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Wo ist tos Glück. ,
Bei den Kmolheatern in den Städten sieht man manchmal in preßen Buchstaben ein Lichtspie» ange= kündigt. das die Jagd nach dem Glück heißt. Ich habe mir 5 nie ongelchaul. weil mich die Siinos überhaupt nid) tintere^ieren, weiß daher auch nicht. was da dargcstell! wird, kann miss aber denken. Habe mir oft gedacht, dos war' so die richtige Aufschrift und das richtige Titelblatt für die West- und !NrusHen- gcfchichte. Glücklich will der einzelne Mensch werden und dem Glück sagt er nach, groß und klein, zivilisiert oder wild, wie das &inb einem Schmetterling oder einer Seifenblase. Hat er es endlich in der Hand, zerstiebt wie eine Seifenblase oder ist ein häßlich Ding wie ein Schmetterling, dessen Flügel abfarben wie ein Mülierbeutel und dessen Leib ein häßlicher Wurm ist mit einem Totenkops. So geht es dem Menschen, so geht es ganzen Völkern. Nach Glück steht ihr Sinn, Glück suchen sie, und was sie finden ist nicht selten ein elend Ding, das Unglück selbst. Es ist eine Tatsache, die wir nicht zu beweisen brauchen, vor dem Kriege hatte es die Menschheit oer- häümsn ößig cut, menschlichem Ermessen nach Hüne sie glücklich sein können. Fast alle hatten ein mer schen- würbiccs Cinkomnien und Auskommen. Es reichte für Nahrung, fleidung und vielfach auch für eine an= ständige Unterhaltung. Dam standen uns alle Ve- quen lichkeiten: Behn. Post. Telegraph, Telephon, elck- triidjes Licht. Schiffahrt und dergleichen um billiges G.ld zur Vevfümng. * Die Menschheit hätte wirklich zusricden und glück.ich fern können. Sie war es aber nicht. Es schien den Völkern alles noch zu wenig. Ihre Hand gr sf immer noch weiter, hinaus über die Grenzen des eigenen Landes und Reiches bis an die Grenzen des Erdkreses. Von allen Enden und Ecken der Tücli sollte alles zufammengetragen werden, um
das Glück der Töller
zu befördern. Neue Erfindungen jagten sich, überall gab es Verbesierungen, alles wurde mrfemerl und be° gu.mier gen acht, um den Menschen glücklich zu machen. Trotz alledem war der Mensch nicht glücklich, nicht zufrieden. Man suchte alles zu entfernen, was die Menschen im Genusse der Güter dieser Erde behindern konnte. Man stieß Gott vom Throne, man entthronte den GoUesflouben und die Religion und setzte an dessen Stelle die sog Wissenschaft, man riß èie Schranken tks christlichen Sittengcsetzes nieder und setzte an dessen Stell» die Bildung, man verwarf die christliche Nächstenliebe und fttzic an deren Stelle die Humannat oder allgemeine natürliche Nächstenliebe, und trotzdem wurde der Mensch nicht glücklich. Der Mensch schien den Menschen im Wege zu stehen, eine Nation der erberen, ein Volk dem anderen. Man griff zu den Wassen. man entfesselte den furchtbaren Krieg, um sich Platz zu schaffen auf Erden, um das Volk. das Cent Glücke des eigenen im Wege stand. niederzuschmettern. Auch der Krieg brachte das Glück nicht. Man fluchte dem Krrege und suchte ihm um jeden Preis ein Ende zu machen Der Krieg ging nach fünf langen Jahren zu Ende, aber das Kriegsende brachte nicht das Glück, im Gegenteil, mit ihm kam erst recht das Unglück. Heute wäre alle Welt froh, wenn das Glück der vergangenen Jahre zurückkchren würde. Aber es kommt nicht: wir find weiter davon entfernt denn je. Mit Kriegsende da schwang sich tie Sozialdemokratie aus den Thron und rief den Völkern zu: werfef allen Strang weg, zerschlaget die Gewehre, machet euch von jeglichem Zwange frei, Dö.kcr regieret euch selbst. Die Völker wollen glücklich fein, sie lechzen darnach, folgten dem Rufe und taten, was man ihnen riet. Das wird euer Glück sein, so hieß es. daß ihr. die Klasse der Be- stzlosen. die Herrschaft übernehmt. Sind aber die Völker, an deren Spitze die Sozialdemokrate fleht, wirklich glücklicher geworden? Ist rve- tieftens der Arbeiter mit seinem Einkommen, das dem rincs Umversi atsprosessors oder Beamten im ftaatli» hen und privaten Betriebe faum noch nachsteht, ja es rielsrch weit überholt, zufriedener und glücklicher? Nein, cs herrscht auch in diesen Kreisen keine Spur oon Zufriedenheit, (eine Spur von Glücksgefühl trotz allen reli» ichen und winschas lichen Umsturzes. Im Gdgen- ril. die Unzufriedenheit, das Gefühl des Unbehagens steigt gerade in diesen Kreisen immer mehr und heute f an konnten die Sozialdemokraten, wenn sie wollten, ennen, daß ihnen der Boden unter den Füßen indet, weil das Volk einsieht, daß dieser Weg nicht
; Glück führt. Der „Vorwärts" (das Haupiblait der ji'talbemofra'en) hat das jüngst ganz einoe- ,landen. Er schrieb bietet T a^e: „Das deutsche Volk zesii det sich in einem wirtschaftlichen, finanziellen. po* -Aschen und pc ftre Chaos (Abgrund). Es bedarf einer vollkommenen Erneuerung. Alle Heilmittel ver-
faven." Schon erhebt sich hinter dem Rücken der Sozialdemokratie ein neuer Glücke Prophet, es ist der Bol- sck>eWismus oder Kommunismus. Alles rücksichtslos aufteilen, alle rücksichtslos gleichstellen, das ist das Glück derVölker. So predigt er es und verbündet es mit tausend Summen. Er predigt nicht mehr wie die Sozialdemokraten die Herrschaft der Arb ilerklafje, sondern die nackte Gewalt, den Terrorismus, die sogen. Proletarierdiktatur. Der „Proletarier" allein soll herrschen, soll genießen, soll ein menschenwürdiges Dasein heben, alles übrige soll niedergetrampeil werden, hat keine Daseinsberechtigung. Volksherrschaft (Demo« hatte) die Teilnahme des ganzen Volkes an der Regierung. an der Herrschaft, ist für ihn ein überwundener Standpunkt, den er in die Aliweiber- und Klein- kinderstube verweist. Nicht mehr Unterdrückung, sondern Vernichtung aller jener, die sich nicht zur Lehre des Kommunismus bekennen, ist das Programm und Ziel fees Kommunismus. Noch ist er nicht obenauf, aber sein Wachstum zu leugnen, seinen Einfluß und ferne Bedeutung zu verkleinern, wäre jedoch eine un- verzeihüche Torheit. Gehts so weiter, ist es nicht ausgeschlossen, daß er die Sozialdemokratie cbi.st und zur Herrschaft kommt Wird er dann den Völkern das oer« i'pro^bene. das heißcrsehnte Glück bringen? Nein. Das Beispiel Rußlands und Ungarns, die Vorgänge in Boyern im vorigen Jahre und der Ausstand im Ruhr- oebict in diesem Jahre, sind allzu sZreckliche Vernet le des Gegenteils. Was er bringt ist Untergang der Kultur, Erdrosselung jeglicher Produktion, Elend, Blut und Leichen, kurz, die Zustände der wilden Völker. Was nun? Gibt es weder für den einzelnen, noch für die Völker ein wahres Gmck? Die Sehnsucht nach dem Glück ist von Gott dem Menschen ins Herz gelegt und fein Herz wird nicht zur Ruhe kommen, bis dieses Sehnen gest Élt wird. Dieses Sehnen kann aber nur von dem gefüllt werden, der das Menschen herz ge- 'lliüffkn hat, der dies Sehnen in das Menschenherz hineingelegt hat und das ist Gott selbst. Will die Mensch-hcit glücklich werden, dann muß
sie sich wieder zu Goli zurücksiaLeu
und zu seinen heiligen Geboten. Es gibt nur einen Weg jum Völker^ lück und das ist der Weg des festen Entschlußes, Gottes Gebote zu erkennen und sie ge- wiüenhaft in der Welt auch zu beobachten. Nicht vorwärts im Sinne des modernen Zeitgeistes, sondern zurück geht der Weg, zurück zum ertönten und sich m der Zcu auslebenben praktischen Christentum,
zum Christentum,
das s-ch im Werke zeigt. Einzig das Christentum zeigt dem Alenschen seine Rechte, aber auch seine Pflichten. Es oerpilidjtel den Armen wie den Reichen, den Arbeiter wie dm Bauern, den Regenten wie den Untergebenen. Es verpflichtet mit viel wirksameren Müreln als mit Ecsetzesparagraphen, es verpflichtet ihn mit cwiAN Geboten, mit ewigem Lohn und ewiger Strafe. E-« grgi das rechte Verhältnis zwischen Arensch und Mensch zwischen Arbeiter und Arbeitgeber, es gibt Abschluß in den schwierigsten wirtschaftlichen Fragen, es lehn ihn seine Befriedigung nichl im Genusie suchen, jor^m in der Erfüllung seiner Pflicht sowohl Gott, als sich selbst und dem Nebenmenschen gegenüber, das Christentum gibt ihm die sittliche und seelische Kraft, le ne Pflichten zu erfüllen, und läßt ihn auch das Glück unb die Zufriedenheit gerade in der Erfüllung feiner Pflichten finden. Das Christentum gibt dem Menschen den Halt im Unglück und die Mäßigung im Glück und in der Macht. Das Christentum allein stellt dem Menschen das wahre Glück in Aussicht und ist imstande. cs ihm auch zu verschossen und ihm die Gewiß- Hell zu geben, deß er es er.angrn kann. Sc schichte und Offenbarung st.mmen mit absoluter Sicherheit dahin Iberern: Völker, die sich nicht zu Golt zurückgssun- den haben, fiab ri'lungslos dem Untergang verfallen. So ist es Dutzenden von Völkern und Nstionen ergangen, die in ganz gU.chcn Verhältnißen wie wir waren. Die eben heldischen £o:ta sind in der gle> H.m Lage untergecangen und vom Erdboden verlchwunden, well ihnen las LiHt der christlichen Religion nicht leuchtete, andere sind in lahrhunderteianges Siechtum verfallen, von dem sie ohne bas Christ.ntum nicht genesen wec- dM; nur die siA zu Christus gesunden, die sich von seiner Lehre ducaidringen ließen. Habm sich wieder er- yodcn. Das wird auch- unser Los fein. Unser Schicksal liegt in unserer Hand. Uns rettet nur der Anschluß an Gott, sonst ist unser Ende Siechtum oder Um ‘errang. Cb Verwesung oder Auserstehung das Los .inscrcs Volkes sein wird, Hängt einzig davon ab, ob wir diesen Anschluß an Christus finden und bctrerh stellten. „Ich bin die Auferst huno und das Leben", spricht der 5)crr, das Wort gilt den Einzelnen, wie für gsnze Völker.
—^ Mtmdlälfcl. -K—
Schlaflose Nacht im Krankenhause.
La-igsam, langsam schleichen die Minuten, jede scheint sich zu einer Stunde auszudehnen. Cb die Nacht denn niemals enben wird? Es ist, als hingen Bleigewichte in den Zeigern der Uhr. Und wie viel Weh schließt jede Minu:e ein!
Ich liege mit wachen Augen, Stunde um Stunde.
Es ist nicht Schmerz, der den Schlaf von meinen Lidern scheucht, denn ich bin fast genesen und darf in wenigen Tagen dunes Haus, in uem ich so viel geinten, verlaßen, um zu meinem geliebten Berufe zurückzu- kchren.
Ich weiß selbst nicht, warum ich heute nicht schlafen kann, mein Geist ist unruhig und erregt, ohne daß ich mir über den Grund Rechenschaft zu geben vermag.
Angestrengt horche ich auf jedes Geräusch. Las die drückende, grabesuefe Stille unterbricht, vtur zuweilen von irgendwo ein unterdrückies Stöhnen, das leise Lessnen und Schürften von Türen, der fast unhörbare Schrill der wachehaltendcn baru.herzigen Schwester, weiche die Rurrde macht. In dem Zimmer unter mir der kurze, trockene Husten eines Lungenkranken. Denn und wann aus einem Zimmer die elektrische KlingsU G.cich darauk höre ich die Schwester mit leichtem Tritt zu dem Kranken eilen, der sie reimen hat.
Ich stehe raiet* auf und nehme ein Buch zur Hand. Aber tcrjibe.h; versuche ich. mich in seinen Inhalt ?u verliefen. Mein Geist schneist immer wieder ab, und bald lasse kh bas Buch sinken und starre in die Gjs« flamme.
Draußen der Ruf eines Nachtvogels, und ein Käuzchen, vom Lichte engezogen, flattert mit heiserem Gekrächze flügeischlagsnd gegen mein Fenster. Unwillkürlich fahre ich zusammen bei dem bangen Ruse des Tieres, das der Do.ksmund „Totenvogel" nennt. Ein unheimliches Gefühl beschleicht mich, und gleichzeii'g muß ich über meine Torheit lächeln. Wie nervös ich noch bin!
Ein Gespräch aus dem Nebenzimmer fesselt meine Aufmerksamkeit. Mein Nachbar fd’r ’t auch keinen Schlummer finden zu sönnen. Deutlich höre ich seinen durch den Teppich gedämpften Schritt. Manchmal dringt ein Seufzer, der einem unterdrückten Aufstöhnen gleicht, zu mir herüber.
Es ist ein junger, kranker Geistlicher, der dort in schlafloser Nacht ruhelos umhergeht. Er siecht an einem unheilbaren Leiden dahin, und td) weiß oon der pfte- ccndkn Schwester, daß die Kunst der Aerzte ihn nicht zu retten vermag. Nächste Woche soll in einer Operation das Aäußerste gewagt werden — aber ob er sie erlebt? Neuerdings hat sich ein schweres Herzleiden zu der Krankheit gefeilt. Sein Leben hängt an einem seidenen Faden. Jede Aufregung, eine unvorsichtige Bewegung, irgend ein unbedeutendes Nichts genügt, sein Herz für immer stilisieren zu lassen.
Es ist schwer, sich von einem unfaßbaren Feinde umlauert zu wissen, der aus dem Hinterhalte noch uns zielt uni in jeder Minute zum tödlichen Schlage aus» holen kann.
Der junge Pncster weiß, daß er sterben muß, und erscheint gefaßt und ergeben. Aber mit wie viel heißen. verborgenen Sümpfen mag diese Ergebung er» rangen fein? „
Erst vor einigen Tagen habe ich ihn kennen gelernt Ich »ah ihn auf den Balkon hinaustretcn. Mein Zimmer ist das letzte auf den» Korridor, und durch das zum Garten hmausxehende Fenster kann ich einen Teil bes anstoßenden Balkons überbauen. Ich iah ihn dort stehen, die Arme auf das Gc.ändcr gestützt. Eine vornehme, schlanke Gestalt, ein schmales, blaßes Dul- dergesicht mit fieberhaft glänzenden Augen und einem ausgeprägten Lciöenszug um den Mund . Er schaute mit gefalteten Händen sehnsüchtig über den Gurten und au« das Häusermcer der Stadt. Über deren Türme und Kuppeln die Morgensonne einen verklärenden Schimmer goß
'Von einer Kirche her begann Glockengeläute. Bei diesem Klan-e zuckte der Pricstcr zusammen, heftiger Schiner,z malte sich in seinen Zügen. Dann barg er Cas Gesicht in beide Hände und verharrte unbeweglich.
Durch die Glastüre, die den Balkon vom Korridor trennt, trat jetzt die alte Schwester Ecu.soiola. „'Bute, Herr Kaplan", sagte sie in gedämpftem 4.on, „kommen Sie doch herein; die kalte Morgenluft hier fchadet Ihnen".
Er schien sie n-cht zu hören und regte sich nicht.
Sie berührte leise seinen Argi: da wanvte er chr sein Gesicht zu — nie habe ich ein Gesicht so von tiefster Scel-vgual durchwi hlt gesehen!
Erschrocken a'd) die Schwester zurück." „Um Got* deswillen, Hochwürden, was ist Jhâ?"