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Ratgeber für Landwirtschaft,

Gartenbau und Hauswesen

Nr. 11. XD 30. Jahrgang. o-r

Gratisbeigabe zum Bonifatiusboten

Q Zulda, den 6. Juni )920

LltkprSser" undSeschlechtranzeiger".

In vielen Zeitungen wird dieser Apparat sehr em­pfohlen. Es steckt nichts dahinter, da es eine Spielerei nd Täuschung ist. Die Gebrauchsanweisung sagt:Mit rm Apparat kann man jedes Tier, klein oder groß, te- enb oder tot, sowie die Erzeugnisse von diesen, als »rlch, Butter (!), rohes oder gekochtes Fleisch usw. prü- en. Auch läßt sich bei Gegenständen wie Lederloschen, Portemonnaies, Handschuhen, sowie seidenen und wolle» en Sachrn, Perlmutter- und Hvrnknöpfen, Muscheln usw. sststellen. ob die Produkte von männlichen oder Weib­chen Tieren (!) stammen."

Demnach zeigt also der Apparat auch an, ob die ltilch oder die Butter von männlichen oder weiblichen ieren stammt. Das ist ja großartig. Bis jetzt wußte er Ratgeber nur, daß Kühe und Ziegen Milch geben. :s scheint aber auch Ochsenmilch und Bocksbutter zu geben.

Der Apparat ist ein ganz kleines Ding, ungefähr wie k Hülfe über einem gespitzten Bleistift, ist mit irgend tnrr Masse ausgefüllt und hängt an einem Zwirn s- Hen. Beim Eierprüfen verfährt wan (laut Gebrauchs- nw«sung) folgendermaßen:Man legt das Ei auf den 'ifch, nimmt den Fechen des Eierprüfers zwischen Dau- rsn und Zeigefinger, stützt den Ellenbogen auf den Tisch nd hält den Apparat 'ea. 5 Millimeter über das Ei. n ca. einer halben Minute werden beim männlichen Ei endelnbe (also hin und her), beim weiblichen kwIsende nb beim unfruchtbaren gar keine Bewegungen ent- ehen." Nach Vorschrift gehalten, geht alles so wie ge­ruckt. Wenn man aber den Apparat an Ne Wand ängt und die Eier darunter legt, dann ist alles still und erAnzeiger" so ruhig wie ein Holzklotz.

Die menschliche Hand ist allein schuld an der Beweg- ng. Durch den aufgestützten Ellenbogen sind die Be- legungsn erntn (es gibt sog. Empfindungs- und B«- 'egungsnerven) meiner Finger angereot worden und ese setzen nun den mit den Fingerspitzen gehaltenen wirnsfa-en und damit das gar nicht schwere SSenbel in Zwingende oder kreisende Bewegung. Ganz selten zeigt ?rApparat" unbefruchtete Eier an, d. h. es kommt fei- n vor, daß man denApparat" ganz ruhig halten kann. Urs sieht sich großartig an und ist doch ganz einfach. Du ast gewiß schon einmal, oder auch öfters, einen Dresch­egel auf der Schulter getragen und zwar so, daß der Fle- I hinten herunter hing. Du warst aber noch keine 10 Schritte gegangen, so sing der Flügel auch zupendeln" m und schlug Dich ganz^ unsanft auf den Rücken, oder es sm auch vor, daß der Flegel rüber und nüberpen- elte" und Dich schier aus dem Gleichgewicht brachte. Las also bei dem Cierprüser die Bewegungsnerven mei- er Finger machten, dies taten bei dem großen Drefch- egel dieBewegungen" Deines ganzen Körpers So er- äre ich mir als Laie die ganze Sache. Es ist Dir pe- nh auch schon einmal passiert, daß Du einen Fuß leicht us den Boden gesetzt hattest, daß bloß die Fußspitze chne Absatz) den Boden berührte. Auf einmal fing uch Dein Knie an, die Bewegungsnerven traten in- gkeit. Und wenn der Apparat nun anzeigt, in dem Ei eckte ein Hühnchen, wer will oder kann denn beweisen, dies nicht wahr ist.

Nehmep wir nun den Fall an, es legt jemand einer renne 10 Eier unter. 7 davon sind durch das Pendel ls Hühnchen ««gezeigt und 3 als Hähnchen! Es schlüp- m nun wirklich 7 Hühnchen und 3 Hähnchen aus. Wer > beweisen, daß derApparat" richtiggearbeitet" at? Wer kann beweisen, daß die sieben Hühnchen ge­rbe aus den sieben, als Hühnchen angezeigten Eiern

isg«schlüpft finb? Können nicht 3 davon aus den Hähnchen-Eiern" geschlüpft sein? Die beste Probe wäre och, daß man einfach einer Henne lauter als Hühnchen "gezeigte Eier unterlegt. Schlüpft dann etwas anderes us als Hühnchen, so stimmt die Sache nicht. Doch auch ies kann der Aufall besorgen und ist auch schon Dorge- tmtnien. Du kannst Dir überdies den Apparat »ochen, derarbeitet* genau wie der gekauft«.

selbst

Ueber die Zwangs wirtschaft.

Auf dem am 6. Mai in Köln abgehaltenen Deutschen touerntag kam über die ZwanAswirtschaft folgender Ent- hluß zur Annahme:

Falls die Regierung sich nicht dazu entschließen kann, ie gesamte Zwangswirtschaft aufzuheben, fordern mir:

1. Freie und beliebige Verwendung der landwirtschaft- chen Produkte in der eigenen Wirtschaft. Eine Rationie- ung der Lebensmittel für den Landwirt ist ein Unding.

2. Die Preise in der Landwirtschaft müssen sich auf irund eines Index nach den Produktionskosten richten. )em Landwirt kann es schließlich gleichgiltig sein, ob er ie in seinem Betriebe entbehrlichen Produkte an den

Staat aber an den Händler abliefert. Aus jeden Fall muß aber der Landwirt einen Preis erhalten, der eine Wetterführung der Wirtschaft ermöglicht.

3. Wollen wir zu gesunden, volkswirtschaftlichen Ber» hältnifsen zmücki«hr«n, so muß überall dort sofort die Zwangswirtschaft restlos ausgehoben werden, wo wir dasselbe Ziel auch in der freien Wirtschaft erreichen wol­len bezw. die Verordnungen nur noch auf dem Papier stehen. Lm übrigen muß Hand in Haich mit einer er- folgreichen Förderung der Produktion der gesamte Abbau möglichst rasch »orgenommen werden.

Die Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemitteln zu angemessenen Preisen ist Grundlage unserer Volks- ernährung und damit unseres Wiederaufbaues. Die Reichsregierung ersuchen wir daher, die Düngemittelpr»- duktion mit allen Mitteln zu fördern.

Die Preise der Düngemittel müssen sich richten nach dem Preise der talchwirtschastlichen Produkte bezw. es muß die Preiserhöhung der Düngemittel jeweils eine entsprechende Preiserhöhung für landwirtschaftliche Pro­dukte zur Folge haben. Ist dies nicht der Fall, so hat die Landwirtschaft an der Düngemittelproduktion kein In­teresse mehr, da die Rentabilität ihre Anwendung nicht gestattet. Da allein im letzten Jahre die Preise für Düngemittel z. T. um das 4Ssache erhöht wurden, ist eine Anwendung nur bei entsprechender Erhöhung der Preis« für die landwirtschaftlichen Produkte möglich.

In seiner letzten Entschließung spricht sich der Deutsche Bauerntag energisch gegen die Aushebung der Einwoh­nerwehren aus. Er betonte mit Recht, daß ohne die nö­tige Sicherheit ans dem Lande eine ordnungsmäßige Be- Heilung, Ernte und Ablieferung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse unmöglich sei.

So gestaltete sich der Kölner Bauemtag zu einer macht­vollen Kundgebung der deutschen Landwirtschaft, die über bk engeren Grenzen hinaus ihre Bedeutung finden wird.

zreisabe der Einfuhr von ZnttermiWn.

DenP. P. N." wird von zuständiger Stelle mit- geteilt: Der Reichsminister für Ernährung und Land­wirtschaft hat durch eine Verordnung vom 5. Mai die Einfuhr von Oelkuchen und von Fisch- und Fleischmehl freigegeben. Hierdurch wird der Imporlhandel in die Lag« versetzt, ohne besondere behördliche Einwilligung gereifte in der neuen Verordnung einzeln aufgeführte wertvolle Sorten von Oelkuchen und Fisch- und Fleischmehle ein. zuführen und im Inland frei abzusetzen. Es handelt sich hier um Futtermittel von befonbers hohem Eiweißgehalt, deren Fehlen in erster Linie zu dem Rückgang der Milch- unb Fettversorgung in den vergangenen Jahren geführt hat. Die freie Zufuhr dieser Futtermittel soll nunmehr mit dazu beitragen, den Wiederaufbau des deutschen Vieh­bestandes zu beschleunigen. Bezüglich der Einfuhr von sonstigen Futtermitteln verbleibt es bis auf weiteres bei den bisherigen Vorschriften. Sie ist auch weiterhin ab­hängig von einer Einfuhrbewilligung des Reichskommis- sars und unterliegt der Ablieferungspflicht an die Ge- schäftsabtellung der Reichsfuttermittelstelle. Auf diese Weise soll erreicht werden, daß der Importhandel sich der Einfuhr gerade der Futtermittel (Ölkuchen, Fisch- und Fleischmehl zuwendet, deren di« deutsche Landwirtschaft am nötigsten bedarf.

verschiedenes.

Achtung bei Vlehablieferungen an den Aelndbund)

In all den Fällen, in denen die Landwirte genötigt sind, bei Abgabe von Vieh an den Feindbund wegen un­genügender Preisfektseßuno die Hilke des Reichswirtschafts- encktes (Berlin-Charlottenburg, Witzlebenstraße 4) an- zurufen, wird häufig die Beibringung genügender Unter­lagen verabsäumt. Das gilt gleichmäßig für große un­kleine Landwirte. Daher ist es bei Verhandlung der Klage häufig schwer sestzustellen, um wrlches Stück Vieh es sich handelt. Die beim Verkaufe ausgestellten Schluß- scheine genügen nicht, um die Indentität des Tieres ge­nau nachzuweisen. Es empfiehlt sich daher dringend, bei ber Abgabe vonEnt«nte"-Vieh sich über das einzelne Stück möglichst genaue Aufzeichnungen zu machen: Rasse, Zeichnung, besonders markante Merkmale usw. Es em­pfiehlt sich weiter, die Auszeichnungen durch eine unpar­teiische beamtete Persönlichkeit (in erster Linie kommt hier­bei Bürgermeister, Amtsvorsteher, Gemeindevorsteher in Frage) bescheinigen zu lassen. Ergibt sich die Notwendig­keit,' Klage beim Rrichswirtschoftsgericht zu erheben, so reiche man diese Unterlagen ein, und der Fall wird sich dann erheblich schneller erledigen lassen, als das infolge der sonst notwendig werdenden Nachfragen und Feststel­lungen möglich ist. Es wird übrigens Veranlassung

genommen werden, bei der Regierung zu beantragen, daß bei Abnahme durch die Kommissionen in den Schluß» schein eine genaue Beschreibung des betr. Tieres ausge­nommen wird.

Bezahlung abgeNeserter SchlachNiere. Nach § 5 der Verordnung vom 5. April 1917 (R.-G.-Bl. S. 319) gel­ten di« Höchstpreise für Barzahlung bei Empfang. Wenn der Viehhalter es verfangt, muß der Vertrauensmann sofort zahlen.

Ernteflüchenerhebnng. Der Ernöhrungsminlster hat an- geordnet, daß in der Zeit vom 20. Mai bis 5. Juni eine Feststellung der von den einzelnen Bewirtschaftern be­stellten Getreide- und Kartoffelslächen stattsindet, und zwar wie in den vergangenen Jahren gemeindeweise durch Be­fragung der Betriebsinhaber.

Sleuerzahtung. Nach § 24, Absatz 1. Satz 2 des Ge­setzes über eine Kriegsabgabe vom Vermögenszuwachs vom 10. Sept. 1919 sind bei Zahlung der Abgabe in barem fâelèe vor Ablauf der festgesetzten Zahlungsfristen sechs vom Hundert Zwischenzinsen abzuziehen. Aus die­ser Bestimmung geht hervor, daß die Vorauszahlung in bar auf die später sällig werdende Kriegsabgabe zulässig ist. In dem Abzug von 6 Prozent Zwischenzinsen liegt ein wesentlich Vorteil für den Steuerpflichtigen. Die Vorauszahlungen hätten an di« für den Wohnsitz der Steuerpflichtigen zuständige Hilfskasse (Steuerannahme- stelle) zu erfolgen.

Weizenrosl. Ein mit Rostkrankheit befallenes Stück Land kann die Nachbarschaft in weitem Umkreise verseu­chen. Der Roststaub, d. h. die Sommersporen des Pilzes, werden durch den Wind weit verbreitet und gelangen auf diese Weise auf Halme und Blätter. Bei feuchtwarmer Witterung breitet sich der Rostpilz stark aus; ebenso sin- feuchte, win-geschützte Lagen, Aecker, die an stauender Nässe leiden und solche, die am Wasser liegen,, für den Rostpilz leichter empfänglich als ander«. Man hat ferner die Beobachtung gemacht, daß starke Stickstossdüngungen und die stickstoffsammelnden Pflanzen als Vorfrüchte den Befall günstig beeinflussen. Es ist festgestellt worden, daß verschiedene Setreibeforten unter denselben Umständen un» gleich stark vom Rostpilz befallen werden. Die eine Sorte ist empfänglicher dafür als di« andere. Mit der Reife des Getreides entstehen die sog. Wintersporen des Pilzes, die überwintern und im Frühjahr unter günstigen Keimungs­bedingungen Vorkeime bilden, an welchen kleine Sporen, die sog. Sporidien, entstehen. Diese Sporidien erzeugen auf den Wirtspflanzen (Berberitze, Natternkopf, Ochsen- zung«, Kreuzdorn usw.) den Rost, der von hier aus durch den Wind u. dgl. wieder aus das Getreide gelangt. Die Ausbreitung des Rostes läßt sich nicht mehr einschränken, wenn das Getreide erst von ihm befallen ist. Wie oben schon erwähnt, sind manche Getreidearten für den Pilz weniger empfänglich als andere. Wo Rostgesahr droht, soll man erprobte widerstandsfähige Sorten anbauen und zu starke Stickstoffdüngungen vermeiden, damit das Ge­treide nicht lagert, denn lagerndes Getreide wird eher vom Rost befallen, als ausrechtstehendes. Stickstoffsammelnd« Pflanzen, Klee, Bohnen usw., soll man auf Äeckern, bis leicht vom Rost heimgesucht werden, vermeiden. Mög­lichst frühe Aussaat im Herbst und Frühling und ener­gischer Kampf den Wirtspftanzen.

Spark Znckcr zu Einmachzwecken. Wenn nicht alles trtigt, wird die Beerenernte dieses Johr eine recht au e werden, daher ist es nötig, d< bet ber enormen Wich» tigkeit, di« einem billigen Brotaufstrich beizumessen ist, möglichst große Mengen an Beeren eingekocht und ein­gedünstet werden. Um eine haltbare Marmelade her. stellen zu können, ist Zucker unbedingt nötig. kann nicht genug darc-uf hingewiesen werden, daß der von den Kommunalverbänden auLaegeben« Monats-ucker möglichst zurückgelegt und für Kaffee, Tee und Kom» Pott Süßstoff benützt wird. Der Inhalt der Bcie^» chen, sogen. »..Packungen, wird mit lauwarmem W«s» ser in einem Fläschchen aufgelöst und aufbetvahrt I)s nach Bedarf wird dieses Wasser dem Kaffee oder Kom­pott (letzterem erst, wenn etwas abgekühlt) beigege­ben. Bei richtiger Verwendung wird das Vorurteil ge. gen den Süßstoff bald schwinden und die Freude der Hausfrau über die gefüllten Marnreladeg äser wird im Herbst eine große sein. Wenn eine Familie von fertig Köpfen einen Monat statt Zucker Süßstoff verwendet, können mit den erübrigten 9 Pfund Zucker 18 Pfund Früchte eingekocht werden. Dies ergibt etwa 22 Pfund erstklassige Marmelade. Für den Winter können auch Früchte ohne Zucker eingetoedt und dann mit nach und nach eingeipartem Zucker zu Marmelade gekocht wer­den Da Einmachzucker nicht zu erwarten ist, beginne die Hausfrau sofort mit der Verwendung des Süß­stoffes

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