Ausgabe Bs
Nr 52.
«affe!, den 8. Kugust (920
! Religiöses Wochenblatt
i für die katholischen Gemeinden Kassels.
5 Erscheint jeden Sonntag u. kostet vierteljährl. Ausg. A 2.— Mk., B2.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert-
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-------------Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. -------------
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Wochenkalender.
Sonntag, 8. August. 11. Sonntag nach Pfingsten.
Cyriakus, Largus und Smaragdus.
Montag, 9. August. Vigil von Laurentius. Firmus,
.Rustlkus und RomanuS M.
Dienstag, 10. August. Laurentius M.
Mittwoch, 11. August. Von der Oktav der Verklärung
Christi
Donnerstag, 12. August. Klara Jgfr.
Freitag, 13. August. Oktav der Verklärung Christi,
Hippolytus und Kossianus. M.
Samstag, 14. August. Erinnerung an die Weihe
der Domkirche (Eusebius Bek.)
Elster Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Mark. 7, 31—37.)
In jener Zeit ging Jesus weg von den Gren en von Tyrus, und kam durch Sidon an das galiläische Meer, mitten in's Gebiet der zehn Städte. Da brachten sie einen Taubstummen zu ihm, und baten ihn, daß er ihm die Hand auflegen möchte. Und er nahm ihn vom Volke abseits, legte seine Finger in seine Ohren, und berührte seine Zunge mit Speichel, sah gen Himmel auf. seufzte und sprach zu ihm: Ephphetha, das ist: Tu dich aufl Und sogleich öffneten sich seine Ohren, und das Band seiner Zunge ward gelöst, und er redete recht. Da gebot er ihnen, sie sollten es niemand sagen. Aber je mehr er es ihnen gebot, desto mehr breiteten sie es aus: und desto mehr verwunderten sie sich und sprachen: Er macht alles wohl! die Tauben macht er hörend und die Stummen redend.
Ein b?fes Pflaster.
es recht gewesen, daß der Blind- geborene und seine Verwandten und IrIä^ die Augenzeugen seiner Heilung sich an das Verbot des Heilandes nicht gekehrt haben? Die große Wohltat, das unerhörte Wunder, das am Taubstummen geschah, sollten sie für sich behalten und mit Stillschweigen bedecken. Und was tun nun die outen Leute? Sie hängen das Wunder mit aller Emsigkeit an die große Glocke. Wird ihnen der Heiland deswegen gezürnt haben? Wird er ihnen aus dieser Ueber retung einen Vorwurf gemacht haben? Sicherlich nicht. Im Gegenteil; ich' wenigstens mochte glauben, daß es den Heiland im tiefsten Herzen gefreut hat, eine so dankbare Gesinnung anzutreffen in dieser Welt des Undankes. Auch dürfen wir annehmen, der Taubstumme habe es nicht bei leeren Worten bewenden lassen, sondern habe auch durch die Tat seinen Dank zum Ausdruck gebracht, durch treue Nachfolge seines göttlichen Wohltäters.
Auch D^vid war von Gott mit Wohltaten über- Wütet worden. Aus so mancher Not hat der Arin
der göttlichen Allmacht ihn herausgerissen. Dafür ist David dem lieben Gott auch dankbar gewesen, hat ihm manchen feurigen Psalm gesungen und seinen heiligen Geboten nachgelebt. Ein würdiges Denkmal solch dankbarer Gesinnung ist der Psalm 60.
Psalm 60: Bitte um Hilfe und dank dasiir.
1. O Gott, erhöre meine Bitte, Latz mein Gebet zu dir gelangen.
2. Verbannt schrei ich nach deiner Hilfe Aus angsterfüllter, banger Seele.
3. Du sei mein Führer, meine Hoffnung, Die Trutzburg linder meine Feinde.
4. In deinem Zelte will ich wohnen, Mich bergen unter deine Flügel.
5. Erhören wirst du meine Bitte, Mir geben seines Reiches Erbe.
5. Der Tage viele wirst du schenken Und Jahre ohne Zahl und Ende.
7. Dein Antlitz laß mich ewig schauen, Zu künden seine Lieb' und Treue.
8. Und singen will ich deinen Namen Und ewig meinen Dank entrichten.
Auch wir haben von Gott viele Wohltaten empfangen. Wie oft haben wir uns vorgenommen, uns dafür dankbar zu bezeigen. Und ich weiß nicht, ob wir vielleicht trotzdem, ja vielleicht gerade deshalb auf einem bösen Pflaster dahinschreiten. Manchen „guten Vorsatz" haben wir wie einen großen Pflasterstein niedergelegt bei der hl. Beicht. Was sagt aber davon ein beherzigenswertes Sprichwort? „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert." Nicht wahr, da erschrecken wir vor einer solchen Möglichkeit? Wie kann das sein? Wie ist das zu erklären? Führen denn nicht alle „guten Vorsätze" unschlbar in den Himmel? Sicherlich, wenn es wirklich gute Vorsätze sind. Es gibt aber auch „gute" Vorsätze, die in Wirklichkeit schlechte Vorsätze sind. Das ist das Pflaster, das zur Hölle führt, wenn man gute Vorsätze zwar faßt, aber nicht hält. Nicht dadurch schon ist ein Vorsatz gut, daß man ihn gemacht hat, sondern erst dann ist er wahrhaft gut, wenn man ihn gehalten hat. Freilich gibt es auch Vorsätze, die zum vornherein, sozusagen an der Quelle schon schlecht sind. Wie mancher Jüngling, wie manches Mädchen versprechen dem Beichtvater das Blaue vom Himmel herunter, sie wollten ihre Bekanntschaft aufgeben, ihrer Liebschaft ein Ende machen, sie wollten in ihrem Brautstand nur vor ihr ihren Angehörigen mit einander verkehren — aber es ist ihnen nicht Ernst damit. Solche Vorsätze sind bloßes Lippenwerk, das Herz aber und der Wille haben daran keinen Teil. Sind nicht solche Vorsätze ein böses Pflaster zur Hölle? Kaum sind die Leutchen vom Beichten nach Hause gekommen, da ist die alte Geschichte wieder da. Man hat gesehen, daß manche schon an ihrem Kommuniontag ihren sündhaften Verhältnissen wieder nachgelausen sind. Nicht einen einzigen Tag konnten die Leichtsinnigen ihrem Gott und ihrem Vor
satz treu bleiben. „Ich wundere mich," so muß man ihnen mit dem h.l Paulus zurufen, „daß ihr so eilig wieder abgefallen seid von Christus und euch zu einem anderen Evangelium gewandt habt", zum Evangelium des Fleisches, zum Evangelium der falschen Freiheit. Wenn wir so treulos handeln an unserem Heiland, so trifft uns sein Vorwurf: „Der Hund kehrt zurück zu dem, was er ausgespieen und das Schwein wälzt sich frischgewaschen wieder im Kote".
Auch dann, wenn es uns mit dem Vorsatz Ernst ist. braucht es noch große Wachsamkeit, Anstrengung und Willenskraft, uni ihn auszuführen. Eine unerläßliche Bedingung dabei ist das Meiden der Gelegenheit. Wer zwar nicht sündigen will, aber die Gelegenheil w-edec aussucht, wer keusch bleiben will, aber den alten Unu gang sortsetzt, wer nüchtern leben will, aber obern-als das Wirtshaus besucht, übermal „ein Gläschen" trink, dem macht die Leidenschaft einen Strich durch die Sied)» nung; er kommt zum Fall ,mag er wollen oder nicht. Ich kannte einen jungen Mann aus guter Familie, der dem Trunke ergeben war. Er hatte eine gute Schule genossen und war tüchtig in seinem Geschäfte. Aber kaum war er in ein Geschäft eingestellt, so spielte ihm der Rausch einen Streich und er wurde euUa sen. Die unglücklichen Eltern schickten ihren Sohn in verschiedene Heilanstalten. Aber kaum hatte er die Anstalt hinter sich, als er schon seine Schritte zu einem Wirtshaus lenkte — und das Verderben war wieder da. Kam dann die Ernüchterung und die Erkenntnis ferner Lage, so suchte er seinem elenden Leben gewaltsam ein Ende zu machen. Endlich rief ihn die Kriegstrompels unter die Fahne und bald darauf stand sein Name auf der Liste der Gefallenen. —
Freund, ist es dir immer Ernst mit deinem Vorsatz? Bedenke oft und oft den Spruch und präge ihn dir für immer ein: „Der Weg zur Hütte ist mit „guten Vorsätzen" gepflastert". Ich bitte und beschwöre dich, meide vor allem die Gelegenheit. Denn du kannst nicht im Feuer sein ohne zu brennen, nicht im Wasser schwimmen, ohne naß zu werden, nicht mit der Gelegenheit spielen, ohne in die Sünde zu fallen. Wer gesund werden will, muß sich Arzneien und Diät und Bäder und Luftkuren gefallen lassen. Und wer vor der Sünde sich bewahren und die Gesundheit der Seele erhallen will, muß die Gelegenheit meiden. Du kannst das nicht? Dann kannst du brennen in der Hölle. Der Burgpfarrer.
Die christliche Liebe.
Gegenüber den Unchristlichkeiten der Gegenwart wird allenthalben die christliche Liebe aufgerufen. Sie soll uns retten. In der Tat, wenn es Rettung für uns. geben soll, dann winkt sie uns von jenem helleuchtenden Stern am christlichen Himmel. Aber auch hier gilt: In deiner Brust ist dieser Stern. Die Hinweise, die Lobpreisungen, die Empfehlungen, die geschichtlichen Rückblicke, die philosophischen Begründungen, die dichterischen Gestaltungen helfen allein nicht. Wenn das