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^«uch kulturellem Gebiet. Gerade das letztere wird dr?. 'Ruhm der Nationalrersammlung und unserer Arbeit in ihr begründen. Unsere Fraktion darf sich sagen, daß sie für !den Wiederaufbau Deutschlands Hervorragendes geleistet hat. Als besonderes Verdienst muß in den Vordergrund gerückt werden: Wir haben die Kirche und die Schute herübergereikel durch die Stürme der Resolution. Die tun;« Kye Geschichte ich bin mir darüber nicht zweifelhaft vnd ich habe auch den Mut, es auszusprechen und es Möge auch über diese Mauern hinausdringen wird das «roße Verdienst der Arbeit der Fraktion gleichwertig an Sie Seite stellen demjenigen, das sich unsere Partei beim Durchkämpsen des Kulturkampfes erzwungen hat. Was was wir auf dem k'irchen- und fchulpolilijchen Gebiete ge^ leistet haben, ist eine große Tat? Es ist merkwurdiZ, daß «ußerhalb unserer Fraktion unsere Arbeit mehr anerkannt wird, als cs innerhalb unserer eigenen Reihen geschieht. Gerade in den letzten Wochen mehren sich bei mir, wie -ne in meinem langen parlamentarischen Leben, die An­erkennungen von Mitgliedern anderer Parteien für die ^luge Politik des Zentrums, gerade in den letzten Wochen, vnd zwar von Rechts und Links. Man sagt mir: Der ulte glückliche Genius hat Euere Partei nicht verlassen. Von dem Verständnis für unsere Politik sind leider ge­rade diejenigen Kreise am wenigsten durchdrungen, von denen man es am ersten erwarten sollte. Zum gesunden eirm unserer Wählerschaft habe ich das Vertrauen, daß sie sich noch zum Verständnis durchringen werden. Wir werden wie ein Mann für das einstehen, was wir «n- liädjtig zusammen getan haben.

bnr ÄuMMMg der Wahllisten im Reiche.

Wenn das deutsche Volk nicht lernt .. .

In einem Aufsatz von Theodor Vogelstein (über litten Reichswirtschaftsrat) in der ZeitschriftDie Deutsche Nation" lesen wir:

Wenn das deutsche Volk nicht lernt, daß die Wah­len zum Parlament heute nicht für eine Schwatzbude, sondern für das über das Wohl des gesamten Volkes entscheiderrüe Kollegium gelten, wenn es nicht lernt, statt Vetter Hinz und Kunz, statt des Vorsitzenden des Merbandes der Laternenanzünder und des Vertreters Der Hiifstelegraphen-Unteraffiftenten falls diese nicht etwa nebenbei bedeutende Politiker sind Mäimrr in den Reichstag zu schicken, die befähigt sind, nach großen Gesichtspunkten die aQgemfhie und auch die wirtschaft­liche Politik zu begreifen und zu bestimmen, wenn es flücht einsieht, daß eigentlich nur solche Männer ins Par- (iament gehören, die fähig sind, auch als Minister ihren Wann zu stehen und nicht Puppen in der Hand ihrer Nachgeordneten Beamten zu fein, wenn das deutsche Volk, um es kurz auszudrücken, nicht im Laufe der Zeit po­litisch denken lernt, dann wird natürlich keine Starts - form uns wieder in die Höhe bringen können.

Die wichtigste MAerMg

Heim neuen Wahlverfahren zum ersten Rsich^ag t« deutsches Republik besteht darin, daß auf

60 000 SlimsseH

â Abgeordneter kommt. Es erwächst daraus dir Rot- Denbigfeit, diejenigen Teile der Wählerschaft, die aus Hußeren Gründen oder aus Herkommen zur Lässigkeit neigen, besonders mobil zu machen. Das ist um so mehr zu empfehlen, als gerade in diesen Kreisen ein «rwünschtes Gegengewicht gegen die sozialistische Ueber» «nacht zu finden ist.

Ueberhaupl hat die starre Ziffer von 60 000 ihre Hute Seite in dem Antrieb zur regen Wahtdeleiligüug. Auch dem schwerfälligen Wähler muß es klar werden, daß es überhaupt keinbombensicheres" Mandat mehr gibt, da es überall auf die absolute Stimmenanzat)! an kommt und also nie und nirgends eine Stimme unter den Tisch fallen darf. Wer von seinem Wahlrecht kei­nen Gebrauch macht, ladet die Verantwortlichkeit auf sich für den Schaden, der daraus nicht allein für seine Partei, sondern mittelbar für die gesamte politische Ent­wicklung entstehen kann. Die radikalen Heißsporne und Abenteurer sind schon aufs eifrigste an der Arbeit; wenn die bedächtigen Volkskreise, vor allem die christlich Gesinnten, ihnen nicht unterliegen sollen, so müssen sie alle Kraft einsetzen, um die Saumseligen auszurütteln Und die Schwankenden zu halten. Die Agitation kann wirksam sein, ohne in Lärm oder unwürdige Kniffe zu verfallen. Möglichst viel anregende Versammlungen, auch im kleineren Stil, kurze und kräftige Flugblätter Enb Zeitungsartikel, besondere Fürsorge für die Mobil- wachung von freiwilligen Helfern und Helferinnen, die sich große und entfcheidende Verdienste erwerben kön­nen durch die sog. Kleinarbeit, die persönliche Einwir­kung in ihrem engeren Kreise das muß jetzt unsâ Aus­gabe fein.

Dar LoteWHMM wirb wieder einmal dem ZWâ«« KSkäulei; feinen ^Zerfall" Endigt neuerlich ein ArLTZi des KNnsr Ds-

noffen Meerfeld an, der durch die sozialifti chen Blätter geht. Es heißt da:Das Zentrum hat ich überlebt, es ist altersschwach geworden. Das Schicksal einer ehemals stolzen und in sich gefestigten Partei vollendet sich. Zerfressen von den wirren Gegensätzen der Zeit, wird das Wort an ihm zur Wahrheit, daß heute die Gemeinsamkeit der Weltanschauungen von den wirt­schaftlichen Interessengegensätzen besiegt werde. Und das bedeutet für das Zentrum den sicheren Tod. Daß diese Zersetzungserscheinungen von uns Sozialdemokra­ten sehr beachtet zu werden verdienen, braucht kaum noch betont zu werden."

Wie oft wurde schon solchermaßen das Zentrum totgesagt! Es waren stets falsche Propheten. Auch Meerfeld tritt zu dieser Schar. Der Wunsch ist wohl auch der Vater seiner Weisheit. Leute, die das Zentrum näher kennen und ihm naherstehen, urteilen anärs und richtiger. So sagt z. V. der christlich-konservative Po­litiker Adcsm Röder in seinem neuesten Buch über den deutschen Konservatismus und die Revolution, alle Spe­kulationen auf eine Zentrumszerbröckelung feien nichtig. Darum laßt alle Hoffnung fahren, das Zentrum hat sich nicht überlebt und ist keineswegs altersschwach, es lebt und wird den Wahlkampf für die christliche Demo­kratie rücksichtslos gegen links und rechts aufnehmen und auch die wirtschaftlichen Gegensätze meistern. Der So- zialismus" und sein Vater Liberalismus aber werden hoffentlich bald merken, daß auch mit demalters­schwachen" Zentrum nicht zu fpaffen ist nur dann freilich, wenn jeder Zeutrumsmonn seins Schuldigkeit tut und jeder, den felsenfesten Vorsatz faßt, daß man niemals dem Zentrum auf den Leichenstein schreiben darf:Von seinen Feinden nie besiegt, aber von seinen Freunden verlassen."

Ueber poo Mark im Iatzrs braucht nach dem jetzigen Brotpreis in Berlin bei 5 Pfund Brot in der Woche was zur vollen Ernährung eigenilich notwendig wäre,- eine vierköpfige Familie für Brot allein. Da zeigt sich, wie recht der neue Er- nährungsmimster Dr. Hermes in seiner Programmrede hatte, daß viel wichtiger wie die Verteilung ter Vor­räte die Erzeugung von Nahrungsmitteln sei. Er will deshalb, selbst mi großen Kosten, alles tun, um diese zu heben; künstlichen Dünger herzustellen unb Kraft- futtermittel zum Aufb cm des Viehstapels eiirzuführen. Wie bringens) notwendig die Durchführung dieses Pro­gramms ist, geht aus ten Darlegungen äs Ministers hervor, daß unsere Getreideernte nur noch zwei Drittel der Friedensernte beträgt, die Karosfelernte auf weni­ger als die Hälfte gesunken ist, die Zuckerrübenkultur kaum die Versorgung des Inlands deckt, während früher Deutschland das erste Ausfuhrland in Zucker war, der Rindviehbestand sich um 12 Prozent, ter Schweine­bestand um 50 Proz. vermindert hat, wobei das Durch- schnittsschlachtgewicht des Viehes infolge der mangel­haften Ernährung um durchschnittlich 4050 Prozent gesunken ist. Der durchschnittliche Milchertrag ist um fast 60 Prozent zurückgegangen. Der Ausfall an ani­malischen Dünger ist der Dermindernug der Tierhaltung entsprechend groß. Dir Darlegungen des neuen Ernäh- rungsministers machten großen Eindruck. Unmigesoch- ten konnte er deshalb auch die Behauptung aussprechen, daß eine erfolgreiche Erzeugungspolitik die beste Ver­braucherpolitik sei. Ohne sie müsse bei der Lage, in der unser Vaterland sich befinde, jede Derbraucherpolitik scheitern. Er schloß mit den Worten:Die städtische Bevölkerung muß die ungeheuren Schwierigkeiten, unter denen auch ter Landwirt heute seine harte Arbeit verrichtet, anerkennen und seine Leistungen mit Gerech­tigkeit beurteilen; der Landwirt muß bei allen seinen Forderungen der Not der Städte eingedenk sein und darf seine Hilfe zu ihrer Linderung nicht versagen. Ohne geregelte Lebensmittelversorgung ist das deutsche Volk verloren! Wer diese gefährdet, der gefährdet die Zu­kunft unseres Landes!

Stus der deuischnalionc-len Volkspartei nicht aus der deutschen Volkspartei, wie es in der vor. Nummer infolge eines Druckfehlers hieß, find mehrere Abgeordnete, o. Kardorf, Dewitz, Arendt, ausgetreten und haben in der deutschen Volkspartei (den ehemaligen Nationalliberalen) Anschluß gefunden. Auch aus der demokratischen Partei haben sich bei ihr einige Zuzügler eingefunden. Es gärt eben in allen Parteien.

Sein Vaterland muß großer fein, haben die Berliner gedacht. Nach heftigen Kämpfen im preußischen Abgeordnetenhaus hat eine Mehrheit in 3. Lesung das Gesetz angenommen, wonach es in Zukunft keine selbständigen Städte Charlottenburg, Sch^râxg, Wilmersdorf und wie die Vorstädte alle HMen, glbh sondern nur VsrrvaikmgLbsziLkr und

Stadtteile mit diesen Namen. Alle die Groß- und Kleinstädte um Berlin herum bilden nunmehr eine einzige Stabt und werden von einem einheitlichen Stadtparlament regiert. Mit fast 4 Millionen Ein­wohnern hat der Wasserkopf jetzt einschließlich der Ee« markung einen Durchmesser von 2025 Kilometer«

Dr. Bell,

der seitherige Reichsverkehrsminister, bekannt!. ein Zen­trumsmann, hat nach Erfüllung feiner Aufgabe Ueber­nahme der Eisenbahnen auf das Reich am 1. Mai feinen Platz dem neuen Rcichsverkehrsminifter, dem ge­wesenen Reichskanzler Bauer geräumt. Die Uebernahme eines anderen Reichsamtes (Reichsschotzministers) hat ex abgelehnt und ist damit aus der Reichsregierung aus* geschieden. Ansangs sollte der preußische Eisenbahnmini­ster und ehemalige Redakteuur cm derFrkf. Zrg.", dex Demokrat Dr. Oeser, Reichsverkehrsminister werden, das Eisenbahnerpsrsonai hat ihn aber abgelehnt. Im demokratischen Staat glauben die Singe stellt en und Be- bienfteien selbst mit entscheiden zu sollen, wer ihr Mini­ster fein soll. _________ ______________

lèrleg§herichte

aus dem nahen und fernen Osten liegen vor, bei denem man sich in die Zeiten des Krieges zurückversetzt glaubt, Im fernen Osten in Sibirien stehen sich die Japaner und die russischen Bolschewisten gegenüber und im Süden Rußlands operiert russischerseüs der General o. Wran­gel, ein Offizier der alten russischen Armee gegen die Bolschewisten, gegen die auch die Polen die Offensive er­griffen Habm in der Richtung nach Kiew, wobei sie an- geblich große Beute gemacht haben. Ob die Zeitungs­nachrichten richtig sind, fragt sich. Nach den vielen Schwindelnachrichten, die man im Krieg über sich hat ergehen lassen müssen, sind Zweifel sehr erklärlich. Da Rußland aus dem Tauwetter, das bei dem bekann­ten Zustand der russischen Wege militärische Operationen fast gänzlich unmöglich macht, jetzt heraus ist, kann die bessere Jahreszeit Kampfhandlungen größeren Stiles bringst. ____

Das Wahlergebnis in Dänemark bedeutet eine Niederlage der Radikalen und damit des Ministeriums Zahle, das 7 Jahre lang gestützt auf den sozialistisch radikalen Block, Dänemark regiert bat. Für die innere Politik DärKmarks und die Festigung der Monarchie mag der Ruck nach rechts erwünscht sein, vom deutschen Standpunkt aus ist er bedauerlich, weil Zahle während des Krieges eine wohlwollende Neutralität be­wahrt hat und auch nach dem Kriege in der nordschles- wigfchen Frage eine gemäßigte Politik getrieben hat unb von Vergewaltigungen der Deutschen mchrs wißen wollte. Der Wahlerfolg der Reckßen in Dänemark b*» weist, daß leiber immer noch Schlagworte und überps- triotische Hetze den besten Agitattonsstoff abgetan.

Palästina

soll nach den Beschlüssen der Konferenz in Sun Remo einer.alicncle Heimstätte der Juden" werden unter Berücksichtiguung der Rechte der arabischen Bevölkerung. Der Schutz der religiösen Gemeinschaften, der früher von Frankreich ausgeübt wurde, wird in Zukunft den zuständigen Konsulaten übertragen; die Bewachung der heiligen Stötten soll demnächst geregelt werden.

Vk feierliche Eröffnung,des neuen Studienjahres am hiesigen Priefterfeminar fand am vorigen Dienstag statt. Nach einem von Herrn Dozenten Dr. Slo^ ge­sungenen feierlichen Amt mit nachfolgendem Dem crea* tor und sakramentalem Segen auf dem Chor de» Lomes fand in ter Aula ein akademischer Aktus statt, bei dem Herr Regens Prof. Dr. Schreiber in üblicher Weise die programmatische Eröffnungsrede hielt. Er sprach über die erkenntnisiyeoretische Frage. Er führte aus, wie siegreich auch auf diesem schwierig­sten und umstrittensten Gebiete der ganzen Philosophie die aristotelisch-scholastische Philosophie gegenüber de» stärksten Anstürmen der anders gerichteten moderne» Philosophie die Grundlagen ihrer Erkenntnislehra behauptet, welche lebenskräftige Anpassungsfähigkeit an die berechtigten Forderungen des modernen Den­kens und Forschens sie hierbei zu gleicher Zeit aber auch an den Tag gelegt habe. Die Rede lchloß mit einer warmen Empfehlung des Studiums der aristo* telisch-scholastifchen Philosophie, die gerade am Ful­daer Priesterfeminar von jeher eine besonders ausge* dehnte und eifrige Pflege gefunden hat und deren zweWhriges Studium an den thesloßtschen Hochschulen