Katgeber für Landwirtschaft,
-.—.-"---^ /.::.- Gartenbau und tzauswesen. —--:-^:.:- ------
lr. 10. jo 30. Zahrgang. c^ o o SraNsbelgabs zum Damfatmsboksn. o □ ßulda, den 23. Mai 1920.
Aufruf an die Landwirtschaft.
Der Reichsminister für Ernährung imb Landwirt, tft Dr. Hermes erläßt folgenden Aufruf an die ndtvirtschaft:
£ii feinen Ausführungen über die Ernährungslage - der Reichskanzler ant 29. Rèücz 1920 in der Na- nalversmumluny mit besonderem Nachdruck erklärt, künftigen ernährunyswirtschafllichen Aufgaben soll, und könnten nur gelöst werden mit der Landwirt- iftl Die Neichsregierung ist entschlossen, unverzüg- I danach zu handeln. Sie weiß, daß die Landwirt- ift unter den Kriegswirkungen schwer gelitten hat und ter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen ch schtver leidet. Sie toirb daher alles daran setzen, se Verhältnisse für die Landwirtschaft zu bessern, e ist gewillt, der Landwirtschaft nach Kräften zu fm und sie vornehmlich bei der Beschaffung und führung der nötigen Betriebsmittel zu Unterstufen.
Wird die Einfuhr von Stohphosphaten und Futter, tteln mit Nachdruck gefördert werden. Die Einfuhr t einer Million Tonnen Mais zur Schweinemast ist ichert. Größere Einfuhren von Oelkuchen und an» en Futtermitteln sind für die nächste Zeit in Musst genommen. Die StickstNffdünae-verzeugung soll auf ! irgend erreichbare Höhe gerächt werden. Entspre, nde Maßnahmen sind bereits in die Wege geleitet.
Die Regelung des Arbeitsverhältnisses und die Er- ltung des Arbeitsfriedens auf dem Lande betrachtet ! Neichsregierung als eine ihrer bedeutungsvollsten ifgaben im Interesse der Landwirtschaft Ebenso wen- t sie der Beschaffung einer ausreichenden Zahl von Heitern zur Sicherung des Hackfruchtanbaues und r Bergung der Hackfruchternte ihre vollste Aufmerk- nkeit zu.. '
Um feiner dem Landwirt die Gewähr dafür zu ge« a, daß in den Höchstpreisen für die an die öffentliche mb abzugebenden Erzeugnisse auch die baucrnb fier Ilten Kosten der Produktionsmittel berücksichtig, Wer. n, sind zunächst für Getreide, Kartoffeln und OeL Dritte Mindestpreise festgesetzt worden. Diese Mindesteise fußen auf den Produktionsunkosten des Monats rnuar 1920. Im Reichsministerium für Ernährung it Landwirtschaft ist eine Endexkommission, bestchend is bervorragenden Vertretern der Landwirtschaft und T Bèrbraucherschaft in Mldung begriffen, die ihre ätigkeit noch, im Laufe dieses Monats aufnehmen irb. Diese Indexkommission wird die Steigerung der roduktionsrmkcsten, die seit dem Monat Januar 1920 nyetreten ist, feststellen und die Zuschläge Vorschlägen, e bei der Feststellung der endgültigen Höchstpreise 'n bekannt gegebenen SWnbeft preisen hinzugefügt erden sollen.
Die Neichsregierung glaubt auf der anderen Seite, auch m der deutschen Landwirtschaft erwarten zu können, daß e die Ernährung des deutschen Volkes, insbesondere in m kommenden schweren Monaten, noch bestem Können chern wird
Die Anlieferungen von Getreide und Kartoffeln er« >Igen vielfach nur sehr stockend. Soll die Ernährung in er nächsten Zeit nicht ernstlich gefährdet werden, so müs- n die auf dem Lande noch vorhandenen Bestände mit Beschleunigung den Bedorfsstellen zugeführt werden. Die lrilchanlieserungen müssen steigen, wenn die Säuglings- rrblichkeit mit Erfolg bekämpft werden soll. Trotz er- rblicher Einfuhren kann die Bevölkerung in den nächsten Ronaten nicht durchgehalten werden, wenn die Landwirt- hast nicht aus allen Teilen des Reiches ihre Pflicht erfüllt.
Die Neichsregierung ist überzeugt, daß bk Landwirt- hast sich diesen Forderungen nicht verschließen wird, daß c vielmehr als Volksteil das ihre dazu beitragen wird, k Volksgejamiheit zu unterhalten, wie auch die Nelchs- egierrmg ihrerseits alles aufbieten wird, der Landwirt- Haft ihre Lage zu erleichtern.
Wir sind überzeugt, daß die Landwirtschaft alles tun nrb, um die Not zu lindern; wir wollen aber auch bof» en, daß die übrigen Volksteile und die Regierung alles nterlaffen, was nur die Not vermehrt, daß gegen Streik- eher und Ruhestörer energisch eingeschritien wird und aß endlich neben der Derteidigungspolitik die längst cn« efünbigte Erzeugungspolitik wirklich in bk Wege geleitet »irb.
werden die MeiSerpreise zurückgehen?
Mit erleichtertem Aufatmen hat ein jeher die in den es kn Wochen eingetretene Erholung unserer Valuta be» *üßt, dis — wenn auch vorübergehende Rückschläge nicht
ausbleiben werden — unserem Geld neue Kaufkraft verleiht und den Ausblick auf einen Abbau der ins Uferlose gekletterten Preise eröffnet. In der Tat ist in den letzten Wochen auch hier und da eine kleine Erleichterung bei gewissen Nahrungs- und Genußmitteln, die wir aus dem Ausland beziehen, wie Kaffee, Tee, Reis, Schmalz usw., eingetreten. Ebenso nötig wie das tägliche Brot ist uns ober die geradezu unerschwinglich gewordene Kleidung, und da muß man mit Bedauern seststellen, daß in Textilwaren bisher so gut wie gar keine DerbMgung zu bemerken ist. Woran liegt das?
Auf den ersten Blick wird mancher geneigt sein, dem Kaufmann die Schuld beizumessen, bei ruhiger Ueberlegung aber stellt sich die Sachlage ganz anders dar. An einen nennenswerten Rückgang der Kleidungspreise ist in abseh. barer Zeit nicht zu denken. Die Wolle oder Baumwolle, aus der sich ein heute beim Detaillisten zum Verkauf stehendes Kleidungsstück zusammensetzt, hat im günstigsten Falle vor 8—10 Monaten Australien oder Nordamerika verlassen, ist dann durch die Hände zahlreicher ausländischer Händler gegangen und hat den deutschen Spinner und Weber vielleicht vor 3—4 Monaten in einer Zeit tiefsten Valutostandes erreicht.
Aus dem hier Gesagten geht hervor, daß die aus aller- teuersten Rohstoffen gefertigten Gewebe noch gar nicht im Handel sind, denn im Januar kostete ein Garn aus reiner amerikanischer Baumwolle noch 76 Mk. per Kilo, Mitte März hingegen satte der Preis sich schon verdoppelt, nämlich auf 157 Mk. Die teuerste Ware gelangt demnach erst in den nächsten Wochen und Monaten auf den Markt. Inzwischen ist Rohbaumwolle freilich um etwa 17—18 Mark zurückgegangen, jedoch wird dieser geringe Abschlag durch die gewaltige Steigerung der Löhne, Ge- Halter, Kohlenpreise, Frachten und sonstigen Unkosten mehr als ausgeglichen.
Macht die Valutaerholung weitere Fortschritte, so kann ein Preisabbau in Textilwaren bestenfalls in 8—10 Monaten in Frage kommen, vorausgesetzt, daß infolge der verbilligten Lebensmittel inzwischen ein Abbau der Löhne und sonstigen Fabrikationsunkosten (Kohle!) möglich gr- worden ist, denn für den Preis einer Ware, deren Herstellungsprozeh unzählige Hände erfordert, sind diese Faktoren weit bedeutungsvoller als die Kosten des Rohmaterials.
Die neuen Postgebühren.
. (Ausschneiden und oufheben.)
Am 1. Mai traten die von der Nationalversammlung genehmigten neuen Postgebühren in Kraft. Danach kosten: Briefe (Orts- und Fern-) bis 20 Gramm . . 40 Pf. über 20 bis 250 Gramm ...,.,, 60 , Postkarten (Orts- und Fernverkehr) , . . , . 30 , Drucksachen bis 50 Gramm ....... 10 „ über 50—IGO Gramm «...,,,, 20 , über 100—250 Gramm ,...,,,< 40 „ über 250—500 Gramm....., . . 60 „ über 500 Gramm bis 1 Kilogramm .... 80 , Gejchäftspapiere bis 250 Gramm ..,,,. 40 , über 250—500 Gramm ....... 60 , über 500 Gramm bis 1 Kilogramm .... 80 , Warenproben bis 250 Gramm .«,,.,, 40 „ über 250—500 Gramm ........ 60 , Mischsendungen bis 250 Gramm «,,,,. 40 , über 250—500 Gramm...... , , 60 , ü er 500 Gramm bis 1 Kilogramm .... 80 w Päckchen bis 1 Kilogramm ........1,00 JL Pakete Nahzone Fernzone bis 5 Kilogramm . . . * s 1,25 M 2,00 M über 5—10 Kilogramm , , . 2,50 , 4,00 , über 10—15 Kilogramm . . . 5,00 , 8,00 „ über 15—20 Kilogramm . . . 8,00 „ 12,00 „
Für dringende Pakete wird bk dreifache Gebühr, für Sperrstücke ein Zuschlag von 100 v. H. erhoben. Sperrige dringende Pakete sind vom Sperrgutzuschlag befreit. Wertsendungen. Außer der Einschreibegebühr wird erhoben eine Dersicherungsgebühr bei Wertbriefen für je 1000 M Wertangabe . , . 1,00 Ji Wertpaketen bis 500 Ji........ 1,00 , über 500 bis 1000 Ji........ 2,00 „ über 1000 für je 1000 Ji od. einen Teil davon 2,00 , Postanweisungen bis 50 Ji . , . , . . . 0,50 „ über 50—250 Ji ... .......1,50 „ über 500—1000 Ji.........2,00 „
Telegramme: Wortgebühr für Orts- und Ferntelegramme 20 Pfg., mindestens 2 Ji.
Verschiedenes.
Der Obstbau im Regterungs-Bezirk Kassel krankt noch immer daran, daß zuviel und vielfach auch ungeeignete Obstsorten angebaut werden. Bereits seit mehreren Jahrzehnten ist versucht worden, darauf hinzu-, wirken, daß die Sortenzahl herabgemindert und der Anbau auf solche Sorten beschränkt wird, die sich für den hiesigen Bezirk besonders eignen. Diese Bestrebunyen haben vor längeren Jahren zur Aufstellung eines Verzeichnisses der für den hiesigen Bezirk anbau» würdigen Obstsorten geführt. Es hat sich jedoch als notwendig erwiesen, dieses Verzeichnis auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahrzehnte einer Nachprüfung zu unterziehen. Diese Nachprüfung ist durch den Obstbauverein für den Regierungsbezirk Kassel und dein Gärtnerei-Ausschutz der Landwirtschafjskammer vorgenommen worden. Von beiden sind folgende Obstsorten als für die hiesigen Verhältnisse besoirders au- benlwürdig bezeichnet worden:
1. Apfel: Winter-Goldparmäne, Baumanns Reinette, Schöner von Boskoop, Landsberger Reinette, Gel. der Edelapfel, Prinzenapfel, Roter Eisevapfel, Ontario, Jakob Lebel und Boiken-Aepfel.
2. Birnen: Williams Christbirne, Gute Graue, Gute Luise von Avranches, Köstliche von Chorneu, Pafto- ren-Birne, Gellerte Butterbirne, ESperens HerreiH, Dirne, Colomas Hsrbst-Buttarbirne, Gräfin von Parrs und Kuhfutz.
Für Landwegbepflanzunyen Iverden nutzer einigen der vorgenannten Apfelsorten noch „Großer Bohn, apfel" und „Roter Trierischer Weinapfel" als besonders anbauwürdig bezeichnet.
Was uns not tut! Der Friede von Versailles lehrt uns immer mehr, unsere in deutschen Landen gewonnenen Boden- und Naturschätze bis aufs äußerste auszu- nützen, um uns jo allmählich aus unserem wirtschaftlichen Elend herauszuarbeiten. Da möchte ich auf einen Naturschatz aufmerksam machen, der bei uns, trotz seiner außerordentlichen Bedeutung, leider noch zu wenig Beachtung findet. Es ist der Obstbau. Im Jahre 1915 wurden im deutschen Reiche 140 836 917 lragfählge Obstbäume der vier Hauptobstarten (Aepsel, Birnen, Pflaumen und Kirschen) gezahlt. Rechnet man für jeden Baum nur 100 J4 an Kopitalswert, so ergäbe sich die hohe Summe von rund 15 Milliarden Mark. Es ist dies ein Teil unseres Dolksvermögens, der leider besonders in unserer Gegend noch wenig wirtschaftlich ausgenutzt wird. Den Ertragswert dieser Bäume zu steigern, wäre bei nur geringer Mehrumsicht leicht möglich und sollte Aufgabe eines jeden Baumbesitzers, vorab der Gemeinden mit den Straßen- bäumen fein. Dies kann jedoch nur geschehen, wenn bei deutsche Obstbauer anfängt, genau wie der Landwirt, den Obstbau mehr, vom kaufmännischen und mehr noch einheit- lichsn großzügigen Gesichtspunkten zu bewirtschaften. Eine Ehrenpflicht oller Kommunen dagegen müßte es fein, wie es in Württemberg und Bayern schon allgemein geschieht, zur Hebung dieses so wichtigen Zweiges der Landwirtschaft, für die nötige Aufklärung zu sorgen und der Bevölkerung seine Bedeutung klar zu machen. Nur so können wir uns dauernd vom Auslande frei machen und unsere Volkswirtschaft heben.
Vorsicht gegenüber den Maiglöckchen! Die jetzt wieder beginnende „Mcriylöckck-enzeit" gibt derart lass urig, alle Freunde und Freundinnen dieser so herrlich buf- tenden Blume darauf hinzuweisen, daß sowohl Stengel als auch Blüte dieses Maiglöckchens einen starken Giftstoff in sich bergen, und zwar das Glykosid, das Blausäure enthält. Man vermeide daher besonders, bi es Blume zwischen den Lippen zu tragen. Die kleinste, kaum bemerkbare Rißwunde tönn unförmlich an sch weh. len, sobald der Saft der IBIirnie in sie eindringt. Ebenso werse man die abyeblühten, welken Blütenkelche nicht auf die Höfe, wo Geflügel umherläuft, denn es ist schon beobachtet worden, daß besonders junge Hühner und Tariben nach dem Genusse dieser Blumen verenden.
Zur Hederichbekämpfung wird das Bespritzen mit Eisenvitriollösung und das Bestreuen mit feingemahlenem Kainit empfohlen. Mit recht gutem Erfolg wurde auch Tungsalz für tiefen Zweck verwendet. Bei Auf- streuen von 8—5 Zentner des für diesen Zweck be» sonders feingemahlenen Salzes auf ein bayerisches Tagwerk frühmorgens auf die stark betauten Pflanzer, oder unmittelbar nach einem barauSgegangeiwu Regen werden die jungen Hcderichpflanzen. größtenteils abge- tötet. Das Dungsalz ist wie der feingemahlene Kainit aufzustreueu, wenn die Hederichpflanzen das dritte ober vierte Blättchen an fetzen Bei waggonweisem Bezug kostet zurzeit der Zentner ab Werk etwa 5 Mk.