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Privateigentum.
Zu den Gütern, die in den heutigen Wirren gefährdet sind, gehört das Privateigentum. Unter Eigentum versteht man ein vermögenswertes Gut, das jemanden so gehört, daß er über dasselbe selbständig, nach eigenem Ermessen zu versügen befähigt ist. Solches Eigentum ist ösfentlrci-es Eigentum, wenn es einer vollkommenen Gesellschaft, Staat oder Kirche, gehört, alles an- dcre ist Privateigentum. Privateigentum ist entweder individuelles oder kollektives Eigentum, je nachdem ein einzelner oder eine Gesellschaft Ugentümer ist.
Der direkte Gegner des Privateigentums ist der Kommunismus, durch den das Privateigentum ganz o er teilweise abgeschafft und dafür Gütergemeinschaft eingeführt werden soll. Der sozialistische Kommunismus, oder emsach Sozialismus, will alle Produktiv- göter, alle Arbeitsmittel in Gemeingut des Staates verwandeln und sowohl die Erzeugung als die Verteilung des Erzeugungsertrages durch den Staat organisieren.
Demgegenüber müssen wir daran sesthalten, daß die zwangsweise Abschaffung des Privateigentums die Verletzung eines heiligen Rechtes ist.
Daß das Privateigentum zu Recht besteht, ersieht man, wenn man es betrachtet im Lichte der Geschichte, der Vernunft und der Offenbarung. Daß ursprünglich der allen Völkern nur Gemeineigentum bestanden habe, und daß es erst nach und nach durch List und Gewalt Privateigentum geworden sei, läßt sich geschichtlich nicht nachweisen. Es ist vielmehr geschichtlich erwiesen, daß immer und überall neben Gemeineigentum auch Privateigentum bestand. Das ersehen wir aus den ältesten geschichtlichen Denkmalen;. Zu ihnen gehört sicherlich das alte Testament, auch abgesehen davon, daß es vom Heiligen Geiste eingegebenes Gotteswort ist. Rach dem alten Testamente führten Kain und Abel getrennte Wirtschaft; es betrieb Kain Ackerbau; Abel Viehzucht, es brachte der eine von feinen Feldfrüchten, der andere von feiner Herd« Gott ein Opfer dar Das weist doch wohl auf Privateigentum hin. Abraham wollte nicht seinen Diener Elieser zum Erben haben; er bat deshalb in feinem Alter noch Gott um einen Sohn. Erbrecht fetzt Privateigentum voraus. Ferner erwarb Abraham um 400 Säckel Silber bei Mambere einen Acker von Ephron als Begräbnisstätte für Sarah. Der Kaufvertrag ist umständlich mit fast juristischer Genauigkeit erzählt und weist gewiß auf Privateigentum hin. Auch im alten Aegypten finden wir schon 2000 Lahre vor Christus Privateigentum; so in Babylon und Assyrien. Lm britischen Museum befinden sich auf Tontâfelchen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert vor Christus mcht weniger als 100 Privatverträge, in denen Häuser, Aecker, (gärten, Begräbnisstätten gekauft oder verkauft wurden. Lenormont, einer der bedeutendsten Kenner der Keilinschriften der Assyrer, schreibt: „Es existieren Verträge aus allen Perioden der ungeheuren Dauer der chaldäischen Zivilisation. Daraus ersehen wir, mit wie vielen religiösen und bürgerlichen Garantien das Grundeigentum in Assyrien und Babylon umgeben war." Die vorurteilslose Geschichte zeigt, daß seit den ältesten Zeiten bei allen Völkern das Privateigentum bestand, daß es rechtlich anerkannt und gesetzlich geschützt war; daß es bei fortschreitender Kultur immer tiefere Wurzeln faßt«.
Diese allgemeine und dauernde Tatsache fordert nach den Gesehen der Vernunft einen allgemeinen und dauernden Grund. In menschlicher Willkür, tn List und Gewalt. in Privatverträgen, in rein positiven Staats- gesetzen kann dieser allgemeine und dauernde Grund nicht gefunden werden. Denn alle diese Dinge wechseln im Laufe der Zeit, sind verschieden bei verschiedenen Völkern. Eines aber bleibt immer und überall dasselbe, die menschliche Natur mit ihren wesentlichen und unzerstörbaren Bedürfnissen und Neigungen. Diese menschliche Natur also mit ihren wesentlichen Bedürfnissen und Neigungen ist der allgemeine und dauernde Grund für das Priva eigentum. Auch das Vrival- e pentum ist wie der Staat eine naturnolweuSige und desha b auch gottgewollte Eilwichtung. Denn Gott hat die menschliche Rasur geschaffen.
Nur wo Zreiheit mit Ordnung vereinigt ist, haben wir ein menschenwürdiges Wirtschaftsleben. Ist Ordnung möglich, wenn nach den Wünschen des anarchistischen Kommunismus von den materiellen Gütern jeder nehmen und verbrauchen kann, was ihm beliebt'? Und wie steht es mit der Freiheit, wenn die ganze Produktion und die Verteilung des Produktionsertrages durch den Seat organisiert wird? Und führt nicht die Abschaffung des Privateigentums zur Auflösung der Familie? Ohne Eigentumsrecht aus Wohnung, Nahrung und Kleidung und andere Dinge kann die Familie cis «selbständige Gesellschaft, wie sie von Gott gegrinr- det iU, nicht weiter bestehen.
Wie das Privateigentum zurecht besteht im Lichte der Geschichte, wie es zurecht besteht vor dem Forum der Vernunft als naturrechtliche, gottgewollte Einrich- tung, so besteht es zurecht im Lichte der Offenbarung. Die heilige Schrift das vom heiligen Geist angegebene Gottsswort, erkennt das Privateigentum an und schützt es durch das 7. unb 10. Gebot. Die Kirche, die Lehrerin und Hüterin der geoffenbarten Wahrheiten, hat das 7 und 10. Gebot allzeit hochgehalten und eingeschärit; sie hat die Lehre, Privateigentum sei unerlaubt, als Irrlehre erklärt, sie hat in Pius IX. und Leo Xm ihre Stimme gegen Sozialismus und Kommunismus erhoben.
Das durch die Geschichte so klar erwiesene, in der Vernunft so fest begründete, durch die Offenbarung so wirksam geschützte Recht auf Privateigentum kann durch die soziale Not der Zeit nicht aufgehoben werden. Diese Rot wurde auch nicht verursacht durch das prival- eigeulum, sondern durch besten Mißbrauch; also muß der Mißbrauch abgeschafft werden, nicht das Prwat- ergentum.
Die direkten Gegner des Privateigentums sind Kommunismus und Sozialismus; aber nicht die einzigen. Gegner des Privateigentums ist der Wucherer. der die Not des Nächsten mißbraucht. Er treibt viele n die Arme des Sozialismus; Gegner des Privateigentums ist das aus- und auffaugenbe Großkapital, das durch unlauteren Wettbewerb die kleineren und mittleren Betriebe ruiniert und die Masten des unzufriedenen, sozialistischen Proletariats vermehrt. Letzter und gefährlichster Gegner des Privateigentums ist der maleria- lisirfche Vksmmonsgeist, der nichts als Geld- und Geldeswert anerkennt und die Genüsse, die man sich mit Geld- und Geldeswert verschaffen kann. Gibt es keinen Gott und keine Verpflichtungen Gott gegenüber, sind Geld und Genuß die einzig erstrebenswerten Güter, dann hört die Eigentumsfrage auf, eine Rechtsgewi stens frage zu fein, dann wird der Kampf um die Güter dieser Welt ausgetragen durch Bürgerkrieg und Revolution. Christlicher Glaube aber und christliches Leben sind mit ihrer Lenseitshoffnung starke Verteidiger des Privateigentums.
Zu den Wahlen.
Als Bismarck am Ende des Kulturkampfes politisch geschlagen seine gegen die katholische Kirche gerichtete Gewaltpolitik ausgeben mußte, sprach er jene denkwürdigen Worte, die jeder von uns sich heute alle Tage ins Gedächtnis zurückrufen sollte: „Wir werden, wenn wir auf kirchlichem Gebiete zu kämpfen aushören, der Schu e den Angriff überlassen!“ Diejenigen Kreise, deren willkommener Führer damals Bismarck war. haben jene Worte nicht vergessen; sie waren ihr Ziel damals, sie sind ihr Programm heute. Diese Feinde unserer hl. Kirche und des Christentums überhaupt, glauben ihre Zeit gekommen. Sie schicken sich mit stärkster Kraft an, allen Zusammenhang zwischen der Kirche und der Schule zu zerreißen und der Kirche die Lugend zu entfremden. Auf diese W-eise wollen sie das Leben und Wirken der Kirche nach Möglichkeit schädigen und ihre Kraft brechen. Dieser Kamps hat gleich nach der Revolution in schärfster und gröbster Fr".; eingesetzt und wird zwar heute in ruhigerer Art, aber doch hartnäckig weitergeführt. Die Fahne tragen die Sozialisten vor, die Demokraten helfen, was sie können, die deutsche Volkspartei wehrt ihnen nicht und auch die Deutschnationalen Helsen noch den Sozialisten in ihrem Kirchen- und Schulkampf. Tragen doch die Deutschnationalen die Schuld daran, daß das erste Schulkowpromiß, welches die konsessionelle Schule in
der Verfassung verankerte, aufgegeben werden mußte; und haben wir es doch nur den Dentschnationalen zu verdanken, daß wir mit Elternbeirätan uns abfinden mußten, während wir Schulbeiräte, in denen auch die Ortsgeistlichen vertreten gewesen mären, hätten hoben können, wenn die Deutschnationalen ins rechtzeitig unterstützt hatten. Die Deuètchnationa. en und die deutsche Volkspartei ließen uns im Stich, dietz Freundschaft des libercken deutschen Lehren ereins, der am liebsten von der christlichen Kirche nichts sehen und hören will, war ihnen offenbar mehr wen, als der Schug des inneren Zusammenhangs der lUd Er- ziehungsmächt«, der Kirche, bet Eltern hrd der Schule. Wie gering der deutsche Lehrerverein Kirche und Christentum einschätzt, Uyreu bie Vorschläge seines geschäftsführenden Ausschusses; er lehnt den konfessionellen Religionsunterricht ab und will Berücksichtigung der Religion in einer Form, die für alle Konfessionen gemeinsam ist. Wir verlangen die tonfessio- nelle Schule, bestens ausgebaut unter höchstwertiger Fachaufsicht, aber in engem Bunde mit unserer Heil. Kirche. Nur diese Schule verbürgt uns die unent- behrliche Einheit auf dem Gebiete der Erziehung zwischen ihr, der Schule, der Kirche und dem Elternhaus. Nur sie ist im Stande, gute katholische Christen Heron- zubiden. Wir wollen keine reine Wissensschule, wir fordern eint Erziehungsschule. Im Mittelpunkte und Urgründe der Erziehung muß aber das uns von Gott selbst gelehrte Christentum stehen mit seinen ewigen leitenden Geboten. Die auf ihnen ruhende katholische Moral fest im Herzen und lieb gewonnen in der Uebung, sodaß wir eher sterben, als von ihr abge- wandèe Wege gingen, so soll unsere Schule unsere Jugend erziehen. Das kann aber ganz naturgemäß nur die konsessionelle, bic katholische Schul.'.
Was wäre die Folge, wenn man sie uns raubert könnte, wenn dann liberale Lehrer unsere Kinder erzögen, bei denen jedes Wort über unsere hl. Kirche nur Hohn und Verachtung atmen würde? Unsere Kinder würden in einen Zwiespalt getrieben zwischen der Schule einerseits und der Kirche und dem Elternhaus andererseits. Die Liebe zur hl. Kirche würde untergraben. Zu einem christkatholischen Leben würden unsere Kinder nicht mehr angehalten. Gleichgültigkeit in allen religiösen D.ngen wäre die notwendige Folge, unb schließlich bhcb? der Abi all von der hè Kirche wohl u gut, wie sicher, nicht aus. Das ist ja auch das Ziel der Kircheufsinde. Ihr Weg ist gut überlegt.
Aber. wir katholische Christen rufen ihnen zur „Kommt, wenn Ihr wollt! Wir sind eine Mauer und ein Wall, fester, wie die Siegfriedstellung im Westen! Wir wanken nicht! Eher wankt alles andere, als daß wir zulassen, daß ihr uns unsere katholische Schule raubt!" Dieser Wille sitzt fest verankert in unserem Herzen. Drum mit Stolz und Mut zur einigen Tat! Der Sieg ist unser, wenn wir einig sind. Das hat die Erfahrung schon seit der Revolution ganz besonders klar uns gelehrt. Jeder katholisch Christ muß seine Stimme dem Zentrum geben, damit wir möglichst stark dem Haufen der politischen Feind« entgegen* treten;
keine Stimme darf uns verloren gehen!
Wir müssen uns im Gegenteil die größte Mühe geben, auch möglichst viele gläubige evangelische Christen für uns zu gewinnen; denn Ue chriftlich-konfessioneUs Schule wollen wir ja auch für die evangl. Christen erkämpfen. Die kath. Schule soll gute katholische, die evangl. Schule gute evangl. Christen erziehen, welche in Achtung der beiderseitigen Ueberzeugungen sich einander lieben. Die evangelische Kirche und ihre evangl. Schule sollen ebenso nah zu einanderstehen, wie wir dies für unsere hl. Kirche und unsere Schule erstreben. Je mehr Hilfe wir in diesem politischen Kampfe erlangen gegen alle Feinde des Christentums, auch deq evansselischen, um so besser ist dies.
Bei dieser Sammlung aller Zentrumsstvmnen sind eine Gefahr.
die nicht unterschätzt werden darf, die Beamtenvereim und ähnliche Vereine, mit wirtschaftlichen Zielen in Stadt und Land, besonders in überwiegend katholischer Gegend, in die man ja unter dem alten Preußen immer mit Vorliebe Beamte evangl. Bekenntnisses versetzte, die durchweg nicht aus dem Boden des Zentrums stehen. Wie erlebt man es da so oft, daß der Vorstand sich aus Deutschnationalen oder deutschen Volks- xarteilern. oder gar aus Demokraten ober Sozialisten zufammensetzt und daß dann bei Wahlen beschlossen wird, gemeinsam für diesen oder jenen Abgeordneten einer der letziaenannten Parteien einzutreten. Dem- ' entsprechend geben dann katholische Beamte usw. ihrer .WahlzcUcl ab. Wir bitten unb beschwören alle ta^ol i Beamten usw., die Mitglieder solcher Vereine sind, S sich nicht in dieser Weise mißbrauchen zu lasten. Un-