50 Jahre
laren es am 18. Juli, daß zu Rom auf dem Konzil n Vatikan die Unfehlbarkeit des Papstes als Glaubens- itz verkünd wurde. Durchaus mchts Neues brachte test Entscheidung. Aber sie ließ diese eine Perle in der Sapftfront wieder herrlicher aufleuchten und rückte sie lieber mehr vors Auge der Welt. Sie stärkte den kath. big nach dem einen Mittelpmrkt der Autorität in Rom. froher wußten seither die Katholiken, dort den ragenden felfen, an dem die noch so hochgehenden Fluten des modernen Unglaubens zerschellen. Den Leuchtturm hauen sie dort, von dem volle Fluten des Lichtes, der kraft und der Liebe hinemströmen in die wirre Finster- is der Welt.
Jetzt erst, im Lichte der verflossenen 50 Jahre, kanten wir es voll ermessen, welch große Wohltat für kirche und Welt diese feierliche Glaubensrntscheidung nar, wie zeitgemäß und notwendig sie gerade damals lach Gottes Willen erfolgen sollte. Gl«ch nachher etzte bei uns und in anderen Ländern der Kulturkampf in. Er wäre gewiß nicht so glorreich von bei? Katho- iken bestanden worden, wäre nicht vor aller Augen so Tor und unverrückbar die Stellung und Lehrgewalt des ßapftes durch dieses Konzil umschrieben gewesen. Dabei laste die ganze herrliche Versammlung die Glaubens- reudigke'ü der Katholiken mächtig gehoben. Der an- türmenbe Unglaube, der staatlich geförderte Irrglaube, ?cr damals „allgewatüge" Poliz-stock trieben dre Herde nur noch enger um den Hirten.
Die Autorität des Papsttums war unverrückbar fest und gesichert. Und darauf baute sich auf das gewaltige Wirken Leos XIII. in seinem herrlichen Rundschreiben, darauf gründete sich auch das erfolgreiche Einschreiten Prus X. gegen die Irrtümer des Modernismus, nicht weniger fein ungemessener Einfluß auf die Erneuerung und Vertiefung des religiöskirchlichen Lebens.
Vollends Benedlkt XV.! Er fchenck geradezu von )er Vorsehung berufen zu sein, die ganze Ernte des Latikanums und seiner wichtigsten Entscheidung einzu- bringen. Die Herausgabe des neuen Welt-Kirchenrechts, )ie wachsende Wirksamkeit seiner Rundschreiben, feine Erfolge um den Frieden und. die Versöhnung der Völker, lne auffallende Annäherung der orientaicsche.r Kirchen und so vieles andere: das konnte „in unserer Zeit des des Haffes und der Selbstsucht" nur einer erreichen, zu dem die gläubige und die ungläubige Wett seit 50 Jahren wieder erneut aufschauen lernte als dem Träger überirdischer Gewalten. Auch in den großen Nöten unserer Zeit ist bei ihm allein Rettung zu finden. „Die sozialen Reformen genügen als Rettung und Heilmittel nicht. Auch nicht der Sturz einer Regierung und ihr Ersatz durch eine andere. . . . Das Uebel kommt daher, daß die zu Regierenden unregierbar geworden sind, liegt darin, daß der Gedanke an die göttliche und menschliche Autorität verschwunden ist. ... Die Katastrophe vermag nur ein Mittel noch abzuwenden, ein einziges, wenn wir alle, jeder nach seinen Kräften, uns bemühen, eine heilsame religiöse Erneuerung hervorzurufen." Diese religiöse Erneuerung, die wieder Autorität und Achtung vor der Autorität bringt, kann nur erfolgen im Anschluß und in der Gefolgschaft der höchsten Autorität auf Erden. Nur im Anschluß und in der Gefolgschaft des Papstes wird die Welt Heil finden, so aber sicher. Die letzten 50 Jahre Papst und Weltgeschichte sind dafür lichtklarer Beweis.
>Spaa den Anfang eines geregelten und völkerrechtlichen Wechselverkehrs zwischen den Staaten, die nach der Verfeindung im Weltkrieg unter sich Frieden geschlossen haben. Und auch die Wcchrnehmung ist von Belang, daß nicht bloß unseren Vertretern, sondern auch denen der Entente viel, sehr viel daran lag, bk Konferenz nicht resultaüos scheitern zu lassen. Wenn man gerecht urteilen will, muß man das Abkommen in Spaa betrachten im Rahmen der Bestimmungen des Versailler Vertrages. Und do zeigt sich, daß es uns gelungen ist, immerhin gewisse Erleichterungen zu erreichen. In der mUltärlfchen Frage ist die Abrüstungs frist dès Heeres auf 100 000 Mann, die nach dem Versailler Vertrag bereits bis zrnn 10. Juli d. 2. gefordert war, etappenweise auf 6 Monate verlängert worden. Diese Verl ängerungssrist genügt u. E. allerditigs nicht, um der inneren Lage Deutschlands gerecht zu werden — sie bedeutet aber schließlich sowohl eine Erleichterung in der technischen Ausführung der Abrüstung überhaupt, als auch einen Aufschub, der uns vielleicht von Nutzen werden kann. Was die Kohlenfrage angeht, so wissen wir, daß der Versailler Vertrag von uns eine jährliche Lieferung von 40 Millionen Tonnen vorgesehen hat, währerrd wir nach dem Abkommen von Spaa nun* mehr pro Jahr 24 Millionen Tonnen zu liefern haben. Zwar sind mehrere Sachverständige, darunter der Koh- lmköiny Stinnes der Ansicht, Deutschland könne auch dieses Quantum nicht liefern, ohne große Schädigung der deutschen Industrie und Arbeiterschaft, ifagegen meinte der Außonnrinist^t Simons, man müsse wenig« stens den Versuch machen, die Stollen zu liefern. Mit Anspannung aller Krätfe und unter der Voraussetzung einer ausgezeichneten Organisation der Stollen Derlei» lang könne diese von uns der Entente zugestandene Tonnmzahl tatsächlich auch aufgebracht werden, zumal die dafür geleistete Bezahlung, die dem Versailler Vertrag gegenüber eine erhebliche Besserung aufweift, eine bessere Ernährung der arbeitenden Klaffe emiög- licht. Die Franzosen haben sich nämlich bereit erklärt, für die deutschen Kohlen den Inlandspreis und eine Prämie von 5 Mark in Gold für die Tonne zu zahlen und den bis zum Weltmarktpreis noch fehlenden Betrag als Darlehen zu geben, wofür Deutschland, wie gesagt, Lebensmittel an die kohlenfördernden Bergarbeiter beschaffen soll. Wärm wir nicht darauf eingegangen, dann hätten Franzosen und Belgier das Ruhrrevier besetzt und die Verleitung der Kohlen selber in die Hand genommen, natürlich nach ihrem Belieben und ba hätten sie sich nicht mÄ den 2 Millionen Tonnen begnügt, sondern wir hätten ihnen liefern müssen was ihnen nach dem Friedensvertrag von Versailles zustand und dies selbstverständlich nicht zu den jetzt ausgemachten höheren Prüfen, was einen Verlust von 8 Milliarden Papiermark für uns bedeutet hätte. Liefern mußten wir also auf alle Fälle. wir hatten nicht die Wahl zwischen — Einmarsch oder Liefern, sondern zwischen Liefern ohne Einmarsch und Liefern mit Einmarsch unb da war das Erstere doch sicher vorzuziehen. Das hat man auch in allen einsichtigen Kreisen anerkannt. Im ReichsAsschuß für auswärtige Angelegenheiten wie in der Konferenz der Ministerpräsidenten der deutschen Länder wurde deshÄb das Verhalten der deutsche Mission in Spaa gebilligt. Im Reichswirl- schaftsral haben die Minister weitere Aufklärung gegeben und auch hier, wo die führenden Persönlichkeiten unserer Volkswirtschaft vertreten fmb, war man wohl allgemein der Ansicht, daß uns in Spaa eine überaus drückende Last auferlegt worden ist, die man vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet hätte ablehnen müssen; nachdem aber aus politischen Gründen die Unterschrift zu dem Abkommen gegeben worden sei, müsse alles geschehen, es durchzuführen. Gewiß wird auch der Reichstag,» der während wir dies schreiben in Berlin Zusammentritt, in seiner Mehrheit ebenfalls zustimmen. Die nicht zufrieden sind mit dem Ergebnis in Spaa, vergessen, daß wir die Ohnmächtigen und Besiegten sind, daß die Friedenbedingungen von Versailles gelten und daß wir doch schon Manches davon abgebröckelt haben.
Ueber Spaa
ist noch viel geredet und geschrieben worden. Ungeteilten Beifall hat das Abkommen nirgends gefunden, auch nicht bei unseren Gegnern in Frankreich und England. Das ist wohl der beste Beweis dafür, daß es doch nicht ganz so ungünstig für uns ist, wie es die .Kritiker bei uns machen wollen. Gewiß ist es außer - ordentlich zu bedauern, daß von der Entente nicht mehr zu erreichen war und daß sie unserm sachlichen Einwänden gegenüber taub geblieben ist. Andererseits darf aber nicht verkannt werden, daß unsere Unterhändler doch mit großer Energie und Zähigkeit diejenige Position für uns zu erkämpfen suchten, die nach der gangen Lage der Dinge zu erreichen überhaupt möglich war. Es war ja schon ein Fortschritt, daß wieder einmal ein persönlicher Gedankenaustausch zwischen uns und den Alliierten stattfand. Während nach Versailles die Deutschen zur bloßen Entgegennahme des feindtzchen Machtgebotes befohlen waren, bildet
In âuZführung des Tpaaâommèm
ist der Entwurf eines Asichswehrgefehes dem Reichstag zugezangen, das die Stärke der Reichswehr auf 100 000 Mann, die der Marine auf 15 000 Mann festfetzt. Das Heer, das aus Freiwilligen sich zusammensetzt, besteht demnach aus 21 JnfaMerie-Reaimentsm. 18 Reiter-Reaim«:-
tem. 7 Artillerir-Regimentern, 7 Pionier-Bataillonen. 7 Nachrichten-Abteilungen, 7 Kraftwagen-Abteilungen, 7 Sa« nitäts-Abteilungen. Es werden zwei Truppen-Komman- dos, 7 Infanterie- und 3 berittene Divisionen gebildet. Di« Flotte besteht aus 6 Linienschiffen, 6 kleinen Kreuzer». 12 Zerstörern und 12 kleinen Torpedobooten. Die Dienstzeit beträgt für Offiziere 25 Jahre, für gewöhnliche Soldaten 12 Jahre. Politisch« Betätigung innerhalb des Dienstbereichs sowie Teilnahme an politischen Dereirre« und Versammlungen ist verboten. Das Recht zu wähle« ober zur Teilnahme an Abstimmungen ruht für den Scst- daten. Weiler ist ein Eatwasfnungszesetz in Vorbereitung. Danach soll es zunächst mit der freiwilligen Ablieferung der Waffen unter gleichzeitiger Aussetzung von Prämien versucht werden, und erst nach Ablauf einer bestimmten Frist soll mit einer planmäßigen Entwaff- nungsaktion durch die Sicherheitspolizei vorgegcmgen werden.
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Eine böse SAppe
ist uns von Oesterreich eingedrückt worden. Man wollte den dort schon seit Monaten festgehaltenen ungarischen RätejcSen Bela Kun (Kohn), auf besten Konto all die Schandtaten der ungarischen Räterepublik kommen, mit einem Transport in ihre Heimat entlassenen rufftf d>cn Kriegsgefangenen nach Rußland durchschmuggeln. Der Transport ging durch Preußen nach Stettin und sollte von da yi Schiss nach Rußland gehen. Die Zeitungen brachten zwar die Nachricht, Bela Stun und feinem Münchener Genossen Levien sei es in Oderberg, an der preußischen Grenze, gelungen, den Zug zu verlassen und noch Rußland sich durchzuschmuggeln. Das war aber nicht richtig, die Meldung war von seinen Anhängern fälschlich hinausgegeben worden, um die deutschen Behörden irre zu führen. In Stettin wurde Bela Kun entdeckt. Die deutsch« Regierung wollte nun den ganzen Transport roteber nach Oesterreich zur tickgehen lasten; das machte sich aber die Sache sehr leicht imb verweigerte ganz einfach dir An- nähme. Nun haben wir diese Leitte auf dem Pelz und allerlei Scherereien zu gewärtigen, wenn Ungarn dis Auslieserulig verlangt; denn von einem andern Fall her wissen wir, daß Sowjetrußland mit den schärfsten Repressalien droht — wir haben bekanntlich noch viele Gefangene dort —, wenn seine verbrecherischen Lieblinge nicht wunschgemäß nach Moskau geschickt, sondern dem Lande zur Aburteilung übergeben werden, in dem sie ihre Verbrechen begangen haben. Es wäre gescheiter gewesen, man hätte den Bela Kun laufen lasten.
Dom schMampf.
Der Schulstreik zu Herne ist zu Ounften der kathol. Eltern beruftet, die beiden ungläubigen Lehrer sind von der katholischen Schule entfernt worden. 95 Prozent der Eltern haben sich in Herne für die konfessionelle Schule ausgesprochen und die Entfernung der zwei Lehrer verlangt; für die 122 Kinder, die vom Religmns- rmterricht auf Antrag ihrer Eltern befreit worben sind, wurde eine „freie" Schule eingerichtet mit vorläufig 2 Klaffen und die zwei ungläubigen Lehrer sind als Lehrer daran angestellt worden. Der Herner Schulstreik ze»gt eindringlich, wie nötig unsere Schulorganisationen zur Mobilisierung der Eltern finb und wie nötig wir eine gläubige Lehrerschaft brauchen. Bekanntlich ist der Fall in Herne nicht der einzige gewesen, wo bid Eltern zum Schulstretk ihre Zuflucht genommen haben. Selbstverständlich haben sie das nicht gerne getan, jeder Streik ist bedauerlich und bedenklich, vor allem ein solcher Schul- oder besser gesagt, Schülerstreik, durch den die Achung vor der 2lutoriiät der Lehrer und vor der Autorität überhwrpt in den Kinderseelen einen Schaden leidet, der kaum wieder gut zu machen ist; aber wenn alle anderen Mittel zur Beilegung vorhandener Gegensatz« umsonst waren, dann kann es vom christlichen Stcnrdpunkt aus nicht bestritten werden, daß Eltern rrichL nur das Recht, sondem sogar die Pflichl haben, ihre Kinder aus einer Schule fernzuhatten, wo sie Gefahren für die Gesundheit des Leibes ober der Seele ausgesetzt sind. Der Sd^ilftreit ist das letzte zulässige Mittel, tos der katholischen Elternschaft im Kampf für die ErhaLung der konfessionellen Schule zusteht. Die Entschiedenheit und Be^irrüchkeit womit katholische EÜern wiederholt, so u. a. in Herne und neuer» btngs in Plauen davon Gebrauch gemacht haben, fasste der Regierung und ollen, die es angeht, ein Beweis dafür fein, daß es uns Katholiken mit dem Kampfe für die christliche Schule heiliger Ernst ist Wir wünschen keinen Streit, es ist für uns nur ein durch die Not aufgezwungener Entschluß, wenn Eltern nach gemeinsamem Plane ihre Kinder aus der Schule fenlhaL«t. Hoffentlich werden die Fälle, wo dieses nötig ist, immer seltener, indem alle, die in der Schuls