Ratgeber für Landwirtschaft,
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Nr. ZS. ^d 30. Zahrgang. or o a GratUbeigabe zum Dsmfatiusüsten. □ o Zulda, den Z. Kugust J920.
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Der Bauer allein Kam's auch nicht machen.
Es ist sehr erfreulich, daß die Bauern mit dem Preisabbau begonnen haben. Wenn aber die „Andern", nämlich die städtischen Produzenten, die Händler, die Arbeiter, die Regierung nicht auf dem Fuß nachfolgen '-«d auch abbauen Kelsen, kommen wir nicht aus dem Sumpf heraus. Die Kriegsgesellschaften verschwinden txei zu langsam. Man schlage deren vollgefüllte, aller- dinas teuer eingekaufte Bestände auch mit Verlust los. Besser ist es, der einzelne leidet, als daß die große Masse —? l*>^er Purere Entbehrungen ertragen muß. Mit der Senkung der Preise für die Lebenshaltung können und müssen auch die Löhne abgebaut werden, damit die Industrie dem Ausland gegenüber wieder wettbewerbsfähig wird, sonst geht Gewerbe, Handel und Industrie dem Untergang entgegen und reiche Steuerquellen für den Staat versiegen. Die Staatsregierung muß mit starker Hand da, wo Einsicht und guter Wille fehlt, nachhelfen. Erschütterungen im Wirtschaftsleben sind doch noch erträglicher als der völlige Zusammenbruch. Wird Ernst gemacht auf allen Seiten, dann wird mit der Verminderung der Nahrungssorgen die Lebensfreudigkeit, die Arbeitslust wieder wachsen, die Hetzer finden keinen so günstigen Nährboden mehr, die Stimmung wird allgemein ruhiger und der Wiederaufbau unseres Vaterlandes wird zuversichtlicher in Angriff genommen werden.
Ito« rmd MauenfenchebelMÄlung.
5n erster Linie Ist Ruhe und Reinlichkeit nötig, um die Krankheit zum Abheilttr zu bringen. Ferner reiche man bei der Maulseuche den Tieren kein rauhes, grobes Futter (Spreu). Man sorge für frisches Grünfut- 1er, zartes Heu; jungen Tieren gebe man gekochte Milch, schwer kranken Mehl oder Kleienschlapp.
Um die Maulhöhle rein zu halten, verabreiche man reines, frisches Wasser. Zur Ausspülung des Moules verwende man einen Irrigator und zu den Waschungen benutze man Wasser, dem man ein Desinfektionsmittel zugesetzt hat (Alaun, Kupfersulfat, Borsäure, Kreolin, Lysol, Pyoktanin (1:1000), Formalin (% Proz.), An- tiformin (3 Proz., uftoj
Eine energischere Behandlung bedarf die Klauenseuche. Die kranken Fußenden werden mit einer der oben erwähnten desinfizierten Lösungen gewaschen; darauf bestreicht maiu dieselben mit Holzteer, bei Melk- kühen mit dicker Kalkmilch. Auch austrocknende Pulver wie Tannoform, Zinkotyvpulver, mit Sublimat behandelte Holzkohle usw. finden Verwendung.
Bei Erkrankung des Euters muß die Milch regelmäßig ausgemolken werden. Außerdem sind Waschungen mit 2prozentiger Borsäurelösung zu empfehlen. Auf die Wundflächell streicht man Blei- oder Zinksalbe oder 20prozentige Borvaseline.
Bei Ziegen zeigt sich diese Seuche an in Fieber, allgemeiner Schlaffheit, Rötung der Augenschleimhaut, leichten Speicheln, gesträubtem Haarkleid, geronnener Milch; an den Klauen wird fast nichts gesehen.
Die neuen Geireidepreise.
Das Reichsernährungsministerium hat die neuen Ge- irsidepreise festgesetzt. Sie betragen für Roggen 1400 Mark die Tonne, zu welchem Grundpreis die üblichen (nach den einzelnen Gegenden abgestuften) Zuschläge kommen, die bis zu 100 Mark im Westen gehen und nach Osten hin sich ermäßigen. Der Preis für Hafer und Gerste ist 50 Mark niedriger, er beträgt also 1350 Mark, und der Weizenpreis ist auf 1540 Mark feftge. K. Diese Preisfestsetzung verfolgt den Zweck, die Pro- tion zu steigern und uns sobald wie möglich wenigsten« in Bezug auf Brotgetreide, das z. Zt. noch 5000 Mark die Tonne kostet, t abhängig zu machen, soll aber erstens auch im Zusammenhang mit den Frühdruschprämien, die zum Teil auch ein Ersatz für erhöhte Unkosten sind, bewirken, daß die Landwirte das Getreide neuer Ernte möglichst schnell abliefern, um die Bestände der Reichsgetreidestclle aufzufüllen.
Wenn die Frühdruschprämie nur 200—300 000 Ton- neu mehr (Betreibe und früher erfaßt, so braucht entsprechend weniger Auslandsgetreide einoeführt zu werden. Das bedeutet bei dem jetzigen Valutastand eine Ersparnis von 1 bis 1K Milliarden, denen nach Schätzung der Neichsgetreidestelle etwa 400 Millionen Mark Kosten für die Prämie gegsnüberstehen. Diese Mehraufwendungen sollen wie im Vorjahr vom Reiche getragen werden. Der Vr otpreis wird dadurch nicht erhöht. Die Frühdruschprämie beträgt pro 20 Zlr. (Roon«r, Weizen) bis 1. August 1920 200 Mark, bis 16. September 150 Mark.
• Die landwirtschaftliche Nothilse.
Unter den heutigen Verhältnissen bedarf es eigentlich gar keines besonderen Hinweises, daß die Landwirtschaft als „lebenswichtiger Betrieb" im eigentlichen Sinne des Wortes angesehen worden muß. Gerade für die Landwirtschaft, welche die Ernähnmg unseres Volkes gewährleistet, muß unter allen Umständen in der Weise gesorgt werden, daß durch plötzliche Arbeitsniederlegung die Mühen eines ganzen Jahres vergeblich gemacht werden und unser Volk der Hungersnot oder der völligen Verschuldung ans Ausland preisgegeben wird. Denn auch in der Landwirtschaft haben wir für die Zukunft mit ernsten Streik- gefahren zu rechnen. Wie in der Stadt unter der industriellen Arbeiterschaft, so setzt auch auf dem Lande unter den Landarbeitern eine furnier weiter um sich greifende radikale Verhetzung ein. Man versucht die Landarbeiter gerade in den wichtigsten Zeitpunkten zu unbesonnenen Streikhandlungen zu verleiten, und die damit schon an sich überaus schwierige Volksernährung gänzlich unmöglich zu machen.
3n der Erkenntnis dieser Sachlage beabsichtigt die Leitung der Technischen Nothilfe auch eine landwirtschaftliche RoWise einAurichten, die unbekümmert um die wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Lanüarbeitsni nur darauf bedacht ist, die unermeßlichen Werte der landwirtschaftlichen Produktion für unser Volk zu erhalten und zu sichern. Hierbei liegt eine gewaltige Aufgabe für die Technische Nothilfe nicht nur allein darin, daß sie die Versorgung der Landwirtschaft mit elektrischer Energie, Gas, Wasser sicherstellt, die Zufuhr von Kunst- bünger gewährleistet und die maschinellen Einrichtungen in der Landwirtschaft vor Sabotage geschützt und in Gang erhält, sondern daß sie gegebenenfalls die Einbringung der Ernte übernimmt, besonders Feldfrüchte vor dem Verderben schützt. Demgemäß sollen für das ganze Reich vor allem di« Zuckerrübenindustirie, Molkereien, Brennereien, Dresch- maschinenbetnebe, Notst-andsarbeiten während der Ernte asm. durch die landwirtschaftliche NothUfe aufrecht erhalten werden. Dazu kommt natürlich noch die Hilfe bei Störungen hi den landwirtschaftlichen Betrieben in Fällen von höherer Gewalt, zur Bergung von Kartoffeln bei Frost und bergt mehr.
Um diesen Gedanken einer landwirtschaftlichen Nothilse in die Tat unizufetzen, ist dir Leitung natürlich vor allen Dingen auf die Unterstützung der ländlichen Kreis« selbst angewiesen. Dazu werden Fachleut« gebraucht, und es ist deshalb dringend erforderlich, daß sich Landwirte mehr als bisher der Technischen NothUfe zur Verfügung stellen. Außer den Landwirten selbst kommen vor allen Dingen Gärtner, landwirtschaftliche Schulen und Inhaber oder Pächter von Schrebergärten in den Vorstädten in Frage. Der Städter und riamentlich der Großstädter, welcher der Hauptverbraucher landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist, hat als Mitglied der Technischen NothUfe die beste Gelegen- Heit, an seinem Teile dazu beizutragen, daß die Ernährung des deutschen Volkes sichergeftellt bleibt. Denn in keinem anderen lebenswichtigen Betriebe ist eine so ausgedehnte Verwendung ungelernter Hilfskräfte möglich, wie es das Beispiel der während des Krieges in der Landwirtschaft verwendeten Schüler aller Lehranstalten bewiesen hat. Schließlich ist auch zu hoffen, daß durch die Not- Hilfe in der Landwirtschaft mancher Städter ein größeres Verständnis für die Schwierigkeiten, mit der die Landwirtschaft zu kämpfen hat und mehr Einsicht für ihre Be- dürfnisse bekommen wird, sodaß die landwirtschaftliche Not- HUse eine neue Brücke zrrm notwendigen gegenseitigen Verstehen zwischen Stadt und Land bauen können wird.
verschiedenes.
^ Die Molkereischule Iuldci kann in diesem Jahre auf ein 2öjähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß ist eine Erinnerungsgabe in Form einer sehr geschmackvoll ausgeführten Festschrift erschienen, in der Einrichtung und Ziele der Schule durch Wort und Bild dargelegt werden. Die Molkereischule Fulda wurde im Jahre 1895 von dem damaligen Landwirtschaftlichen Zentralverein in Kassel gegründet. Seit Errichtung der Landwirtschaftskammer ist sie dieser unterstellt. Zweck der Anstalt ist jungen Leuten in einer zweijährigen Lehrzeit gründliche praktische und theoretische Llusknldung zu geben, um den Molkereibetrieben ein tüchtiges, brauchbares Personal i-uzuführen. Die Schule hat in den 25 Jahren ihre» Bestellens bereits 216 Schüler ausgeÄldet, deren Naenensscrzeichnis und jetzige Mrchs in der Festschrift enthalten sind.
Eine AsSerirKguKg der Maul- miS KLaue^seuche auf Menschen und eine Gesundbeitsschädimmg durch Genuß
von gekochtem oder gebratenem Fleisch der von ihr befallenen Tiere ist nach langjährigen Erfahrungen voll- kommen ausgeschlossen. — Beim Einkauf ist einige Vorsicht infoferne geboten, als es sich um Fleisch no«ge- schk ächtster Tiere handelt, dessen Muskeleiweiß sich leichter verändert, als das gesunder Tiere, namentlich wenn Schlachtung, Transport und Aufbewahrung unter ungünstigen Verhältnissen erfolgt. Die Fleischbeschau sowie die in den größeren Verbraucherorten — Städten usw. — vorgenommene Nachbeschau des ei^eführten Fleisches verhindern die Ausgabe von Beworbenem Fleisch durch die Metzger. Mit stärkstem Mißtrauen in gesundheitlicher Hinsicht muß dagegen das Fleisch be. trachtet werden, das von Hamsterern, Schleichhändlern usw. vertrieben wird, weil man nicht sicher ist, ob man nicht unbeschautes Fleisch oder sogar solches von oer endeten Tieren erhält.
Jetzt beginnt die Zeit, wo der Kohlweißling seins Hauptflugzeit antritt, um im August und September die Kohlraupenseuche zu erregen. Der große Kohlweiß» ling ist der gemeinste und schädlichste aller Weißlings Seine ersten Falter erscheinen schon im Mai und legen ihre Eier an wilde Kreuzblütler. Für Gärten kommt diese Brut kaum in Frage, umsomehr indessen dl« zweite. Hier ist das einzig durchschlagende Dekänv pfungsmitiel das Wegfangen der Schmetterlinge mü dem Netze oder das Absuchen der Raupen, besser noch das Absuchen und Zerdrücken der gelben Eierkuchen, di« an der Unterseite der Kohlblätter abgelegt werben. Weh die Eier nickt alle zwei Tage absuchen kann, dem wird' nur zu oft der wenig erbauliche Anblick seines bis auf die Rippen abgefressenen Kohles nicht erspart bleiben- Es ist dieses in erster Linie dann der Fall, wenn fim in bestimmten Jahren der Kohl nur langsam entwickelt? Wenn man Raupen des Kohlweißlings vernichtet, fa schon« man die Raupen, die Häufcken gelblich-weiße« Wollpüppchen tragen. Es sind die Puppenkokons vortf Schlupfwespen, Feinden der Raupen, die viele der Tiere vernichten. Diese Kokons werden vielfach als Rau^ peneler angesprochen, aber Raupen können keine Eier legen. 1
In der Mngejiefcrbetämpfung sm Geflügelskall und beim Geflügel selbst kann man nicht gründlich genug vorgehen, da durch diese Schädiger die Legetätigkeit bei Hennen stark herabgesetzt wird. Zur Vernichtung unS Fernhaltung des Ungeziefers hat sich das gewöhnliche Bittersalz sehr wirksam erwiesen. Man löst etwa ein Pfund desselben in vier Liter kochendem Wasser auk und streicht oder spritzt im kalten, besser aber im heG ßen Zustande, Wände, Decke und alle Holzteile deck Stalles an, ebenso auch die vorher vom Schmutze gereinigten Sitzstangen. Die Halzlösung bringt in die kleinsten Ritzen und Fugen ein, in denen sich die Vogels oder Hühnermilben aufhalten, und tötet sie durch ihre Schärfe ab. Auch Wanzen, Flöhe usw. können dock Salz nicht vertragen und gehen durch die Schärse bes4 selben zugrunde. Ein großer Vorteil der Vittersalzlä^ jung besteht darin, daß sich dieselbe sowohl an berf Kalkwänden, wie an dem Holz lange Zeit hält und dkr bestrichenen Teile für bas Ungeziefer unbewohnbar macht. Auf das Geflügel selbst hat das Bitterfalz durchaus keine nachteiNge Wirkung, da beim Picken der Tiere an den mit der Salzlösung getränkten Wänden nur ganz geringe Mengen des Bittersalzes in den Kropf oder Magen gelangen, die höchstens nur abführend wirken können.
Eiserne Ofentüren dauerhaft zu schwärzen. Eis im Laufe des Winters beim Heizen grau und »mmlsehu. lieb toerbienbe Ofentür, Ofenrohre, Schutzbleche irfly^ können durch Ueberstreichen mit Wasserglas und Znfâ von Frankfurter Schwarz nicht nur einen völlig dauer? haften» fonbern auch geruchlosen Anstrich erhalten, bet namentlich mich bei Badeöfen der Feuchtigkeit wirksam widersteht. Er wird nicht rissig imb blättert nicht ab. wie der viel angewendete Spirituslack und schwinder nicht so rasch wie die so häufig verwendete ®r*>bitofen., schwarze, die bei starker Erhitzung des Ofens ve» verbrennt.
Vorsicht vor Schwindlern. Da durch die geschlichen Maßnahmen gegen die Kapitalflucht die Banken 31t weitgehender Anzeige- und Auskunftspflicht den Steuer-^ behörden gegenüber verpflichtet sind, versuchen Herum^; reifende Schwindler unter dem Vorwande, eine Bank zu kennen, die sich nicht an diese Vorschriften halte, die ländliche Bevölkerung zu überreden, ihr Geld bei bi^er Bank ynzulegen, indem sie sich gleichzeitig als Vermitt« [er erbieten. Vor solchen Cohwiudlern wird gewarnt.
Hennen sollen nicht Luger als drei Jahre kett Hühner- stall bewohnen, dann gehören sie in den Tops und <M^ ihre Stelle für Las Nest iunae Hühner.