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fristen, sondern nur drnch C!ârkung der Parkes, Me Versöhnung der Stände u. dem gerechten Ausgleich der Interesien aller dient. Und schließlich hat die Ver« trctung des katholischen deulschen Volksleiles doch auch noch andere Aufgaben als bloß die wirtschaftlichen. Der deutsche Katholik hat es nicht bloß vor seiner Vernunft, sondern auch vor seinem Gewissen zu verantworten, wenn er mit dazu beiträgt, die politische Vertretung des teutschen Katholizismus zu schwächen. Noch ist der große Kulturkampf, der sich um die Erhaltung der religiösen Erziehung der Kinder entsponnen hat, nicht ent- kchieden. D'e Feinde unseres Glaubens und unserer Religion werden sich nicht scheuen, die bis jetzt geübte Rücksicht fallen zu lassen, wenn sie nicht durch eine starke Zentrumspartei im Schach gehalten werten. Nur die großen Parteien, die imstande sind, regie- rungsbildend zu sein, entscheiden heute alles. Ein Ber» brechen am deutschen Katholizismus begehen daher alle diejenigen, die durch ihre zur Einflußiosigkeit verurteilte Sondelbestrebungcn die Stoßkraft des katholischen Volk-teils und seiner parlamentarischen Vertretung des Zentrums schwächen und es um seinen Einfluß Zungen.
Es geh! nm unser ganzes kulturelles Lela.
Da müssen kleinliche Sonderinteresien vor dem alten sathslischen Idca ismus in den Hintergrund treten. „Die éegaer können machen, was sie wollen, da kann ich ruPg bleiben. Aber, wenn im eigenen Lager Un- iuijt u H^shl, »anu wate td$ w.id!" pflegte der selige
Dkndlhorsl
bei derarNgen Anlässen, die es auch zu seiner Zeit schon gegeben hat. zu sagen. Das wollen wir uns merken. Jetzt ist keine Zeit, die gekränkte Leberwurst zu spielen und in den Schmollwinkel sich zurückzuziehen. Iegt heißt es festhalten oder sich zurückfinden zu der großen Einheit des katholischen deutschen Volkes. Siegt der Idealismus und der Wille zur Einheit und Solidarität. Hann werden auch die materiellen Interesien am ehesten und testen einen gerechten Ausgleich fizr-ey.
Ties bedauerlich
P es. daß immer und immer wieder aus dem eigenen Gager von Leuten, die alles besser wissen wollen und sich einbilden, wenn sie die Sache zu machen gehabt hätten, wäre alles ganz anders geworden, das Verhalten der Zentrumsfraktion, besonders auch in der Schul» und Kirchenpolitik in der abfälligsten Weise kritisiert wird. Diesen nörgelnden Kritikern gegenüber muß oder doch fcftgcftcllt werden, daß gerade diejenigen, die als die amtlichen Vertreter der Kirche kraft Amtes und Gewisjenspflicht in erster Linie berechtigt und ver- pfii h el waren, für deren goltoerlichenen und geschichtlichen Rechte einzutreten und gegen solche Stellen ter Verfassung, an denen diese beeinrächtigt und bedroht erfdeinen, Verwahrung einzulegen, nämlich die Bischöfe, angesichts der Zeitlage den Abgeordneten der Nationalversammlung ihren Dank ausgesprochen haben für das, was sie »in Verteidigung der kirchlichen Grundsätze zur Derbeßeiung und Ergänzung" ter Verfassung getan haben. Insbesondere der Erzbischof von München erblickte in dieser .entsagungsvoller« Mitarbeit" an der Reichsuerfaßung „ein unvergeßlich großes Verdienst" um unser Volk und um die Kirche im Deutschen Reich. Man versetze sich doch einmal in die Lage, in der wir uns im November 1918 befanden, und denke an die großen Schwierigkeiten und Gefahren, an die schreckenvolle Wirklichkeit, die sich mittelbar oder unmittelbar aus dem Zusammenbruch Deutschlands, dem Siege ter so» ziel stischen Revolution, der Entfesselung aller unchrist- lid)cn Kulturströmungen ergeben hatte. Was erwartete denn damals mit allen Herzensängsten jeder Katholik, jeder positive Christ von ter kommenden kulturpolitischen Gesetzgebung der Nationalversammlung? Was haben die deutschen Bischöfe ohne Ausnahme und mit guten Gründen gefürchtet? Die radikale Trennung von Staat und Kirche, sogar nach französischem Muster. Ist diese radikale Trennung erfolgt? Nein! Weshalb nicht? Nur weil das Zentrum» sich nicht in Opposition stellte, sondern das Regierungesteuer mit in die Hand nahm. Wenn man das alles berücksichtigt, wird man sich der tatsächlich erreichten Erfolge. mögen sie auch manches zu wünschen übrig lassen, aufrichtig und mit San? gegen Gott freuen. Man sollte doch nicht immer daroon reden, was verloren gegangen ist, — sondern euch davon, was wider Errsarlsn gerettet worden ist.
Das Zentrum hat für bk Wahrung ter katholischen Kulturgüter bei der Schaffung der Verfassung unter den schmierigsten Verhältnissen seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Auch für die Zukunft dürfen nach dieser Richtung hin die Katholiken Deutschlands beruhigt sein. Durch die Koalition zwischen Zentrum und Sozialdemo- trati« werden die ©ruu^iaoen der Kulturpolitik, die re-
kkglofèn und fikMchcn Grundsätze der Zentrums in keiner Weise berührt, in diesen Fragen ist ein Ausg eich und eine Anssöhung mit dem heutigen Sozialismus ganz unmvgfid), vielmehr dauert hier der geistige Kampf und auch der politische Kampf m unverminderter Schärfe fort. Dies schließt aber nicht aus, daß in vielen nationalen und politischen, ja auch in einzelnen sozialen und weltlich- kulturellen Fragen eine praktische Zusammenarbeit mit den Mehrheitssozialisten möglich und notwendig sein wird. Die Einsicht in die Notwcndgkeit dieser Koalition ist gerade in den letzten Tagen auch bei bisherigen Gegnern bis in die Kreise der äußersten Rechten gewachsen und wird wohl bis zur Wahlentscheidung noch weiter zunehmen.
Nicht vergessen
darf mert, daß durch den Eintritt des Zentrums in die Koalition einmal viel drehendes Unheil abgewehr». und vieles, was uns teuer ist, gerettet worden ist. Ohne die Teilnahme des Zentrums wäre ganz gew ß viel weniger, wahrscheinlich gar nichts erreicht worden. Wenn nicht die unsere Wünsche Erfüllung finten konnten, so lag das eben an den Verhältnissen. Wie war denn die Lage? Die Nationalversammlung hat 423 Mitglieder. Don diesen gehören zur Linken die Sozialdemokraten mit 165 Mitgliedern und die Deutsche Demokratische Partei mit 75 Mitgliedern, wozu noch die Unabhängigen Sozialdemokraten mit»22 Mitgliedern kommen. Das macht zusammen 262 Mitglieder. Die Rechte besteht aus der Deulfchnationalen Volfs» Partei mit 42 Mitgliedern und ter Deutschen Volkspariei mit 22 Mitgliedern, zusammen also aus 64 Mitgliedern. Dazwischen stand das Zentrum mit 90 Mitgliedern. Wenn sich das Zentrum mit der Nech- *"N verdank, fp ernch das 90 6 t — 154 Mitglieder. Darm hatten das Zentrum und die Rechte mit 154 oer Linken mit 202 Mitgliedern gegenübergestandcn. Darm wäre die Linke gezwungen gewesen, die Verfassung ganz allein zu machen, wozu sie eine genügende, wenn auch verhälmismäßig knappe Mehrheit halte. Sie hätte dann aber auf die 22 unabhängigen Sozialdemokraten weitgehende Rücksichten nehmen müssen. Wie dann die Verfassung ausgefallen märe, kann sich doch jeder an den zehn Fingern abzählen. Stott des- sen hat das Zentrum eine Koalition einaegangcn mit der sozialdemokratischen und demokratischen Partei. Dadurch kam eine Koalition von 2 40 4- 90 = 330 Mitgliedern heraus. Mit dieser Soaütion ist bisher regiert und vor allem die Vcrfasiung*gemacht worden. Innerhalb dieser Koalition holte aber doch das Zentrum von 330 Mitgliedern nur SO Mitglieder, also wenig mchr als ein Viertel. Wenn man beur» teilen will, ob das Zentrum feiner Aufgabe innerhalb der Koalition gerecht geworden ist, so darf man das nie aus dem Auge lassen. Mit diesem Viertel hat das Zentrum innerhalb der Koalition alles dasjenige durch- gesetzt, was durchgcfetzt worden ist. Man sollte meinen, daß diese so einsache und klare Lage doch allmählich von allen Seiten sachlich gewürdigt werden könnte.
Zenirum und Stan^espontiS.
Zu den schwierigsten Aufgaben einer alle schaffenden Stände umschließenden Dolksparlei, wie es das Zentrum sein will und ist, gehört die Eingliederung nicht nur der Standesorganisalionen in den Parlei- körper, sondern auch der berechtigten Sonderinteresien der einzelnen Stände in das auf das Wohl der Volfs« Gesamtheit angelegte Parteiprogramm. Ein Ansglelch der Interessen ist dabei nur aus einer mittleren Linie möglich. .Medio tutissimus -bis" (In der Mitte wirst du am sichersten gehen) sagt ein altes lateinisches Sprichwort und wir Deutsche sprechen von einem
goldenen Mittelweg.
Dom Wertvollsten, was es gibt, vom Gold» nehmen wir die Bezeichnung her, um die Bedeutung und den Wert des Mittelwegs zu kennzeichnen. Würde jeder Stand Klasienpolitik treiben, dann gäbe es ewigen Kampf im Staate, dann würden sich die einzelnen Stände gegenseitig bekriegen und dadurch aber auch alle Schaden leiden. Der Staat ist wie das Räder- werk einer Uhr; läßt nur ein einziges Rad aus und geht nicht mehr im Einklang mit den andern Rädern, jo bleibt das ganze Werk stehen und ist unnütz. Aus
der Trostlosikgert der gegenseitigen Schädigung und Abschlachtung durch den Klassenkampf kommen wir nur heraus, wenn wir immer und immer wieder in dem Streit der Meinungen das dien ae«'<»‘»'i-^ betonen, das wird am ehesten über bestehende oder scheinbare Gegensätzlichkeiten hinwegführen. Und dann muß man sich doch auch hüten vor einer Ueberschätzung der zahlenmäßigen Vertretung der einzelnen Veruts- stände und der parallel laufenden Ueberschätzung der Vertretung der Verussintercfsen durch Mitglieder des eigenen Standes.
Wenn immer wieder erklärt wird, daß die An- nähme dieses oder jenes Kandidaten, die Ueberlasiung von so und so vielen Sitzen eine Bedingung sei, tDeldie unter allen Umständen erfüllt werden müsse. und daß man, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt würde, daraus „die Konsequenzen ziehen" werde, so wird eine vernünftige Berücksichtigung der Gesamltnleresten der Partei tu einer baren Unmöglichkeit. Die Grund'd-e des Zentrums war von Anfang an, daß Angehörige aller Stände und Berufe und Männer oerfchietener weltlich-politischer Richtung sich zusammensanden im Dienste einer höheren Idee, zum Schutze der religiösen Interessen, zur Erkämpfuno ter Freiheit der Kirche und zu gemeinschaftlichem Wirken im Sinne des christlichen Staatsoedankens. Damit war gesagt, daß bie Vertretung dieser christlichen Weltansclwuuna. der kulturellen Interessen des Volkes im religiösen Sinne, den ersten Platz in ter Zentrumspolitik behaupten müsse. Wenn die Standesinteresien übermächtg sich vordrän- neu, so :ft Gefahr. daß diese letzteren in die erste Linie rücken und dann die Vertretung der religiösen Sntcr- essen, gewiß nicht grundsätzlich, aber doch praktisch, notleidet.
Eine große politische Partei kann nur dann eine einheitliche Aktion durchführen, wenn sie nicht nur aus Leuten besteht, denen die Vertretung von Stan- desinleressen mehr ober weniger b’e f>aup!fQ^e ist. sondern wenn sie fest geführt wird von Männern idealer Richlung und allgemeinen 11 eher blies es. Auch die Ein^elinleresien kommen west- bester w ihrem Rerbt, menn sie nicht 'm ter Hut einseitiger Interesienpolitiker sind, sondern von Männern vertreten werden, welche fähig sind, auch die allgemeinen Interesien zu überschauen und sich von Einseitigkeiten fern zu halten. Sa sehr im Augenblick die Standesinteresien unter dem Einfluß der überaus schwierigen Zeitloge sich vordrängen, so bleibt doch ter wichtigste und scbwiermste Kampf der Zukunsi ter Kampf um die kulturellen In- teresirn des chrifJidjen Volkes, der Kampf um die WeLlsnfchuuung
Wo soll dar hin'ühren, wenn man nur Clanderinteresten bei der Anstellung der Kand'dalkn maßgebend sein lassen will? Wwn der Arbeiter fam, e nm Bauern mahle ich nicht — wenn der Bauer bivwiedrrum keinen A,-> betur wählen will, wenn der Hovdweiker und der Kaufmann von beiden «vcHS wißen und and) nur einem De»neler seines Startes feine Stimme erben will unS wenn dann auch alle anderen Beru'S» giUppen. Angencllre. Lehrer, Beaw'e uim. mit ber- artigen Forderungen tont nun. Tann gäbe es kepr politischen Parteien mehr — dann nabe es nur noch Liandesveitietunaen im Parlament. — Was wäre damit gewonnen? Ter Streit wäre nicht beseitigt, er ginge als Mampf aller gegen a le unter den einzelnen Gruppen im Parlament weiter. Arbeiter-, Bau- rn' und Mit elstun>kpar!eien würden sich gegen- übersehen und idJieflich bliebe ihnen doch auch n chiS anderes übrig, als sich »u v ruöndigen, wenn sie si.b nid) ge^en eitig unterdrücken und vernich en wollen, je nachdem der eine oder der a^rre obenauf sammt. Ohne gegen!eiuue Rürfüdt nal me ist ein 3uismme»leben unter Menschen überhaupt mcht tentbar.
LsziMemskralie uni Wahlen.
Auf ter sozialdemokratischen Reichskonferenz sagte der Vorsitzende Bartel: ^Für uns ist die Koalition kein Ideal. Unter dem Zwang ter Verhältniße ist sie entstanden und aufrechterhacken worden. Bringen die Wahlen uns eine sozialistische Mehrheit, werden wir mit Freuden und Erleichterung von der Koalition Abschied nehmen." Auch Acheidemann sprach sich ähnlich aus. „Das, was wir grundsätzlich wollen und mit allen Mitteln der Verfassung erstreben, das ist nicht eine Koalitionsregierung, sondern eine rein fatalistische Regierung. Aber da möchte ich gleich sagen, auch die sozialistische Regierung ist kein Weihnachts- mann, der einen Sack voll guter Dinge mitbringt.