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trag!. So z. B., daß der 10-prozentige Abzug muff einzuzahlen ist von den Einkommen, die nicht steuer­pflichtig' sind, so daß eingezahlte Summen nachher wieder zurückgezahlt werden müssen. Daß solche Mängel der Gesetzgebung so schnell wie möglich be­seitigt werden müssen, ist selbstverständlich. Aber von meinem Standpunkt als Arbeitnehmer würde ich es be­dauern, wenn auch das Gute an dieser Art der Steuer­erhebung damit verschwinden würde.

Ein Arbeitnehmer.

Religion und Zchrüziel.

In der ersten Vollsitzung der Neichsschulkonserenz hat Prälat Dr. Mausbach eine Erklärung zu den The­sen der Berichterstatter gegeben, mit der er den Stand­punkt der katholischen Teilnehmer zum Ausdruck brachte.

Zu dem Punkte der „Schulziele" gestatte ich mir — nicht als Vertreter einer bestimmten Schulgat­tung, sondern als Ethiker und katholischer Theologe, der auf verschiedenen Stufen des Vildungswesens bis zur Universität hinauf gearbeitet hat, eine grundsätz- liche Bemerkung, die aus dem Gedanken hervorgeht, daß auf dieser Reichsschulkonferenz das Religiöse, das |a in den vorliegenden Thesen bereits naehrfach gestreift wurde, auch beim Ziel der Bildung nachdrücklicher betont und anerkannt werden muß.

Nach der Erfahrung und tiefsten Ueberzeugung nicht nur der katholischen Erzicherwelt fordert es schon das Interesse der reinen Geistesbildung, daß die mannig­fachen, von der Schule vermittelten Erkenntnisse in einer Weltanschauung zum Abschluß kommen. Eine solche Weltanschauung aber bietet in lebendiger und volkstümlicher Kraft nur die Religion. Es ist ferner klar — gerade unter dem Gesichtspunk einer einheit­lichen Gestaltung der Bildung —, daß noch wichtiger als die theoretische Ausbildung die sittliche Erziehung der Jugend ist. Denn es wird trotz aller Vermittlung und Uebergänge zwischen den verschiedenen Schularten vom intellektuellen Standpunkte immer einen Vorrang der höheren Schulen, eine aristokratische Auslese der Höchstb-gabten und geistig Schaffenden geben, die nach unten hin einen peinlichen Abstand bedeutet. Nur das sittliche Bewußtsein, daß jede pflichttreue, hingebende Arbeit den Menschen adelt, daß die sittliche Gesinmmg überhaupt der höchste aller Werte unb auch für die Gesellschaft der tiefste Kraftquell ist, gleicht jene Rang- unterschiede aus unb bringt in den Ausbau des Schul­wesens den wahrhaft belebenden und versöhnenden Geist und den wirklichen Zusammenhalt! Diese sittliche Vertiefung stammt aber wiederum wesentlich aus der Religion: der Geist gewissenhafter, opferbereiter Arbeit im Dienste des Ganzen, und vor allem eine Eesamt- auffassung des Lebens, die über den Wandel und Zu­fall des Irdischen hinaus zu einem lebendigen Gott der Wahrheit und Heiligkeit führt, die damit auch die Men- schenseele im Innersten ergreift, beglückt und beruhigt. Nur so wird der heutigen Menschheit jene „innere Festigung" gegeben, die auch der Herr Minister Koch einleitend im Hinblick auf die Zerfahrenheit der Zeit herbeigewünscht hat. So erblicken wir christliche Pä­dagogen in der Religion die tiefste Kraft persönlicher innerseelischer Bildung und Erziehung.

Die Schule und die Erziehung im allgemeinen haben aber auch die weitere Aufgabe, das objektive Gut der deutschen Kultur im Volke fortzupflanzen; darauf weisen u. a. auch die Thesen Kerschensteiners hin. Auch dieses Vildungsziel lenkt unsere Blicke wieder auf die Religion hin, und zwar auf die christ­liche Religion als jene Kulturmacht, die seit der Völ­kerwanderung das deutsche Volksleben maßgebend ge­staltet und herrlich befruchtet und bereichert hat, und die auch bis in unsere Zeit eine Kulturmacht ersten Ranges geblieben ist. Man fordert,' daß die kom­mende Schule in erhöhtem Maße den Reichtum deut­schen Lebens, die Schönheiten der Heimat, Volkssitts und Kunst unserer Jugend vertraut mache. Wir ka­tholischen Erzieher wollen aus dem vollen Born un­serer alten Kultur, die im kirchlichen Glauben und Gottesdienst heute lebendig und jugendfrisch wcitcr- strömt, freudig alles beisteuern, was die Gesittung des deutschen Volkes fördern, das Herz unserer Jugend ver­edeln und erfreuen kann. Uns ist es geradezu ein Merkmal echter Religion, daß sie das Heilige, Ueber- natürliche nicht isoliert, sondern für alles irdische Schöne, Große, sozial Aufbauende fruchtbar macht, daß Christentum und Volkstum harmonisch zusammenstim­men. So wollen wir ohne Absonderung vom natio­nalen Bildungswerk und in friedlichem Wettbewerb mit anderen Richtungen unsere eigene Jugend erziehen im Geiste unseres katholischen Glaubens, wie er seit Beginn unserer Geschichte in deutschen Landen festge­wurzelt ist; wir fördern damit auch jene „Verbindung zwicken Schule und Elternhaus", wir wecken damit

Men „Sinn für die Große unseres Volkes und un­serer Kultur", von denen der Minister gesprochen hat. Auch diese volle erzieherische Entfalüing katholischen Glaubens gehört mit zur Freiheit und zum Reichtum des deutschen Erziehungswesens! Sind doch auch an den höchsten Bildungsstätten Deutschlands, den Uni­versitäten, unsere theologischen Fakultäten verfassungs­mäßig erhalten geblieben — wie ich dankbar aner­kenne —, mit Zustimmung der Gesamtkörper der Hoch­schulen.

Aber auch, wer vom nichtkatholischen,'paritätischen Standpunkt aus das objektive Bildungsziel kennzeich­nen will, vom Standpunkt der Kultur, des Volkstums, des staatsbürgerlichen ©emeinfinns, der wird die christ­liche Religion als Bildungsgut nicht übergehen, auch nicht neben andere, rein weltliche Stoffe stellen dürfen.

In Groß-Berlin

haben die Wahlen für das Stadtparlament staltgefun- den. Groß-Berlin hat eine sozialistische Mehrheit: 87 Unabhängige und 39 Sozialdemokraten. Diesen 126 Mandaten stehen 99 Bürgerliche entgegen. Interessant ist, daß die Deutsche Volkspartei mit ihren 40 Stimmen die Zahl der Mehrheitssozialisten übertrifft. Die Deuischnationalen errangen 26, die Demokraten 16, das Zentrum 8 Mandate, kleinere Listen zusammen noch 9 Mandate. Die Wahlflauheit war groß, beson­ders bei den Sozialdemokraten. Hätte das Bürgertum seine Pflicht erfüllt, so konnte eine sozialistische Mehr­heit verhindert werden. Glänzend hat sich das Zen­trum gehalten, das mit 61 441 Stimmen die Reichs- tagswahlziffern nicht nur erreicht, sondern noch über­troffen hat. Die Polen hatten auf Grund einer Ab­machung für die Zentrumskandidaten gestimmt.

----------- -Knill ——--

5n den Gliedstaaten des Deutschen Reizes.

Bayern. Die friedliche Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche hat begonnen. Der Münchener Nuntius Pacelli, der unterdessen in aller Form zum päpstlichen Nuntius für das deutsche Reich ernannt wurde, ist mit der Durchführung der Verhandlungen zwischen Kirche und Bayrischem Staat beauftragt und wird erst nach Berlin endgültig übersiedeln, wenn die genannten Verhandlungen in allen wesentlichen Punk­ten zu Ende geführt sind. — Die Regierungsbildung in Bayern ist noch nicht erfolgt, drängt auch nicht, da die neue Regierung von der alten sich wenig unterscheiden wird. Fraglich ist, ob die Demokraten wieder eintreten. Wenn nicht, wird dir Bayrisch Volkspartei (Zentrum) gezwungen sein, mit den Rechtsparteien das Kabinett zu bilden. Die Sozialisten lehnten nach ihrer Nieder­lage von vornherein eine Teinahme ab.

Württemberg. Der neue Landtag hat sich konsti­tuiert. Zum Präsidenten wurde der Zentrumsabgeord­nete Walter gewählt. Das Zentrum ist die stärkste Fraktion des Landtages. Zum Staatspräsidenten wählte man den Demokraten Hieber, der zugleich das Kultusministerium weiter verwalten wird. Vom Zen­trum werden der Regierung angehören Abg. Bolz (Justiz) und Graf (Inneres). Die Sozialdemokratie beteiligt sich nicht an der Regierungsbildung.

Baden. Obwohl im „Musteiländle" keine Neuwah­len staitfanden, wird.doch der Ausfall der Reichstags- wählen auch hier seine Wirkungen zeigen. Der soz. Abgeordnete Geiß wird das Präsidium der Regierung niederlegen und wahrscheinlich ersetzt werden durch Rechtsanwalt Trunk (Zentrum).

Oldenburg. Der neue Landtag wählte zu feinem Präsidenten den Deulfchvolksparteiler Schröder. Das Zentrum stellte den 2. Vizepräsidenten in der Person des Abg. Feigel. In die Regierung ist die Deutsche Volkspartei nicht eingetreten, so daß die die Koalition bleibt. Das Vertrauensvotum für die Regierung er­folgte mit 28 gegen 12 Stimmen bei 6 Stimmenthal­tungen.

Thüringen. Die Landtagswahlen ergaben wahr­scheinlich eine kleine bürgerliche Mehrheit (nach den provisorischen Feststellungen stehen 27 bürgerliche gegen 26 sozialdemokratische und unabhängige Stimmen. Die Zentrumswähler haben vorbildlich die Parole „Wahl­enthaltung" befolgt. Sollte es nicht gelingen, eine Aenderung des Wahlgesetzes zu erreichen, die auch dem Zentrum ein Mandat ermöglicht, so würde es in Zukunft vielleicht möglich sein, durch ein Wahlkompromiß eine nahestehende Partei zu veranlassen, einen vom Zen­trum vorgeschlagenen Kandidaten an aussichtsreicher Stelle ihrer Liste aufzustellen.

Braunschweig. Hier hat sich eine rein sozialistische Regierung gebildet aus 4 Unabhängigen und 2 Mehr- heits- (hier Minderheits-)sozialisten. Die Rechtspar­teien hatten querst durch scharfe Obstruktion die Regie­rungsbildung und Verhandlungsfähigkeit des Landtoigs verhindert, gaben aber schließlich nach,

vertretertag der Kath. Vereine Deutschtandr.

Köln. Das Zentralkomitee für die Generalversamm­lungen der Katholiken Deutschlands hielt unter dem Docsitz seines stellvertretenden Vorsitzenden, Fürsten Alois zu Lö­wenstein, eine Sitzung ab, die der Beratung über eine grr- ßere Tagung der Katholiken Deutschlands im Herbst dieser Jahres gewidmet war. Es wurde der Beschluß gefaßt, zwar nidjt einen allgemeinen Katholikentag einzuberufen, well die gegenwärtigen Zeiten ihn noch nicht ermöglichen. Wohl aber soll ein Vertretertag der katholischen Vereine Deutschlands Jtatifinben, der am Dienstag und Mittwoch, 14. und 15. September d. 3-, in Würzburg zusammenkom­men wird. Die Stadt Würzburg wurde gewählt, weil sie im wesentlichen einen für alle Vereine vom Norden und Süden, Osten und Westen gut erreichbaren Mittelpunkt bUdet. Als Universitätsstadt verfügt sie auch gerade in dem Ferienmonat September über die notwendige Woh­nungsmöglichkeit für die Vertreter, deren ssder Verein 2 bis 4 zu entsenden eingeladen wird. Desgleichen werden auch die Diözesanoerireter der seit 1918 eingerichteten E'mzel- .Katholikentage in den verschiedenen Landesteilen Deutsch­lands bei dieser Gelegenheit zusammenkommen, um über die mit den Laudestagungen gemachten Erfahrungen sich zu besprechen. Es ist ferner geplant, am Nachmittag des zweiten Tages, also am 15. September, eine öffentliche Katholiken-Versammlung zu veranstalten nach Art der früher auf den Katholikentagen stets üblichen „öffentlichen Versammlungen", mit drei Reden, zu der die Katholiken Würzburgs und der weiteren Utngebmui eingeladen wer­den. (Alle Anfragen sind zu richten an das Genemlsekre- tariat des Zentralkomitees, Münster in Westfalen, Krum- mertimpen 1.)

Der Dolksverein für das katholische Deutschland beab­sichtigt, seine diesjährige General-Versammlung mit die­sem Vertretertag zusammen zu legen.

Die ganze Veranstaltung wird zweifellos innerhalb der sämtlichen katholischen Organisationen Deutschlands freudig begrüßt und als notwendig empfunden werden. In ihrem Kerngedanken kehrt sie zu den Anfängen des Katholiken­tages zurück, die zuerst durch lange Jalzre nur die Vertre­tung der sämtlichen katholischen Vereng zufammen- ber'iefen.

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Die deutsche MssisnsMigkeit ist burd) die brutale Ausweisung der Missionare aus ihren Missionsgebieten lahmgelegt. Wie bedetitsam diese war, zeigt ein Artikel des „Osseroatore Romano", des offiziösen Organs des Vatikans. Dieser Artikel weist nach, welchen Aufschwung das katholische Mis­sionswesen seit dem Jahre 1884 in den überseeischen deutschen Besitzungen nahm. Bis 1914 konnten die deutschen Missionen 30 große Missionsfelder bestellen. Die Gesellschaft des göttlichen Wortes, die größte deutsche Missionsgesellschaft, hat Missionen in Japan, Kaiser-Wilhelms-Land, Mozambique, in Holländisch- Jndien, außerdem in Togo, wo 41 Vater, 15 Brüder, 30 Schwestern und 22128 Katholiken sich befinden. In Südschantüng haben sie 65 Väter, 11 Brüder, 27 Schwestern und 93 000 Katholiken. Die Gesellschaft unterhält gegenwärtig 1242 Studenten an Mittelschu­len, 129 Theologen und hatte 1914 175 Neupriester. Die deutschen Jesuiten unterhielten die Erzdiözese Bombay mtb die Diözese Poona in Indien mit 68 Vätern, 33 Brüdern und 41416 Katholiken. Die deutschen Paliotiner hatten in Kamerun 33 Väter, 32 Brüder, 30 Schwestern und einschließlich der Präfek­tur Adaman und die Missionen in Neukamerun pasto- rierten sie 34 000 Katholiken. Die deutschen Aran- ziskaner in Schantung zählen 25 Väter, 4 Brüder und 39 000 Christen. Die Benediktiner von St. Ottilien und Münsterschwarzbach in Unterfranken zählten in dem Bistum Daressalam und Lindi 1914 31 Väter, 52 Brüder, 58 Schwestern mit 13 000 Christen. - Außerdem darf man nicht vergessen, daß deutsche Mn'- sionäre in französischen Kongregationen tätig sind, so bei den Weißen Vatern, der Kongregation vom Hl. Geist, bei den Oblaten der Unbefleckten Empfängnis, welche zu Beginn des Krieges 1100 deutsche Priester, 850 Brüder und 2000 deutsche Schwestern aufwiesen, und auf welche ungefähr eine halbe Million Christen entfiel. Dieser Entfaltung der deutschen Missionen in den Heidenländern steht eine dementsprechende Propa­gandatätigkeit im Mutterland zur Seite. So konnte der Krndhett-Icsu-Derein 1917 1 975 008 Ji auf­bringen in Deutschland allein, während die ©efamb summe auf alle Lände verteilt, nur 2 500 000 Ji aus­macht.

In St. Ottilien traf kürzlich die schmerzliche Nach­richt ein von der offiziellen Ausweisung des Bischofs Spreer aus Daressalam mit seinem gesamten deutsch-österreichischen INissionspersonal, dem bis da­hin die apostolische Wirksamkeit noch gestattet gewesen war. Diesem trauriaen Ausweisungsbefehl durch die englische Regierung fallen 31 Missionare und M!s- sionsschweskern zum Opfer. Wann endlich steht die katholische Welt auf, um gegen solch himmelschreiende Vergewaltigung teuerster und heiligster Reckte Stec-