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Cr streckte den Arm nach einem der Türme aus. .Schwester", brachte er mühsam hervor, „drüben in neiner Kirche lautet es zur heiligen Meße — und in anderer steh: an meiner Stelle und bringt das hl. Dpfer dar —*.
Der guten Schwester traten Tränen in die Augen-, n tröstendem Tone jagte sie: „So beruhigen Sie jich »och ! Wie Gott will, Nicht wahr,-Herr Kaplan? Sie laben sich ja längst in seine Hand gegeben. Er kann sie Ahrem erhobenen Beruse zurückgeben."
„O. Schwester!" rief er schmerzlich. „Sie wissen o gut wie ich. Laß ich dieses Haus nur im Sarge »erlaße."
Ach war tief ergriffen. Geräuschlos schloß ich das Fenster und vernehm jo nicht mehr. was die Schwe- ter erwiderte. Gleich darauf hörte ich ihn herem- omnen und den Weg zur Kapelle einjchlagen. Als ch eine Stunde später ebenfalls dort eintiut. joh ich hn noch immer unbeweglich in der dunkelsten Ecke L«r eßfen Ban" knien -
Nochmittcgs uns ich ihn :m Krankenzimm r: des timen Alfred im anderen Flügel des Laufes. Man )üt:e den» armen Kleinen gestern oberhalb des Kn es ' n Bein amputieren müssen, und jetzt lag er in Fieb.r- Shantasien und nef klagend nach seiner Mutter. .Mein ituß, me n Fuß tu. ir weh'." wimmerte er und suchte immer wieder nach der Stelle zu tasten, wo sein Fuß mehl irar.
Der jung» Pni üe: fuß an fernem Bette uno hD't )ie fieberheißen Händchen. Mit sanfter Stimme sprach !L ihm zu und legte seine durchsichtige, weiße f)inb »uf die glühende Stirne des Kleinen. Und wirklich Durde das Kind ruhiger und schlies endlich ein.
Die Schwester machte uns bekannt, und es stellte sich heraus, daß wir beide, wenn auch nicht zu gleicher Zeit, dasselbe Gymnasium besucht hatten. An freundlichem Gespräche schritten wir.zusammen durch die langen Gänge zurück.
Unterweas befiel ihn ein Schwöcheonfoll, er mußte sich auf meinen Arm stützen. Ach brachte ihn in fein Zimmer und ruhte nicht, bis er bequem gebettet auf der Eyo-jelongue lag.
Dann blieb ich noch bei ihm. Meine Blicke schweif- len durch das Zimmer. Ueber dem Bett hing ein Dreßes .Kruzifir, und auf einem Betjchemel lag das zujgeschlaaene Brevier. Der Tisch war mit Büchern und Schriften bedeckt. Aus einem Seitentischchen lagen einige schwere Folianten und alte Dokumente. Ach erinnerte mich, ron der Schwester gehört zu haben. daß der junge Geistliche, ein Doktor beider Rechte, an einem umfangreichen Werk arbeite, das im Manuskr-pt zum größten Teil fertig sei. Ach fragte ihn danach. Er nickte müde und sagte mit leise zitternder Stimme: „Es ist die Arbeit vieler Jahre und /angestrengten Studiums — ein and, rer wird sie hoffentlich vollenden —Dann wandte er den Kopf und schloß die Augen. —
Das war der Anfang unserer Bekanntschaft. Seitdem treffe ich ihn häufig, und sein Anblick schneidet mir jedesmal ins Herz. Rie kommt aus seinem Munde eine Klage, er ist immer ruhig und sreundftch und Hot für andere Kranke, die er oft besucht, stets ein ermutigendes Trosteswort.
Zuweilen arbeitet er an seinem Werke, meistens aber geht er in seinem Zimmer betend auf und ab. oder er verweilt stundenlang in der Kapelle. Da mag er sich wohl Trost und Stärke für die schwere Stunde erbitten — es ist ja so schwer, in voller JupenLkraft und mit tausend unerfüllten Hoffnungen ins Grab zu sinken, aus einem fegens- und erfolgreichen Wirken H^rausgeriffen zu werdens.
Die Schritte nebenan haben aufgchörl. Erbarmend fenkt sich wohl der Schlummer auf den Armen herab
Auch meine Augenlider werden schwer, und eben Will ich mich zur Ruhe begeben, als aus dem Neben- zimmer ein leise ächzender Laut an mein Ohr brinat.
Bestürzt bordje ich aus. Nei', alles still. — Sollte ich mich getäuscht habend — Aber ta höre ich von neue n diese bangen Wchloute.
Tics erschrocken trete ich auf den Gang hinaus. Ach muß ’u ihm. Er leibet, vielleicht bedarf er meiner! Leise öffnete ich seine Türe — aber auf der Schwelle bk be ich gebannt st hen. ganz ergriffen von dem An- blick, der sich mir bietet.
Der junge Priester beet ongekleidet aus den Knien vor feinem Bett, Lie Hände krampsthaft verschlungen, den Kopf tief in die Decken gewühlt. Er hört nich«' Ml Üch seine Tür öffnet. Ein vcrzweiflungsvolles S luchzen erschüttert feine Gestalt, hoffnungsloses Eich liegt in feiner Haftung.
Dn mir steigt ein heißes Mitgefühl auf. Auch
Mann zu solch les-enschoftlichem Schmerzensausbruch treibt! Ach ja, ich weiß es wohl, du armer Dulder, keine hochgemute Seele unterwirft sich schweigend, Lein gläubig ergebenes Herz nimmt den bitteren Kelch aus Gottes Hand.
An folgern Leid darf nur Gott zur Seele fpre- chen! Was wollen arme, leere Worle. und kamen sie auch aus dem wärmsten Herzen, in einer Stunde. La der Herr über Leben und Tod das schwerste Opfer begehrt? Er muß allein diesen herben Kamps kämpfen.
Seife ziehe ich die Tür wieder zu und gehe auf mein Zimmer.
Wie oft wohl mag in einsamer Mitternachtsstunde ein solcher Kampf in ihm getobt haben!
Erst spät schließen sich meine Augen zu träum« gequältem Schlummer.
Am folgerten Morgen — mein kranker Nachbar erscheint erst spät — finde ich ihn ruhig und freundlich wie immer. Nur ist sein Ge ficht noch bleicher als gewöhnlich, nur haben seine Augen einen noch tieferer Blick, und der Leidenszug um die Lippen tritt sä ärfer hervor. Und ruhig, fast heiler, begrüßt er mich. Offenbar ahnt er mchi. daß ich Zeuge seines Schmerzenscusbruchs gewesen bin!
Cr.eichtcrt atme ich auf; weiß ich Loch, wie peinlich es ihm jchon war. als ich ihn neulich einen Augenblick schwach gesehen hatte.
Zusammen treten nur auf den Balkon. Seitwärts fthßi an die Gartenmauer der Kirchhof mit seinen wei- &rr Denkmälern.
Da kommt Schwester Consalota herbcigee'lt „Bitte, Herr Kaplan, kommen Sie schnell, mit der I Fransen aus - Zimmer 6 geht's unerwonei zu Ende. GA'sn Sie ihr die heilige Delung; sie hat noch gestern Sie heilige Kommunion empfangen. Bis ein Geistlicher au» der Stadt geholt ist. möchte es zu spät sein."
Schon ist er der Schwester oorangeeilt.
Eine halbe Stunde später gehe ich den langen Gang hinunter. Die Tür von Zimmer 6 steht offen, einige Sd Western knien um das Sterbebett. Auch ich trete zu ihnen.
Der Priester, selber totenblaß, betet diè Sterbe« ccbcie. Dazwischen spricht er leise von Galt cs alb erbarmender Liebe. Die Sterbende liegt regungslos da. schwach geht der Atem. Plötzlich öffnet sie Oie Augen, die schon in jene Welt zu blicken scheinen, und fthcui mit Banaigkeit den Sprechenden an. „Herr Kaplan," sagt sie mühsam, „ist — ist sterben — schwer —?"
Einen schnellen, flehenden Blick wirft dieser auf das Kruzifix, dann sagt er beruhigend: „O nein, feit der Heiland für uns in den Tod ging, ist sterben nickn mehr schwer — es ist ja bet Weg zu Gott."
Der Weg zu Gott! Mit Ehrfurcht schaue ich ihn an. Ast es derselbe, der letzte Nacht so qualvoll ye« rangen hat?
Einige Zeit darauf ist die Kranke friedlich hinüber- geschlummert, und erschöpft kehrt der Gcislöiche in sein Zimmer zurück.
Er bleibt an dem Tage unsichtbar. Aber in der Dämmerung sehe ich ihn von der Kapelle her auf w'ch' tukommen, als ich eben auf den Gang trete. Ein fast überirdisches Leuchten liegt in seinen Augen.
„Nicht wahr, mein Freund," sagt er, — „wie sollten wir wohl das Leben mit all seinem Leid und seinen Dunkelheiten und Räiseln eUraacn können, ohne den göttlichen Tröster im Tabernakel —!" — „Gutr Nacht, mein Freund, schlafen Sie wohl, auch mirb verlangt nach Ruhe.7
Er drückt mir die Hand und geht. Ach schaue ihm nach. An seiner Tür wendet er sich noch einmal um und grüßt läcbelnd --—.
Als der folgende Morgen cnbrid)t. fahre ich er« schreck, aus dem Schlafe hervor. Im Nebenzimmer hehres Hin- und Hereilcn und laute aufgeregte Stimmen. Eine bange Ahnung erfaßt wich. Schnell kleide ich mich an und eile hinüber. O Gott im Himmel — ist es kein Traum — ? Am Tische im Sefiel lehn« eine leblose (Gestalt in schwarzer Soutane — oen Kops auf die Brust gesrnkt, eine Hand wie im Krampte noch gegen das Herz gepreßt; aber die andere hängt scblaK über die Lehne herab. Die Züge sind friedlich wie die eines Schlafenden.
Soeben hoben die Sdnncftern ihn tot oefunben!
Du tritt auch schon der Arzt ein. Er beugt sich über den Toten und untersucht ihn und sagt: „Herzschlag! Ach sürchtcte es stets!"
„Hat er gelitten?" frage ich.
„Nein, er ist ichmcrMos erstorben Vielleicht ist es au di befer so. Die bevorstehende Operation haue chm aroße Oualcn gebracht — und mir hätten ihn doch
— Die Schwestern verladen Las
mir steigt ein heißcs Mit"efuhl auf. Auch, kaum retten sönnen, meine Augen werben feucht. Welch ein Übermensch'! Ziwnici. liches Rinaer« muß es fein, das diesen starkmütigen I Tisch liegt,
Ach nehme das Buch, das offen auf dem und worin er in den letzten Auacnbu^n
feines Lebens offenbar gelesen hat: es ist die „Nachfolge QDnfti' Ic» 23 Kapitel des 1. Buches, die „'Betrachtung der Todes", ist aufgefchlagen, und einige Stellen find angestrichen
..Glücklich wer die Stunde feines Todes immer vor Augen hat und sich täglich zum Sterben vordere«» tet'" leie ich. „Hast du ,e einen Menschen sterben sehen so Levke, daß auch du diesen Weg gehen mußt." Stumm reiche ich das Buch dem Arzl. Er liest und schaut den Toten an „So ist Las Lcden." —
Der Arzt verabschiede« sich und geh«. Ach schaue in da? fredeiotmcnbe Gesich« der stillen Sdiläkr» im Prüsterkleide. Ach muß seine schloss berabhäauenbe Hand nehmen und sie mit Ehrsurcht an meine Lippen pressen
Ja — warum? — Du. o Gott, meißt es* "'cr darf sich erkühnen, deine unergründftchen fRat^dinie vermessen erforschen zu wollen?
Aber dennoch — solch ein Scheiden tut weh. Und wieder feuchten sich meine Augen. —
Kbgefettmt.
In einem Eisenbahnwagen befand sich eine größere Anzahl von Reisenden, darunter auch ein Geistlicher, Ler, bescheiden in eine Ecke gedrückt, eben fein Brevier betete. # Da gefiel es einer sehr aufgeklärten Dame, mit der ganzen Macht ihrer Beredsamkeit über Goltesglouben und Religion herzufallen, und siegesbewußt. wie immer, warf sie dabei mehrmals höhnische Seitenblicke auf den Schwarzrock, offenbar in der Absicht, derselben zu einem Disput heraus,zufordern. Der aber bewahrte die größte Seelenruhe und setzte seine Andacht fort. Aus em^ol ab“r l"'"" b^ ^^^ö, tzerin los: „Aber mein Herr! Ich kann Sie nicht verstehen, auf all das. wa- ich rorgebracht habe, er« widern Sie nicht mit einer Silbe." — „Nun", ’o gab Ler Geistliche ’ur Antwort, „wie es scheint, m^-e Bcrehrtcste, sind Sie sehr belesen. Sie sprechen wenigstens von sehr vielen Dingen. Bitte, facen Sie ein» mal: Kennen Sie auch die Bibel?" „Gewiß, wenigstens zum Teil," gab die zuneenfcrtige Tochter Evas zurück. „So erinnern Sie sich meUrich« an die im inerten Buch Mosis erzählle Geschichte Dom Propheten Baloam?" — „Balaam — Ba aam —" erfolgte jetzt die Antwort, etwas gedehnt — „ich meine wohl, üe jchon gehört zu haben." — „Nun. dann werden Sie euch gefunden haben, daß der Prophet iefmiep. wäh- rend die Eselin redete. Ach für meinen Teil habe wich nun in eine ähnliche Loge versetzt gesehen, wie Ba» laam.^und darum hab' ichs für gut gehalten, sei»« Schweigen nachzuahmen."
Das wirkte wie ein eiskalter Wassernuß. Die Freidenkerin saß da. ihre Wut über diese fräftice Abfuhr hinunterwürgend. Sie hatte keine Lust mehr, mit dem Schwarzen auts neue anzubinden.
Eine andere, ebenso wohlverd enle. Denn auch nicht gerade feine Abiert'puv.q hofte sich e.nma» eins gar rungenkertiae Eoa-rn,b«.r bei dem ft» Bmf*mH. fionär weltbekannten Pate« Mar non tTlinfonftrom (ft 1896). ernem Aemiien. Der mar eben mit emrm Freund auf der Reise nach Oedevburg. einer Stadt >m westlichen Ungarn, begriffen. Eine Dame belast nie die beiden mit Stichel red'"' Der Pater, in eine Eck< des Kupees gelehnt, erwiderte nichts, doch fernem Blick konnte man unschwer anwerken, daß er e'mas orr» bereite. Endlich hielt die Mamsell den Ze tpm:kt für gekommen, ihren letzten Trumpf ausmimelen. ">.d fronte: „Fahren die Herren wob' na* Geden^urc9" „Ao." lautete fur^ und fräftig d;c Arftwort des 3c» «litten. „Aber dort sind seine schönen Mädchen ui finden." meinte jetzt die Schwätzerin. 91 her nun be» kam sie ibem THI. „Tann muffen S*e Freute'», oe» wiß aus Geber bürg sein", lautetet kur« und fräst a die Antwort des Bauers. Schallendes Geläckner der Dili!» regenden einerseits urb eine cöUire Berblüfümg der vorher so tunaeno"m<’”bten Svre'^''rin anders "ts »co» ten binlänoli*, wie kft dieser s)icb saß. Dem Fränl-m war die Lust, den Ord^«wann »u bäns-In. ar'"vdlich vergönnen, und Pa'er Klivkowström ^"vte ohne weitere Belästigung seinem Reiseziel zusteuern.
6 bet.
freund rnd ^üh er fiert ' nd welhe, hör ender a k »lat vn^ schreie, fl'b-T m der rii’cer se S! v». der tue we c weift
W"v> e tdr als ^'a n'' e rede ffo fes 8m I« * Halft so nn! t» che in m*r P?«a und < h e? Latz m ch «.L de n Lich« err.pfahn!
N. Sorze.