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Der heilige Vater

bat an die Bischöfe der ganzen Welt eine Enzyklika über die christliche Versöhnung und den Frieden gerichtet. Er ermahnt alle Kinder der Kirche des ganzen Erdkreises, den ehe­maligen Streit zu vergessen und an seine Stelle Eintracht und gegenseitige Liebe zu setzcn Der Papst fügt hinzu, daß er allen Feinden der katholischen Kirche verzeiht und keine Gelegenhell außer Acht lassen wo!le, Gutes §n erweisen. Er schließt mit dem Wunsche, daß alle Christen, würdig dieses Namens, auch denen gegenüber so handeln möchten, die sie im Laufe des Krieges beleidigten.

Die Konferenz in Spaa,

wo die Summe festgesetzt werden soll, die Deutschland beim Frieden zahlen soll, ist nochmals verschoben wor­den, man ist sich anscheinend noch nicht einig über die Summe und will wohl auch erst die Wahlen abwar­ten. Es hat wenig Zweck, die verschiedenen Angaben über die hohe dieser Summe zu beleuchten, zumal es sich ja doch nur um mehr oder weniger begründete B-rmlrtungen handelt. Die Feinde möchten natürlich viel mehr haben, als wir leisten können, besonders die Franzosen haben ganz merkwürdige Ansichten über die Unerschöpflichkeit unserer Reichskasse. Wenn es sich bewahrheitet, daß wir 120 Milliarden in 40 unver­zinslichen Jahresraten ausbringen sollen, so könnte man damit vielleicht zufrieden sein, denn 100 Milliar­den wurden bereits vor einem Jahre von uns geboten. Im übrigen ist für uns alles vorteilhaft, was Klarheil schafft über die wirklichen Verhältnisse, wenn es auch bitter und unangenehm ist.

Gerüchte über putsche

atfec Art schwirren wieder in der Luft herum rechts und links sollen sie geplant sein und neuer» dmgs bringen sozialistische Blätter auch Angaben über eins geplante welsische Erhebung, die den Zweck haben soll, das Königreich Hannover wieder herzustellen. Hoffentlich handelt es sich dabei nur um Wahlmanöver, denn es wäre wirklich die größte politische Torheit, durch neue Putsche die ruhige Entwickelung zu stören. Jeder neue Versuch gewaltsamen Umsturzes müßte gleichviel von welcher Seite er unternommen würde natürlich die entsprechende Gegenaktion des anderen Extrems auslösen, das wäre verhängnisvoll für unser Vaterland, verhängnisvoll auch für das deutsche Volk, für seine Freiheit, für seine Wirtschaft, ja für seinen ganzen staatlichen Bestand.

Lm Rückgang der Preise

hat auf einmal überall eingesetzt. Mit den Häuten hat es angefangen: die Baumwolle folgt nach. Die Schuhfabriken möchten ihre Waren zu einer für die Jetztzeit als Schundpreis zu erachtenden Summe absto­ßen; doch die Händler verschließen sich den verlockenden Angeboten. Wer kaust ihnen sonst ihre teuer eingekauf- ten Ladenhüter noch ab! Die Kommunen haben nicht den Wagemut, die billig angebotenen Schuhe zu über­nehmen, sie sind schon zu oft hereingefallen mit ihren Reserven. Die von manchen Trübsehern für die schlech­testen Ernährungsmonate Mai bis Juli angekündigten Schwierigkeiten haben zu Angstankäusen und so zur Preissteigerung geführt. Und nun, da jedermann ein­gedeckt ist und von Einkäufen sich zurückhält, sinken die Preist auch der» Lebensmittel«. Während z. Ä. Reis zu Anfang Mai noch bis 11 M kostete, wird er jetzt in Berlin mit 64 Ji angeboten. Aus Hamburg liegen Nachrichren vor über große Preisrückgänge auf dem Fischmarkt, die sich auf Seefische und Heringe er­strecken. Letztere sind 200 X pro Tonne billiger ge­worden. Fett und Margarine sind fast um die Hälfte des Preises gesunken. Diese Verbilligung ist auf zwei Vorgänge zurückzuführen, in 1. Linie auf das plötzliche eingetretene Ueberang'bot n Lebensmitteln, die aus dem Schleichhandel stammen, 2. auf das fortdauernde Steigen des Markkurses. Infolge des Sturzes sind be­reits einige große Hamburger Handelsfirmen, die be­sonders große Lager Reis hatten, in Zahlungsschwie­rigkeiten geraten. Das gleiche droht vielen anderen Großhandelsfirmen und den Kommunen, die durch M^oße Abschlüsse festgelegt sind. Dem Ueberangebot an Lebensmitteln steht die Kaufunlust des Kleinhandels gegenüber, der eine weitere Preissenkung ab tu arten will,

um sich vor ähnlichen Verlusten zu schützen, und ferner die sinkende Kaufkraft des Publikums, die besonders in der Tatsache zutage tritt, daß selbst die rationierten Le- bensmittel nicht mehr in vollem Umfange abgenommen werden. 3m Zusammenhang mit dem Ueberangebot an Waren steht die bessere Bewertung der deutschen Mark, die erfreulicherweise anhält. In Basel wurden bis zu 19 Es. geboten. In Holland erreichte sie einen Kursstand von 8,35 gegen 7,2 ) am Vortage. Auch auf allen übrigen Börsenplätzen wurden durchweg Steige- rungen verzeichnet. Allerdings bringt das, was erfreu­lich ist für die, welche Auslandsrohstoffe einführen möchten, Stockung in den Absatz unserer Arbeitserzeug- nisse ins Ausland. Wir haben uns jetzt so ziemlich dem Weltpreis ongeglichen und können nun in vielen Din­gen nicht mehr mit dem Ausland konkurrieren. Denn die ungeheure Steigerung der Arbeitslöhne, die durch die Einschränkung der Arbeitszeit und durch die Zurück­haltung des Arbeitseifers in ihrer Wirkung vervielfacht wird, verteuert die Waren ins Ungemesfene. Weitere Lohnerhöhungen erklärt der "lrbeitgeberbund führen nur zu weiteren Dctrie'bremstellungen und einem wirtschaftlichen Zusammenbruch, ter Hunderttausende von Arbeitern arbeite« und brotlos macht.

Doch vielleicht kommt uns Hilfe von unseren Fein­den! Nicht aus Liebe zu uns, wohl aber aus Selbst­erhaltungstrieb haben französische Industrievertreter mit deutschen Berufsgenossen in Paris Beratimgen gepflo- gen. Biese deutsch-französische Wirtschaftskonferenz ist geeignet, uns über Frankreich her mit den notwendigen Rohstoffen zu versorgen, und über Frankreich die Aus­fuhr der Halb- und Ganzfabrikate zu leiten. Damit gewänne dieses Land einen Vorsprung gegenüber der erdrückenden englisch-amerikanischen Konkurrenz und es würde ein Mittel der wirtschaftlichen und damit auch der gesellschaftlichen Wiederannäherung der beiden feindlichen Völker geschaffen. Diese muß kommen in beiderseitigem Interesse und wird kommen, wenn der Siegestaumel nochläßt und man dort einsieht, daß es nur eben wirklich nicht möglich ist, all die wirtschaftlichen Bedingungen des Versailler Vertrages auszuführen und den Franzosen all ihnen durch den Weltkrieg erwachsenen Kosten und Schäden zu ersetzen, wie man es ihnen im­mer noch Vormacht. Es geht den Franzosen da eben so wie es uns ging, als uns 4 Jahre lang die Möglichkeit eines vollen Sieges übst bie verbündeten Feinde vorge­macht wurde, obwohl tie Führer nach der verlorenen Marneschlocht wußten, daß ein solcher unmöglich sei.

Dasnt? derschVarzen Schmach"

Nach einem Tagesbefehl des Oberkommandierenden der Rheinarmee Gener-l Degouttr verläßt die senega­lesische (schwarze) Brigade die Rheinarmee, weil sie zu einer Vertrauensmission ruf ein auswärtiges Opera­tionsgebiet (Syrien) berufen worden sei. Damit hat Frankreich dem Entrüstungssturm der ganzen Welt gegen die Verwendung schwcwzer Truppe« in Deutsch- land endlich nachgeben müssen.

Den Polen

scheint das Abenteuer, das sie mit ihrem Vorstoß gegen oie Bolschewisten in Südrußlcmd begonnen haben, übel zu bekommen. Die Russen, durch ihren alten Polen- haß fanatisiert und von tüchtigen Generalen der alten Armee geführt, haben die polnischen Linien durchbrochen und ihnen eine große Schlappe zugesügt. Nunmehr sind ihnen ihre Hoffnungen auf Ausdehnung des neuen Po­lenreichs bis Minsk vergangen und sie erklären sich sehr rasch bereit, Friedensverhandlungen mit Sowjetrußland einzuleiten. Ob freilich dieses jetzt noch ebenso bereit ist, wie vor 4 Monaten, ist eine andere Frage. Die Fran­zosen, welche die armen Polen in dieses Abenteuer ge­hetzt haben, um durch einen mächtigen Zwischenstaat Deutschland von Rußland zu trennen und uns zugleich in die polnisch französische Zange nehmen zu können, tragen eine große Schuld an dem Unglück dieses ohnehin schon furchtbar mitgenommenen Volkes und an dem Wiedererstarken der bolschewistischen Welle. Man be­grüßt bei uns vielfach mit einer gewissen Schadenfreude diese polnische Niederlage. Dazu ist noch einiges zu sagen. Man braucht es nicht zu bedauern, wenn auch die Polen einmal eine Schlappe erleiden, die sie davor bewahrt, daß sie allzu üppig werden, die ihnen zeigt, daß auch ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen und sie vieilLicht doch gut tun, mit Rücksicht puf diese russische

Bedrohung mit uns sich etwas bester zu fteßert, aber man darf doch nicht vergeßen, daß Deutschland nicht auf dem Mond oder in Afrika liegt, sondern an Polen an­grenzt und mit seinem Fall die letzte Schranke gegen den Bolschewismus gefallen ist, den dann auch wir mit un­seren Söldnertruppen nicht mehr aushalten können. Die­ser Bolschewismus ist für uns und ganz Europa eine Gefahr, wie es ehedem das Mongolentum, später Tar« taren und Türken waren. Dem Drang dieser Völker- wanderungstendenzcn nach Westen hat sich Polen stets, teils im Bunde mit anderen, teils allein als ein star­ker Wall zur Verteidigung christlich-abendländischer Kul­tur entgegengefteßt, von der Schlacht bei Liegnitz bis zu den Tagen, wo Habsucht und Verblendung diesen Wall zerriß und Polen aus der Reihe der europäischen Staaten verschwinden ließ. Damals hat sich Polen ausdrücklich als eine Schutzmauer des Christentums und seiner Kultur betrachtet Heute kämpft es mehr als damals um seine Existenz, aber der Gedanke an jene Aufgabe ist noch nicht untergegangen. Wie dem aber auch sei: Mittelbar steht Polen jedenfalls auch für europäische Interessen mit im Kampfe. Und deshalb müssen wir Deutsch« trotz allem, was einstweilen die gegenseitigen Beziehungen zwischen Polen und uns trübt, wünschen, daß es den Polen gelingt, die russische Walze aufzuhalten, sonst könnte der Schadenfreude bald etwa» ganz anderes folgen.

I Mr Gott hub Deinem MW |

E mutzt du es verant«orien, welcher Partei du am |

6 Juni deine Stimme gibst. |

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Reichstagswahl 1920

Nm lagt «st 3tHlra»$fagae wetzen!

Die Reichstagswahl am 6. Juni ist von der gröhle» Bedeutung, besonders für Kirche und Schule, aber auch vornehmlich für die ganze Gestattung unseres öffentlichen Lebens in den nächsten Jahren. Noch ein­mal ergeht darum an alle Zentrumswähler in Stadt und Land der 9iuf:An die Wahlurne!" 2hr wihk, was das Zentrum roilL Es will, daß die ewigen Got­tesgesetze im Staat, in der Familie lebendig erhalten u. neu belebt, daß sie Leitstrom, Kraftstrom, Wärmequelle werden für das deutsche Volk, daß unseren Schulen der Geist des Christentums erhalten bleibt, daß die lokalen Probleme nach den Grundsätzen der, Christentums ge­löst werden; daß jedem ehrlich A, itenden für sich und seine Familie eine Menschenwürde Existenz zu­teil werde; daß die soziale Verständigung, der Geist der Nächstenliebe alle Stände durckHringe; daß der Staat mit klugem Eifer einsetze, um die notleidenden unteren Volksklasten geistig und Wirtschaftich zu heben, die Schwachen zu stärken; gewiß ein Programm, voll­auf wert, daß alle christlichen Märmer Schüler an Schulter für stine Verwirklichung einstehen.

Wir rufen Euch mit den Worten Moufang zu: Es fehlt uns an Männern. Einen Mann nenne ich nicht den, der zu Hause weint und heult über die schlech­ten Zeit, sondern den, der eingreift, um die schlechte» Zeile» zu bessern. Einen Mann heiße ich nicht den, der bloß an sich denkt, nur an seinen Vorteil, an sein Geschäft oder an seine Bequemlichkeit, sondern den, der kämpft und ringt, der Hinausirill ins offenlliche Le­ben, um für seine Ueberzeugung einzustehe».

Dazu bietet sich am 6. Juni Gelegenheit. Bant® tretet elfe »hne Ausnahme an die Urne und

wählt die Zeittrumsliste.

was ist die Seatnsmspadei?

Wir antworten: Die Partei der aufbauenden Skaats- arbeit, die Partei der Mitte und der Volkssolidarität (Zusammengehörigkeit). Die Zentrumspartei verur­teilt aus Gewissensgründen jeden gewaltsamen Umsturz Deshalb hat sie die Revolution vom 9. November so wenig gewollt und unterstützt, wie den Kapp-Putsch vom 13. März. Die Zentrumspartei hat sich sodann für den Wiederaufbau des Staates zur Verfügung gestellt. Sie hielt es für ihre Pflicht, mit heißem Herzen, klarem Kopf und starker Hand zuzugreisen, um die furchtbare