Ausgabe B.
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
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Kassel, den J3. Juni (920.
Wochenkalender.
Sonntag, 13. Juni. 3. nach Pfingsten. Antonius von Padua, Bek. Foelicula, J str. u. M.
Montag, 14. Juni. Basilius, B. u. Kchl.
Dienstag, 15. Juni. Vitus, Modestus u. Crescentia, M.
Mittwoch, 16. Juni. Vom Tage.
Donnerstag, 17. Juni. Vom Tage.
Freitag, 18. Juni. Markus u. Mar-ellianus, M.
^ a m s t a g, 19. Juni. Juliana von Falkonieri, Jgfr. Gervasius u. Protasius, M.
Dritter Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Luk. 15, 1—10.)
In jener Zeit nabeten Jesus Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Da murrten die Pharisäer und Schrist„elehrten, und sprachen: Dieser nimmt sich der Sünder an, und itzt mit ihnen. Ec sagte zu ihnen dieses Gleichnis, und sprach: Wer von euch, der hundert Schafe hat, und, eines davon verliert, läßt nicht die neun und neunzig in der Wüste, und geht dem Verlorenen nach, bis er es findet? Und hat er cs gefunden, so legt er es mit Freuden aus seine Schultern, und wenn er nach Hause kommt, so ruft er seine Freunde uno Nachbarn zusammen, und sprici t zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein-Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Eben so wird auch im Himmel Freude sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neun und neunzig Gerechte, welche der Butze nicht bedürfen. Oder welches Weib, die zehn Drachmen hat, wenn sie eine Drachme verliert, zündet nicht ein Licht an, und kehrt das Haus aus, und sucht genau nach, bis sie dieselbe findet? Und wenn sie dieselbe gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen, und spricht: Freuet euch mit mir: denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. Ebenso, sage ich euch, wird „rcude bei den Engeln Goltes sein über einen einzigen Sünder, welcher Buße tut.
Wozu zeinde?
n die Fußsohlen unseres Heilandes bat sich ein ganzer Schwarm von Feinden gehängt. Es haßten ihn die Pharisäer, die Schristgelehrten, die Sadduzäer, ließen ihn Cpieß- ..., o L tuten laufen durch das ganze jü- dlsche ^and und gaben ihm zum Thron das Kreuz.
Hat in unsern Tagen der Heiland keine Feinde mehr. |o höre doch die Klagen, die er jener treuen Dienerin anveriraule, die erst vor kurzer Zeit heilig gesprochen wurde, der hl. Margareia Wocoqite: „Siehe hier das Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, daß cs'sich in der Liebe ganz erschöpfte. Statt der Dankbarkeit aber empfange ich von den me.sten Menschen nur Undank durch ihre Veracht tung, ihre Unehrerbictigkeit, ihre Gleichgiltigkeit, ihre Sakrilegien".
Ein Vorbild des leidenden Erlösers war David, «er im Psalm 54 sein Herr ausichüttet über die
Schmähungen und Bitterkeiten, die ihm von seinen Gegnern zuteil wurden.
Psalm 54: Gebet einer leidenden Seele.
1. Mein Gott, erhöre meine Bitte Und schweige nicht zu meinem Flehen.
2. In Gnaden schau auf mich hernieder Und merke huldvoll auf mein Seufzen.
3. Betrübt bin ich in meinem Elend, Erschrocken ob des Feindes Stimme.
4. Man schleudert auf micb alle Bosheit Und will an mir den Zorn auslassen. >
5. Mich überfallen Seclenängste, Und Todesschauer mich ergreifen.
6. Mich lähmen Schrecknisse und Bangen, Und Finsternisse mich bedecken.
7. Wer wird mir Taubenflügel geben, Um fortzufliegen und zu ruhen ?
8. In weite Ferne möcht' ich fliehen, In stiller Wüste mich verbergen.
9. Den Netter wollt' ich da erwarten, Der Nuh gebeut den Stürmen allen.
10. Vernichte, Herr, der Feinde Anschlag, Die in der Stadt sich frech empören.
11. In ihren Mauern herrscht die Bosheit, Und Schlechtigkeit in ihrer Mitte.
12. Auf allen Stratzen tobt der Aufruhr Betrug und Falschheit wuchern üppig,.
13. Wenn mich mein Feind verraten hätte, Ich hätt' cs sicherlich ertragen.
13 a. Und hätt' ein Widersacher mich gelästert, Ich hätte mich vor ihm verborgen.
14. Nun aber ist cs mein Vertrauter, Mein Busenfreund und Tischgenosse.
15. Mit dem ich süße Speisen teilte, Mit dem ins Gotteshaus ich wallte.
15a. Der spielt nun die Verräterrolle; Wer könnte solchen Undank tragen?
16. Doch plötzlich wird der Tod sie fassen, Es wird die Hölle sie verschlingen.
Wozu sind aber die Feinde da, die sich gegen Gott und feine Diener erheben? Wozu die Feinde und Sünder, die durch ihren Unglauben nnd ihre Schlechtigkeit uns auf eine schwere Probe stellen? Höre darüber die Gedanken des großen Kirchenvaters Augustinus: Glaubet nicht, daß die bösen Menschen ohne Ursache in der Welt seien und daß Gott nichts Gutes durch sie wirke. Jeder Böse lebt entweder, daß er gebessert oder daß der fromme durch ihn geprüft werde. Möchten doch jene, die uns jetzt prüfen, sich bekehren und dann mit uns geprüft werden. Hoch so lange sie uns prüfen, wollen wir sie nidp hassen, weil wir nicht wissen, ob sie in ihrer Bosheit bis zum Ende verharren werden. Gewöhnlich, wenn man glaubt, man hasse einen Feind, haßt man einen Bruder und weiß cs nicht. Darum bedenke und führe dir wohl zu Gemüte. was
ich jetzt sage: wenn du gut bist, so wirst du keinen andern Feind haben als den Böen; und dann laß Dir die Güte deines himmlischen Vaters zur Richtschnur dienen, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen läßt und über Gerechte und Ungerechte seinen Regen sendet. Meinst du etwa, nur du habest einen Feind, Gott nicht? Ja, du hast einen zum Feind, der mit dir erschaffen wurde, Gott aber hat Denjenigen selbst zum Feinde, den er erschuf und dem er bis zu dieiem Augenblicke so viel Gutes erweist. Hast du denn mehr als Gott deinem Feinde Gutes erwiesen, daß du ihn so unerträglich findest? — So liebe alo deinen Feind, bam.t du deinem himmlischen Vater und demjenigen, den er gesendet hat, ähnlich seiest. Wie könntest du ailch das Gebot: „Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen und verfolgen" — wie könntest du dieses Gebot der Liebe-ei füllen, wenn du keinen _ Feind hättest? Sag also nicht mehr: es nützt mir nicht, Feinde zu haben, und es ist nicht gut, daß Gott den Bösen verschont. Denn sieh, es nützt bir^ denn es gibt dir Gelegenheit, Barmherzigkeit zu üben und dich im Gmen zu stärken. Vielleicht bist auch du schlecht gewesen und gut geworden. Wenn Gott die Bösen nicht schonte, gältest du auch keine Veranlassung, ihm zu danken. So möge Gott, der dich geschont, auch andere schonen. Indessen bringen die Feinde und die Bösen mancherlei Versuchung. So lange es sich darum handelt, die Feinde zu lieben, verwirren ihre häufigen Schmähungen unser Auge erregen um er Herz, töten unsre Seele. Am liebsten, würde man fortgehen, weit fort vom Getriebe der 'Diensten. Man möchte sprechen: wer gibt mir Flügel, daß ich fliege und ruhe? Ost versucht der Men ch, verkehrte Menschen zu bessern, doch umsonst ist alle Mühe und Wachsamkeit; cs ist dir unmöglich zu bessern — ertragen, leiden mußt du.
Könnte ich doch irgendwo ansrnhen, von ihnen getrennt, wenn nicht nach der Liebe, so doch nach dem Leibe. Mit meinen Worten und mit meinem Zureden kann ich ihnen nicht mehr nützen, so werd» ich vielleicht ihnen nützen durch das Gebet.—
So weit der hl. Kirchenlehrer Augustinus Lernen wir also, Mitleid haben mit denen, die von Gott nichts wissen wollen, MUleid mit denen, die uns als ihre Feinde betrachten, die unsern Glauben, unsere Ueberzeugung, unsere Grundsätze verlachen und ver pönen. Widerstehen wir der Versuchung, sie als Feinde zu betrachten. Und wenn unS jeder andere Zugang und Weg verschlossen ist, etwas für ihre Bekehrungen zn tun, so verlegen wir nns auf das Gebet. Ist nicht durch das Gebet des Stephanus an§ Saulus ein Panins, durch das Gebet Monikas aus Augustinus ein Heiliger geworden? Dem heiligsten Herzen Jesu ist keine Ge- betsmeinung lieber als die zur Belehrung der Sünder. Der Burgpfr.