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Wochenkalender.

Sonntag, 11. Juli. 7. Sonntag nach Pfingsten. Pius, Papst und Mätyrer.

Montag, 12. Juli. Johannes Gualbertus Abl. Nabor und Felix, Märtyrer.

D i e n s t a g, 13. Juli. Anakletus, Papst und Märtyrer.

Mittwoch, 14. Juli. Bonaventura, Bischof u. Kchl.

Donnerstag, 15. Juli. Heinrich, Kaiser.

Freitag, 16. Juli. Gedächtnis der allersel. Jungfrau

vom Berge Karmel (Skapulierfest).

Samstag, 17. Juli. AlexiuS, Bek.

Siebenter Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Matth. 7, 1521.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den falschen Propheten, welche in SchafS- Heibern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen Sammelt man denn Trauben von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? So bringt jeglicher gute Baum gute Früchte; der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte dringen, und ein schlechter Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte dringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Darum sollet ihr sie an ihren Früchten erkennen. Nicht ein jeder, der zu nur sagt: Herr, Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der rm Himmel ist, der wird in das Himmel­reich eingehen.

an der Wurzel.

b ein Baum gut oder bös, fruchtbar oder unfruchtbar ist, das entscheidet gewöhnlich die Wurzel. Wenn die Zweige mager und kahl dastehen, io fehlt es an der Wurzel; ent­weder hat sie von Natur keine Triebkraft oder sie steckt in einem schlechten Boden. Ein stämmiger Baum mit breiter Krone und voll­behangenen Zweigen hat auch eine gesunde, gute Wurzel. Aehnlich ist es auch mit dem Menschen: seine Wurzel sino die Eltern. Das Walten eines guten rind das Treiben eines bösen Menschen lassen sich gewöhnlich zurückverfolgen bis auf seine Eltern und seine Erziehung.

Im Psalm 57 schildert David das Treiben des Sünders, der sozusagen vom Mutterschoß an zum Bösen gerichtet ist, seine bösen Anlagen immer mehr zur Entfaltung bringt, immer tiefer in den Schlamm der Sünde versinkt und schließlich ein Opfer der göttlichen Gerechtigkeit wird ein Warnungssignal für die Gerechten, daß sie unbeirrt weiter wandeln auf dem Pfade der Tugend.

Psalm 57: Der Liinders hartnäckige Vosheit.

1. Daß doch Gerechtigkeit ihr übtet Und ein gerades Urteil sprächet.

2. Doch Schlimmes sinnen eure Herzen, Und Unheil stiften eure Hände.

3. Verstockt und taub ist mancher Sünder Und höret nicht mehr Gottes Stimme.

4. von Jugend auf die vssen irren Und weichen ab vom weg der Wahrheit.

6. Mag sein Gewissen laut ertönen Mit Fterß verstopft er sich die Ohren.

6. Doch Gott zermalmt die Macht der Bösen Zerschmettert ihre Backenzähne.

7. Zerrinnen werden sie wie Wasser, Verbluten unter Gottes Bfeilen.

8. Sie schmelzen hin wie Wachs am Feuer, Nicht lange schauen sie die Sonne.

9. AuSreißen wird sie Gott bei Zeiten Wie einen Dorn im vollen Safte.

10. Der Rache freut sich der Gerechte, Wascht seine Hand im Blut der Sünder.

11. Noch braucht wer fromm, nicht zu verzagen: Noch gibts Gerechtigkeit auf Erden.

An der Wurzel des Menschen sind wir angelangt, wenn wir nach seinen Eltern und nach seiner Er­ziehung fragen Das Sprichwort trifft den Nagel auf den Kopf:Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm." Fälle, in denen gute Eltern schlechte Kinder und schlechte Eltern gute Kinder haben, sind als Ausnahmen anzusprechen.

Siehst du nun, christlicher Vater, und siehst du, christliche Mutter, welche Entscheidung in deine Hand gegeben ist? Nichts weniger ist dir anvertraut als das Heil deiner Kinder, das leibliche und seelische, das zeitliche und ewige. Von deinem Charakter, von deiner Tugend, von deiner Erziehungskunst hängt es ab, ob ihnen Glück oder Unglück beschieden ist für dieses und für jenes Leben. Wie die Entwicklung des Baumes bei der Wurzel beginnt, so auch die Erziehung des Kindes bei den Eltern, bei Vater und Mutter. Welch eine Verantwortung. Es sollte darum niemand an Verheiratung denken außer nach völliger Reife des Körpers und des Charakters.Du denkst an Ehe und Familie aber hast du auch ein Recht, daran zu denken? Hast du deine Leiden­schaften in der Gewalt? Bist du Herr über deine Neigungen? Hast du dich selbst erzogen? Du denkst, in deinen Kindern dir lebendige Denkmäler zu bauen; wohlan, so baue zuerst dich selbst, recht­winklig und gerade". Wie können Eltern, die selber nicht erzogen sind, gute Kinder erziehen? Es ist ein wahrer Jammer zu sehen, wie weit wir in unsern Tagen gekommen sind; Jünglinge, die kaum die Kn aben schuhe ausgetreten haben, gründen einen Lebensbund mit Mädchen, die nichts gelernt haben als lachen und scherzen. Jener Stand, der über das Schicksal nicht bloß von zwei, sondern vielleicht von fünf und zehn Menschen entscheiden wird für Zeit und Ewigkeit mau tändelt über seine Schwelle mit einer Leichtfertigkeit und Gleichgiltigkeit, als

würde es sich darum handeln, in ein Gasthaus ein* zutreten, darin sich ein Stündchen zu vergnügen und es dann wieder zu verlassen. Ich will hoffen, daß diese Klagen keine Anwendung finden auf euch, die ihr dies leset. Seht aber auch darauf, daß eure Kinder nicht früher in den Ehestand treten, bis man von ihnen mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten kann, daß sie imstande sind, gesunden Kindern daS Leben zu schenken und ihnen eine gute Erziehung zugeben.

Auf dem Schoße der Mutter, auf den Knieèu deS Vaters nimmt die Erziehung ihren Anfang.Tiefer dringen im Leben nicht, die Lehren, die CyristuS uns schenkte, Als wenn von Mutter Lippen ihr Licht ins Herz des Kindes sich senkte". Warum mißraten so viele Kinder? Weil man vergessen hat, das Eisen zu schmieden, so lange es warm ist. In der Jugend ist Leib und Seele biegsam und schmiegsam wie glühendes Eisen. Ist ein Knabe zehn Jahre und darüber, so ist er schon ein kaltes Eisen; auf dem du vielleichtherumhämmern" kannst, aber nichts mehr schmieden, nichts mehr formen, nichts mehr ändern kannst.

Greifen wir ein Beispiel heraus. Sicher willst du nicht, daß deine Kinder Nachteulen und Nachtschwär­mer werden. Mit Recht. Weißt du ja, daß Nacht­schwärmerei dem Kinde verderblicher ist als ein Nacht­frost für die Blume. Was sagt doch der Apostel? Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlinge" (1 Petr. 5, 8). Welche Zeit wählt er aber zu seinem Ausgang? Eben die Nachtzeit, freilich nicht in eigener Gestalt; so dumm ist er nicht; er weiß, daß vor ihm die Menschen die Flucht ergreifen würden; nicht in eigener Gestalt, nein in Gestalt seiner Helfershelfer, in Gestalt von Verführern und Verführerinnen geht er umher mit offenem Rachen. Die Nacht ist keines Menschen Freund und die Nacht ist keiner Tugend Freund, vor allem kein Freund der Keuschheit. Wie die Eule bei Nacht aufsteht, so auch der niedere Trieb, die Sinnlich­keit die ihr Treiben gern bedeckt mit dem Mantel der Nacht. Ein Mädchen, das die Nachtschwärmerei be­treibt und davon nicht lassen will, hat entweder die Unschuld schon verloren oder sie ist auf dem Wege dazu; auf alle Fälle verliert sie ihre Ehre und ihren guten Namen. Nein, sagst du, das darf bei unserer Tochter, bei unserem Sohn nicht vorkommen. Gut; aber das eine will ich dir sagen, wenn du den siebenjährigen nicht von der Straße bringst bei Eintritt der Dunkelheit, was willst du dann mit dem siebzehnjährigen anfangen? Drum muß es ein eisernes Gesetz in deinem Hause sein: jedes Kind ist bei Eintritt der Dunkelheit nirgends an­deres als im Hause unter den Augen der Eltern und Geschwister.

Das Eiselt muß man schmieden solange es heiß ist.

Die Kinder muß man ziehen solange sie jung sind.

Der Burgpfarrer.