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MMn in -er Diaspora.

Wie hatten sich doch die Katholiken in N. gefreut, als ihr Pfarrer ihnen ankündigte, daß Mission sein würde! Du wohnst in einer ganz katholischen Gegend; weißt du, was es heißt, als Katholik in der Diaspora wohnen? Alles ist dort protestantisch; nur hin und wieder finden sich einzelne Katholiken unter der gro­ßen Zahl der Protestanten. Und da sollte eine Mis­sion gehalten werden. Zu den Predigten kamen die Katholiken sehr eifrig; sie hätten manche kath. Fa­milien in rein kath. Gegenden beschämen können. Und erst die Männer! Es war eine Freude für die Mis­sionare, den Eiser der Männer und Jünglinge zu sehen, die den Frauen in keiner Weise nachstehen wollten. Selbst zu den Abendpredigten kamen ein­zelne Katholiken aus einer Entfernung von 1% Stun­den. Und wie dankbar nahmen sie die Lehren der Religion entgegen! Wie freudig gaben sie auch ihrer Religion, was diese von ihnen forderte! Nur wenige blieben von den hl. Sakramenten zurück; sie hatten ihre Religion verloren, weil sie jahrzehntelang weit von jeder Kirche wohnten. Einige jedoch fanden den Weg zu ihrer Kirche zurück. Do einer der Missionare der polnischen Sprache mächtig war, hielt er neben der Mission für die Deutschen auch eine kleine Mis­sion für die Polen, die fast alle aus dem einst russi­schen Teile Polens stammten. Sie waren durch die Verhältnisse in der Heimat gezwungen, hier zu bleiben, und viele von ihnen hatten mehrere Jahre keine Ge­legenheit gehabt, in ihrer Muttersprache das Wort Gottes zu hären und die hl. Sakramente zu empfangen.

Erhebend war die Sakramentsfeier, ebenso das Levitenhochamt am letzten Sonntag. Diele der Ka­tholiken hatten noch niemals im Leben ein Leviten­amt gesehen. Und bei der Schlußpredigt klang es mit Begeisterung durch das Gotteshaus:Wir glau­ben; wie wollen es; wir wollen katholisch leben und sterben!" Mit bestem Willen haben die Katholiken ihr Glaubensbekenntnis erneuert; sie wollen ihrem Glauben treu bleiben. Zu groß sind jedoch die Ge­fahren, denen sie ausgesetzt sind in der so katholiken- armen Gegend unter den vielen Andersgläubigen. Hier haben sie zwar ihre Kirche; aber wie viele Glau­bensbrüder und Schwestern in der Diaspora können wegen der weiten Entfernungen nur selten oder nie­mals eine Kirche besuchen.

Du Host das G.ück, nahe bei deiner Kirche zu wohnen: schätze dieses Glück und sei treu deinem Glau­ben! Verhilf aber auch nach Kräften den armen Diasporakathokcken und Diajporakindern zu dreiem Glücke! Unterstütze den DonifoUnsverem, damit er noch mehr tun kann für deine Elaubenrbrüder und Schwestern in der Diaspora!

5?a-Kinder Lau-Kin-er.

Ihr Leut« auf dem Lande habt doch olle euer Eige­nes. Wenn's auch ein befebeitenes Häuschen ist es gehört doch euch. Niemand hat euch drein zu reden. Da seid ihr eltenbogenfrci. Ihr könnt sagen wie der Engländer:Mein Haus ist mein Schloß, da bin >ch der König!" Nun seht: ich gehen jeden Tag durch die engen und dunklen Gassen meiner Stadtgemeinde. Himmelhoch stehen die Häuser rechts und links. Im vierten und fünften Stockwerk wohnen die Arbeiter­familien. In zwei Stuben haust meist eine Familie Di? zwei Stuben sind ihr alles: Wohnung, Küche, Acker, Feld. Einer hat mir mit Stolz gezeigt, wie frei und schön er wohne: Durchs Fenster sah man über eine Menge Dächer weg und in weiter Ferne den Strich eines kleinen Dergzuees. Der Mann kam sich dabei vor wie ein Fürst. Und bei euch auf dem Dors gucken die grünen Zweige zum fünfter herein. Man macht ein paar Schritte, so blühts und lebts um einem herum. Und die Kinder! Draußen auf dem Dorf springen sie auf der Gosse. Schon das kleinste schiebt die Mutter im Wägelein mit hinaus aufs Feld, stellt es unter einen schattigen Baum, die Sonnenlichter spielen durchs G> zweig über das Gesicht des Schlafenden. Ist es ein Wunder, daß eure Buben Glieder haben wie die klei­nen Herkulesse und Lungen wie ein Schmiedeblakebalg

und Stimmen wie eine Trompete? Ein rechter Bauern­bub klettert aus den höchsten Baum und springt über den breitesten Graben. Aber wie ist es mit den Ar­beiterkindern in der Stadt? Wenn der Sommer schwül über den heißen Dächern liegt, sterben die Kinder mas­senweise. Warum seid ihr nicht aus euren Dörfern ge­blieben ihr Eltern? Die Tränen müßten jetzt nicht stie­ßen! Und wenn die Kleinen größer werden? Wenn sie ansangen zu spielen und zu springen? Da muß die Mutter wehren:Kinder, nicht zu laut!" Die Leute im untere** Stock beklagen sich, die jeden Tritt durch die dünne Deck; hören. Der Hausherr droht mit Kündi­gung Und dann wohin mit einer Familie, die eine große Kinderschar hat? Die will niemand nehmen. Vor Verzweiflung ziehen sic ost in Spelunken, die nur zu betreten die Frau sich früher geweigert hätte. In den Zeitungsgesuchen liest man oft genug: Wohnung gesucht von Familie mit nur einem Kind. Ist es nicht himmelschreknd, daß man sich seiner Kinderschar schä­men stil? Der Stolz und die Zukunst unseres deutschen Volkes ein gesundes, zahlreiches Kindervolk da in der Stadt wird es manchem zum Fluch seines Le­bens. Oder: wie ist es, wenn man seine Kinder zum Spielen auf die Straße gehen läßt? Bei uns auf d«m Dorf gibt es ja auch wilde Burschen. Kommt mancher heim und hat eine Beule aus dem Kopf oder einen Riß in den Hosen. Das schadet nichts, höchstens klopft der Vater die Hosen einmal aus und das Büblein mit, das da drin steckt, wenn das Büblein es mit dem Reißen ?.u toll treibt. Aber ihr wißt doch, mit was für Kindern die eurigen spielen und springen. In den Stadt­straßen springt allerlei Volk, und die Kinder bringen vielleicht seine Beulen am Kopf heim und keine Riste in den Kleidern, aber dafür viel schlimmere Beulen und Riste in ihren Seelen, Beulen und Riste, die nim­mer zu kurieren sind. Kinder In der Stadt, die kam- men mir vor wie eingesperrte Vögel. Es ist, als lese man in ihren Augen Sehnsucht nach der Sonne. Ist das wirklich solch ein herrliches Zauberland? Habt eure Dorsheimat lieb da sind die gesunden Kräfte des Leibes und der Seele, die unser Volk braucht, um stark zu bleiben: gesunde Kinder!

Zur Thüringischen Lan-eswahs.

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Eigenartige Verhältnisse sind für unsere Partei in dem neuen Lande Thüringen geschaffen worden. Das neue Wahlgesetz macht es uns unmöglich, einen eige­nen Kandidaten durchzubringen. Unter den Entwürfen war in der 2. Lesung einer zur Annahme gelangt, der bei 9000 Stimmen im Gesam staat einen Abge­ordneten gewährte. Mit einer solchen Regelung hätte sich das Zentrum obfinden können. Unsere meist so rührigen Organismionen ten gewiß ihre Ehre da­rein gesetzt, die wenigen Stimmen, die uns bisher an dieser Zahl noch fehlen, aufzubringen und den letzten Mann an die Wahlurne zu bringen: Für dieses Ziel hätte sich der Kampf gelohnt. Im letzten Augenblicke ist diese Aussicht vernichtet worden. Die endgültige Fassung des Wahlgesetzes verlangt, daß in einem der sieben Wahlkreise mindestens 1 2 0 0 0 Stimmen aufgebracht werden müssen, wenn anders eine Be­rechnung der Reststimmen im Gesamtstaat überhaupt erfolgen soll Sieht dies nicht aus, als ob man uns im neuen Thüringen den Suhl vor die Türe habe setzen wollen? Man wallte durch diese Bestimmung es den kleinen Parteien unmöglich machen, Kandi­daten durchzubringen. Es mag berechtigt sein, klei­nen Sondergruppen das Aufkommen zu er« ferneren und sie auf die Pflicht hinzuweisen, dem Großen sich unterzuordnen. Ist denn aber das Zen­trum eine kleine Par ei? Ist sein Programm so kleinlich und engherzig? Zeigt es nicht vielmehr, in- dem es sich aufbaut auf der christlichen Weltanschauung, den umfassendsten Zug, den großartigsten Gedanken aller Parteiprogramme?

Es ist allo durchaus unberechtigt, die Zen­trumsparkei mit ihren vielen Tausenden von Stimmen systematisch im neuen Deutschland auszuschließen, es ist aber auch unklug. Die Zentrumswähler finden sich hauptsächlich in den Randgebirsen Tdürmrarrs,

die an katholische Länder angrenzen. Es besteht unzweifelhaft sowohl in der Rhön wie auch im Mer- ningschen Grenzgebiete eine starke Strömung, die nach Preußen-Hessen bezw. Bayern hin will. Dort im Zusammenschluß mit großen Massen Gleichgesinnter, hofft man mit Sicherheit aus volles Verständnis für die eigenen Wünsche, dort glaubt man seine Unteres» fett am besten gewahrt, dort winkt ein Großstaal mit weiten Gesichtspunkten und reichem Betätigungsfeld. Deshalb kann gerade derjenige, der ein Verbleiben die­ser Landesleile bei den thüringischen Stammesgenos­sen wünscht, es nur als unklug bezeichnen, daß durch das Wahlgesetz den Absplitterungsbestrebungen neue Nahrung zugeführt wird. Für den kommenden Land­tag sollte es also eine Hauptaufgabe sein, das so über­stürzt angenommene Wahlgesetz in der Weise umzu- ändern, daß auch der Zemrumspartei das Erringen wenigstens eines Mandates nicht unmöglich gemacht wird. Für diesmal aber heißt es, die Lehre aus dem Wahlgesetz zu ziehen: Jeder Parteifreund halte sich diesmal von der Wahlurne fern!

Dem künftigen Landtag wird auch ein Landes­schulgesetz vorgclegi werden. Seine Gestaltung hängt zwar in erster Linie von dem Reichsschulgesetz ab, immerhin werden noch viele Einzelheiten durch die Landesgesetzgebung zu regeln sein. Für uns Zentrumswähler kommt es zunächst auf eine loyale Auslegung der Verfastung an. Die Versuche, die in den bisherigen thüringischen Einzelländern schon ge» macht worden sind, die Vcrfastungsbcstimmungen zu umgehen, oder in eigenmächtiger Weise zu deuten, sind infolge Einspruches kirchlicher Behörden und des ener­gischen und tapferen Kampfes der christlich gesinnten Thüringer zwar gescheitert, aber der augenblicklich« Waffenstillstand ist nur vorläufig: das Landesschul- erseh wird den Kampf aufs neue entbrennen lasten. Kein Zentrumsabgeordneter wird dann gegen die Ent- christlichung der öffentlichen Schulen, für die Erholung der konfessionellen Schulen, besonders unserer gefähr­deten Diasporoschulen, keiner für bis Beibehaltung des Religionsunterrichtes in seiner bisherigen Form mit» kämpfen können. Zu welcher Partei ober wollen mir das Vertrauen haben, daß sie in diesem Kampfe, der uns Gewiffenssache ist, unsere Interessen unbedingt vertritt? Sozialismus ..ich Liberalismus sind gerade auf diesem Gebiete unsere ärgsten Feinde. Die Deutsch- nationalen haben cor einem Jahr in der deutschen Na­tionalversammlung in Weimar bei Beratung des Schulkompromisses völlig versagt, ja sogar unter Lic. Traubs Führung das Zustandekommen des besseren, ersten Vorschlages hintertrieben; die deutsche Volks- partei setzt einen Pros Thümmel auf ihren Wahlvor­schlag: ein deutlicher Wink für jeden Zentrumsanhän­ger, daß diese Partei auf seine Stimme verzichten will. Es bleibt alle nur übrig: protestieren wir auch gegen diese Ausschaltung unserer Partei bei der Re­gelung der Kulturfragen, indem wir am 20. Juni zu Hause bleiben! Vielleicht dämmert es im Laufe der nächsten Jahre den maßgebenden Kreisen, daß es besser ist, auf unsere Mitarbeit nicht zu verzichten. Oder aber m:r strengen uns an, mehren unsere Anhänger und erzwingen uns die Mitarbeil! So mancher, der heute noch hinter dem Drahtverhau vor- aefaßter Meinungen nur Ausschau hält nach unserer Partei, mit deren Grundsätzen er sich völlig eins weih, lüßl sich vielleicht hervorziehen und hineinbringen in den Schützengraben zum gemeinsamen Kampfe für die christliche Weltanschauung. Für diesmal aber heißt der Schlachtruf der Zentrumspartei für die thüringische Landeswahl:

Strengste Wahlenthaltung !

*> Reuhos. Im Alter von 55 Jahren ist hier nach längerer Krankheit der weithin bekannte und gesckätzte Arzt Sanitätsrat Dr. H e i tz m a n n gestorben. Der Heimgegangene war eine Zierde seines Standes, ein verdienstvoller Förderer katholischen Lebens und ein treuer Vorkämpfer der Lentrumeport«, als Mensch