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Spaa

hat in der vorigen Woche im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Nicht weniger als 300 ausländische Zei- iungsvertreter haben sich dort eingefunden und da kann man es verstehen, wenn die Zeitungen von Be­richten, Stimmungsbildern, Eindrücken, Beobachtungen, Besprechungen und sonstigen Ergüssen aller Art wim- mein, dieunser Sonderberichterstatter uns aus Spaa meldet". Was daran Wahrheit was Dichtung ist, wer will das sagen, zumal die Nachrichten sich oft direkt widersprechen und manche Journalisten selbst in den Mienen der Ententegewaltigen Stoff für lange Artikel finden, um das Sensationsbedürsnis der Leser zu befriedigen. Wir brauchen das glücklicherweise nicht mitzumachen, schon aus dem einfachen Grunde, r^eil wir dazu keinen Platz haben. Wir begnügen uns da­mit, das Ergebnis der Konferenz, soweit es bis jetzt vorliegt, unseren Lesern mitzuteilen. Wenn wir in der vorigen Nr. vor allzu grossen Hoffnungen gewarnt haben, so hat der bisherige Verlauf uns recht ge­geben. Es ist ein widerwärtiges Schauspiel, das uns Spaa bietet, es ist nicht der Geist des Christentums, nicht der Geist des Friedens und der Versöhnung, der die Konferenz beherrschte, sondern

der Geist der Hasses und des IRammonisnms.

Der Haß macht bekanntlich blind und so sehen seine Träger bte Vertreter der Entente in Spaa nicht, wie sie das dem deutschen Volke zugedachte Verderben auf sich selbst heraufbeschwören.

Die Konferenz von Spaa sollte die erste wirkliche Friedenskonferenz sein, denn die bisherigen Zusam- riintünfte und Verhandlungen unserer Gegner waren nur Besprechungen unter sich. Eine wirkliche Frie­denskonferenz verlangt, dass Sieger und Besiegte am gemeinsamen Tisch, von Mund zu Mund, oder wie der Reichskanzler Fehrenbach in Spaa sagte: von Mann zu Mann verhandeln. Und das sollte nun, so erwar­tete man, zum erstenmal feit dem großen Völkerkrieg geschehen. An denselben grünen Tischen im Saale des Schlosses de la Freineuse sitzen die Staatsmänner Lloyd George und Millerand, der belgische Minister­präsident de la Croix, der den Vorsitz führt, lapm sche und italienische Vertreter und die deutschen Reicbs- mmifter unter Führung des Reichskanzlers Fehrenbach. Leider entspricht der bisherige Verlauf der Konferenz nicht ben Erwartungen, man gewinnt vielmehr daraus immer mehr den Eindruck, daß die deutschen Vertreter nicht als gleich- und vollberechtigte Partei am Ver­handlungstisch, sondern auf der Anklagebank sitzen, als Angeklagte R«-de und Antwort zu stehen haben und sich gegebenenfalls auch verteidigen dürfen, schließlich aber gerade wie s. Zt. in Versailles, die zum Voraus unter den Cntente-Vertretern gefassten Beschlüsse ent- gegenzunehmen haben mit der sie begleitenden Drohung:

Friss Vogel oder stirb!

Das trat besonders deutlich hervor bei der Abrüstungs­und Entmaffnungsfrage. Sie liegt den Franzose, cm meisten am Herzen. Sie fürchten die Rache der Deut­schen, das W ldererstehen deutschnationalen und mili­taristischen Geistes und wollen von ihrem Stand­punkt aus mit Recht alle Mittel anwenden, welche einen neuen Krieg, einen Rachefeldzug Deutschlands auf Lahrzehnte hinaus unmöglich machen. Die deut­schen Chauvinisten, die Vergeltungsabsichten äußern und in STr-ct und Schrift auf eine solche Zukunft,mög- lichkeit Hinweisen, ehnen gar nicht, wie sehr sie uns damit schädigen, den Gegner zu weiteren, noch gründ­licheren Unterbiückungsmaßvegeln reizen und ihr Ziel trotzdem damit nicht fördern, sondern eher verhindern. Der beste Beweis dafür ist der Beschluß in Spaa, in der Entwaffnungsfrage, den unsere Vertreter unter dem Zwang der Verhältnisse angenommen haben. Danach müssen von 200 000 Mann der Re'ckswehr 100 000, davon 50 000 bis zum 1. Oktober, der Rest bis zum 1 Januar 1021 entlassen werden. D'e Sickler- Heitspolizei. der d:e Alliierten ihre mitltän $> Organi­sation und Bewaffnung vorwerfen, muß in der blauen Polizei aufgehen, für die uns im ganzen 150 000 Mann zugeftanden worden sind. Die Einwohnerwehren mit inren angeblich 600 000 Gewehren, ohne die Bayern, Württemberg und manche andere Reichsteile behaup­ten, nicht für die innere Ruhe sorgen zu können, müs­sen sobald wie möglich verschwinden. Und die Regie- rung hat binnen kürzester Zeit eine große Menge von Kriegsmaterial auszuliefern,. zu zerstören oder, soweit «s verschwunden ist wie die zwei Millionen Ge­

wehre, deren Verbleib nach den eigenen! Angaben des Generals v. Seeckt zur Zeit nicht nachweisbar ist zu suchen und, wo notwendig, mit der uns gelassenen geringen bewaffneten Macht ernzuziehen. Ob das mög­lich ist bei den dabei zu erwartenden Widerständen und angesichts der katastrophalen Machtlosigkeit und Schwache der Regierung, wer will das sagen; wer will auch sagen, wie in dieser Zeit der wirtschaftlichen Not und zunehmenden Arbeitslosigkeit die entlassenen Reichswehrsoldaten in chren Berufen untergebracht werden können. Aber trotz all der Schwierigkeiten haben wir unterschrieben, um der Gefahr der sofortigen

Besetzung des Ruhrgebleles

zu entgehen, und vor allem auch, um eine Möglichkeit für die Fortsetzung der Konferenz zur Erörterung der wirtschaftlichen Lebensfrage zu schaffen. Der Gefahr der Besetzung während und nach der uns gestellten Frist entgehen wir deshalb nicht, denn die Entente hat sie bei Nichterfüllung der Bedingungen als Strafe an­gedroht, aber die Bedrohung ist fürs erste aus der unmittelbaren Gegenwart gebannt, und kommt Zeit, kommt Nat.

Aehnlich wie. in der Entwaffnungsfrage schien es auch

in der Kohlensrage

gehen zu sollen. Die Franzosen gehen dabei von der Tatsache aus, daß wir die Gruben in Nordfrankreich zerstört und auf absehbare Zeit unausbeutbar gemacht hätten. Wir sagen, daß das aus bitterer Kriegsnot­wendigkeit geschehen ist; die Franzosen d«§sZen be­haupten, es liege eine unnötige Zerstörung ihrer Verg- merfe vor, und wir hätten sie dadurch in eine noch schlimmere Lage in Bezug auf die Kohlenversorgung gebracht, als unsere eigene heute ist. Als Ersatz eig­neten sie sich das ganze Saargrubengebiet an, behaup­ten aber, damit sei ihr Ausfall noch nicht gedeckt, und haben sich darüber hinaus einen Anspruch ans weitere beträchtliche Kohlenlieferungen von unserer Seite ge­sichert. Da wir dabei ohne unsere Schuld infolge innerer Unruhen, Streiks, Hochwasser der Rheins u. a. etwas im Siütfftanb geblieben sind, kommen die Fran­zosen auch hier mit einem Ultimatum, wonach sie auf alle Fälle jährlich 18 Millionen Tonnen verlangen und zwar wollen sie nicht zufrieden sein mit dem, was wir bei schärfster Einschränkung des eigenen Bedarfs erübrigen können, sondern sie verlangen das Vorrecht vor uns, sie wollen sich zuerst alles nehmen, was sie brauchen und uns den Rest dann gnädigst ablassen, so­weit ein solcher überhaupt noch vorhanden sein wird, ja, man will die gesamte teutsche Kohlenproduktion unter die Kontrolle der Entente stellen. Wir' sollen unser jeweiliges Programm für die deutsche Kohlen­wirtschaft den Alliierten jur Genehmigung vorlegen und eine Ucberwachungskommission soll die Ausfüh­rung kontrollieren und befugt sein, bei Nichterfüllung Zlrafmsssnahmen zu treffen. Dagegen erhoben unsere Vertreter schärfsten Widerspruch. Was da verlangt wird, ist das Zweieinhalbfache dessen, was wir bieten können. Als Vertreter der Unternehmer sprach Hckgo Stinnes, der die Erfüllung als unmöglich bezeichnete, weil sie die völlige Vernichtung der deutschen Wirt­schaftslebens bebaute, auch durch den Einmarsch der Alliierten lasse sich die Ausführung nicht erzwingen. Derartige Gewaltmaßnahmen würden nur zur Revo­lution und zum allgemeinen Ruin führen, die Indu­strie werde zerstört, die Arbeiter ausgehungert und der gegenwärtige Zustand des Elends, der in drei Jahren verschwinden könnte, verewigt. Namens der B^rg-Ar- beiter erklärte Hue, daß Re Arbeiterschaft, obwohl durch die Hungerblockade entkräftet, tun wolle, was sie könnte. Die Alliierten sollten aber nicht glauben, daß die Diplomaten am grünen Tisch irgend etwas sestsetzen könnten, wenn die Arbeiter nicht bereit wären, das auszusuhren. Er hoffe, daß die Alliierten ihnen Gelegenheit geben würden, in einer Sachverständigen- Kommission in nähere Besprechungen einzutreten.

Zu solchen Besprechungen ist es dann auch gekom­men, und während wir dies schreiben, steht ihr End­ergebnis noch nicht fest. Unsere Vertreter hatten die Kohlenfrage und ihre Vorschläge dazu in Verbindung gebracht mit der Frage derWiedergutmachung" über­haupt und der wichtigeren Frage des wirtschaftlichen Wiederaufbaues, an der nicht nur Deutschland, son­dern

ganz Europa auf das stärkste interessiert ist. Nicht nur Deutsch­land, das ganze alte Europa ist krank yjb siech und be-

dars der inneren Erneuerung, um zur wirklichen Ge­sundung zu gelangen. Das Absterben des einen Glie­des wird auch das Absterben der übrigen Glieder nach sich ziehen. Verfällt Deutschland dem Chaos, dem Bell- schewismus, dann trifft das gleiche Schicksal über kurz oder lang auch die Westvölker. Nur ein Blinden einer, dem der Haß den Blick auch für die nächste Zu­kunft verschleiert hat, kann diese historische Ersahrungs« Wahrheit nicht achten. Die Krankheit, an der Deutsch­land leibet, ist nicht politischer, sondern wirtschaftlicher, sozialer Natur. Es ist die Krankheit des Hungers, in der alle Nebenerscheinungen: Arbeitsunlust, Streitfie­ber, Egoismus, Putschmanie usw. ihre Ursache haben. Die nächste Wirkung der Hungerkrankheit wird die Verzweiflung fein und der Verzweiflung folgt das Chaos, die Anarchie, die Auflösung aller Ordnung, die seuchenartig dann bald auch über den Rhein hin­übergreifen wird. Vernünftigerweise sollte also von allen, die. an einer Wiedergesundung des schwer kran­ken deutschen Volkskörpers und an einer Rettung des von der Anarchie bedrohten Europas ein Interesse haben, zuerst an die Beseitigung der Grundursache der Krankheit, des Hungers, d. h. an den wirtschaft­lichen Wiederaufbau Deutschlands geschritten werden. Unsere Vertreter haben in Spaa dazu jetzt den Weg gewiesen. Wir wollen schwerere Lasten auf unsere Schultern nehmen, als irgend einer der Sieger sie trägt; es fragt sich nur, ob man mit uns gemeinsam Europa wieder der Gesundung zuführen will, was ohne unsere frei und selbstverantwortlich übernommen« Arbeit für die Gemeinschaft Europa niemals gelingen kann oder ob man uns auf dem Altar der Sieges­trunkenheit opfern und zerstückeln will, um im Wahn­sinn dieser Verblendung bann uns schnell in de« Untergang nachzufolgen. Hoffentlich bleibt bk Ve» nunft doch Siegerin.

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DeuèWaâ verkehr mit dem ^usUu^. hat äußerlich wenigstens wieder die festen Formen de» Fliedens angenommen. Frankreich und England haben statt der vorläufigen Geschäftsträger Botschafter nach Berlin gesandt, die dem Reichspräsidenten ihre Ve- glaubisiungsschreiben überreichten. Die französische Republik vertritt Laurent, dem man Fachkenntnisse im Geldwesen und Wirtschaft nachrühmt, das britische Reich Lord Abernon. In der Presse wurde vermerkt, der Lord habe vorher überall da gewirkkt, wo England als heimlicher Oberherr Regierung und Finanzen über­wacht, besonders in der Türkei als Vorsitzender der Dette Publigue Ottomane. Ob bas ein Vorzeichen für uns fein soll? Nach bem bisherigen Verlauf der Kon­ferenz in Spaa ist das schon möglich, daß wir völlig unter Kuratel unserer Feinde kommen.

Die Mftimnnmg im GM,

; in Oft' nnb Westpreussen, ist trotz aller polnischer Nm ! strengungen zu einem grossen teutschen Siesesteg ge­worden. Mit den Einheimischen hatten sich die Brü­der aus ganz Deutschland zur Abstimmung Zusammen­gefunden.

Zur letzten Schloch!! Erhebt euch von der Streu Und schnürt die Schuhe, greift zum Wanderstab! Nicht sterben hcißt's nein leben, Treu um Treu Der Heimat treu, die uns das Leben gab.

Heirnnt, wir kommen, Hrrz und Augen heiß. Und Soft verlaß, wer dich verlassen mag.

Zur letzten Schlacht, fahrt aus, Mann, Weib und (Siek Ihr fahrt zu Deutschlands erstem Frühlingslsz!"

So erscholl der Ruf durch das Land und er fand ein freudiges Echo; alle, alle kamen, die teuren deut­schen Kampfgenossen aus dem Reich, der hochgemute Jüngling wie der Greis am Stabs, die ehrwürdige Matrone, wie die holderblühte Jungfrau. Mit der Eisenbahn, über See, ja selbst im Flugzeug. Und der Erfolg: In Westpreussrn betrug die Zahl der abge- gebenen Stimmen 99 316. Davon 91 634 Stämmen für Deutschland und 7682 für Polen. Somit 92 Prozent für Deutschland. In Ostpreussen wurden 361 063 Stimmen abgegeben. Davon entfielen für Deutschland 353 655 Stimmem^ür Polen 7 408 Stim­men. 97,9 Prozent der AbWimenden erklärten sich mithin für Deutschland. In der Tat, der verflossen« Sonntag war dererste deutsche Frühlingstag" nach langer trüber Winternacht.

Der Friede von Versailles hat bei dieser Abstim­mung eine neue moralische Niederlage erlittene. Nach