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ng zu nehmen? Dieser neue Gewaltakt b^^ai greller Weise die seinerzeit Ml^ Peretti, dem ipstlichen Abgesandten an die ^..eoenskonscrenz zur egelung der unerhörten ^lfionsparagraphen der riedenskonferenz, ^--oenen Zusicherungen. Wienholt hat d»^ ^titanische „Osservatore Romano" in -ngster Z^r Artikel über die Vergewaltigung deut- her V.ssionen gebracht und auf die furchtbaren Kon- -quenzen für das gesamte katholische Missionswesen angewiesen.
Kurland.
Oesterreich. Die Regierungslrisis ist noch immer licht beigelegt, sondern hat sich verschlimmert. Tie wistlich-sozialen Staatssekretäre und Unlerstaats- ckretäre, 8 an der Zahl, der mit der einstweiligen Fortführung der Ge chäfte beauftragten Regierung aben ihr Amt ausgegeben. Präsident Seitz Hai ann die verwaisten Staatsämter unter die im Amt gebliebenen 8 sozialistischen Staatssekretäre verteilt. Die Arbeit des so verbliebenen RumpskabinettS ist mßerordentlich erschwert durch den Boykott Ungarns, ier hauptsächlich von den österreichischen Sozialisten ivsgeübt wird und unter d.nen Oesterreich vielleicht nehr leidet als Ungarn, da dieses seine Lieferungen rach Wien einstellt. Den Nutzen haben nur die Händler, Schieber und Wucherer. So arbeiten die Radikalen in die Taschen der Juden.
Schweiz. Der Schweizer Bundesrat hat die Wie- reraufnahme regelmäßiger diplomatischer Beziehungen ;um päpstlichen Stuhl beschlossen. Der letzte päpstliche Nuntius verließ die Schweiz im Lahre 1874, er harte seinen Sitz in Luzern. Der neue Nuntius wird seinen Sitz in Bern haben.
Italien. Das Kabinett Giolitti hat sich dem Parlamente vorgestellt. Es stützt sich auf sämtliche bürgerliche Parteien und findet darum Opposition nur bei den Sozialisten. Hoch erfreulich ist es, daß in der von Giolitti verlesenen Regierungserklärung die Gleichstellung der geistlichen Schulen mit den Staatsschulen angekündigt wurde. Giolittis Stimme erhob sich zum Fortissimo, als er am Schluß die besitzenden Klassen und die Be- amten eindringlich ermahnte, die «ouveudigen Opfer zu bringen, da sonst das Vaterland untergehe.
Ungarn. Die ungarischen Agrarier, die sich bescheiden Partei der kleinen Landwirte nennen, dabei aber die reichsten Großgrundbesitzer zu ihren Mitgliedern zählen, sind durch die Nachwahlen im Gebiet jenseits der Theis so stark geworden, daß sie nunmehr auch die Führung der Regierungsgeschäfte in die Hand nehmen wollen. Sie verfügen im Parlament über 82 Abgeordnete, während die ^christlich-nationale Vereinigung bloß 63 Mitglieder umfaßt. Es ist daher zu erwarten, daß das Kabinett Simonyi-Semadam in den nächsten Tagen zurücktreten wird, um dem Führer der ungarischen Agrarier Nubinek Platz zu machen. Vom kulturellen Gesichtspunkte aus dürfte es schwer fallen, eine klare Scheidungslinie zwischen der Partei der kleinen Landwirte und der christlich-nationalen Partei zu ziehen, da alle beide auf dem christlichen Standpunkte stehen. Sie unterscheiden sich aber in ihrem wirtschaftlichen Programm, da Nubinek den Klassenstandpunkt der Produzenten vertritt, während die Christlichnatio- nalen stets für den Ausgleich der Interessen der Erzeuger und Verbraucher ein getret en sind. Die neue Regierung findet sofort eine Schwierigkeit in dem sogn. „Weltboykott", der von sozialdemokratischer und jüdischer Seite über Ungarn verhängt worden ist wegen der Cewaltmaßregeln, die gegen die Urheber der ungarischen Mordrevolution verhängt worden sind. Da dieser Boykott fast nur von österreichischen Sozialisten und Schiebern durchgesührt und propagiert wird, rächt sich Ungarn, indem es die Lebensmittelzufuhr nach Wien sperrt. Die hungernden Arbeiter werden also wohl bald das Interesse an einem Unternehmen verlieren, an dem nur jüdisch Wucherer und Schieber profitieren.
Huldigungsgruß an den hl. Doter.
3n allen Kirchen der Diözese wurde am Sonntag ein Hirtenwort unseres Hochw. Herrn Bischofs verlesen ein Huldigungsgruß an den hl. Vater, der erschallen soll 3um einigen Rom, zum Grabe des hl. Petrus und Mich Hüter Papst Benedikt XV. Der Hochw. Herr Bischof erinnert daran, wie der hl. Vater schon am dritten Tage nach seiner Thronbesteigung am 8. September 1914, das christliche Volk zum Gebete und zur Buße difgerufen und die Lenker der Völker beschworen hat, bem Ujcjrd'en Blutvergießen ein Eude zu machen. Er erinnert ferner daran, wie er in der Folge
zeit wrrgefetzt für den Frieden gewirkt hat. „Hätte man die Friedenshand des Hohenpriesters" ergriffen, cs würde jetzt besser um uns und die anderen Völker stehen." Der umfassenden Liebestätigkeit des Oberhaupte? unserer Kirche sind besonders warme Worte gewidruet:
Denkt daran, daß er die wirksame Anregung ge. geben hat jum Austausch dec verstümmelten und gelähmten Kriegsgefangenen. Erinnert euch daran, was er getan hat für den Austausch der Zivilgefangenen und für die Tausende von armen gefangenen Kranken, die in den Lazaretten der Kriegsländer lagen, die ihm tbke Unterbringung in der gastlichen Schweiz verdanken. W>re hat er sich um die Linderrmg bër seelischen Not der Gefangenen, um ihre sofortige Heim- sendung nach Kriegsschlliß, um die Nachforschung nach den Vermißten bemühtI Wie gar manchmal hat er dir Gaben die ihm christliche Liebe gespendet hatte, mit den Notleidenden der kriegführenden Länder geteilt I Er erkannte, daß durch die Hungerblockade und den wirtschaftlichen Zusammenbruch unseres Landes Gesundheit uub Leben von Hunderttausenden von Kinsern geschädigt und gefährdet war. Ta wandte er sich in den Weihnachtstageu des verflossenen Jahres an die katholische Welt, um Geld und Hilfsmittel für unsere Kinder zu sammeln. Und von dem Ertrage dieser Weltspende hat der Heilige Vater bis jetzt etwa 8 Millionen Marck dem armen Deutschland zugeterlt. Auch die Diözese Fulda ist aus diesen Gaben bedacht worden.
Zum Ausdruck der Erkenntlichkeit fordert das Hirtenschreiben jene auf, denen die Fürsorge des Papstes in hervorragender Weise gegolten hat. nämlich all die lieben Kinder urb all die Glücklichen, die dem Statt- Hefter Christi die Heimkehr in das Vaterland verdanken, an dem Peter- und Pauls-Feste für ihn die hl. Kommunion aufzuopfern und seiner in innigem Gebete zu gebenden. Alle Diözesanen werden gebeten, an dieser DankeSbezeugung teilzunehmen: Wir wollen bei dein hl. Liebesmahle und bei der hl. Messe in heißem Flehen auf den Papst des Friedens und der Siebe Gottes reichsten Segen Herabrusen. Unsere Dankbarkeit Wollen wir auch durch eine, besondere Gabe des Peterspfennigs für die allgemeinen Bedürfnisse der Kirche an den Tag legen.
^ Kreislehrerversammlung. Auf die Einladung des Kreislehrerrats Fulda fand am 26. Juni im Saale der „Harmonie" eine Kreislehrerversammlung statt. Sie war von fast allen Lehrpersonen des Kreises besucht, die dadurch ihr reges Interesse an der Lösung aller pädagogischen, der Bildungs- und Standesfragen überhaupt bekundeten. Zunächst gab Herr R i tz-Petsrs- berg ein eingehendes Referat über die Tätigkeit des Bezirkslehrerrats im verfloßenen Jahre, worauf der Vorsitzende des Kreislehrerraès, Herr Loskank, mit derselben Gründlichkeit die Jahresarbeit des Kreislehrerrats nach allen Seiten beleuchtete. Die darauf einsetzende Diskussion zeigte so recht das Leben, den Geist, das Ringen und Aufwärtsstreben innerhalb unserer Lehrerschaft, zeigte aber auch andererseits, daß unsere neugegründeten berufsftänbigen Lehrervertre- tungen getragen und gestützt sind von dem Vertrauen und der Mitarbeit der gesamten Lehrerschaft, was an dieser Stelle besonders hervorgehoben zu werden verdient. Den Abschluß der erhebenden Versammlung bildete ein Vortrag des Lehrers Pappert- Bachrain über „Lehrerräie und Lehrervereme", der die Tätigkeit beider Organisationen scharf gegeneinander ab- grcnzie und darin gipfelte, daß nur Einheit und Geschlossenheit nach innen und außen uns noranbringen sann im schweren Ringen unserer Tage auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete.
Zur Iungiehcerfrage. Sm Anschluß an die Kreislehrerversammlung am 26. Juni fand am Nachmittag desselben Tages eine Versammlung der jüngeren, noch nicht anfteüungsbered)figten Lehrpersonen des Kreises statt, an der auch die Herren Kre'isschulinspek- ioren Dr. Hamacher und Schulrat May, sowie eine Anzahl älterer Lehrer und die Kriegsseminaristen teilnahmen. Die Versammlung führte zunächst, ihrem eigentlichen Zweck entsprechend, zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft mit einer Pflichttcil- nehmerzah! von 33 Lehrpersonen. Im Anschluß daran sprach ein Vertreter des Kath. Jungl.-Bundes des Deutschen Reiches, Herr Dettmer-Hildesheim, über das Programm des Kath. Jungl.-Bundes. Es war eine Lust zu hören, wie Herr Dettmer in klaren, prachtvollen, vom glühenden Idealismus der Jugend durchstreuten Worten die Leitsterne des Kath. I.-L.-B.: Glaube, Wissen und Freude schilderte und ihre Anwendung aufs Lehrerleben hervorhob. Seine klaren Ausführungen überzeugten die Anwesenden, daß wir katholischen" Junglehrer und Kriegsseminaristen es weder in wirtschaftlicher und noch viel weniger in geistiger Hinsicht nötig haben, unsere Zuflucht zu sogenannten interkonfessionellen Junglehrerverbänden zu nehmen, die lediglich in der Materie stecken bleiben und letzten Endes der Zersplittcruna der Lehrerschaft Vor
schub leisten. Auch Herr Kreisschulinspektor Dr. Hamacher empfahl in kurzen, markigen Worten, sich nur solchen Verbänden anzuschließech die nicht nur das Materielle, sondern auch das Ideelle betonen. Herr Dettmer konnte als erfreuliches Ergebnis feiner Worte buchen, daß sich an Ort und Stelle eine Octsgruppe Fulda des kath. Jungl.-Bundes unter Vorsitz des- Lehrers T a u b e l, Fulda, .bildete, die trotz Abwesenheit der Kriegsseminaristen schon die Zahl von nahezu 30 erreichte. Es ist die Pflicht eines leben kath. Junglehrers und besonders auch der kath. Kriegsseminaristen, dieser Ortsgruppe beizutreten, um so unseren geistigen und wirtschaftlichen Zielen zum Durchbruch zu verhelfen.
Prof. Dr. Katharinec f. In Freiburg i. h. Schweiz ist am 23. Juni unser Landsmann Prof. Dr. med. et phil. Ludwig Kathariner sanft entschlafen. Kathariner war am 5. Januar 1868 als Sohn des Lehrers Kathariner in F u ld a geboren. Sein Elternhaus ist das jetzt dem Kammacher Schreiber gehörige Haus in der Florengasse. Kathariner besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und erwarb Ostern 1887 das Reifezeugnis. Glänzende Begabung für exakte Wissenschaften, die sich schon in frühen Jabren zeigte, führte ihn schließlich zum Studium der Zoologie, worin er sich so hervorragend auszeichuete, daß er im Jahre 1896 zum ordentlichen Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie an die Universität Freiburg (Schweiz) berufen wurde. Er machte aroß- zoologische Forschungsreisen in Kleinasien (1894) und in Nordafrika (1899). Als Universitätslehrer und wissenschaftlicher Schriftsteller entfaltete er eine rege Wirksamkeit. Seine Arbeiren betreffen die Anaionüe und Biologie besonders der Repirlren und Insekten. Seit einer Reihe von Jahren war Dr. Kathariner schwer leidend. Gleichwohl hat er" seine wissenschaftliche Arbeit fortgesetzt. In weiter Ferne hat Dr. Kathariner immer die innigsten Beziehungen ju seiner Vaterstadt aufrecht erhallen. In dèn .Buchenölättern^ unserer Unterhalrungs« beilage, hat er mehrfach in Beiträgen seine Erinnerungen an Fulda in gemütvoller und interessanter Weise medergelegt. Wie Dr. Kaiha- tiner seiner Heimat und seinen zahlreichen Freunden im Fuldaer Land stets vorbildliche An« Häuglichkeil bewahrt hat, so ist er seiner hl. Kirche und seiner Religion, als dein kostbarsten Erbe seines Fuldaer Elternhauses, in mannhafter Treue stets ergeben gewesen. Er gehörte nicht zu den platten Rationalisten unter den Naturforschern, die nur das gelten lassen, was ihre Messer und Mikroskope erreichen können. Je tiefer er in die Zusammenhänge der Biologie und Anatomie hineinfah, um so herrlicher ging ihm auf, wie gewaltig und erhaben Gottes Schöpfungèwerk ist. In diesem Geiste hat er als Forscher und Lehrer bis $um Tode gearbeitet mP darf deS ewigen Lohnes gewiß sein.
Todesfall. In Münster i. W. starb am t3 Juni Geheimer Regierungsrat Dr. Flügel im Aller von 73 Jahren. Dr. Flügel war 1847 in Kassel geboren. Er studierte in Marburg und Leipzig Philologie und war nach Ablegung des Lehranus« eramenS an den Gymnasien in Kassel, Marburg und Mülhausen i. E. tätig. Nach üjähriqer Wirksamkeit als Kreisschulinspektor im Reg.-Bez. Aflu- den Würbe er 1880 als Direflor des Lehrerseminars nach Fulda berufen. Sieben Jahre lang hat er in Fulda mit großem Erfolg gewirkt. 1887 wurde er zum Regierungs- und Schulrat in Danzig befördert. Später wirkte er in Trier und zuletzt in Münster. Geheimrat Dr. F.ügel hat in Wort und Schrift eine grosse Lebensarbeit geleistet. Unter seinen schriftstellerischen Arbeiten sei erwähnt eine im Jahre 1886 erschienene Abhandlung über das niedere Schulwesen und die Lehrerbildung im vormaligen Rochst ist Fulda. In seinem arbeitsreichen, von schivereu Schicksalsschiätzen nicht verschonten Leb n hat sich Dr. Flügel als treuer Sohn der ksch. Kirche bewährt und ist im Frieden Gottes entschlafen.
' Landesbibsiolhekar Dr. Ruppel ist in Mainz von der Siadlverordnetenversamtnlung mit 33 von 59 abgegebenen Stimmen zum Direktor der Mainzer Stadtbibliothek gewählt worden. Es ist das erstemal seit Bestehen der Mainzer Stadtbibliothek, daß ein Katholik in diese Stelle berufen worden ist. Wenn Dr. Ruppel dein ehrenvollen Rufe nach Mainz Folge leistet, wird Fulda einen großen Verlust zu beklagen haben. In der kurzen Zeit seiner Tätigkeit in Fulda hat Dr. Ruppel weit über den Kreis feiner Wirksamkeit als Landesbibliothekar sich bleibende Verdienste erworben. Mit Zähigkeit und erstaunlichem Organisationstalent hat er an der Demokratisierung der Bildung, des Wissens und des Geschmackes gearbeitet, Bibliothek und Volkshochschule bat er in den Dienst dieser Sache aestellt. vielverkore-