens erreicht: Christo Jesu nachzufol­gen im hl. Ordcnsstande und ihnr zu dienen in der armen, kranken, leidenden Menschheit. Für seine und feiner Brü­der rastlose Arbeit und erbaulichen Wandel entschloß sich der Bischof, ihnen zur Anerkennung ihres Tugerrdlebens die Ablegung der Gelübde zu gestatten. An den ver­schiedensten Orten war nun in der Folgezeit Bruder Ig­natius im Dienste der leiblichen Barmherzigkeit tätig, überall geachtet und geliebt von Katholiken und Anders­gläubigen. Seine geliebte Stadt Hadamar, in der er seine Lehrzeit als Kaufmann zugebracht, und in der er später im Dienste der Nächstenliebe so segensreich gewirkt, gab ihm im Dezember 1858 das Ehrenbürgerrecht. Got­tes Schutz und Segen war bei ihm und seinen Brüdern. .Immer weiter dehnte sich die Wiccksamkeit seiner Grün­dung aus; in zahlreichen, blühenden Häusern, nicht blos der engeren Heimat, sondern im Rheinland und West- falonlanb, ja sogar in Holland sehen wir seine einfachen, .schlichten, bei der Bevölkerung so beliebten Brüder wir­ken und arbeiten für Jesus Christus und seine leidenden Brüder.

Am 1. März 1886 ging Bruder Ignatius in die ewige Heimat hinüber. Zu Montabaur, wo nun das Mutter­haus der Genostensckmst sich befindet, hat der Diener Got­tes seine Ruhestätte gesunden. Der Schreiber dieser Zei­len hat das Grab dieses ausgezeichneten Mannes besucht, und ganz miwillkürlich kam ihm der Gedanke: Wie wun­derbar ist doch Gott, der so oft das Kleine, Unscheinbare erwählt, um Großes erstehen zu lassen.

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Entwickelmg der katholischen Kir$e in den thüringischen Nlemstaalen während des vorigen Jahrhunderts.

Weimar, im Mirtelalter die Stätte blühenden katho­lischen Lebens, das unter der Obhut der Rittee des Teutschordens, und der Söhne des hl.. Franz in acht Kirchen reiche Pflege fand; später der Brennpunkt her literarischen Blüteperiode Deutschlands, — Goethe, Schiller, Wieland, Herder lebten und schufen hier ihre unsterblichen Geisteswerke —; vor wenigen Monaten durch die Nationalversammlung mit unvertilgbaren Zei- chen in die Weltgeschichte für immer eingetragen, soll im September wenigstens für uns Katholiken der ehe­maligen thüringischen Kleinstaaten eine neue Bedeu­tung bekommen insofern der erste Katholikentag für das geeinigte Thüringen — Großthüringeu — hier stattfinden wird.

Ehedem politisch und staatlich getrennt und geschie­den, seufzend unter ungleicher Behandlung und harten Gesetzen gingen sie — die Thüringer Katholiken — zwar verschiedene Wege, aber Leidens- und Kreuzfahrten waren diese Wege alle. Wenn nun auch die staatliche Einigung bis jetzt die kirchliche noch nicht in Sicht ge­bracht, so kommen sie, die katholischen Thüringer, doch alle; die Vertreter von Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen, die von Gotha und den Städten Sachsen-Weimars, die von Meiningen und Sachsen-Altenburg, auch die von „Gre'z. Schleiz, Lo- benftein", sie werden sich aufmachen, beseelt von dem einen Gedanken, daß sie als Bürger nunmehr ein und