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finden, Datersorge angevelhsn zu laff«i. Um den Um» is ihrer Berussausgabe naher zu bezeichnen, sei hervor- âoben, daß die Genossenschaft Armen und Waisenkindern (entstelle zu ersetzen sucht, Knaben unterrichtet und er» ht, denen in der Familie eine gedeihliche Erziehung ver-
ist, ferner sich der Fürsorgezögimge amnmmt, deren islige und sittliä)e Entwicklung gefährdet ist, Lehccmg», »fetten, Schüler und Sttrdenten beherbergt mD vor den inentlich in der Großstadt drohenden Gefahren dmch fo- nannte „Iugendl)enne" und „Schülerhorte" zu sck-üßen â>t, endlich Obdachlosen eine Zuflucht gewährt und der rbeit Entfr-emdete tri eber an regelmäßige Tätigkeit wähnt.
In jüngster Zeit hat die Genossenschaft auch been weit isgedehnten Gebiete des fmrn Dolksbildungswesons ihre ufnrerkfamkeit zugervandt.
Diese umfangreiche Tätigkeit wird zurzeit in vierzehn «ufern in der Alten und Neuen Welt ausz^übt. Im Mut« rhaufe werden die Brüder für ihr Wirken vorbereitet, as „Iuvenat" ist die Billmngsanftolt für künftige Mit- ieder der Genossenschaft. Der Eintritt in dasselbe kann it dem 14. Lebensjahre erfolgen. Es umfaßt zwei Abilungen: eine für künftige Lehrer und Erzieher, eine an» rre für künftige Handwerker. Die Heranbikdrmg der Lehrer fiel Schulgattungen erfolgt nach »er hierfür in Deuftch- md geltenden amtlichen Beftünmungen und findet ihren lbfchluß durch Ablegmig der staatlichen Prüfungen.
Die Lehrlinge der Handwerker-Dildmrgsabteiümg er» alten ihre Ausbildung als Gärtner, Stein- und Holzbilb- auer, Buchdrucker und Buchbinder, Maler und Anstrei- >er, Schnöder, Schlaffer, Schreiner u. 6. An eigener 5*ule wird planmäßiger Fortbiidungsfctnttunterricht erteilt, onne emgshejide Unterweisung in Gegenständen der allge- nemen BiDung. Die Handwerker haben ihre Befähigung m Schluß ihrer Lehrzeit vor einer behördlichen Kommission »arzutun (Gesellen- und Meisterprüfung).
Außer den im Irwenat Bor gebetteten können unmittel- mr Aufnahme in b« Genossenschaft finden: Lehrer (aka- «misch und senrmavsttisch gebildete), Techniker, Hündwer- 'er, Landuurte, Angehöriger der freien, der kaufmännischen md der dienenden Berufe. Mr alle diese ist das geeignete toter zum Eintritt das 17. bis 35. Lebensjahr. Als ,Postulanten" nehmen sie ein halbes Jahr an den klafter- kichen Uebungen teil, um diese näher kennen zu lernen.
Mit der Gnkleèdung beginnt das zweijährige Noviziat, bas der Einführung in das Ordensleben dienen und den Novizen mit den klösterlichen Uebungen unb Satzrmgen vertraut machen soll. Der Novize soll in dieser Zeit seinen Beruf prüfen und die Genossenschaft Gelegen^it haben, seine Eignung zu erproben.
Es folgt die Dblegrmg der Gelübde, zunächst auf drei Jahre, dann auf «vig. Der junge Ordensmann wird sodann von dem Obern seinen Anlagen, ÜMgungcn und Fähigkeiten entsprechend in den genormten Berufsaufgnben der Genossenschaft verwendet.
Gegonwärtig besitzt oder leitet die Genoffenschaft in Europa folgend« Häuser und Anstalten: 1. in Aachen, Richardsiraße 43, das St. Iosephshaus, Iünglingsl>eim; 2. in Aachen, Rütfcherstrahe 55, das Knabeninstitut „St. Antonius"; 3. in Berlin, Turmstraße 44, das Knaben- waifeahaus; 4. in Köln, Weißgerbereckgaffe 2, das Lehr- lingsheim; 5. in Köln, Silvanstraße 12, das Heim für Obdachlose; 6. in Dormagen bei Neuß die Fürsorge-Erzie° himgsanftolt „St. Raphaèl"; 7. in Essen die Schülerhorte Esten-Süd, Esten-Mitte, Essen-West; 8. in Hohendorf bei Lamsdorf (Oberschlesien) die Arbeiterkolonie; 9. in Herbes- thal das Asyl für Heimatlose; 10. in Bleyerheids (Holland) das Kloster „St. Maria von den Engeln", Knadenpenlionat und Externat, zmzeit Noviziat und Irroenat; 11. in Roer- mond (Holland), Lindanusstraße 2, das St. Josephs-Stift für arme Schirlknaben und Hondwerkslehrlings; 12. in Dëlkench iBelgi«') das Kloster Maria Heimsuchung, Kna- benwaisenhous. Die Klöster der nordamerikanisch;n Pro- v'nz sind: 13. Bei Cincinnati (Ohio) das Provinzialhaus Mount-Alverno, Noviziat, Juvenat und Erziehungsanstalt für arme Knaben; 14. in Einannoti (Ohio), Dankstreet, das St. Binrerü-Home, Erziehungsanftalt für arme Knaben.
Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an den Generalobern der Genossenschaft der „Armen Brüder vom hl. Franziskus Sevaphikus" in Aachen, Richavdftmße 43.
Ver Lenz-N-sepyl.
Nne Tiroler Geschichte.
Es ist eitle schlichte Geschichte, die ich hier erzähle; a! er sie ist sehr lehrreich — besonders sur unsere ^it, wenn sie arrch schon vor 100 Jahren sich ereignet hat. Der Lenzen-Seppl war ein klein s, grauhaariges Männlein mit einem Herzen, so heiter und gölten wie die Abendsonne eines schönen Frühlingstag s. Der Sepp hatte ein kleineres Gut oben auf dem Rauner» berg und einige Stück Vieh, einige gute Ackergrimds, ente seelengute Schwester, die Bärbl — und über alles den Segen Gottes. Der Seppl hatte auch „einen Sparren im Kopf" und das war gut; dieser Sparren war gutes Holz, mit dem Seppl ein wohltätiges Feuer- lem nährte.
Er hatte einmal — es war der erste Sonntag nach Pfingsten — nach uraltem Chriftenbrauch im Goffine
getestet und er las bis zu den schönen Worten: „Mit demselben Maße, mU dem ihr messet, wird euch hin- wieder zugemessen werden." Seppl hielt inne und stützte mit den Händen seinen grauen Kops und dachte nach — wie eben ein guter Christenmensch auch nachdenken soll. Beim Worte „Maß" kam er nicht weiter als bis zur Atutt und zum Star und zum Tietjen und zum Maßl. Dann füllte er in Gedanken diese Maße mü Inhalt und da fiel chm nichts anderes ein Äs Roggen und Gerste; denn andere Feld fruchte kannte er nicht mrd Erdäpfel gab es damals noch keine. . Dann begann der Seppl ein Selbstgespräch, das seine Schwester, die Barbl, nicht verstand; denn sie war schwerhörig. Das Gespräch lautete also:
„Seppil Du kommst wohl nicht leicht dazu, armen Leuten einen Metzen oder ein „Maß!" Korn aus B<rrmherzitzkeit zuzumessen; du brauchst ja dein Korn selbst. Aber gib acht; so könntest du einmal leer ausgehen am Tage, wo der Herr allen zurückmißt" Dann dachte Seppi an die bösen Kriegszeiten und an den bösen Napoleon und an seinen Großvater, der ihm folgende Lehre gab: „Seppl, vergiß nicht, was ich dir sage! Wenn einmal Kriegsläust sind, dann hum- pelt immer der Hunger nach wie ein alter, hungerigcr Wolf, wenn ein junger Wolf seinen Kaineraden im Zorn totftebissen hat. So war es bei den Enaadiner- kriegen, w« mir der Großvater erzählt hat."
Dann sinnierte der Seppl weiter; „Gewiß, auf diese Kriegszelten wird noch einmal ein arges Not- und Hungerjahr kommen. Seppl, sieh dich vor, daß du dann etwas hast zum Ausmessen."
Weser Sparren blieb dem Seppl im Kopf. Er sparte mä dem Korn wie ein Geizhals beim Opferstock und trenn seine Schwester, die Barbl, sagte: „Seppl, Ä! bist ein Geizkragen geworden", dann schrie er ihr in die Ohren: „Hast recht, Barbl, ich bin ein Geizkragen", und er büffelte listig. Seppel verstand es auch trefflich den Leuten die Schüsseln und Pfannen und Häfen und die Schäffer und Eimer in guten Zustand zu bringen. Dafür gaben ihm die Leute oft Getreide; denn sie wußten, daß er das am liebsten nahm als Lohn und die Zeiten waren noch gut.
So brachte Seppl immer mehr Korn zusanimen und er machte die Kornkiste immer größer. Die Barbl stand oft vor ihn hin und deutete mit dem Finger dorthin, wo man sonst das Kreuz macht und sagte: „Seppl, du bist ein Esel oder ein Geizhals". Seppl sprach dann: „Dri hast recht, Barbl, ich bin beides, ein Esel und ein Geizhals."
Es Item das Mißjahr 1816 und der schreckliche Winter 1816—1817. Die Leute schauten mit Angst und Bangen in d« Zukunft; nur der Lanzen Seppl behielt seinen gânen Fwhsinn und sagte zu sich selbst: „Gott wird helfen. Jetzt, Seppl, ist die Zett gelomnun zum Ausinessen und Zuriickmessen, wie es in dem Gofsine steh*."
Es war einer von jenen unheimlichen Schneetagen, wie man solche nur im Winter des genannt ’n Lahres erlebte. Me Schneemasse war schon über die Fenster in Seppels Stube gestiegen. Im Kamin brannte das Kienfeuer bei hellem Tav. Barbl spann und Seppl flickte Körbe beim Feuerschein. Barbl arüerbrach die brütende Sülle, die drinnen und draußen war, stelle das Spinnrad und rief ihren Bruder also an: „Seppl, heute muh ich dir Abbitte leisten." „Du hast recht, Barbl", schielte Seppl von seinem Korb weg zur Schwester hinüber. „Was willst du mir abbitter?"
„Seppl, ich habe dich oft einen Esel genannt und eilten Geizhals. Jetzt habe ich eingesehen, vaß du der gefeiteste Mann bist im ganzen oberen Gcr'chte. Ja, ich möchte gern sagen, der Seppl ist der Gescheiteste nach dem Solomon, aber das formte ein sündiger Vergleich ^tn. Es werden böse Zeiten kommens Hunger und Not. Du hast eine große, große Kornkiste gemacht und sie ist ganz gefüllt. Du kannst warten, bis das Korn recht hoch stcht im Preis. Dann kannst du viel I Geld entnehmen und wir könnten unsere Schulden zahlen rmd unser Gütlein auf gesunde Füße stellen und dann farmst du mir ein blauseidnes Umschlagtuch kaufen und ein schönes Halstuch mit schönen Blumen und eine Hcrtzelkappe nach der neuesten Mode. Dann werben die Leisis beim hohen Umgang sagen: „Das ist Len- zen-Seppls Schwester, die Barbl. Der Seppl hat die schönen Sachen gekauft, weil er sie gern hat und sie auf ihn fd^aut."
Der Sepx! blinzelte wieder listig und sprach:
„Du hast immer recht, Barbl; mir mit dem, was du sagst vom hohen Preis, hast du nicht gonz recht. Wir werden den Leuten Getreide verkaufen; aber nur den Armen — um Friedenspreis und wenn sie ganz arm sind, wollen wir es ihnen schenken. Weißt Barbl.
„mit dem Maße, mit dem ihr ausmeffet, wird euch jurüifgemessen werden". So steht i^ Soff ine."
Jetzt riß die Barbl ihre Augen „sperrangelweit" aus, schoß auf von der Bank, daß das Spinnrad! umfiel und schlug die Hände zusammen und schrie: „Aber Seppl, du bist der größte Esel im ganzen oberen Gs
Seppl stellte den geflickten Korb auf die Seite und sagte: Du hast red^, Barbl, ich bin der größte Esel im ganzen oberen Geruhte." Damit hÄte der Disput ein Ende und Seppl schürte neue Kienspänlein ins Kaminfeuer.--
Es war der erste Sonntag nach Pfingsten, das heilige DreisaltigkritLseft der „Taler Kirchtag" - etti trauriges Fest anno 1817! Der Frühling war herrlich, die beste Aussicht auf ein gesegnetes Jahr. — aber die Gegenwart war mehr als traurig. Im Raunertal herrschte geradezu Hungersnot.
Auch b&m Lochuers-Martl gab es einen traurigen Kirchtag. Zehn Kinder ton 2 bis 16 Jahren waren um den Lisch ver ammelt und schauten hungerig und gespannt auf die Smbentür, alle schon die Waffe zum „Knödeistechen" in ter Hand, den Löffel. Nun kam die Mutter und stellte die Schüssel aus den Tisch und sagt ihr „Segne es Gott". Dann feßte sich die Mutter auf die Lfeirbank, bedeckte das Gesicht mit der Schürze und begann bitterlich zu weinen. „Es ist das letzte Stäublein Mehl drauf gegangen,' schluchzte sie. Die älteren Kinder hielten inne md dem Esten und schauten aus die weinende Tcuiter; die Kleinen ließen sich nicht stören bei ihrer Rnötelarbit. Warft legte den Löffel weg, ging zur Mwter und sagte mit einer tief- belümmerten Stimme: „Mutter, laß das Weinen, verdirb den armen Kindern nicht diese ärmliche Kirch- tagsfrrude! Gott wird sorgen!"
Nach.dem Esten roanderte der Vr er auswärts. Er kmete lange in der ©natenfapeße in Kaltenbrunn; aber das Beten wollte ihm nicht gelingen: er sah immer nur düs weinende Muster, die hungrige Kinderschar und die leere Mehltruhe. T^nn kam ihm der Gedanke: „Geh zum Lenzen-Scppl auf den Rnauerber^" Als MarU über die Pleite hinauswam-ertte, bot sich seinen Augen eine herrliche Frühling-landschaft in mildem Sonnensä-ein. Warft sah von all dem nichts; es lag Allers«ftenftimmung auf ilyr. Marti betrat Len- zen-Seppls Stube mit banger Sorge. Seppl hä Witter den Gosst ne vor sich und las feiner Schwester, ter Barbl, ror. Er las das Evangelium vom ersten Pfingstsonntag und war just zur Stelle gekommen: „Mtt tem feiten Maße, mit dem ihr ausmesset, wird euch guritefgemeffetr werten." Marti erschien in der Tür. Dem. Seppl ging ein Lich; aus nie eine gptft-che Offenbarung — die teste Erkiärur^ zu Christi Wort. Er ahnte gleich, was der abgehärmte Marti Vorbringen werte.
Martl erklärte in kurzen Worten seine Notlage utA bat, ihm um grrres Geld Korn zu überlassen.
„Gott bewahre!" sagte Seppl, „ich nehme von dir kein Geld. Ich weiß, du bist ein armer Schlucker, hast ^hn Kinder und müßtest Schulden marken, um das Getreide zu kaufen. Komm von morgen alle Monate und hole ter zwei Mutt Korn. Nur eures muht du tun. Wenn ihr die ersten Knödel esset von eurem neuen Getreide — und Gott wird uns dieses Jahr segnen — dann gehst du mit deinen größeren Kindern nach KÄtenbrunn und te^ft dem Seppl und der Barbl den freudenreichen Rosenkranz." Dann teilte er sich zur Schwester und schrie ihr in das Ohr: „Gftt Barbl, du bist damit einmnstanden. Jetzt geh aber und hol dem M«ttl ein Säcklein Mehl, daß feine Kinder zu essen haben, bis er sein Mehl von der Mühle holen kann." Barbl gurgelte etwas vor sich hin und tat, was ihr Seppl besohlen.
Als Scxxi ging und sein „Vergelts Gott" sagte, standen zwei heiße Tropfen in seinen Augen; es waren Vwertränen, die Heller leuchten, als der Edelstein in der Kaiserkrone.
Als Martl ging und sein „Vergelts Gott" sagte, nahm der Seppl den ©affine zur Hand und erklärte der Schwester Ehristi Wort vom Ausmessen und Zu- rüdttneffen, so gut er es verstand. Barbl schüttelte immer wieder ihren Kopf und sagte zum Schluß: „Gut, gut, ich will es glauben: gerade der größte Esel im ganzen oberen Glicht wirst du halt doch nicht sein." Marti draus: „Du hast recht, Barbl; du bist meine seelenAfte Schwester, die mich am liebsten hat und am besten kennt. Wir wollen einmal auch geschwisterlich teilen, wenn uns der Herr zurückmißt am Tage der Vergeltung." Dann trug er den Goffine an feüKU Ehrenplatz — auf das Eckbrett neben dem Kreuz, richte."