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DK Moniert«} in Spaa

t nach vielen Zwischenfällen, Krisen, Spannungen nd Enspannuugen, doch nochfriedlich" zu Ende 600n gen. Erledigt wurden von den 4 Gegenständen er Tagesordnung, die militärische Frage, die Frage er Kriegsversehrt» und die Kohlenfrage; die Frage er Wiedergutmachung wurde für eine neue Kon­wenz in Genf zurückgestellt. Am schnellsten und richtesten ist das Problem gelöst worden, das noch or kurzer Zeit die Gemüter am heftigsten bewegte, ämlich die Bestrafung der Deutschen, welche wegen lergehen gegen die Kriegsregeln angeschuldigt wurden, zier ist es einer gemischten Kommission von Sach» erftändigen in kürzester Zeit gelung eine Ver- ändigung über die einschlägigen Me. zu er- ielen. In den beiden anderen Fragen ha. .-.an zwar uch mit uns verhandelt, aber ohne uns entschieden, -nd wohl oder übel mußten wrr uns dem Diktat lnserer Feinde fügen. In der Entwaffnungsfrage lieb uns nichts anderes übrig, als einen Vertrag u unterschreiben, der die Herabsetzui Reichs» sehr auf 100000 Mann festhält, und ntwaff» tung der Sicherheilswehr und der &. > wehren wrsieht. Nur das eine Zugeständnis wurde dabei rreicht, daß nicht am 1. Juli 1920, sondern erst 'is 1. Januar 1921 die Herabsetzung der Reichswehr rsolgen muß. Die Sicherheitswehr kann in anderer Formation und Abrüstung fortbestehen. Bei Nicht- rsüllnng dieser Bedingungen droht neue Besetzung üddeutscher Gedre-e oder deS Ruhrreviers. Auch n der Kohlenfrage haben wir Verpflichtungen auf ms nehmen müssen, die uns zu erdrücken drohen. Hwei Millionen Tonnen, statt der 31/» Millionen, ne der Versailler Vertrag vorschrieb sollen wir nrnotlich liefern, das ist eine Erleichterung, aber mmer noch reichlich das Doppelte von dem, was oir bisher in dem günstigsten Monat (Mai 962 000 können) an die Entente abliefern konnten. Zwer Nillionen Tonnen Kohlen im Monat sind ein Fünftel unserer gegenwärtigen Gesamtproduktion, sie sind rund ein Drittel von dem, was unS nach Deckung des Selbstverbrauchs der Zechen, deS Bedarfs der Transport-Unternehmungen und der Gas-, Waffer- und Elektrizitätswerke usw. noch für Hausbrand, Industrie und Landwirtschaft übrigblewt. Ein Drittel! Danach kann man ermessen, was unS in diesem Herbst und Winter bevorstehen soll, an Mangel des privaten Lebens und, unendlich schlimmer, an Not für alle auf die Kohle angewiesene wirt­schaftliche Arbeit, vor allem der Industrie. Man kann es noch deutlicher ermessen, wenn man erwägt, wie verheerend der Kohlenmangsl jetzt schon die industrielle Arbeit eingeschränkt hat. Tatsächlich verlieren wir mit der gewaltigen Kohlenmenge, die wir abzuliefern haben, den Betriebsstoff für einen großen Teil der deutschen Wirtschaft, die zusammen- brechen muß, wenn es unS nicht durch höchste Kraft- anspannung bis zum Aeußersten gelingt, mit Hilfe von Mehrarbeit einigermaßen Ersatz' zu schaffen. Diehrarbeit aber ist teuer. Ueberschichten bedingen einen höheren Lohn, setzen bessere Ernährung und Be­kleidung der Bergarbeiter voraus, bamit sie den Mehr- anstrenIungengewachsen werden. Sie setzen die Heran­ziehung neuer Albeitermassen ins Ruhrrevier voraus unddafür,eineWohikbautäNgkeitallergrößtenStilesmit riesigen Kosten. Darum hatte die deutsche Abordnung vorgeschlagen: es solle für die gelieferte Kohle der Weltmarktpreis angerechnet werden, wobei der Betrag des Inlandspreises uns auf das Wiedergutmachung- tonto abgeschrieben, der Rest aber uns in bar zur Verfügung gestellt werden solle,. und es sollten uns ferner Vorschüsse für Einfuhr von Lebensrnittel»» £ c^n industriellen und landwirtschaftliche»» offen gewahrt werden, um uns bamit wirl- fchaslnch leistungsfähig für so ungeheure Opfer gu machen. Leider gingen die Alliierten daraus auch mchl ein, nur einen Zuschlag von 5 Goldmark (42 Mary haben sie bewilligt, während die Differenz bis gärn Weltmarktpreis uns nicht ausgezahlt wird, sondern, nur ein Vorschuß sein soll, den wir natür­lich später zurückzahlen müssen. Die Folge davon wrrd eine Verteuerung des Inlandspreises der Kohlen ~ jetzt, wo wir nichts so dringend brauchten einen Abbau der Preise. Wenn aber trotzalledem auch hier unsere Vertreter zu^estimmt haben, so war für sie ausschlaggebend die von der Entente ongedrohle

Besetzung des Ruhrremsrs und feine Abtrennung vom Reichskörper.

Daß sie unfehlbar gekommen wäre, ist sicher. Sie hätte aber nicht bloß bèn letzten Rest unserer wirtschaft- lichen Selbstoerfügung beseitigt, sondern auch das ganze wirtschaftliche Leben Deutschimids in schwerste Gefrchr gebracht und den Zerfall des Reiches eingÄettet. Man hört wohl hier und da die Mekmng, wir HÄten gegen­über den Forderungen ter Alliierten Widerstand bis aufs Lleußerste leisten sollen aber so kann nur ter reden, dem der Zerfall des Reiches gleichgültig, wenn »richt gar erwünscht ist. Wir können einen solchen Standpunkt nicht begreifen, sondern betrachten es als höchstes Gebot, wenigstens teu Zerfall des Reiches zu verhindern, der uniLerschbaren Wirrwarr in Deutsch­land heraufführen müßte. Kommt dieser Zerfall bann trotzdem noch, so haben wir wenj^trns getan, was wir tim konnten, um ihn zu verhindern. Das Unglück kommt aber dann iwtf) früh genug. Einstweilen müssen wir Hessen und daraufhin arbeiten, daß wir es vermeiden. Es wird allerdings gewaltige Anstrengungen kosten, wenn wir ans Ziel komrnen wollen, unb unsere ganze Kraft in Anspruch nehmen. Das sollen sich vor allen auch diejenigen gesagt sein lassen, auf deren Schultern die Last der Verantwortung zum größten Teile liegt, unsere deutschen Arbeiter.

Zunächst bei den Bergarbeitern im Ruhrrevier liegt jetzt die Rettung Deutschlands. Lassen sie fetzt die Arme sinken, geben sie ter Mrhetzung nach, dann werden wir in den nächsten Moncüen das Chaos in Deutschland haben. Ueberhaupt, wenn es »richt gelingt, die deutsche Industrie aufs neue leistungsfähig zu machen, ongefan- gen in der Urprobutfion, im Bergbau und der Eisen- Produktion, dann ist der Zerfall des Reiches nicht auf­zuhalten, dann stehen aber auch all die schönen Errun­genschaften ter Arbeiterschaft, heißen sie nun Acht- stundentag oder soziale Versicherung, schon heute nur noch auf dem Papier. Mögen die deutschen Arbeiter­führer den Mut haben, ihren Leuten d« Wahrheit über ihre Lage zu sagen. Arbeitsamtes tut uns not und noch etwas: Sparsamkeit. Auch da muß es anders wer­den, als es bisher in vielem war. Es wirb geschkemml, gezecht, gespielt, getanzt, gereist, gekauft wie kaum je. Dis Träger des neuen RÄchtums fhib die Führer in der Vergeudung und auch wette Schichten der arbeitenden Bevölkerung, die flott verdienen, geben flott aus, weil die gefüllt Brieftasche ihnen Geld vortäuschen. Das muß aufhören, viele wissen gar nicht, wie bettelarm wir sind. Wollen wir wieder emporkommen, dann muß nach Vätersitte jeder Pfennig gespart werden. Sonst kommts schließlich soweit, daß wir um unsere Paprerfetzen überhaupt nichts mehr bekommen. Die Zeit ist ernst. Möge das deutsche Volk diesen Ernst begreifen.

Ueber unsere Ernährungslage

hat auf der Konferenz in Spaa der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Hermes eine aus­führliche Darlegung gegeben. Ohn« Hilfe unserer seit­herigen Feinde ist es uns nicht möglich, den Druck der Unterernährung, der schwer auf uns lastet und die Quelle aller Schwierigkeiten auf politischem, wirtschaft­lichem unb sozialem Gebiete ist, zu beseitigen. Die Ursache unserer Not liegt daran, daß die Produktion stark gesunken ist, daß die Betriebsmittel und Roh­stoffe fehlen, die Produktion zu heben, und daß es an Zahlungsmittel»» gebricht, um die fehlenden Lebens­mittel einzuführen. Die Anbaufläche an Brotgetreide und Kartoffeln ist stark Pirückgegangen, ebenso ter Ernteertrag.

Die Gesamterntemenge in Deutschland nach den neuen Grenzen verminderte sich in dem Zeitraum 1913 bis 1919 bei Brotgetreide von rund 13,3 Millionen Tonnen auf 8,5 Millionen Tonnen, bei Kartoffeln von rund 40,3 Millionen Tonnen auf 21,4 Millionen Tonnen und bei Zuckerrüben von rund 12,9 Millionen Tonnen aus 5,8 Millionen Tonnen. Auch der Be­stand an Rindvieh ist bedeutend zurückgegangen und der Gesamtmilchertrag ist gesunken pro Jahr von 24,9 Milliarden auf 9 Milliarden Liter. Schließlich ist das Schlachtgewicht bei Rindern, Schwei­nen und Schafen um 5030 Proz. gefallen. Jeden­falls verfügt die deutsche Bevölkerung heute über ein wesentlich verringertes Quantum an pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln heimischer Erzeugung. Deutsch­land ist daher gezwungen, die im Kriege eingeführte!

Rationierung noch für eine Reihe der wichtigsten Le» bensmittel fortzu führen. Die Rationen müssen aber so knapp bemessen werden, daß sie etwa nur die Halft« des täglichen Mindestbedarfs eines erivachsenen Men­schen decken. Kein Wunder, daß die Kindersrerblichkei sehr groß ist und im Jahre 1918 in Preußen faf 68 000 betrug, gegen 53 000 im Jahre 1914. Wäh rend von (Etwa dienen an Tuberkulose im Jahre 191* 13,7 Proz. starben, waren es 1920 schon 21,7 Proz Wie so einerseits das Heranwachsende Geschlecht in sei­ner Äigendkraft verwüstet wird, so gestaltet anderer­seits der Zustand der chronischen Unterernährung der erwachsenen Bevölkerung nicht, ihre volle Arbeitsfähig­keit wieder zu erlangen. Die Folge ist die Unmögiich» leit, die gegenwärtigen durchaus unzureichenden Lei­stungen im Bergbau zu steigern. Gerade aus den Bergarbeiterkreisen häufen sich die Klagen über die durchaus unzureichende ruährung. Dieser Zustand muß bei aller Bereitwilligkeit der Arbeiter zur Arbeit leistuno infolge der physischen Unmöglichkeit zu einem neuer: -m Sinken der Kohlenförderung führen. Hier­zu lüu. noch, daß die schwierige Lage, in der sich die deutsche Industrie augenblicklich befindet, es einem wachsenden Teil der Bevölkerung unmöglich macht, die auf Karten ausgegebenen Lebensmittel sämtlich abzu­nehmen, da der Preis die Kaufkraft ter Bevölkerung übersteigt, obwohl das Reich einen Teil der Lebens- mittel verbilligt hat. Die augenblicklich ausgegebenen Wochenrationen kommen auf 10>4 Mk. zu stehen, während sie vor sechs Jahren 7,67 Mk. kosteten. Eine weitere Verbilligung, wie sie bitter erfolgt ist, aus Reichsmitteln, ist bei unserer trostlosen Finanzlage ausgeschlossen. Ohne tatkräftig Hilfe des Auslandes können wir nicht zu normalen Ernährungsverhältnissen kommen. Solange aber die Massen noch hungern müs­sen, sind Putsche und Revolten nach wie vor leicht mög­lich und an eine dauernde Beruhigung ist nicht zu denken. Fällt ein Bazillus auf widerstandsfähiges Blut, so stirbt er in einer Sekunde machtlos dahin, fällt er in krankes Mut, dann setzt er sich fest, ver­mehrt sich millionerihaft und bringt den Leib zum Sterben. Demagogisches, volksverhetzendes Wort ver­hallt bei glücklichem Volk, bei gequälten Menschen er­zeugt es Fieber, .Krämpfe, Tollwut.

100(500 Milchkühe

sollen wir aus Amerika bekommen, um die drängende Not der Milchyersorgung für die unterernährten deutschen Kinder, besonders für den kommenden Winter zu mildern. Da tvir keinen geeigneten Schiffsraum zur Durchführung des amerikanischen LiebeSwerkes besitzen, hat unser Gefchäfsssührec in London sich bemüht, daß von englischer Seite der zum Transport der Milchkühe ersorderttche Schiffs­raum zur Verfügung gestellt wird.

Eine TüktlssigkèiL

war es ohne Zweifel, wenn die französische Botschaft in Berlin am französischen Nationalfeiertag (14. Juli) ihre Feier, an der die Vertreter der Ententekommission teilnahmen, auf dem Platz vor dem Botschaftsgebäude abhielt. Franzvsisck)e Offiziere und Matrosen be­nahmen sich dobri sehr anmaßend und herausfordernd, dein Einschreiten der Sicherheitspolizei gelang es aber, Ausschreitungen zu verhüten. Nach Schluß ter Feier kletterte ein junger Mensch auf das Dach ter Botschaft unb holte bk französische Fahne herunter und ver­schwand damit. So etwas ist ja erklärlich aber wir können uns, wie die Dinge liegen, den Luxus solcher Dummenjungenstreiä)« nicht gestatten. Sie vermögen unsere Sage höchstens nur zu verschlimmern. Es wird bei uns immer nur zu gern vergessen, daß wir eben die Besiegten sind und der Sieg den Siegern beson­dereRechte" gibt. Natürlich mußten wirGenug­tuung" leisten, außer der offiziellen Entschuldigung mußte eine Kompanie Reichswehr aufmarschieren und die französische Flagge grüßen. Daß derartige Zwischenfälle zur Besserung der deutsch-französischen Beziehungen nicht beitragen, ist klar.

Ein trauriges Ende hat ter jüngste Sohn des Kaisers, Prinz Joachim, genommen. Seine Nerven sollen seit den trüben No­vembertagen 1918 völlig zerrüttet gewesen fein und in der letzten Zeit soll sich sein Zustap^ "Mj «vrWi?