Wochenkalender.
Sonntag, 6. Juni. 2. nach Pfingsten. Norbert, Bisch, u. Bek.
Montag, 7. Juni. Von der Oktav von Fronleichnam Eoban u. Adelar. u. Gefährten d. hl. Bonifatius, M.
D i e n s t a g, 8. Juni. Von der Oktav von Fronleichnam
M i t t tv o ch, 9. Juni. Von der Oktav von Fronleichnam. Primus u. FelicianuS, M.
Donnerstag, 10. Juni. Oktav von Fronleichnam. Margarita, Königin von Schottand.
Freitag, 11. Juni. Herz-Jesu-Fest. Barnabas, Ap.
Sam stag,12. Juni. Oktav v.Bonifatius. Johannesa.S.
Facundo,Bck.,Bafilides, Cyrinus.Naboru. Nazarius,M.
Zweiter Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Luk. 14, 15-24.)
In jener Zeit trug Jesus den Pharisäern folgendes Gleichnis vor: Ein Mensch bereitete ein großes Abendmahl, und lud Viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, um den Geladenen zu sagen, daß sie kämen, weil schon alles bereit wäre. Und sie fingen Alle einstimmig an, sich zu entschuldigen. Der Erste sprach zu ihm: Ich habe einen Meierhof ae- kauit, und muß hingehen, ihn zu sehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein anderer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und gehe nun hin, sie zu versuchen' ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein anderer sprach: Ich habe ein Weib genommen, und bar um kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück, und berichtete dies seinem Herrn. Da ward der Hansvater zornig, und sprach zu seinem Knechte: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führe die Armen, Schwachen, Blinden und Lahmen hier herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast; aber es ist noch Platz übrig. Und der Herr sprach zu seinem Knechte: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie, hereinzukommen, damit mein HauS voll werde. Ich sage euch aber, daß keiner von den Männern, die geladen waren, mein Abendmahl verkosten soll.
Die Edelblume.
Verpflanzen, Vermischen, Ver- letzen, durch Heizen und Düngen und andere Künste suchen die Gärtner immer schönere und prächtigere Exemplare von Blumen zu züchten. Der Seelengärtner aber, der göttliche Herland, hat mit seiner Allmacht und Heiligkeit die allerschönste Blume in den Boden des Christentums eingepflanzt, die Feindesliebe. Im alten Bund, der gleichsam als Morgenröte dem neuen voranging, finden sich von der Nächstenliebe wenigstens Spuren und Ansätze. Auch der Psalm 53 darf als Beweis der Feindesliebe angesprochen werden, die David üble gegen die Ziphiler. Von Saul verfolgt hatte er bei ihnen Unterschlupf gesunden; sie aber haben
an ihm den Verräter gespielt und dem Saul seinen Aufenthalt angezeigt. Saul schickte ein großes Heer, um die ganze Gegend zu umzingeln. In d-eser allerhöchsten Not betete David den nachfolgenden Psalm, worin er um Rettung fleht für sein Leben und um Bekehrung für seine Feinde.
Psalm 53: Davids Gebet in großer Not.
1. Mein Gott, in deinem Namen hilf mir, Allmächtiger, steh mir zur Seite.
2. O Gott, erhöre meine Bitte, Vernimm die Worte meines Mundes.
3. Verräter haben mich umzingelt, Nach meinem Blut die Feinde lechzen.
4. Entfernt ist Gott von ihren Augen, Und ihr Gewissen ist verfinstert.
5. Doch du, mein Gott, bist mein Beschützer, In deiner Hut bin ich geborgen.
6. Du wendest auf den Feind das Unheil, Zerschmetterst rhn nach deinem Ratschluß.
6 a Sein Unglück soll ihm zur Bekehrung, Zum Heile die Beschämung werden.
7. Zum Danke will ich freudig opfern, Besingen deines Namens Güte.
8. Denn du hast mich dem Feind entrißen, Gabst mir zu schauen sein Verderben.
Im neuen Bunde prangt diese Edelblume im Garten der Kirche in üppiger Fülle. Nicht bloß vereinzelt steht sie da, nein, ganze Beete sind im Ueber- fluß damit angefüllt. Brauchst du da lange zu Indien? Lies den Namen des Heiligen, der im Ka< lender am 5. Juni eingetragen ist, der heller als Glockenklang in alle Deutschen Lande tönt: es ist der hl. Bonifatius, der Apostel der Deutschen, der größte Wohltäter unseres Vaterlandes, der Bringer des Glaubens und der Kultur, der Schutzherr so vieler Millionen Katholiken besonders in dec Diaspora. Sein edles Leben, das nur dem Wohltun und der Barmherzigkeit gewidmet war, hat er gekrönt durch ein seliges Ende. Sein Kleid ward ge- ichmückt mit dem Purpur seines Blutes und seine Seele mit der Edelrose der Feindesliebe. Von Mainz war der Bischof den Rhein hinab bis Utrecht gefahren ; von da ging es ostwärts bis zur Mündung der Borne, wohin der seeleneisrige Bischof die Friesen geladen hatte, die nach oberflächlicher Bekehrung wieder ins alte Heidentum zurückgefallen waren. Sie folgten seiner Einladung, aber nicht begierig nach seiner Lehre, sondern nach seinem Blute. Ingram, der tapfere Kämpe und treue Begleiter des Bischofs, erkannte den ruchlosen Plan ber heranstürmenden Horden und warnte den Bischof. Er nahm seinen Speer und wollte mit seinen Gefährten den Kampf aufnehmen mit dem rasenden Haufen und den Todesstreich abwehren vom Haupte des geliebten Bischofs. Aber mächtig erscholl Wm- frieds Stimme: «Höret das Gebot bes Herrn; ver
geltet nicht Böses mit Bösem, sondern Böses mit Gutem; lasset ab von Krieg und Kampf; denn der Tag ist gekommen, den wir schon lange ersehnt; heute lohnt der große Gott des Himmels seine Getreuen; bereitet ist uns ein Hochsitz in des Himmels Hallen; die Scharen der Heiligen geleiten uns vor den Thron des Himmelsherrn".
Da warf Ingram sein Schwert den e'inbrechen« den Heiden entgegen, trat mit ausgebreiteten Armen vor seinen Herrn und Bischof und empfing als erster den Todesstreich; nach ihm erlitten den Tod Boni- fatius und fast alle seine Begleiter, Geistliche und Laien; nur wenige aus dem Gefolge retteten sich über das Wasser und brachten Kunde von dem Ende der frommen Helden.
Ein Landsmann unseres Bonifatius, Thomas Morus, Ku.- , . X n selig« KsnwI Heinrich des Achten, ist unserm Heiligen wie im Tod, so auch in der Feindesliebe nachgefolgt. Weil er den König nicht als Oberhaupt der Kirche Englands anerkennen wollte, musste er in den Kerker und auf das Schaffst wandern. Beim letzten Verhör sprach er zum Schluß das edle Wort: „Ich hoffe, daß wir uns im Himmel bei der ewigen Seligkeit treffen werden; Gott bewahre euch, meine Herren Richter, und Gott bewahre den König und schenke ihm gute Räte.
Zwar hätte es genügt, wenn Christus allein unser Vorbild in der Feindesliebe geworden wäre; er hat am Krenz für seine Feinde gebetet und hat für sie sein Blut und seinen Tod aufgeopfert. Damit aber niemand sagen könne: das war der Heiland, der allmächtige, unendlich Heilige, dem keine Tugend auch nur die geringste Mühe verm sachte. Wie sollte aber ein schwacher Mensch zu einer solchen Höhe sich aufschwingen? — Siehe, damit du nicht in das Schneckenhaus einer solchen Entschuldigung dich flüchten könntest, deswegen hat es dem Heiland gefallen, Legionen von Menschen zu erwecken, die durch eigene Anstrengung, von der göttlichen Gnade unterstützt und durch des Heilands Beispiel ermutigt, die Feindesliebe in tausend Formen geübt haben. Dazu hat Gott auch seinen Diener Bonifatius auserwählt. Wenn ein Seiltänzer seine Künste vorführt, io sagt wohl mancher mutige Jnnge: das könnte ich auch noch lernen, wenn ich wollte. So sprich auch du, mein Christ, wenn du die Heiligen siehst, wie sie dahinwandeln in übermenschlichen, himmlischen Höhen. Es waren Menschen, wie ich — und sie haben es gekonnt; und ich sollte es nicht vermögen? Wohlan, vielleicht läßt Gott zu, daß dir von irgend einer Seite, von Freund oder Femd, ein Unrecht zugefügt ioirb, daß dn von irgend einet Person oder Behörde verkannt, mißverstanden, verstoßen, zurückgesetzt, gelästert, verleumdet, wirst, — damit du Gelegenheit habest zu schweigen, zu verzeihen, vielleicht sogar mit Wohltun zu erwidern und so die allerschönste Blume des Christentums, die Feindesliebe, in den Garten deines Herzens zu pflanzen.
Der Burgpfarrer.