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Dar CvangeUum des Gebetes
läßt uns die Kirche heute verkündigen, wir hören das trostvolle Wort: «Alles, um was ihr den Naler bitten werdet, das wird er euch gebend Willst du Beispiele und Beweise dafür? Denke an Petrus? Herob-s Agrippa hatte ihn in Jerusalem ins Gefängnis geworfen. Gleich nach Ostern sollte er hingerichtet werden, ebenso wie kurz vor Ostern Jakobus der Aeltere war hingcrichtet worden. Aber im Hause des Markus und in anderen Häusern liegen die Gläubigen auf den Knien und beten ohne Unterlaß zu Gott: „O Herr, nun ist Jakobus tot, und auch Petrus soll sterben. Errette unseren Bruder Petrus aus der Hand des Herodes!" Schon ist die Nacht vor dem Hinrichtungstage. Noch immer und immer inniger beten die Christen: „Errette unseren Bruder Petrus, o Herr!" Der Apostel liegt unterdessen gefesselt und von einer vierfachen Wache von je vier Soldaten bewacht im Kerker und schläft. Da tritt ein Engel zu ihm und spricht: „Steh eilends auf und komm mit!" Die Ketten fallen ab, als seien sie nicht stärker wie die Ketten, die die Kinder jetzt im Frühling aus Blumen flechten; das eiserne Tor springt auf, lautlos und leicht wie der Flügel einer Windmühle. Unbemerkt gehen sie an den vier Posten vorbei Petrus ist gerettet. Er geht zum Hause bes Markus und pocht. Niemand hort. Er lauscht. Er hört beten, inbrünstig, flehend: „O Herr, errette unsern Bruder Petrus!" Das Herz schnürt sich ihm zusammen und hüpft doch wieder vor Freude. Er pocht lauter. Da hört es die Magd Nhods. Sie fragt: „Wer ist draußen?" — „Ich bin«, euer Bruder Petrus." Rhode kennt die Stimme beim ersten Klang; sie vergißt die Tür aufzurisgeln und stürzt ins Zimmer, die Freudenbotschaft zu melden. Man glaubt ihr nicht. «Petrus hielt an mit Klopfen," heißt es so einfach in der Apostelgeschichte, „da machen sie auf, sahen ihn und erstaunten."
Oder denke an Stephanus! Sterbend sinkt er zusammen unter den Steinwürfen seiner erbitterten Feinde. Daneben sitzt ein Jüngling, der den Haß aller andern in seinem Herzen vereinigt: Saulus. Aber durch das Gebet für feine Feinde macht der sterbende Stephanus aus dem Saulus einen Paulus. St. Augustinus sagt: „Noch tobte Saulus, und schon war das Gebet des Stephanus für ihn bei Gott erhört!"
Oder denke an Augustinus, den ich soeben genannt habe! Er lag als Jüngling in den Satansbanden wie kaum ein Zweiter: in den Banden des Unglaubens, in den Ketten schlechter Kameradschaft, in den Fesseln fündiger Gewohnheiten. Aber feine Mutter Monika betete für ihn — sechzehn lange Jahre. Und ihr Gebet macht aus dem verlorenen Schäslein den großen Völkerhirten, aus dem verlorenen Sohn den großen Heiligen.
Seht da die Macht des Gebetes! Es ist stärker als alle Ketten, mit denen die Menschen deinen Leib oder der Satan deine Seele fesseln kann. Es hat Gewalt über das Herz Gottes.
Aber scheint dem nicht die Erfahrung zu widersprechen? Beten wir nicht manchmal um etwas mit aller Inbrunst und erlangen es doch nicht? Widerlegt nicht die Erfahrung des Heilandes feierliches Wort: „Alles, um was ihr den Vater bitten werdet, das wird er euch geben?" Die Antwort auf diese Frage, die Erklärung des Rätsels findet ihr in dem Worts „Vater". Ein schlichtes Gleichnis macht es dir vielleicht klar. Ein Vater geht mit seinem Kind nach Hause durch einen dichten Wald. Das Kind spricht: „Vater, gib mir deine Hand; ich fürchte mich." Der Vater wird es tun, weil er sein Kind liebt. Das Kind spricht: „Vater, hier ist ein breiter Graben; trage mich hinüber, daß ich nicht falle!" Der Vater wird es tun, weil »r sein Kind liebt. Das Kind sieht die leuchtenden Himbeeren am Boden und es spricht: „Vater, mich hungert, gib mir von den Beeren dort!" Der Vater wird es tun, weil er sein Kind liebt. Da streckt das Kind aus einmal verlangend die Hände nach den Tollkirschen am Wege aus und ruft: „Vater, wie süß müssen die schönen Beeren dort fein, gib mir davon!" Der Vater wird es nicht tun — eben weil er sein Kind liebt. Und wenn das Kind ungebärdig wird und auf seinem Verlangen besteht, weil es nicht weiß oder nicht wissen will, daß ihm die Beeren gefährlich sind, so wird der Vater es züchtigen, eben deshalb, weil er sein Kind liebt und es vor Schaden bewahren will.
Solche Kinder auf der Wanderung von der Fremde in die Heimat an der Hand unseres himmlischen Vaters sind wir alle. Solange wir diesen unsern Vater um Dinge bitten, die uns nützlich sind, wird er sie uns geben; wenn wir aber die Hände ausstrecken nach den Tollkirschen am Weg, dann wird er sagen: „Nein, mein Kind." Und wenn wir ungebärdig werden, wird er Ms strafen, weil er uns liebt. „Er ist Vater, der ’^n» liebt, wann er nimmt und wann er gibt."
I himmelrsehnsucht.
Zum Feste Christi Himmelfahrt.
Bei den Clavenvölkern herrscht die Anschaung, daß die Seele beim Tode eines Menschen als kleines Vögelchen aus dem Munde des Sterbenden fliegt, hinauf in die Milchstraße, die deshalb auch „Straße der Bögel" (die Straße der Seelen) genannt wird. Bei einzelnen Völkern wird beim Tode eines Menschen das Fenster des Sterbezimmers geöffnet, wohl damit die Seele hinausfliegen kann in die „Straße der Vögel". Paul Keller erzählt diese Sitte beispielsweise von den Wenden in seinem Buche „Die alte Krone".
Ist das nicht eine sinnige, poetische Anschauung? Sie ist falsch. Wohl. Aber sie birgt doch einen wahren Kern und sie beweist, wie in bem Herzen der Menschen, auch der kulturell niedrig Stehenden, das Sehnen nach der ewigen, himmüschen Heimat wohnt, wie unzerstörbar der Glaube an den Himmel in der menschlichen Statur wurzelt. „Es ist ja wahr," sagt Dr. Klug, „in jeder Menjchenbrust singt ein kleiner goldener Vogel, der gerne heimwärts flöge, ein Lied voll Heimweh und voll Sehnsucht." — „In der Ewigkeit liegt die Heimat der Seele! Keine Ueberzeugung lebt so fest und tief und glühend in der gesamten Menschheit, als die von der Fortdauer der Seele nach der Tode." Und diese Ueberzeugung ist unauslöschlich, unzerstörbar.
Ich weiß es wohl: Es gibt Leute genug, die davon nichts wissen, daran nicht glauben wollen. Manchmal möchte es scheinen, als ob es gar die Mehrzahl der Menschen wäre. Aber bas beweist nichts dagegen. „Den Himmel überlasten wir den Engeln und den Spatzen." Dieses Wmt, dar ein ungläubiger Dichter geprägt und ein ungläubiger Politiker wiederholt hat, klingt gar selbstsicher, aber gerade der Lärm und der nervöse Eifer, mit dem diese und ähnliche Redensarten verfochten werden, zeigt, daß es etwas Unnatürliches ist.
Und dann ist die Zahl dieser Ungläubigen auch gar nicht so groß, als vielleicht mancher glauben mag Groß ist nur der Lärm, den sie machen, und deshalb scheinen es so viele. Aber nehmen wir einmal einen Augenblick an, es seien wirklich viele, sehr viele sogar, die Mehrzahl meinetwegen. Ziehe einmal davon ab alle die Verführten, die nicht selbst denken und urteilen, und denen die Worte ihrer ungläubigen Führer über die Stimme ihres Herzens und ihres Gewissens gehen, dann wird die Zahl sehr zusammenschrumpfen. Und dann ziehe noch diejenigen ab, die deshalb so laut über ihren Unglauben reden, weil sie Grund dazu haben, die Stimme ihres Gewissens zu übertönen, und dann wirst du leichte Arbeit haben, die noch Uebrlggebiiebenen zu zählen.
Doch wir wollen keinen Stein auf sie werfen, nicht auf diese, und auch nicht auf jene; am wenigsten an dem Tage, wo uns alles hin aufweist nach unserer Him- melkheimat, von der wir ausgegangen sind, und der wir zustreben. Wenn wir im Geiste mit dem Heiland durch die Fluren von Jerusalem wandeln, vorbei an Bäumen, zwischen deren Laub duftendes Obst hervorschaut, durch die Gefilde, auf denen die Feldfrüchte der Ernte entgegenreifen, und wenn wir ihn auf dem Oel- berg entschweben sehen, da er uns vorangeht, um uns in der Heimat einstweilen eine Wohnung zu bereiten und wenn wir einen Blick werfen dürfen in die Hünmels- Herrlichkeit, die kein Menschenherz begreifen kann, so lange es in irdischem Staube wandelt, da wollen wir unserer Himmelssehnsucht uns recht bewußt werden gleich Paulus, der in solcher Stimmung ausrief: „Ich verlange aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein." Und beten wollen wir für unsere verblendeten Milbrü- btr, damit sie noch den Weg in die ewige Heimat finden. Aber nicht bloß heute einmal sollten wir den Blick von der Erde weg hinauf zum Himmel erheben, sondern oft sollten wir das tun. Täglich wird uns ja zugerufen: „Surfum corda", empor die Herzen! Wir brauchen nicht zu fürchten, daß wir darüber ben Sinn für unsere Erdenaufgaben verlieren. Gerads der Bl-ck nach oben wird uns den richtigen Weg finden lassen. So macht es ja auch der Seefahrer bei nächtlicher Fahrt: immer und immer wieder schaut er nach oben und orientiert sich an den Sternen, um den richtigen Kurs zu finden. ____________
Was steht ihr da und schaut gen Himmel?
Ap. 1, 11.
Soeben hatten sich die Pforten des Himmels hinter dem Heiland geschlossen. Er hatte Besitz ergriffen von seinem ewigen Reiche. Doch noch konnten die Jünger nicht fassen,'was da geschehen, wie im Traume schauten sie dorthin, wo ihr Herr ihren Blicken entschwunden war. Engel mußten kommen, sie in die Wirklichkeit zurückzurufen mit der leisen Mahnung: t„Was steht ^r da und schaut gen Himmel?" , ..
Eigenartige Worte! ^ . Ist es denn ein Unrecht, wenn man Herz und Sinn dorthin wendet, wo Jesus weilt? Wenn unsere Augen sehnend Ausblick hatten nach den Bergen der Ewigkeit?
Nie und nimmermehr! Verfehlt aber ist es, wenn man über dem Himmel des Weges zum Himmel vergißt, wenn die Sehnsucht uns lahmt und nicht aneijert zur himmelstürmenden Tat.
«Aus zur Tat!" Das ist's, was die Engel den Jüngern jagen wollten. „Steigt hinab nach Jerusalem, bereitet euch vor zum Empfang des hl. Geistes, Werdet stark, daß ihr das Testament des 'Herrn erfüllen könnt: Prediget das Evangelium aller Krearur, Arbeitet für Jesus, das ist Ausblick zu ihm, das ist der wahre Hrmmelsslug im Erdenwallen!"
„Was steht ihr da unb schaut gen Himmel?" . . , O, daß doch alle Engel kamen alle Tage und uns diese Mahnung brächten. Beschämt müssen wir eingejteheu, daß sehr oft unser religiöses Leben nichts ist als Slau- nen, Träumen und Sehnen. Und doch ist wahre Religion nur ein Leben nach der Lehre unsers Herrn, „Wer meine Gebote hat und [ip hält, der ist's, der mich liebt", hat er gesprochen.
Was kann da Rettung bringen?
Nicht so sehr im Himmel laßt uns den Heiland sehen, als vielmehr in seinem Erdenwirken! Von seinem schweiß- und blutbedeckten Erdengang hat er gesagt „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr mir nachfolgst." Das ist die erste Aufgabe des Christen, daß er von Jesus lerne, die Erdenlage bis zum äußersten auszunützen für Golt und sein Reich, für seine und der Brüder Rettung. Selbstheiligung, Heiligung der gottentfrembeten Welt, das muß die Losung fein. Wohl dann uns: nun gewinnt der Blick wie von selber die Richtung nach oben. So verlangt es unsere Schwäche, deren mir dann erst inne werden, wenn wir zu handeln beginnen. Dazu zwingen uns die Leiden dès Kampfes, in denen wir Trost suchen und Ruhe an Jesu Herz, Nun hat unser Höhenblick nichts mehr vom Träumen, er ist Tat geworden: Beten pnb Sammeln neuer Kräfte,
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„Was stehet ihr da und schauet gen Himmel?" . . . Nicht das Aufwärtsblicken ist zu tadeln, nur das falsche Aufwärtsblicken in entnervendem Schwärmen! Nach wie vor besteht zurecht das „Surfum corda", Empor die Herzen! Aber der nur hält sein Herz himmelwärts gerichtet, der kämpft und streifet für Christus, der den Weg übernatürlicher Taten sich erwählt zum Lebenkpfade und so mit Sicherheit nach oben schreitet.
— èD° Die Nu^kp-
Maigedanken von Heinrich Hansjakob.
Wer aus uns weiß nicht, was es heißt, in allëtt Lagen des Lebens eine Mutter zu haben, ihr Leid und Freud, Gutes und Böses, Kämpfe und Siege, Gedanken, Worte und Taten, die das Herz bewegen, ihr mit- teilen und sie um ihren Rat, ihren Beistand und ihren Trost bitten zu können! Mit welch wehmütig-seliger Erinnerung denken wir an jene Zeit, da das Mutterherz noch für uns lebte und sorgte, dachte und — litt.
Allein unsere leibliche Mutter konnte kein anderes Leben mit uns teilen als dieses irdische voll des Zwiespaltes, der Schuld, der Leiden und des Todes. Dis Mütter der meisten von uns ruhen unter der Erde, und wir können höchstens an ihrem Grabe ihrer und unserer Leiden, ihrer und unserer Sterblichkeit gedenken und für die Mutter beten.
Es gibt aber Menschenkinder, die ihre Mutter nie gekannt haben: sie starb, ehe das Kind zum Bewußtsein kam, was es heißt, eine Mutter zu haben. Die liebste Unterhaltung ist dann solchen Kindern, wenn man ihnen von der Mutter erzählt.
Es finden sich ferner arme Kinder, welche von der Mutter verlassen und verstoßen wurden.
Im Winter 1893 war ein Hirtenknabe vom Schwarzwald bei mir; er suchte seine Mutter, deren Namen er - nie gehört. Er hatte nur erfahren, sie sei aus, einem ihm bezeichneten Dorfe bei Freiburg. Er ging in0 das Dorf, aber niemand konnte ihm da Auskunft geben,
Man schickte ihn zu mir nach St. Martin. Es gelang mir, durch den seltenen Vornamen des Knaben, seine Mutter zu finden. Glücklich sprach der verlassens Knabe: „So, jetzt hab' ich doch eine Mutter und weiß ihren Namen." -
Jedes Menschenkind will von seiner Mutter wissen, sucht Heil und Trost und Hilfe bei ihr. Aber die irdischen Mütter können nicht immer bet uns fein, sie müssen im Tode uns > verlassen, oder sie mijen nicht, was den Kindern frommt, ober können nicht helfen oder wollen nicht Helsen.