Rom, der Mittelpunkt der kckhol. Kir$e, war immer der ruhende Pol im Erbrause der höllischen Strömungen unter der unglücklichen Menschheit auch jetzt sindet das suchende Auge dort einen Sjalt und zugleich auch die Lichtstrahlen eines aussteigenden Morgenrotes. Während sich die Völker in nationalistischem Wahnsinn und unersättlicher Habgier zerfleischen, arbeitet der Hl. Vater ohne Unterlaß an der Völkerversöh- iiung und Heilung der schweren Wunden, welche all- Volker Europas, nicht zuletzt die Kirche selber durch diesen schrecklichen Krieg erlitten. Und aus der Tatsache, daß man trotz der Kampfeswut und Leidenschaft die Stimme dieses Völkerlehrers überhaupt noch härt, sie sogar so hochschätzt, leuchtet die höhere Kraft und das große Gewicht einer Macht, die man überhaupt nicht mehr beiseite schieben kann„ in hoffnungsfreudiger Klarheit in die verwirrte, unglückliche Welt. Darüber hat sich auch der Münchener Nuntius Paeelli nach seiner Rückkehr von Rom einem Zeitungsvertrrter gegenüber geäußert. Er sagte u. a., der Hl. Vater habe nach Kriegsschluß alles getan, um die Versöhnung der Völker zu fördern. Das Ansehen des Papstes sei sehr groß. Alle Nationen wünschten heute mit dem Vatikan in Beziehungen zu treten und schickten ihre Botschafter und Gesandten; in der Tat sei der Papst die erste moralische Macht der Welt. Der Hl. Vater benutze diese Macht zum Wohle der Menschheit. Frankreich habe schon einen Geschäftsträger in Rom, dem jedoch ein Botschafter folgen solle. Die Verhandlungen darüber nehmen einen günstigen Fortgang. Auch die neuen Staaten, wie die Tschecha-Slowakei, das Königreich Serbien, Kroaten unb Slowenen und andere hatten Vertreter am Vatikan ernannt. Das Deutsche Reich beabsichtige eine Reichs- botschaft neben der bayerischen Gesandtschaft zu errichten. Der Hl. Vater zeige sich über die Lage in Deutschland ganz oenau unterrichtet und habe wiederholt dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Verhandlungen, die Deutschland zurzeit mit dem Heiligen Stuhle führe, um ra einer Neuregelung des Verhältnisses zwischen Kiâe «nh Staat zu gelangen ,zu einem guten Ende führen möchten. (
Emen neuen Bischof
hat die Diözese Paderborn bekommen. 6asp«r Klein, Generoloikar des nach Köln als Erzbischof berufenen seit- Hermen Bischofs Schulte, ist der Erkorene. Geboren 1865 als Sohn eines Landwirts in dem Gebirgsdörfchen Elben, im sauerlondischen Kreise Olpe, wurde er 1890 3 um Briest er geweiht. Seine erste Anstellung erhielt er als Vikar an der St. Iasephskirche in Bochum. Von dort kam er 1901 als Rektor an die Kirche zu Röhlinohausen bei Eikel. Es gelang ihm in kurzer Zeit, an Stelle der Rotkirche ein würdioes Gotteshaus zu Ehren der hl. Barbara, der Patronin der Bergleute, 1912 zu errichten, des- Ien erster Pfarrer er sodann nach der Abtrennung der iber 4000 Seelen zählenden Gemeinde von Eickel wurde.
In den schwierigen Verhältnissen des Industriegebietes hatte er ein hervorragendes Talent auf dem Verwaltungs- wefen an den Tag gelegt, was den Bischof Karl Joseph Schritte veranlaßte, ihn ins Domkapitel zu berufen und zu seinem Generoloikar zu ernennen. Acht Jahre lang _ hat er somit in dieser Stelluna die Verhältniße der ganzen Diözese gründlich nach allen Seiten kennen gelernt und sich dabei ebenso die allgemeine Hochachtung wie die allvemeine Verehrung zu erwerben verstanden. Die Dolksahnrmg war auf der richtigen Spur, als sie sofort «ach der Wahl des Bischoks Dr. Schulte zum Erzbischof von Köln ihn als den Nachfolger bezeichnete. Er ist von mittlerer, mehr hagerer Statur und ein gewandter Redner mit außerordentlich klarer, weithin schallender SUmme.
In San Rems
ist es nun wieder klar gemacht worden, daß wir Deutsche ein völlig wehrloses Volk, ein willenloses Spielzeug der Willkür unserer Feinde geworden sind. Was wir noch find und haben, verdanken wir in der Hauptsache der „Gnade" unserer Feinde, und was wir in Zukunft sein werden, hängt von den Interessen Jener ab, die der unglückliche Ausgang des Krieges zu unbedingten Siegern und Herren über uns gemacht hat. Im „barbarischen" Altertum hat der Sieger das besiegte Volk als Sklaven weggeschleppt, heute, da die Entente-Länder selber der hungrigen Mäuler genug haben, gestattet die Zivilisation eine solche Verschleppung nicht. Man gestattet den Besiegten in der Heimat zu bleiben und hier in harter Arbeit für den siegreichen Herrn sich zu betätigen.
Arbellen oder verhungern! laufet die Parole.
Das ist unsere Lage, und über diese Lage müssen wir uns klar werden, wenn wir einigermaßen Verständnis haben wollen für das, was in San Remo unsere Feinde — sie sind es nämlich noch! — über unser weiteres Geschick zu beschließen für gut bezw. in ihrem Interesse gelegen befunden haben. Wie vorauszusehen war, haben die gegensätzlichen Interessen unserer Feinde sich wieder einmal gegen das deutsche Volk zusammengefunden und sich auf eine Richtlinie geeinigt,, die im Wesentlichen folgende Punkte festsetzt: 1. Die Verbündeten werden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln aus die Entwaffnung Deutschlands gemäß den Artikeln des Vertrages von Versailles dringen. 2. Das Gesuch Deutschlands auf Erhöhung des Heeresbestandes auf 200 000 Mann (statt 100 000) wird ebenso wie die Erhöhung der schweren Artillerie und des Flugparkes abgelehnt. 3. Deutschland erhält die Ermächtigung zur Verstärkung seiner Polizeitruppen, während die En- tente sich das Recht ständiger Kontrolle über deren Tätigkeit vorbehält. 4. Deutschland erhält einen Vorschuß in Geld und Rohstoffen zur Wiederherstellung seiner Industrie, zwecks Ablösung seiner pekuniären Ver- pslichwngen.
Des Weitern wird berichtet, daß sich die Alliierten auch über die Summe der von Deutschland zu zahlenden Kriegsentschädigung geeinigt hätten. Die Mindestsumme, die Deutschland zu zahlen hat, soll danach 90 Milliarden betragen, die in dreißig Jahresraten zu je 3 Milliarden zahlbar sein sollen. Natürlich bezieht sich die Summe auf Goldmark, was ungefähr das 10— 15- fache in PapiskFeld ausmacht. Nach dem derzeitigen Stand der Valuta müßten wir also jährlich nicht weniger als 30—45 Milliarden Papiermark Werte für unsere Feinde erarbeiten.
Deutschland darf also wenigstens leben, um zu arbeiten und die Hypothek, die Frankreich und Belgien auf es haben, in harter Fron abzuzahlen. Im Uebrigen aber zeigen die in San Remo vereinbarten „Rico.t- linien" noch recht wenig Verständnis für die Lage, in der sich das deutsche Volk befindet. Die „Richtlinien" sind ein Kompromiß zwischen dem Haß bezw. der Furcht Frankreichs vor einem deutschen Revanchekrieg und dem nackten Interessenstandpunkt Englands. Das zeigt schon der Passus hinsichtlich der
Entwaffnung Deutschlands.
Das deutsche Volk hat ganz andere Sorgen als an einen Revanchckrieg zu denken, es wäre auch gar nicht in der Lage, einen solchen zu führen. Wenn sich olle ordnungsliebenden und staatserhaltenden Elemente béi uns gegen eine völlige Entwaffnung des deutschen Volkes sträuben, so tun sie das mit Rücksicht auf unsere innere Lage, die uns zwingt, eine bewaffnete Macht in gewissem Umfang zur Aufrechterhaltung der Ordnung und öffentlichen Sichèrheit dieser unerläßlichen Voraussetzungen eines lebensfähigen Staatswesens und jeder geregelten Arbeit, stets zur Verfügung zu haben und nicht in dem schon bedenklich an den Grundpfeilern unseres Stoatsgefüges leckenden bolschewistischen Wellen unterzugehen. Frankreich sollte sich vielmehr vor einem Untergang Deutschlands im Bolschewismus fürchten. denn das wäre auch sein Untergang. Eine völlige Entwaffnung Deutschlands in ben von ihm gewünschten Rahmen bedeutet eher den glatten Sieg des Dolsche- .ctsmus. Daran scheint man in San Remo gar nicht gedacht zu haben. — Der Ton der Note ist immer noch recht unliebenswürdig, wir müssen uns das aber ruhig gefallen lassen, denn auf der Gegenseite befindet sich die ganze Macht und darum muß uns alles „recht" sein, was sie über und gegen uns zu beschließen für gut findet. Immerhin leuchten doch einige schwache Hoff- nungssterne aus der Note hervor, wenn es darin heißt, 5aß „die Sllliierten d>e Schwierigkeiten nicht ableugnen, denen die deutsche Regierung gegenübersteht und .hr nicht eine allzu engherzige Auslegung des Friedensvertrages auszwingen wollen" — aber es kommt gleich dahinter doch wieder die Drohung, daß die Alliierten eine Fortsetzung der Uebertretungen nicht dulden können, daß dieser Vertrag ausgeführt werden muß und daß er eine Grundlage der Beziehungen Deutschlands zu den Alliierten bildet und daß die Alliierten entschlossen sind, alle Maßnahmen zu ergreifen und selbst, wenn es notwendig sei, auch zur Besetzung eines neuen Teiles deutschen Gebietes zu schreiten, um die Ausführung des Vertrages sicher zu stellen. Das klingt, wie gesagt nicht sehr entgegenkommend. Eher gilt das von der
Einladung an die „Chefs der deutschen Regierung" zu einem persönlichen Meinungsaustausch mit den „Chefs der alliierten Regierungen" in Spaa (Belgien). Die Entente hofft dadurch eher zu einer befriedigenden Regelung aller Fragen zu gelangen, sie ist geneigt, dann mit den deutschen Vertretern alle Fragen zu diskutieren, die sich auf die innere Ordnung und das wirtschaftliche Wohlergehen Deutschlands beziehen, aber — auch hier fehlt dieses „aber" nicht — Deutschland muß begreifen, daß die Einigkeit der Alliierten in Bezug auf die Ausführung des Friedensvertrages ebenso innig ist, wie sie es während bes Krieges war, und daß das einzige Mittel für Deutschland, seinen Platz in der Welt wieder einzunehmen,' in der legalen Ausführung der Verpfich- tungen, die es unterschrieben hat, besteht", d. h. cs solle alle Spekulation auf den Verfall der Entente auf* geben. — Trotzalledem besteht aber die Hoffnung, daß die Suppe durchaus nicht so heiß gegessen wird, als sie gekocht ist .zrrmal man weiß, daß London und vor allem auch Rom die Lage des deutschen Volkes klar zu erkennen und zu würdigen begonnen haben.
Es wird also, voraussichtlich in Spaa, zu mündlicher Aussprache zwischen den beiderseitigen Regierungschefs kommen. Hierin liegt französischerseits sicher ein großes Zugeständnis an den englisch-italienischen Standpunkt. Wenn auch anzunehmen ist, daß die Alliierten mit einem in seinen Umrissen bereits fertigen Programm noch Soaa kommen werden, so kann man doch, ohne deshalb optimistisch zu sein, erwarten, daß gleichwohl für die Ausführung, für die Praxis, die von Deutschland vorgebrachten Auffassungen mit berücksichtigt werden. Jedenfalls ist es ,
ganz unmöglich, daß Deutschand 30 Milliarden jährlich zahlen kann, sie müßten an Steuern aus dem deutschen Volk herausgeholt werden. Das ist aber ganz ausgeschlossen, nachdem in Deutschland die Steuerschraube so schon
bis zum Platze« angezogen ist und der Reichsfinanzminister nicht weiß, wie er den deutschen Reichshaushalt ins Gleichgewicht bringen soll. 12 Milliarden Mark Fehlbetrag zeigen allein die deutschen Eisenbahnen, 20 Milliarden Fehlbetrag der Staatshaushalt. Und dazu soll Deutschland weitere 30 Milliarden Mo* «swingen mit der Aussicht, bei Besserung seiner wirtschapuchen Lage noch^ mehr zahlen zu dürfen? An eine Besserung der Wirtschaftslage ist unter diesen Umständen gar nicht zu denken. Denn kein Deutscher wird sich sonderlich onstren- gen, um Milliarde um Milliarde für Frankreich als Arbeitssklave zu erschuften, sondern sich lieber der Verzweiflung anheimoeben. Damit ist selbstverständlich Frankreich nicht gedient und es wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als Vernunft anzunehmen.
Ruf die Arbeit der Zentrumsfraktion
und der Nationalversammlung überhaupt warf bei einet Abschiedsfeier in Berlin der Vorsitzende der Fraktion, Abg. Trimborn, einen interessanten Rückblick. „Die Jia* llonalversammlung, so sagte er, hat vieles und Großes geleistet. Das ist bisher nicht so anerkannt worden, wie es verdient gewesen wäre. Das erklärt sich eines Teils aus der Agitation der der Soeütion abgeneigten Parteien. Andererseits sind wir aber selbst angesichts der ungeheuerlichen Ueberlostung nicht in der Lage, unsere eigene Arbeit in das gehörige Licht zu stellen. Mir ist aber um den Ruf der Nationalversammlung nicht bange. Vor der Geschichte, wenn erst einmal dir nötige historische Distanz gewonnen ist, wird die Nationalversammlung zweifellos ein gutes Urteil finden, ein besseres jedenfalls, wie die Nationalversammlung von 1848. Das ist wesentlich dem Umstand zu verdanken, daß, wir nicht so schnell ausein- anbergegangen sind, wie da S^ Parlament von 1848, sondern daß wir darauf bestauben haben, ein abgeschlossenes Werk zu schaffen. Vieles harren wir erlebt und noch lange werden wir vor allem an den idyllischen Erinnerungen von Weimar zehren. Aber während dieser Idolle und vor wie nachher sind furchtbare Stürme über uns hinweggebraust. Ich erinnere an die Stunde, ^a an die furchtbaren Minuten bei dem Zustandekommen des Friedens, der damals an einem seidenen Faden hing. Nie- mals werden wir diese Vorgänge vergessen. Das Schicksal unseres Vaterlandes, ja Europas, ja der ganzen Welt hing damals vorr der Entscheidung einiger weniger Personen ab. Ich erinnere auch an die kritischen Momente bei der Verfassuvgsberalnng und an den Ansturm zweier Revolutionen. Wir haben aber tapfer durchgehalten und wacker gearbeitet in großzügiger Weise auf politischem, sozialem, finanziellem, wirtschaftlichem und micht zuletzt