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1920.

Sonntag, den 25. Mai

Nr 21

25 Zahre deutsche Srdemprovinz der Oblaten.

In einer Zeit, wo weite Kreise des Auslandes dem katholischen Deutschland, das 17 männliche Missions­orden und Kongregationen mit 40 Missionshäusern und 12 Frauenkongregationen dem Weltmissionstverk zur Verfügung stellte, eine fernere Missionsbeteiligung absprechen möchten, darf der Chronist an einem katho- 'lischen deutschen Missicmsjubiläum nicht achtlos vor. übergehen.

Am 5. Utai 1920 waren es 25 Jahre, daß die deutsche Ordensproinz der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria gegründet tvnrde. Aus kleinen An­fängen hat sich die Provinz entwickelt. Den 1880 aus Sion (französisch Lothringen) vertriebenen Missionaren geloderte Holland Aufnahme und Gastfreundschaft. Vor dem Dorfe Heer (bei Maastricht) konnten sie mit zwölf iDHülern zwei Jahre später eine Studienanstalt eröffn nen, Man hegte damit zugleich die Hoffnung, junge Ordensberufene aus Holland und Deutschland zu er. halten. Der Stifter der als Missionsgenossenschaft 1816 in Südfrankreich gegründeten Oblaten, Bischof Eugen von Mazenod (gpstz 1862), hatte sich schon früher deutsche Söhne in seine Missionen gewünscht. Er hatte in seinem Leben die Deutschen achten und lieben ge. lernt. Als Jüngling schon liebte er die deutsche Sprache. Als er in der französischen Revolution fliehen mußte, hatte ihn eine deutsche Prinzessin in der Not hoch­herzig unterstüHt. In Rom hatte er die Gediegenheit deutscher Laienbrüder kennen gelernt, wie er selber sagte. Der zweite Obere war Pater Leo Legrand, ein Nordfranzose, aber mit feinem Empfinden für deutsche Art. Dieser faßte den Entschluß zur Errichtung einer deutschen Ordensprovinz, die am 6. Mai 1895 ins Le­ben gerufen wurde mit den drei Häusern: St. Karl (bei Bolkenburg), St. Gerlach (Hünfeld) und St. Ulrich (Lothr.) Schon zwei Jahre vorher gaben die Mifsiv- narr ihre Zeitschrift MonatÄlätter der Obl. d. U. I. M. heraus. Fast gleichzeitig erhielt die Ordensleitung ein Missionsgebiet in Deutsch-Südtvestafrika zugewiesen.

Zum ersten Provinzial der deutschen Ordensprovinz wurde Pater Simon Scharsch auserkoren. 1900 grün- dete er Arnheim (Holland), 1903 erwarb er das alte Pränronstvatenserstift Maria Engelport (bei TreiS, Mosel). Unter dem zweiten Provinzial, Pater Ignaz Watterott (19041910), zogen die Oblaten in das St. Nikolauskloster (bei Kapellen, Kr. Grevenbroich) ein, übernahmen 1908 die deutsche Mission in Brüssel und eröffneten in Straßburg im gleichen Jahr ein Studienhaus. Der dritte Provinzial wurde Pater Max Cassiepe. Er führte die Oblaten in Mainz ein, in Warnsdorf (Nordböhmen), in Frichau (Mähren), in Bransdorf-(Schlesien). Seit 1913 unter dem Provin­zial Pater Joseph Huß konnten Häuser eröffnet wer. den in M.âeunkirchen (Unterelsaß), Essent-Borbeck, Höntrop, Köln-Melaten, Allerheiligenberg, Auhosen, Gelsenkirchen und auf dem Nochusberg (bei Bingen)

Jjm Dezember 1918 wurden die Häuser in Elsaß- Lothringen (mit 24 Pares und 12 Brüdern) von der deutschen Ordensproviüz abgetrennt und unter Pater Alfons Loos zu einer eigenen Provinz vereinigt. Die deutsche Provinz zählt an ihrem Jubiläumstage 16 Häuser mit 136 Patres, 99 Brüdern, 50 Theologen l( Fratres), 40 Klerikern und 10 Brüdernovizen und 175 Gymnasiasten. Im überseeischen Ausland, in den Missionsgebieten von Südwestafrika, in Südafrika (Union), in den U. S. A., in Kanada und auf Cevlon find zurzeit 113 deutsche Oblaterrpatres und 41 Brüder tätig.

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steht vor der Tür und alle Parteien entwickeln eine fieberhafte Tätigkeit. Ueberall werden Versammlung gen abgehalten, in denen die Redner aus die große Bedeutung der Wahl Hinweisen und die Wähler an- feuern, am Wahltage ja ihre Pflicht zu tun. Auch die Presse wird nicht müde, im Lande Stimmung zu machen, sodaß auch diejenigen, denen ein Besuch der Wahlversammlung aus irgend einem Grunde nicht möglich ist, an ihre Pflicht erinnert werden.

Man hätte so annehmen können, daß auch der Laueste mit der Zeit aufgerüttelt und sich der Trag­weite dessen bewußt werde, um was es sich bei der Wahl handelt. Leider muß es gesagt sein, daß bei manchem noch eine gewisse Gleichgültigkeit vorhanden ist. Sie sind die Wählerei leid geworden und möch­ten am liebsten gar nichts mehr von der Sache hören. Wer etwas herumkommt und sich mit den Leuten in Stadt und Land unterhält, kann die sonderbarsten An- sichten hören und wird die Sorge nicht los, daß bei der kommenden Wahl die Wahlbeteiligung geringer sein wird als bei der Nationalwahl. Nicht, daß sich in den Kreisen, die wir bisher als

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I Das erste Ziel der Wahlarbeit |

Q muß fein, das Zentrum so stark als möglich zu y Ö machen. Keine Zersplitterung ein geschlossenes A Ä aktionsfähiges, starkes Zentrum muß die Q

1 Parole fein. A

Ih&oo'Cwooc^oc^ unsere politischen Gesinnungsgenossen ansprechen konn­ten, nun eine Gegnerschaft gegen das Zentrum geltend machte, nein, das haben wir nirgends bemerkt aber es fehlt der Schwung, der sonst die Wähler­massen fortriß und zu feuriger Wahlarbeit begeisterte. Man ist nicht kalt, aber man ist auch nicht lvarm. Der eine sagt,was kümmert mich die Politik, mir ist es einerlei, wer regiert, ich tue als Bürger und Fami­lienvater meine Pflicht, das andere stört mich wenig." Ein anderer will überhaupt von einer Wahl nichts wissen, weil man doch in Berlin für die Nöten der kleinen Leute kein Verständnis habe. Wieder an­dere sagen,was sollen wir wählen gehen, die Roten in den Großstädten machen ja doch, was sie wollen."

Das ist sehr bedauerlich. Denn bei den kommen­den Wahlen handelt es sich nicht um eine Politik, sondern viel mehr noch um das, was uns auf Erden am teuersten ist. Es handelt sich um unsern G o t - tesglaubent Was »vollen denn unsere Gegner und was steht uns bevor, wenn sie die Oberhand be­kommen?Einheitsschule",Dogmenloser Moral­unterricht", sind Schlagworte und Kampfparole, aus­gegeben von der Sozialdemokratie im Kampfe gegen alle, denen der Glaube und ble konfessionelle Schule, die zum Glauben erzieht, noch heilig sind. Und wissen sie es nicht mehr, die Lauen, was der Kultusminister Haenisch gelegentlich eines Besuches im vorigm Jahre in Maria-Laach sagte?Ich und meine Partei, wir leben ja in der Hoffnung, daß in einer späteren Zeit einmal eine Ethik erstehen wird, die uns gestattet, die heute übliche christliche Sittenlehre zu übertreffen." Habt Ihr es gehört? Die Sit­tenlehre, die man erstreben will, wird richtig gekenn­zeichnet durch die Schlagwörter und Kampfparolen, die ich vorhin anführte, ausgegeben von unserm schlimmsten Feinde, der Sozialdemokratie. Das mo­derne Heidentum will man einführen. Und diesem modernen Heidentum leistet nicht nur d e r Vor­schub, der seine Stimme in dierote Wag schale" wirft, sondern auch der, der in dieser wichtigen Sache gleichgültig bleibt und dem Wahlkampf teil­nahmslos gegenübersteht.Auf meine Stimme formt es nicht an!" Gary verkehrt! Auf jede Stimme kommt es ant Bei dem jetzigen Wahlverfahren bleibt im ganzen Reiche nirgends eine Stimme un­genützt! Wie gehen unsere Gegner auf den Stim­menfang aus! Die kennen den Wert jeder einzelnen Stimme, sonst würden sie nicht in unsern gut kathrli- schen Gegenden Propaganda machen, auch auf dem Lande, wo sie höchstens die eine oder andere Stimme für sich zu gewinnen hoffen können. In dieser Be­ziehung können wir uns an ihnen ein Beispiel nehmen.

Also, keine Lauheit! Sonst leisten wir den Geg­nern Vorschub. Unsere Wahlparole muß lauten: Alle Mann an Bord! Werbt» zur letzten Stunde für das Zentrum. Achtet baranf, daß alle Wablberecktia-

ten, auch die Frauen und Söhne und Töchter, auch die Nachbarn und Freunde ihr Wahlrecht aus­üben und mit dem richtigen Wahlzettel zur Wahlurne kommen, mit dem Wahlzettel der Zentrumsparteil

Vom Lande schreibt man uns: Im Fuldaer Land be- steht die Sitte, daß die Eltern, wenn sie alt und gebrechlich werden, ihr Anwesen an ihren ältesten Sohn abgeben. Der Preis, welcher bei der Uebergabe angenommen wird, reicht bei weitem, trotz des jährlich zu leistenden Aus- zuges, nicht an den wirklichen Wert heran. Diese Aus­zugsleistungen sind aber in den meisten Fällen nicht der­art, daß die alten Eltern sorgenfrei leben könnten, Höch- stens sind sie dadurch vor der äußersten Not geschützt. Ost rechnen sie noch auf das gute Herz des Uebemehmers. Aber welche Enttäuschungen müssen sie ost erleben?

Der Krieg ist vorüber. Die Not, besonders der Man- gel an Lebensmittel wurde immer größer. Die Geldgier, die Habsucht hielt leider auch bei manchem Landbewohner seinen Einzug. Alle einigermaßen entbehrlichen Lebens- m'rttet wurden zu Geld gemacht. Mancher scheute sich nicht, den alten Eltern den Auszug zu kürzen, um sich auf deren Kosten zu bereichern. Es geschah wohl auch manchmal, daß die Uebemehmer den Auszug nicht in Natur gaben, sondern nur den Taxwert nach den vor un­gefähr 1015 Jahren abgeschlossenen Verträgen. Dem Schreiber dieser Zeilen sind Fälle bekannt, daß die Ueber» nehmer ihren Eltem z. B. für zu liefernde Eier 5 Pfg. gaben und die Eier selbst dann für 1,20 M und höher verkauften. Es läßt sich leider nicht in Abrede stellen, daß mancher Sohn und manche Schwiegertochter gegen die alten Eltern und Schwiegereltern recht unschön handelt und diesen dadurch den Lebensabend verbittert und ver­kürzt. Man hat manchmal den Eindruck, als ob es solche Uebernehmer am liebsten sahen, wenn sie heute das Gut bekämen und morgen die Eltem durch den Tod dahin» gerafft würden. Jedem, der so etwas mit ansehen muß, drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Haben denn solche Uebemehmer noch einen Schimmer von Religic« und Christentum, das sie doch äußerlich noch zur Schau tragen? Ach, nein, durch tue Geldgier sind sie verblendet und sie beten jetzt einen anderen Gott an, nämlich den Mammon". Zu ihrer Beruhigung stellen sie die Sache oft so dar, als ob sie den Hof bezw. das Anwesen zu teuer übernommen hätten. An einem Beispiel will ich es erläutern: Ein Anwesen im wirklichen Werte von 40 000 Ji (es ist der Preis vor dem Kriege angenommen) wird mit 20 000 M und jährlich zu leistenden Auszuges im Geldwerte von 950 M übernommen. (Der Ueberneh­mer selbst schätzt das Gut 10 000 JC niedriger.) Müssen die Uebernehmer nun ungefähr 17 Jahre Auszug geben, so ist ihnen das schon zu viel. Den Auszug, den sie in Natura kürzen, wird aber in Geld weit über seinen Wert gerechnet; sie sagen: Ich habe 17 Jahre Auszug ge­geben, pro Jahr 1200 Ji 20 400 und 20 000 Ji = 40 400 Ji, somit habe ich schon für den Hof über 10 000 Ji mehr gegeben als er wert ist. Das ist aber eine falsche Rechnung, wie jeder etwas logisch denkender Mensch einsieht.

Wert des Gutes 40 000 Ji, ausgegebenes Kapital 20 000 â Somit habe ich für 20 000 Ji, da ich soviel unter dem wirklichen Wert gekauft habe, keine Zinsen aufzubringen. Diese würden bei 5 Prozent jährlich den Betrag von 1000 Ji ausmachen. Der zu leistende Aus­zug erreicht aber nur die Höhe von 950 Ji, somit habe ich jährlich 50 Ji verdient und zugleich das Kapital von 20 000 Ji, welches ich nicht zurückzuzahlen brauche. Und würde ich auch 25 Jahre und noch länger den Auszug zu geben haben, so hätte ich doch immer noch das Glut billig übernommen, denn in solchem Falle würde mir der letztgenannte Betrag sozusagen nochgeschenkt".

Allen denjenigen, welche sich die oben ergebene falsche Rechnung zu eigen gemacht haben, mögen einsehen, wie ungercht sie gegen ihre allen, gebrechlichen Eltern handeln, wenn sie ihnen die durch den Vertrag festgesetzten und anerkannten Auszugsleistungen kürzen, besonders wenn ihre Eltern deshalb darben müssen. Haltet Einkehr, machet gut, was ihr ihnen entzogen habt. Handelt nach Recht und Gerechtigkeit und nicht aus Eigennutz. Be- handelt sie als euere Eltern, so wie ihr es vor Gott und eurem Gewiße»» verantworten könnt und nicht als Aus­beutungsobjekt.

Petersberg. Im Frühjahre 1917 wurde der Sohn der Witwe Josefine §othnann zu Stöckels, der Unteroffizier Franz Hartman u. als vermißt