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-Mr Seelen retten

Freue dich, daß du nicht das Schâfiein bist, das IiÄ in der Sündenwüste verirrt hat und das viel« eicht zu Grunde gehen mnß, ehe es den Lockruf des guten Hirten hört und ehe der gute Hirt den Weg zu ihm findet und es aus den Dornen befreien kann! Freue dich, daß du zur Schar jener gehörst, die in guter Hut geborgen sind!

Aber in deiner Geborgenheit soll dir das Schick­sal derer, die in die Irre gegangen sind und deren Seelen in Gefahr sind, nicht gleichgiltig sein. Es sind deine Brüder, auch wenn sie Sünder sind. Und deine Freude kann nicht vollkommen sein, solange du sie nicht mit deinen Brüdern teilen kannst. Wenn ein König dich zu einem Mahle lädt und du weißt, daß dein Bruder im Elende umherirrt, dar­bend, hungernd und frierend, wirst du nicht zum Könige sagen: „Herr, laß mich erst meinen Bruder suchen und herführen und erlaube, daß auch er teil» nehmen darf an der Freude, die du mir zugedacht hast"? Sieh, du bist vom himmlischen König ge­laden zum ewigen Hochzeitsmahl. Aber viele deiner Bruder wandern noch in der Fremde und im Elende, teus tu Sünden, teils im Irrtum. Hilf mit, soviel du kannst, daß sie den rechten Weg finden und daß auch sie im hochzeitlichen Kleid terlnehmern dürfen an dem ewigen Mahle!

Hilf mit durch Wort, Gebet und Tat! Durch dein Wort sollst du mithelfen, indem du offen bekennst, daß Lu in der Vereinigung mit Gott dein wahres Glück und den Frieden deiner Seele gefunden hast. Mit dem frommen GoLtessänger sollst du sprechen: „Die Er- barmmMn des Herrn will ich verkünden allezeit und ewig" (Pf. 88, 2). Die Worte, die aus deinem sriede- und glückge sättigten Herzen strömen, werden dem Friedlosen und Glückhungrigeu ein Lockruf sein, daß auch er das Glück und den Frieden, die er überall ge­sucht und nirgends gefunden, dort sucht, wo du sie ge­funden und wo allein sie zu finden sind: bei Gott. So will es Gott selbst von dir. Christus hatte einst einen Menschen von bösen Geistern befreit, die ihn peinigten. Als dieser sah, daß er gesund geworden, wollt? er zum Danke bei Christus bleiben. Der Herr aber befahl ihm, statt dessen hinzugehen und die von Gott empfangene Wohltat zu verkünden — doch wohl aus keinem an­deren Grund, als daß recht viele zur Liebe Gottes ent- i lammt würden.

Durch dein Gebet sollst du mithelfen zur Bekehrung der Sünder. Dein Gebet soll Gottes Gnadentau herab- ziehen auf deines verirrten und sündigen Bruders ver­dorrtes und unfruchtbares Herz, damit die Samenkörner des Guten wieder darin keimen, bannt die Blüten der Tugend wieder darin auffprosfen, damit er am Tag der Ernte volle Garben binden und damit er nicht an den; Tage, da der Herr Rechenschaft über seine Verwal­tung fordert, mit leeren Händen vor ihn hintreten muß.

Und durch die Tat foHu hu helfen, die Sünder zu retten und deine gefährdeten Brüder und Schwestern vor Sünden zu bewahren. Es gibt der Wege und Mittel so viel, als es Gefahren gibt, wenn du guten Willens bist. „Wessen Herz voll L'ebe ist, besten Hand ist nie von Liebesgaben leer/ sagt der hl. Gregor der Große. Du kannst Almosen geben für die Dia­spora; du kannst v clleicht eines verwaisten und ge­fährdeten Kindes dich annehmen; du kannst dein regelmäßiges Scherflein beitragen zum Unterhalt der Missionen und der Missionsaustalien, die doch nur den Zweck haben, irrende Seelen zu reiten Du kannst deine Leiden und Schmerzen Golt auf» opfern für die Bekehrung der Sünder überhaupt oder für die Bekehrung eines bestimmten Sünders, der dir nahe steht durch die Bande des Blutes oder der F-kundschaft oder dem du vielleicht selbst schon znm Ärgernis und zum Anlaß der Sünde geworden

Ein schönes Beispiel des Seeleneisers wird vom hl. Ignatius erzählte. Als er bald nach seiner Be­kehrung noch in Paris war, kannte er dort einen Menschen, der in offenkundigen schweren Sünden lebte. Eines Abends stellte sich Ignatius unter eine Brücke, über die der Sünder zu gehen pflegte, um die sündhafte Gelegenheit aufzusuchen, ms an den Hals ins eiskalte Wasser, und als der andere über die Brücke ging, rief der Heilige: „Gebe nur hin, Unglücklicher, und sündige, ich will indessen hier für dich büßen, damit Gott die Züchtigung mildere, die er für dich bereit hält!" Das machte auf den Sünder so großen Eindruck, daß er sich bekehrte. Das ist sreilich eine heroische Tat, wie sie nur Heilige von her Gemütsart des jungen Ignatius fertig bringen. Aber auch du findest, wenn du nur willst, in deinem Leben unzählige Gelegenheiten, Seelen retten zu helfen. Versäume die Gelegenheiten nicht!

Die Werke, die wir tun aus Eifer für die Seelen, gehören zu den gottgefälligsten Werken, ja der hl. Gregor sagt, es sei das gottgefälligste Werk, daß wir vollbringen können. Es sind ja Werke der Liebe, der Nächstenliebe und auch der Goètesliebc; denn indem wir einen Menschen vor Sünden bewahren und zu Gott zurückführen helfen, erweisen wir nicht nur dem Sünder die größte Wohltat, wir ersparen auch Gott die Beleidigungen, die ihm sonst zugefügt würden.

Drei Bemerkungen will ich dieser Erwägung über den Seeleneifer noch anfügen. Erstens muß man sich wohl hüten, daß der Seeleneifer kein bliir-'r Eifer sei, der würde nur schaden. Der Seelen a der in Haß gegen den Sünder umschlägt, wenn d; a hartnäckig ist, ist nicht der rechte. Jede Sünde muß man, wie Iohannes von Avila sagt, unter zwei Gesichtspunkten betrachten: als Beleidigung Gottes, dann verdient sie Haß; als Unglück für den sündigen Bruder, dann ist Mitleid am Platz. Zweitens wisse, daß man, wenn man Seelen retten will, vor allem die eigene Seele retten muß. Drittens: wenn es Gott so wohlgefällig ist, Seelen zu retten, so schließe daraus, wie ein Mensch in den Augen Gottes bastelt und was der zu erwarten hat, der eine Seele zu Grunde richtet. Dassind Gedanken, die alle tiefes Nachdenken verdienen.

—*=8-* SctöCHSfÜßC. — ^— -

Das schmerzt so still: die Lieben leiden sehen, Das schmerzt so still: an ihrem Grabe stehen, Das schmerzt so stille: einsam weiter wallen Im Tal der Tränen bis die Hüllen fallen.

Das tröstet still: zum Kreuze aufwärts schauen, Das tröstet still: sein Leid dem Herrn vertrauen, Das tröstet still: das Kreuz in Lieb umfassen Und sich ganz Gottes Willen überlassen.

Pauline Nommel.

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t^n Umdern ins Grab schauen.

Vor dem heidnischen Statthalter stand eine junge christliche Witwe mit ihrem etwa dreijährigen Kinde auf dem Arme. Es war die reiche und vornehme Iulitta aus Ikonium, der Hauptstadt von Lykaonien. Sils die grausamen Verfolgungsedikte des römischen Kaisers Diokletian erschienen, war sie geflohen — nach dem im Evangelium für die Verfolgungszeit gegebenen Rat und nach dem Beispiel Jesu, der den Silben öfter aue- wich, da sie ihm nach dem Leben strebten. Sie hatte sich nach Seleucia gewendet. Dort ober hatte sie bald erfahren müssen, daß sie erst recht in die Höhle des Löwen geraten war: der dortige Statthalter Alexander war noch grausamer als der Statthalter von Ikonium. Darum hatte sich Iulitta mit ihrem Söhnchen von neuem aufgemackst und war nach Tarsus in Cicilien geeilt. Aber wenn auch „das Herz des Menschen sich seinen Weg wählt, des Dtenschen Schritte lenkt der Herr allein" (Sp. 16, 9). Denn kaum war Iulitta in Tarsus, so wollte es das Geschick, daß auch Alex- arider dorthin kam. Die vornehme Frau war als Christin bald ersannt und wurde verhaftet. Und nun stand sie vor dem Richlerstuhl des Statthalters Slferanber.

Der Richter fragte Julltta nach Namen, Stand und Heimat. Sie aber gab auf alle Fragen nur die eine Antwort: „Ich bin eine Christin." Und so viele Fragen er auch stellte, und so sehr er sich auch Mühe gab, immer nur hatte Iulitta dieses Wort: „Ich bin nichts, als eine Christin." Sie hatte nicht einmal ein Ange für Alexander, sofern schaute nur abwechselnd mit sehnsüchtigem Blick zum Himmel hinauf und mit wehmütigem Blick auf das Kirch auf ihrem Arm. Da wurde der Richler zornig, ließ der Mutter das Kind aus den Armen reißen und befahl, Iulitta auf die Folter zu spannen und sie mit Ochsensehnen zu geißeln. Das holde Kind der Märtyrin hatte Alex­ander auf den Schoß genommen. Zuerst blickte der kleine Quirinus nur immerfort ängstlich nach Iulitta, wie Iulitta sorgenvoll auf ihren kleinen Quirinus blickte. Wie das Kind mm aber sah, was man seiner Mutter antat, da fing es erbärmlich zu schreien an und streckte die Aermchen nach ihr aus. Und als der Statthalter, um es zu beruhigen, ihm schmeichelte und es kosen wollte, da raufte ihm Quirinus das Haar und schlug ihm mit seinem Fäustchen ins Gesicht. Und wenn der Kleine bi? gequälte Mutter im Uebermaße ihrer Schmer­

zen das Wort stöhnen hörte: «Ich bin eine Christin/ da rief auch das Kind ein über das andere Mal: „Ich bin ein Christ, ich bin ein Christ." Es war zum Her- erweichen, wie Klein-Quirinus trotz aller Beschwich­tigungsversuche des Statthalters nur immerfort mit aller Kraft zur Mutter strebte und immer wieder die Töne nachlallte, die er aus ihrem Munde hörte, wie ein junges Schwalblem die Töne nachzwitschert, die es von der Mutter hört.

Nur Alexander wurde nicht gerührt davon; viel­mehr versetzte ihn das ungestüme Verlangen des Ki des nach der Mutter in eine rasende Wut. Er schnell ‘ auf einmal wie von Sinnen von seinem Sessel auf und faßte das Kind fester, sodaß es einen Augenblick verstummte. Im nächsten Augenblick ein Schrei, der allen, am meisten aber Iulitta, durch Mark und Bein ging, und der kleine Quirinus — lag mit zerschmetter­tem Köpfchen lautlos und regungslos auf den Mar­morstufen des Nichterstuhles, und von Stufe zu Stufe riefelte ein rotes Büchlein unschuldigen Kindesblutes, auf bem ein paar goldene Locken schwammen.

Alle standen starr vor Entsetzen und Scham. Kei­ner wagte zu atmen; man hörte nur den Keuchenden Atom des Wüterichs, der diese Untat vollbracht. Sm tittas Lippen waren bleich wie die einer Toten. Sie wandte von dem Bilde des' Grauens weg die Augen hinauf zum Himmel mit einem Blick, in dem sich un­beschreiblicher Schmerz und doch tiefste Ergebung spiegelten. Dann sprach sie mit lauter Stimme, m n das waren die ersten Worte, die die Todesstille nmoc- brachen: „O Herr, ich sage dir Dank, daß es dir pa len hat, meinem Kinde zuerst die Krone der Unsterb­lichkeit zu geben. Nun will ich freudig folgen."

Selbst Alexander mochte einen Augenblick Reue empfinden über feine viehische Grausamkeit gegen das unschuldige Knäblein, das entseelt und entstellt zu ic - nen Füßen lag. Aber seine Reue verwandelte sich in noch größere Wut gegen Iulitta. Er befahl, sie nom - mals zu foltern, mit eisernen Krallen ihr die Sc - u zu zerreißen und ihr siedendes Pech auf die Füße n gießen. Einer der Gerichtsdiener trat zu ihr und sprach: „Iulitta, opfere den Göttern, sonst wirst du enden i. e dein Kind." Iulitta sprach: „Ich bin eine Christi': und opfere nicht tauben und stummen Bildsäulen, i? dern bete Jesum Christum, den Sohn Gottes, an. D i gab Alexander den Befehl, daß ihr der Kopf abgeschla­gen- werde.

Auf dem Richtplatz angekommen, bat die Märtyrin um einige Augenblicke Aufschub; sie wollte erst ein Ge­bet zu Gottes Thron schicken, das ihr den Himmel ö.- • nen sollte. Die Bitte wurde ihr gewährt Sie fnü e nieder und sprach. „Herr Jesus Christus, ich danke bh. daß du meinen Sohn zuerst in dein Reich versetzt hast. Würdige nun mich, deine demütige Magd, dahin zu ge­langen. Gestatte mir, wie den weisen Jungfrauen den Eintritt in die himmlischen Gemächer, daß meine Seele Gott, deinen Vater, den Schöpfer und Erhalter aller Dinge, mit dem Heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewig­keit preise. Amen." Noch hatte die Märtyrerin das Amen nicht ausgesprochen, da war ihr Gebet schon er­hört: das Beil des Henkers hatte ihr Haupt vom Leibe getrennt, und ihre Seele war hinaufgeflogen zu ihrem Kinde in die himmlischen Gemächer, wo sie ewige Freu­den schöpft aus den Quellen des Erlösers mtb wo kein Tyrannenzorn die Freudenguellen mehr trüben sann.

---Was ist härter für eine Vluttsr oder für einen Vater: eines ihrer Kinder sterben zu sehen, ober beim eigenen Tode ein Kind hilflos und haltlos in her Welt zurücklassen zu müssen? Wer mag das entscheiden! Trostvoller ist es gewiß, ein Kind im Himmel zu wis­sen. Du Mutter und Vater, wisse es, das Kind, dessen Tod dich jetzt noch so sehr schmerzt, kommt dir an der Schwelle der Ewigkeit entgegen und setzt dir die un= verweltliche Krone aufs Haupt, die du jetzt in Trauer und Leiden verdienen mußt — wie Jesus seine Mutter krönte am Tage ihrer Himmelfahrt; das Kind, dem du nicht Führer sein konntest durch das dunkle Erden­tal, wird dir Führer sein in den lichten Hnmnelssaai.

„8u$ dieses geht vorüber "

Wir lie gen so leicht dazu, bei der geringsten Veranlassung „rein aus bem Häuschen zu geraten/' wir tragen so schwer gerabt an den alltäglichen kleinen Lasten, seufzen und stöhnen über geringfügige Dinge — welche Veränderung würde cs bedenken, wenn wir an bem Satz festhielten: „Auch dieses geht vorüber!"

Auch dieses geht vorüber! Sieber Christ, gedenke dieser Worte, wenn die Stunden wie eine Ewigkeit erscheinen, wenn her Berg der Trübsal gleichsam nuübcrstcigbar Vor dir liegt, wenn Stutzen brechen.