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Das ist nur eines der großen Wunder, welche der hl. Geist auf Erden wirkt. Er ist es, der nicht nur be­wirkt hat, daß in der Jungfrau Maria der Menschen­leib Jesu Christi sich gebildet hat, sondern auch, daß in der Wandlung das Brot und der Wein sich in das lebendige Fleisch und Blut Jesu Christi umwandeln, daß die von Christus gestiftete Kirche niemals die Wahr­heit und die Sakramente verliert; durch ihn wird die LtuferstLhung der Toten geschehen. Er geht überhaupt aus Erden allezeit und überall herum, und wo etwas wahr­haft Gutes erscheint in Gedanken, Worten oder Wer­ten, so ist es der hl. Geist, der es geweckt und gefördert und ihm Gedeihen gegeben hat. Nicht einmal einen guten Borsatz fassen oder recht beten kann der Mensch, ohne daß der hl. Geist Hilst.

wähle als Christ.

Ein alter Kurfürst von Hessen war ein drolliger Mann. Einst kam zu ihm eine Abordnung von vier Landleuten, die sich über ihren Bürgermeister be­schweren wollten. Den hatten sie schon zum dritten- mal gewählt. Sie brachten alle ihre Beschwerden nach­einander vor. Der Kursürst hörte sie ruhig an, dann sagte er: „Man hole den Profoßen!" Er kommt. ^Messe er — rief er diesem zu — jedem dieser Herren fünfundzwanzig herunter!" Die vier Männer fielen winselnd auf die Knie. „Aber — jammerten sie — dies« hundert Hiebe gehören ja eigentlich dem Bür­germeister, nicht uns Armen." „Messe er ihnen die fünfundzwanzig herunter!" wiederholte der Kurfürst. »Ihr habt ja den Bürgermeister schon zum drittenmal gewählt. Hatte der Kurfürst Unrecht?"

Katholischer Mann! Katholische Frau! Wahlen flehen vor der Türe. Beachte: Die Staatsverfassung gibt dir das Recht, ja legt dir die Pflicht auf, die Männer zu wählen, die für den Staat die Gesetze wachen sollen. In der Republik hängt von den Ab­geordneten noch viel mehr ab als früher im Kaiser- staat; hier soll das Volk selbst König und Kaiser sein. Wählt es schlecht, dann braucht man gar nicht mehr zu rufen: Profoß her! Es hat sich selber die Scharf­richter gewählt. Man braucht gar nicht zu komman­dieren: Fünfundzwanzig! Für die Prügel sorgen schon die schlechten Abgeordneten. Wodurch? Durch die schlechten Gesetze Hie Volk und Staat zugrunde richten. Wenn man dann über die Abgeordneten her- fällt und schimpft und jammert und Nagt, dann ist es zu spät Man hat es nicht bester gewollt, als wan sie auswahlen sollte. Die Schläge gehören allen, die schlecht gewählt haben.

Noch ist es nicht $u spät, wir sollen erst wählen. Große Ausgaben hat der kommende Reichstag zu Esen, man braucht nur an das Reichsschulgesetz zu denken und an die Regelung des Verhältnisses zwi­schen Kirche und Staat, Gesetze, die für die Zukunft der katholischen Kirche von der größten Bedeutung sind. Dazu brauchen wir tüchtige Männer; ein jeder muß da seinen Mann stellen. Schwätzer und Hetzer können wir nicht brauchen, »auch keine Feiglinge. Männer müssen es sein, die in Wort und Tat etwas leisten können. Es geht um viel. Es geht am unsere Religion. Ihr wisset, daß mächtige Parteien das Kreuz aus der Schule entfernen, den Religions­unterricht in der Schule ganz abschaffen wollen. Sie wollen die Religion ganz aus dem staatlichen Leben verdrängen, sie möchten auch gern der Kirche alles wegnehmen, was unsere Vorfahren fromm gestiftet haben. Unser ganzes öffentliches Leben soll keine Spur vom Christentum mehr zeigen, als wären wir Heiden oder Ungläubige. Sie fürchten, sie fliehen, sie bekämpfen Kirche und Religion, als wären diese die ärgsten Feinde des Volkes. Und diese Parteien tun alles, um recht viele Anhänger in den Reichstag zu entsenden.

Wir sind ohnehin eine Minderheit km Reich und nur wenn wir einig und geschlossen zusammen­stehen, können wir uns zur Geltung bringen und uns Einfluß verschossen. Darum habt acht! Wählet nur Manner und Frauen zu Abgeordneten, die treu zum Volke stehen, die aber auch dem Herrgott die Treue Hallen! Ein Feind der Religion kann kein Freund des Volkes sein. Prüfet darauf die Parteien, prüfst darnach die Wahlkandidaten! Lastet euch nicht mit schönen Worten betören, seht - euch die Parteien und die Wahlwerber an, wie sie sich bisher zum hl. Glau, den, zur Religion gestellt haben! Wir brauchen cha­rakterfeste Abgeordnete, solche, die nicht ihren Vorteil suchen, sondern die uneigennützig und opferwillig fürs Gemeinwohl eintreten. Solche Männer und Frauen wachsen am besten auf dem Boden der Religion.

Denke also keiner, das Wählen sei eine gleichgil- iige Sache. Wer schlechte, wer religionsfeindlich« Ab-

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geordnete wählt, wird mitschuldig an allem Unheil, das sie anrichten. Alle schädlichen, religionsfeindlichen Gesetze des Staates fallen auf gewissenlose Wähler zurück; sie haben sie im vorhinein milunterschrieben. Was hilft später das Schimpfen, was hilft das Jam­mern? An der Wahlurne heißt es seine Schuldigkeit tunj? will man vieles Unheil sernehalten.

Wöhle gui! Wähle nach deinem Gewissen, wähle im Angesichte Gottes und bedenke, daß er einmal darüber auch von dir Rechenschaft fordern wird!

Wöhllag — Zahltag! Auch Gotte zählt da seine Getreuen.

Wahltag — Zahllag! Zahle Gott und deinem Volke, was du ihm schuldig bist! Und selbst wenn die Partei nicht siegen würde, für welche du deine Stimme abgegeben! Host, so kannst du trotzdem im Herzen ruhig sein. Du hast vor Gott deine Pflicht getan. Der Erfolg steht nicht bei uns.

Aus zur Wahl und wähle als Christ!

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3m Strome der Lebenr. '

Jüngst saß ich in traulichem Wald« In sinnender, träumender Ruh' Und sah non sonniger Halde

Dem Treiben des Sturzbaches zu.

Wild brausend und brodelnd, laut hallend Entnß er sich droben dem Duell;

Bedächtig, langsam, leis wallend Ging drunten der Wandergesell.

Da sann ich: So strömt auch die Jugend

Hinunter auf felsiger Bahn;

Verachtung der Altoötrr Tugend

Ist le.bcr ihr trauriger Wahn.

Doch ruhiger streitet das Alter Zum Ziel; es wägt und bewahrt.

So wird es zum treuen Erhalter

Von Vater Sitte und Art.

Fulda. Engelbert May.

heimgesunden.

Es war ant Tage vor Pfingsten. — Die Natur hatte ihr schönstes Festgewand angelegt, in herrlicher Blütenpracht standen Bäume und Sträucher, als hot­ten sie sich eigens geschmückt, das hohe Fest der Chri­stenheit zu verherrlichen! — In hellem Maienglanz lag auch die alte Bastion, einstens ein Teil der die Stadt B. im Mittelalter umgebenden Ringmauer, heute einen der schönsten Punkte ihrer weit ausgedehnten Promenaden bildend. Das Geäst viel hundertjähri- g:r Bäume, die den alten Bau gleich einem Wäldchen umgeben, ist durch Menschenhand zierlich verschnitten, zu einer Art Laube geformt, in deren Schotten Sitz­plätze für Ruhebedürstige angebracht sind. Hier auf dem höchstgelegenen Teil der Promenade hat man einen wunderschönen Blick auf den breiten, seine Wel- len majestätisch dahertreibenden Strom, der die alte Stadt in verschiedene Inseln teilt Gerade gegenüber der Bastion befindet sich die vornehmste der Inseln, darf sie doch das altehrwürdige Bauwerk des hoch­berühmten Domes der Stadt B tragen. Wie ein Wahrzeichen der Unvergänglichkeit der Kirche Christi scheinen sie herüber die beiden Türme der Kathedrale, die beinahe ein Jahrtausend überdauert

Sind es vielleicht ähnliche Gedanken, die das Herz des einsamen Mannes bewegen, der ganz allein aus einer der Bänke im Schatten der alten Bäume sitz! und feine Blicke, fast verzehrend, immer wieder hin- übergleiten läßt über die blauen Wogen des Stromes, in denen die Sonnenstrahlen gleich flüssigem Golde sich brechen. hin zu dem St. Iohannes geweihten Denkmal frommen Christenglaubens?

Es ist eine ehrwürdige (Breif eng?statt, ungebeugt, kraftvoll und markig. Schneeweiß ist des Mannes Haupthaar und ein langer, silberglänzender Bart wollt in weichen Flocken auf feine Brust herab. Nur feinem Antlitz sieht man an, daß er ein Leben voll ernsten Denkens, schwerer Geistesarbeit hinter sich hat, un­zählige Falten durchziehen sein Gesicht, und aus seiner Stirn hat des Kummers Griffel seine Furchen einge« zeichnet. Die Augen blicken milde, doch mit einem Ausdruck der Schwermut läßt er sie auf feiner Um­gebung ruhen.

„Gerade fünfzig Jahre sind es heute," flüstern feine Lippen, „auch damals war es Pfingsten. als ich zuerst auf dieser Stelle gestanden. Damals war es noch die rohgefügte Bastion; die Neuzeit hat vieles geändert, aber die Bäume spenden mir wie einstmals Schatten; der alte, liebe Strom ist derselbe geblieben und auch das Gotteshaus da drüben steht so fest und sicher wie vor fünfzig Jahren!" Don Erinnerungen überwältigt, schweigt der alte Mann. Aber bald be­

ginn! er sein Selbstgespräch wieder: „Von mir kann ich es nicht sagen, daß ich derselbe geblieben bin, der ich war, als ich vor langen, langen Jahren in stolzem Jugendmut hier einzog und von dieser Stelle aus die alte Musenstadt sroh begrüßte. Damals erfüllte noch der schön; Gotterglauben, den die Erziehung meiner Eltern, besonders meiner frommen Mutter, in mein Herz gepflanzt, meine Seele! Schon lange ruht sie in kühler Erde, die brave Frau; es ist gut, daß sie nie erfahren, auf welch andere Bahn ihr Sohn ge- tommen ist, das fromme Herz wäre ihr wohl drüber gebrochen! Und doch, was habe ich eingetaufd/t gegen das lautere Gold„ das ich von mir geworfen habe? Schein, nichts als blendenden Sinnesraufchl Jahre­lang habe ich dahin gelebt, ganz erfüllt von meinem Streben; man rühmt mir nach, viel geleistet zu haben im Leben. Ich bin eingedrungen in die Gesetze der Natur, ich habe viel geforscht und gewiß auch Gutes ergründet, es gab Zeiten, wo ich mich sonnte in dem Glanze der vielen Auszeichnungen, die mir meine Schrif­ten, meine haarscharfen Beweisführungen einbrachten, aber eines ging mir dadurch gänzlich verloren, der Glaube an Gott, an ihn habe ich jahrelang nicht mehr gedacht! Und heut'.wo ich allein daft-he, ein verlas­sener, einsamer Mann, heut' kann mich nichts mehr beglücken; weder Ruhm, noch Ehre, noch Anerkennung. Nichts ist mir geblieben, was meinem Herzen allein gehörte, die Frau, der zuliebe ich den letzten Rest met ner katholischen Ueberzeugung zum Opfer brachte, sie ging von mir, mein einziges Kind, mein Sohn, für den ich lebte und strebte, früh wurde er mir entrissen, noch ehe die liebliche Knospe zur Blüte sich entfaltet — nichts ist mir geblieben als die Sehnsucht, heiße Sehnsucht nach Frieden des Herzens, aber wo soll ich ihn finden? Ich habe Ruhe zu erlangen gesucht, in- dem ich meine reiche Gabe der leidenden Menschheit zur Verfügung stellte; man pries mich dafür, nannte mich einen hochherzigen Menschen — aber Seelenfrie­den brachte es mir nimmer.

Als der Frühling in diesem Jahr so wundersam erwacht, das Psinystfest herannahte, do zog es mich mit oller Gewalt hierher an die Stätte, die so eng rerfnüoft ist mit meiner Jugendzeit. Hier hat sich der Gedanke, der in letzter Zeit mir häufig gekommen, ver­schärft, der Gedanke nämlich, ob ich brechen soll mit allen den Ueberzeugungen, die ich mir erworben im Studium der Natur; soll ich meine 50jährige Erfah­rung von mir werfen und dort wieder Ruhe suchen, wo ich sie fand, ehe die Welt mit ihren Lehren mich in Jesseln schlug? Kann ich, der Gelehrte, der es sich hat angelegen sein lassen, zu beweisen, daß es sich auch ohne Religion leben läßt. hingehen und Frie­den suchen an den Stufen des Altares? Ich vermag es nicht über mich zu bringen!" Und erschöpft lehnte der Greis sich zurück.

Da mit einem Male ertönt das Geläut der Glockett des hohen Domes. In lauten, erhabenen Schwingungen tragen es die Schallwellen herüber an das Ohr des Einsamen: mit lauter Stimme auch seinem Herzen das hohe, schöne Fest der Herabkunft des hl. Geistes ver­kündend!

Und der einsame Mann auf der Bank unter deck vielhundertjährigen Bäumen — er weint; tief gesenk­ten Hauptes, sein Antlitz in die,Hände geborgen, rollt Träne auf Träne über die gefurchten Wangen. Das h?rrH*e Geläute drüben vom hoben Dom, das seine Freude gewesen war in der Jugend schönen Tagen, es halbe wie mit ehernen Rungen zu ihm geredet; die­ser Stimme konnte der hochmütige Menschengeist nicht widerstehen; in stummer Demut beugte er sich vor dem Walten des Geistes Gottes. „Veni Creator spiritus", flüstern des Mannes Lippen. „Kehr' bei mir ein, hl. Geist, ziehe mich zurück zum Glauben meiner Kind­heit!"

Am andern Morgen sahen die Gläubigen, die zu

^""br im H^lliatum des H^nn weilten, die hohe Gestalt eines Greises sich dem Beichtstuhl nahen. - imige meide er im Bußgericht, um dann am Altare des Herrn, im Empfange des Brotes des Le­bens feine Wiedervereinigung mit Gott zu feiern und feiner Seele den verlorenen Frieden wiederzugeben.

Als er nach langem Gebet hiuaustrat in den fort* nigen Morgen und ihn an allen Türen die Pfingst- maien arüßlen, da dachte er der toten Mutter und eines Gebetes, das sie ihn gelehrt, das er als Kind an ihrer Seite gespult:

Es prangen Haus und Garten, Geschmiiirkt mit grünen Mai'n; O, Geist, den wir erwarten. Wann ziehst du bei uns ein? Sich, meine Seele banget Nach dir mit Sehnsuchteschmerz, O komm in meine Hütte, O zieh' in dieses Herz!