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Nr. 29

50. Zahrg

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 2. Mk., 82.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg. Bet Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. In Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für das Einklagen von Forderungen ist Fulda. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

- Druck und Derlag der Fuldaer SctienbrutfereL *-

wochenkalender.

Sonntag, 18. Juli. 8. Sonntag n. Pfgst., Camillus Bek. Symphorosa u. ihre Söhne M.

Montag, 19. Juli. Vincenz v. Paul Bek.

Dienstag, 20. Juli. Hieronymus Aemilianus Bek.

Mittwoch, 21. Juli, Praxedis, Jgfr.

Donnerstag, 22. Juli. Maria Magdalena, Büßerin

Freitag, 23. Juli. Apollinaris, Bisch. u. M. Liborius

Bisch, u. Bek.

S a in s t a g, 24. Juli. Vigil von Jakobus.

Ächter Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Luk. 16, 19.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern dieses Gleichnis: Es war ein reicher Mann, der Katte einen Verwalter und dieser kam in Übeln Ruf bei ihm, als hätte er seine Güter verschwendet. Er rief ihn al|o und sprach zu ihm: Warum höre ich das von dir? Gib Rechenschaft von^ deiner Verwaltung; denn du kannst nicht mehr Verwalter sein. Der Verwalter sprach bei sich: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Ver lvaltung abnimmt? Graben kann ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tue, damit, wenn ich von der Verwaltung entfernt sein werde, sie mich in ihre Häuser aufnehmen. Er rief nun alle Schuloner seines Herrn zusammen und sprach zu dem Ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Dieser aber sprach: Hundert Tonnen Oel. Und er sprach: Nimm deinen Schuldschein, setze dich geschwind und schreibe fünfzig. Dann sprach er zu dem Andern: Wie viel aber bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sagte zu ihm: Nimm deine Handschrift und schreibe achtzig. Und es lobte der Herr den ungerechten Verwalter, daß er klug gehandelt habe; denn die Kinder dieser Welt sind in ihrer Art klüger, als die Kinder des Lichtes. Auch ich sage euch: Machet euch Freunde mittelst des ungerechten Reichtums, da­mit, wenn es mit euch zu Ende geht, sie euch in die ewigen Wohnungen aufnehmen.

Grenzen des Erbarmens.

echenschaft werden wir alle ablegen müssen am Tage des Gerichtes; aber nicht alle werden Erbarmen und Gnade finden; vielmehr hat das Erbarmen seine Grenzen und die e sind gesteckt durch das Verhallen

des Sünders.

Im Psalm 58,schildertTavid dieBosheit seiner Ver­folger und prophezeit ihre unabwendbare Strafe. Hören wir fein düsteres Lied.

Psalm 58: Hilfe des verfolgten; Strafe des Verfolgers.

1. Errette mich vor meinen Feinden, Von meinen Drängern mich befreie.

2. Entreiße mich den Bösewichtern, Vor ihrer Blutgier mich behüte.

3. 'Sie machen Jagd auf meine Seele, Mit Kampfeslust sie aus mich stürzen.

4. Nichts hab' ich wider sie verbrochen, Bin stets auf rechtem Weg gewandelt.

5. Erhebe dich, zu Hilfe eile, Gatt Israels, du Herr der Mächte.

6. Du schauest auf der Sünder Menge, Nicht alle finden dein Erbarmen.

7. Sie stürzen sich in Finsternisse, Wie Hunde werden sie dort heulen.

8. Gleich einem Schwert ist ihre Kehle? Sie denken: wer ist unser Zeuge?

9. Du aber, Herr, wirst ihrer lachen, Wirst fertig werden mit den Frevlern.

10. Bei dir will meine Kraft ich holen, Du bist mein Gott und mein Beschirmer. *

11. Stets nahe ist mir dein Erbarmen, Und unerschöpflich deine Allmacht.--

Nicht alle finden dein Erbarmen", sagt der Psalmist. Wo sind aber die Schranken des Er­barmens ? Nicht bei Gott, sondern bei den Menschen. Geben wir hier dem heiligen Kirchenvater Augustinus das Wort.Ter Satz des Psalmisten, daß Gott nicht aller sich erbarmt, kann auf doppelte Weise verstanden werden; entweder daß Gott überhaupi keine Sünden ungestraft läßt oder daß er nur über gewisse Sünden sich nicht erbarmt. Jegliche Sünde, sie sei klein oder groß, muß notwendig gestraft wer­den, entweder vom reuigen Menschen oder vom rächenden Gott. Denn wer Rene hat, der straft sich selber. Also, Brüder, bestrafen wir unsere Sünden, daß wir Gottes Erbarmen finden. Strafe muß sein: entweder strafst du oder er straft. Willst du, daß er nicht straft? Strafe du. Hast du ja auch getan, ivas nicht ungestraft bleiben kann; so nimm du auch die Strafe vor, damit du wahr machest das Wort des Psalmisten: laßt uns Golt zuvorkommen mit Bekenntnis. (Pf. 94.) Was heißt: Gott zuvorkommen mit Bekenntnis? Bevor er sich anschickt, dich zu strafen, komme du ihm zuvor mit Bekenntnis und Strafe. Er 'oll gar nichts mehr zu strafen finden; strafst du nämlich deine Ungerechtigkeit, so übst Du Gerechtigkeit. Und deshalb wird sich Gott deiner erbarmen, weil Gott dich damit beschäftigt findet, daß du Gerechtigkeit übst. Was will das heißen: du übst Gerechtigkeit? Daß du in dir das nämliche hassest, was auch Gott haßt, daß du anfängst Gott zu gefallen, indem du das bei dir bestrafst, was ihm mißfällt.

Und das ist die eine Weise der Auslegung; betrachten wir auch die andere: es gibt eine Sünde die bei Gott kein Erbarmen findet, die er unmöglich vergeben kann. Ihr fraget, was das wohl für eine Sünde ist: es ist die Verteidigung der Sünoe. So oft einer seine Sünden verteidigt, seine Sünden ent- Uhuldigt, begeht er eine große Ungerechtigkeit. Da verteidigt er, was Gott haßt, und seht wie boshaft, wie verkehrt! Hat der Mensch etwas Gutes getan, das will er sich angerechnet haben; hat er aber etwas Böses getan, das soll Gott angerechnet werden!

Auf folgende Weise verteidigen die Menschen ih1 Sünden und was schlimmer ist schieben sie auf Gott. Wie geht das zu? Freilich wagt niemand zu sagen, daß der Ehebruch gut sei, daß der Mord gut sei, daß der Beirug gut sei, daß der Meineid gut sei; das wagt keiner zu behaupten. Und wenn auch jemand behauptet, eine solche Sünde sei gut, so lange er selber sie begeht, so schreit er sogleich, diese Sünde sei bös, wenn er sie von andern leidet. Du wirst also eine solche Seele überhaupt nicht finden, die so sehr der menschlichen Gesellschaft ent­fremdet ist, die so sehr das mit Adam gemeinsame Blut verleugnet, daß sie zu behaupten wagte, der Ehebruch sei gut, der Mord sei gut, der Meineid sei gut. Nach dieser Richtung ist es also nichts mit der Verteidigung? Aber auf welche andere Vertei­digung verfallen manche verkehrte Menschen? Wenn Gott nicht gewollt hätte, sagen sie, dann hätte ich das nicht getan. Was kann ich denn gegen mein Schicksal?. Auf diese Weise also verteidigst du deine Sünde, daß du Gott auf die Anklagebank setzest. Vom Angellagten wird die Schuld auf den Richter gewälzt.

Eine solche Verkehrtheit nun, wenn man seine Sünde entschuldigt, und Gott dafür haftbar macht, findet kein Erbarinen, findet keine Verzeihung." So weit der hl. Augustinus.

Gewiß, es gibt Milderungen für die Beurteilung einer Sünde. Schlechte Eltern, schlechte Erziehung, schlechtes Beispiel, schlechte Umgebung, schlechte Ver­anlagung, heftige Leidenschaft, günstige Gelegenheit und andere Umstände lassen oft eine Sünde geringer erscheinen, als sie ihrer Natur nach wäre. Gott iclber, der allwissende, wird sie milder beurteilen. Trotz alledem ist und bleibt es wahr, daß die Sünde die Tat des freien Willens ist und daß der Sünder haftbar ist für seine Sünde und dafür Rechenschaft ablegen muß. Wir können die Sünde meiden, wenn wir wollen. Die Freiheit ist manchmal beschnitten, niemals aber aufgehoben. Die hl. Schrift schreibt Gutes und Böses der menschlichen Freiheit zu:Die Gerechtigkeit des Gerechten bleibt auf dem Gerechten und die Gottlosigkeit des Gottlosen bleibt auf dem Gottlosen" (Ez. 18, 20). Wiederum steht vom Ge­rechten geschrieben:Selig der Mensch, der ohne Makel erfunden wird, der dem Gold nicht nachlauft und seine Hoffnung nicht setzt auf Geld und Schätze, er konnte sündigen und hat es nicht getan, konnte Bches tun und hat es nicht getan.* (Eccli. 31)

Weg also mit törichten Entschuldigungen, Aus­reden und Ausflüchten, welche die Schuld nicht nehmen, sondern vergrößern. Hast du eine Sünde, einen Fehler, ein Unrecht begangen, so schiebe die Schuld nicht auf Gott, nicht auf die Frau, nicht auf die Kinder, nicht auf die Dienstboten, nicht auf die Umgebung sondern habe den Mut, die Verantwotung auf dich selbst zu nehmen; bitie um Entschuldigung und lege Hand an zu gründlicher Besseruna.

Der Burgpfarrer.