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Die Nerchsttfte der Zentrumspartei nennt sich Reichsliste Peter Spahn (Zentrum). Sie Vithält folgende Namen:

1. Dr. Peter Spahn, Staatsminister a. D., Berlin-Lichterfelde

2. Dr. Franz Hitze, Universitätsprof., Münster

3. - Dr. Heinrich Brauns, Direktor des Volksver- ems f. d. kath. Deutschland, M.-Gladbach

4. Frau Hedwig Dransfeld, Schriftstellerin, Werl (Westfalen)

5. Johann Koch, Oberpostschaffner-Essen-Ruhr

6. Dr. Franz F o r t m a n n, Schriftsteller, Berlin- Charlottenburg

7. Arno o. N e h b i n d r r, Rechtsanwalt, Berlin

8. Karl Korthaus, Lerbandsdirektor Steglitz

9. Dr. Franz H o r st e r. Industrieller Justitiar, Altona (Westfalen)

10. Joseph Hagemann, Bürgervorst. Osnabrück

11. Theodor Althoff, Kaufmann, Münster

12. Karl Ollmsrt, Redakteur, Saarbrücken

13. Friedrich R. Meier, Eisenbahnunteraffiftent, Hamburg

14, Frau Geheimrat Körner, Breslau

15. Hentzen, Oberbaurat, Berlin-Friedenau

16. Prof. Dr. Martü Faßbender, Geh. Re­gierungsrat, Berlin-Südende

17. Paul Schumacher, Landrichter, Köln-Ehrenf.

18. Gr. Goldmann, Oberlehrer, Haspe L W.

Dis Aufgabe der Reichsliste, die Reststimmen zu sammeln, hat große Bedeutung für die Partei. Die Reichsliste gibt, wenn auch in beschränktem Maße, die Möglichkeit, verdiente Abgeordnete oder Persön­lichkeiten, die aus irgend welchen Gründen in einem Wahlkreise nicht zur Aufstellung gelangen, der Frak­tion zu erhalten bezw. zu gewinnen. Die Fraktion hat keineswegs zu viel leistungsfähige Kräfte.

Von ganz besonderer Bedeutung aber ist die Reichs- tiste für die einzelnen Wähler der Zentrumspartei. Heute braucht keine einzige Stimme für die Zentrumspartei verloren zu gehen, auch die klein­sten Reste werden durch die Reichsliste zur Geltung kommen. Heute braucht kein einziger Zentrumswähler von der Wahlurne fernzubleiben oder gar feine Stimme anderen Parteien zu geben etwa aus der Erwägung heraus, daß in feinem Wahlkreis ja doch kein Zen­trumsmann durchzubringen sein werde. Das war wohl früher unter dem alten Wahlrecht der Fall, nicht aber mehr heute. Die Reichsliste ist das Sammel­becken, in welchem alle Re st stimmen, also auch jede einzelne Zentrums sti mm e, a uf- gefangen werden, und zur Geltung kommen. Bessnders bedeutsam ist die Reichsliste für alle jene Gebiete des Ostens und Mitteldeutschlands, die dem Zentrum bisher ganz unzugänglich waren, weil feine Wähler dort nicht in geschlossenen Massen seßhaft waren. Auch die Zentrumsongehörigen in den gro­ßen Städten des Nordens wie Hamburg, Bremen, Kiel, Lübeck usw., sie alle können heute ihrer Zen- trumstreue wirksam Ausdruck verleihen. Sie wählen durch die V h obe chre Stimme emen verdienten Ab­geordneten, indem sie ihre Stimme der Reichsliste zu­führen.

Jeder Vertrauensmann der Zentrumspartei, auch in den bombensicheren Wahlkreisen, in denen das Zen­trum auf sichere Erfolge rechnen kann, weiß heute, daß auch der geringste Teil feiner Mühen nicht wertlos fein wird und braucht nicht mehr zu sorgen, dieser oder jener fünfte oder sechste Platz könne von uns nicht erobert werden. Er weiß vielmehr, er­obern wir diesen Platz nicht, so kommen unsere Stimmen der Reich stifte zugute.

Zeder Wähler mehr, jede abgegebene Stimme mehr ist ein Gwin» für unsere Lache.

M die Landwirtschaft

und ihre berechtigten Interessen ist das Zentrum von jeher eingetreten. So war es hauptsächlich sein Ver­dienst. daß ausgangs der 70er und in den 80er Jah­ren der beinahe unrentabel gewordene deutsche Ge­treidebau durch landwirtschaftliche Schutzzölle vor der Konkurrenz des Auslandes geschützt wurde. Dem Zen­trum war es zu verdanken, daß der Terminhandel mit Getreide abgeschafft und dem Darlehenswucher auf dem Lande durch Gesetz ein Riegel vorgeschoben wurde. Es hat zu Nutz und Frommen der Landwirtschaft mit- gearbeitet an dem Margarinegesetz (Schutz gegen die unlautere Konkurrenz der Kunstbutter), dem Schlacht­vieh- und Fleischbeschaugesetz, dem Viehseuchengesetz (Schutz gegen Seucheneinschiepung vom Ausland) u. a. De mZentrum und dem Abg. Gräber insbeson­dere muß es gedankt werden, wenn das Bürgerliche Gesetzbuch die Rechte der Landwirtschaft hervorragend

wahrte. Daß es seinerzeit eine Verbilligung der Düngemittel und eine Aufwandsentschädigung für sol­datenreiche Familien im Reichstag durchsetzte, sei von den vielen Erfolgen nur noch eben erwähnt. Das Zen­trum hatte stets eine Reihe namhafter Vorkämpfer für die Landwirtschaft in seinen Reihen, angefangen von den Begründer der Bauernvereine, Frhr. o. Schorlsmer Alst, bis herauf zu Herold, Dr. Heim u. a. Schon 1895 schrieb Graf Mirbach, ein Führer der Konservativen, an die Vertrauensleute seiner Partei:Ohne die Ver­dienste des Zentrums wären die bedeutsamen Erfolge, insonderheit auf wirtschaftlichem Gebiete, niemals er­reicht worden."

Auch heute steht das Zentrum den berechtigten An­sprüchen der Landwirtschaft mit größtem Verständnis gegenüber; man darf aber nicht vergessen, daß unter den ca. 400 Abgeordneten mit 90 Zentrumsabgeord- neten sind und deshalb nur durch ein Kompromiß mit den anderen Parteien etwas zu erreichen ist, bei bem natürlich nicht alle Wünsche erfüllt werden können. So ist eine völlige Aufhebung der Zwangswirtschaft noch nicht möglich. Das Zentrum könnte auch dafür nicht ehureten, denn diese Maßnahme hieße Millionen von Nichtselbstoersorgern in Not und Hunger stürzen. Aber einem schrittweisen Abbau der Zwangsbestimmungen und insbesondere einer Aenderung ungerechter Zwangs­maßnahmen hat das Zentrum von jeher das Wort ge­redet, u. a. hat es auch durchgesetzt, daß die Frage des Häutepreises eine für ben Erzeuger günstigere Rege­lung fand, bekämpft hat das Zentrum auch alle schi­kanösen 9iad)reD.fionen und Beschlagnahmungen, einge­treten ist es dagegen für eine Preisgestaltung, die den erheblich gestiegenen Erzeugungskosten entspricht.

Aus einen

großen Erfolg

sei noch ganz besonder- hingewiesen, der gar nicht ge­nug gewürdigt werden kann, nämlich die gesetzliche Festlegung des Ertragswerles für die Bewertung des Realbefitzes, für Grund, Boden und Gebäude. Diese Bestimmung ist für die Landwirtschaft von geradezu grundlegender Bedeutung bei den hohen Steuern. Me Bewertung nach dem Kaufwerte würde für sie ver­nichtend gewesen fein. Seck Jahrzehnten war bes. der Abg. Herold bemüht, den Ertragswert zur Durchführung zu bringen, in der Voraussicht, daß das Mißverhältnis zwischen Ertrags- und Kaufwert immer weiter wach­sen würde. Auch unter den Majoritätsverhältnissen der Zeiten vor dem Kriege war es außerordentlich schwer, die Parlamente für die Durchführung zu gewinnen. Nur langsam und allmählich konnte dafür Stimmung ge­macht werden und nur dem konsequenten Drängen und der zielsicheren Arbeit der Zentrumspartei ist das Ge­lingen zu verdanken. Nachdem das Zentrum auch auf eine bessere Vertretung der Landwirtschaft im Par­lament bedacht ist, wie sie ihrer Stärke und Bedeutung entspricht, ist es nun eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn nun auch sämtliche ländliche Wähler am 6. Juni ohne Ausnahme für das Zentrum eintreten und seinen Kandidaten zu einem glänzenden Siege verhelfen.

Evangelische und Zentrum.

Immer mehr wird man sich auch in evangelischen Krei­sen bewußt, welche Bedeutung die Zentrumspariei bat Im Neuen Sächsischen Kirchenblatt" (Nr. 17 vom 21. April) heißt es:

Wenn am 9. November 1918 und am 11. August 1919 keine Zentrumsportei dagewesen wäre und die kirchlichen Interessen hätte vertreten können, so hätte die evang-lisch« Kirche ohne sehen Zweifel Konkurs anmelden müssen."

Und wÄter:

Es muß noch einmal hervorgehoben werden, nicht die freundliche Stellung der drei bürgerlichen ^arH-n: der Deutschnationalen, der Deutschen und der Dcutschdemokra- tischen Bolkspartei gegenüber der christlichen Kultur cder dem Christentum hat die Lage vorläufig gerettet denn sie alle stützen sich nicht auf die Massen, die der Demo­kratie den Ausschlag geben. Es war allein das Zentrum, das der erdrückenden Macht einer politisch »usammenge- soßiert Masi« in religiösen und kirchlichen Fragen Achtung und Zurückhaltung gebot."

Dieses anerkennende Urteil von dieser Seite beweist, daß die Erkenntnis von der Richtigkeit der Z-ntrumspolitik immer mehr sich durchbricht und die Bedenken, die da und dort bestehen, lediglich auf ungenügender Kenntnis der wirklichen Sachlage zurückzuführen sind. Wir sind weit entfernt davon, zu behaupten, daß wir mit dem zufrietcn sind, was erreicht wurde. Nur das muß festgehalten wer» len, die Zentrumsfraktion hat ihre Pflicht voll getan und richtig taktiert, und sie verdient für ihrs dornenvolle Arbeit unsere vollste Anerkennung. Daß manche unserer For­derungen nicht durchgesetzt werden konnten, ist darauf zu- rückzuführen, daß wir eben eine Minderheit sind, -er be­sonders in Schulfragen die Demokraten und Sozfal^mo- kraten geschlossen gegenüberstehen. Alle jene, die mit der Regelurig der Schulsrage in der Reichsverfassung unzufrie­den sind und das dürften nicht wenige u üben daran die beste Kritik, wenn sie zum Zeichen drs Protestes

gegen den Artikel T 146 der Reichsverfasfung am 6. Jun einen Zenttumswahlzettel in die Wahlurne werfen.

womit man gesündigt

bamH wird man auch gestraft. Dieser alte Satz ha sich schon oft bestätigt. Auch das öffentliche Leben un serer Tage beweist seine Richtigkeit, denn niemals woh ist eine Partei mit ihren eigenen Waffen so exempla- risch gezüchtigt worden, wie die sozialdemokratische sei Ausbruch der Revolution. Vor einigen Monaten ha der frühere Reichswehrminister Noske einen Erlaf hinausgegeben, in dem er straffe Disziplin in bei Reichswehr als ein unbedingtes Erfordernis bezeich­nete, als zwingende Notwendigkeit, ohne die eim Truppe nicht bestehen kann. Und in den letzten Ta­gen erließen Reichspräsident Ebert und Reichskanzlei Müller eine Kundgebung an die Reichswehr mit der Aufforderung, jede Politik von der Reichswehr fernzu- halten. Jedermann wird den Herren Noske, Ebert und Müller beipflichten. Straffe Disziplin, Zucht uni Ordnung sowie Fernhaltung von politischen Umtrieben sind die Grundlagen eines jeden militärischen Körpers. Wer aber hat an diesen Hauptstützen mehr gerüttelt als die Sozialdemokratie? Wie haben die Sozialdemokra­ten über ben »Kadavergehorsam" im Heere gespöttelt und gehöhnt! In tausenden von Exemplaren haben sie aufreizende Flugschriften in die Kasernen eingeschmug­gelt oder einzuschmuggeln versucht, um die Soldaten gegen ihre Vorgesetzten aufzureizen und für den Um­sturz reif zu machen. Und jetzt, da die Sozial demokrlen die Früchte ernten, die seit Jahren gesäl haben, jammern sie über Zuchtlosigkeit und Politit im Heere! Nicht anders ist es auf zivilem Gebiete Die Sozialdemokraten haben in der Vorkriegszei! durch ständige Hetze jedwede Staatsautorüät erschüttert und die Arbeitslust durch das fortwährende Gejchre! über Ausbeutung der Arbeiter durch den Kapitalismus untergraben. Nun haben wir es seit November 191k erlebt, daß die Staatsautorität keinen Pfifferling mehr gilt und die Arbeitslust um mehr als die Hälfte ge­sunken ist, wie man von den verschiedensten Ne- giermrgstischen wiederholt hören tonnte. So steht die Sozialdemokratie vor den Folgen, die sie selbst heraufbeschworen hat, vor einem Trümmerhausen und sie hat sich die Hauptschuld beizulegen, daß wir auf der Bahn nach unten immer weiter hinabgeglitten find. _____________

Seid,

Geld und nochmals Geld ist zum Kriegführen nötig, daran zweifelt nach den vier langen Kriegsjahren kein Mensch mehr. Auch für den Wahlkampf ist das Geld

die starke Waffenrüstung,

die uns den Sieg verbürgt.

Das Zentrum ist keine Partei der Großkapitalisten und erhält aus diesen Kreisen keine Zuschüsse!

Das Zentrum ist keine Partei des Umsturzes, seht ruff. Rubel rollt in feine Parteikasse!

Das Zentrum vertraut statt besten auf die Hilfsbereit­schaft seiner Parteifreunde und richtet deshalb an sie den

Appell,

ein jeder möge sein Scherflein beitragen zu den unge­heuren Kosten, die bei der gegenwärtigen Teuerung unserer Partei,

dem Zentrum,

gus einer kraftvollen Vertretung unserer Anschau­ungen und einer entschiedenen Propaganda während der Wahlzeit erwachsen.

Stärkung der Parteikaste ist eine Forderung der Stunde! Ohne Geld keine kraftvolle Führung des Wahlkampfes, keine Gewähr des Erfolges. Lasten wir uns nicht von den Angehörigen anderer Parteien an einsichtiger Opferwilligkeit übertreffen! Werben wir für unsere Ideale! Jeder an feinem Platz'. Unter­stützen wir unsere Sache aber auch tatkräftig durch eine Gabe für den

Wahlsond.

Das ist ebenso verdienstlich wie jedes andere gute Werk. Auch derBonifatiusbote" und die Actien- druckerei nimmt Gaben entgegen.

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