Ratgeber für Landwirt sch aft,
.--..'----.:- .;■■== Gartenbau und tzsuswesen. -^— --""-^i.: --
Nr. 8. ^o 30. Jahrgang. or o a Graftsbeigabe LUM Bomfatlusbofen» o o Zulda, den 2L. April J920,
„Mit der Landwirtschaft, nicht gegen sie"
so muß die Parole für alle andern Stände lauten
und
„für und mit den andern Gewerbeständen"
so müssen die Bauern sich zum Grundsatz nehmen!
Landwirte!
LaU euch ntdjt durch schlechtes Beispiel anderer Stande zur Selbstsucht verleiten.
Jetzt, nachdem die Frühjahrssaat im Wesentlichen beendigt ist, kann man gut die Getreidevorräte mustern und feststellen, ob nicht ein Ueberschutz an Brotgetreide oder Gerste bleibt, der zur Streckung unserer Brot- getreidevorräte abgelrefert werden könnte.
J;m eigenen bäuerlichen Interesse ist es gelegen, das letzte Körnchen vom Ueberschuh a^ugeben, aber nicht an Hamsterer oder Schieber, sondern an den Konimunalverband durch die Darlehnskasie
Wenn das Brot sehft, bricht die Ernährung zusammen. Seit 1915 mußte schon rationiert werden. Die Vorräte 1916 reichte« bis 16. 9.; im Jahre 1917 bis 15 8., im Jahre 1918 bis 15. 7„ in 1919 bis 1. 7. Die Decke wurde also jedes Jahr kürzer. Ein Glück 1var es, daß wir in den letzten 4 Jahren feine ver. regneten Ernten hatten. Für 1920 wird der Vorrat Ende Mai angebraucht, so daß Nahrung für ettva 75—80 Lage durch Zufuhr aus dem Ausland beschafft werden muß. Wie viel Milliarden das kostet, kann man jetzt gar nicht sagen. Es gibt ja Leuten die immer noch nicht recht an den Ernst der Ernährungslage denken, weil wir immer noch so mit knapper Not über die schaurige Lücke hinweggekommen sind Wenn aber noch größere Ernährungsschtvierigkeiten eintreten, dann bekommen wir Zustände wie irn Ruhrgebiet und in Sachsen, die Bauernhöfe werden geplündert und <ruS- geraubt.
Leide; das Ganze, so leidet jeder Einzelne darunter!
Diese Wahrheit wird leider immer wieder vergessen von vielen Landwirten, aber nicht weniger auch von anderen Berufsständen I
Landivirte, liefert deshalb ab, was ihr könnt Bei gutem Willen ist noch manches möglich I Es liegt in eigenein Interesse und im Interesse der Gesamtheit!
welchen 5chadea hat die Landwirtschaft durch den Krieg erlitten?
Hn den letzten Jahre vor tan Kriege hafte die deut, sche lcmdwirtschafftiche Erzeugung eine außerordentliche Höhe erreicht. Sie tourbe, was die Inanspruchnahme der Bodenfläche für die Nahrungsmittelerzeugung bft= trifft, nur von Belgien, und was die Höhe der Ernle- erträge auf die Flächeneinheit anbelangt, nur von Belgien und Holland übertroffen. Dem, man die in D^eutschland zu ernährende Bevölkerung auf etwa 68 Millionen annimmt, so wurden aus eigener Erzeugung etwa 56—68 Millionen ernährt Von den 190 Vöenschen, die in Deutschland auf das Quadratkilometer Landwirtschaftlich benutzter Fläche entfielen, lebten so* wft 150 aus eigener Erzeugung. Zur Ernährung eines Menschen genügt eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von durchschnittlich zwei Drittel Hektar.
Während die pflanzliche Stahrung der Menschen Hauptsächlich im Jniande gewonnen wurde, stammte ein erheblicher Teil der Nahrung tierischen Ursprungs aus dem Ansland. Zwar war die unmittelbare Ein. l"br von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs (Vieh rmd Fleisch mir gering Desto mehr aber waren wir von »er Einfuhr ausländischer Futtcrrnfttcl abhängig, darauf beruhte ein großer Teil unserer starken Schloei- uemast. Ferner entstammten 50 Prozent unseres Ver. braucht an Milch und Molkereierzeugnisten, 33 Prozent der Erzcngmfse der Geflügelhaltung dem Auslande.
. D'^se hohe Leistmnisfähigkeit der deutschen Land. Wirtschaft kam nicht etwa daher, daß der deutsche Boden und das Klima besonders günstige Vorbedingungen schufen, vielmehr wurde sie nur durch eine ausgedehme und zweckmäßige AnWendung von Kapital und Arbeit möglich. Wenn bei Eintritt von wirtschaftlichen Er. Wütterungen Arbeit und Kapital nicht mehr in dem bisherigen Maße aufgewaudt werden können, müssen auch die Ernten in ihrem Ertrage sinken. Das geschah bei uns durch den Stieg und die Revolution; der grie« brnsvertrag hat dann die Schädigungen drs Krieges noch weiter dauern machen.
Im Frühjahr 1919 hat das deutsche Reichsernâh. rungsministerium in einer Denkschrift die Schädigur». gen unserer Landwirtschaft im Kriege und in den folgenden fünf FriedenSjahreN auf 79,5 Milliarden Mark berechnet. Der Verlust am Viehbestand (Stückzahlver. Minderung und OualätätSrüökang) ist auf 8,3 Millav- den Mark berechnet. Dazu kommen die Kriegsverluste der Fleischerzengtmg mit einem Jahresverlust von 4,3 Milliarden Mark. Diese Verluste setzen sich fort, bis der Viehstand seine alte Höhe wieder erreicht haben wird. Die Schädigungen dieser Nachkriegszeit setzt die Denkschrift auf etwa 15,8 Milliarden Mark an Somit ergibt sich ein Gesarntverluft in der Fleischerzeuv gung von 82 Milliarden und in der von der Fittte- rungSnot besonders betroffenen Milcherzeugung von 174 Milliarden Mark.
Dem stellt sich die We rtverminderung des Bodens zur Seite, die aus der Verarmung der Böden an mino. ralischen Nährstoffen und an organischer Substanz sowie durch Verunkrautung entstanden ,ft. Das Ministep rium berechnet sie auf 14,9 Milliarden Mark. Die Schädigungen des Ernteausfalles während des Krieges sind beim Brotgetreide auf 4,4 Milliarden, bei den Kartoffeln auf 8,83 Milliarden Mark «ngegebev
Noch nie ist die Ackerkultur eines Staates von einer Katastrophe so betroffen worden wie sie sich in diesen Zahlen ausdrückt. Der dreißigjährige Krieg brachte zwar auch eine Verheerung der PrÄuktimi größte« Stils mit sich, aber die gesamte Bodenkultur befand sich Sam afS noch nicht entfernt auf der künstlich emporge- triebenen Höhe wie in den letzten Friedensjahren.
Dazu kommen noch die geforderten Gebietsabtretung gen; diese Landesteile (außer Elsaß-Lothringe« und dem Saargebiet) nährten nicht mir ihre 7K Millionen Einwohner, sondern außerdem noch 5,7 Millionen Menschen aus dem übrigen Reich. Ihr Brotgetreide. Überschuß konnte den Monatsbedarf des ganzen Rei. ches, ihr Fleisch. und Kartoffelüberschuß sogar mehr als ein Monatsbedarf decken.
Ferner sind in Rechnung zu stellen die Ablieferun. gen von Vieh und Betriebsmitteln an den Verband, die ungünstigen Bindungen unserer Zollverhältniste, nicht zu sprechen von der Minderung an Arbeitskräften auf dem Lande durch Tod und Krankheit und Ver. stümmelung im Kriege
Das gesamte teutsche Volk, auch das in den Städ. ten, hatt allen Grund, dem Wiederaufbau und der Pflege seiner auf das schwerste getroffenen Landwirt, schäft, als des Unterbaues seiner Wi ederau frich lung Verständnis und Sorge zu widmen. Zumal wir bei der Landwirtschaft, im Gegensatz zu ter in Rohstoffen und Warenabsatz vom Auslande stark abhängigen In. dustrie, unser eigner Herr geblieben find.
verschiedener.
Biehablieferung an Frankreich und Belgien. Nach einem Erlaß des Ministeriums für Landwirschaft vom 18. Februar 1920 hat der Roichswittschaftsminister im Hinblick auf die veränderte Marktlage als EinheitS. preise für die an Frankreich unb Belgien abzuliefern- den 114 jährigen Stuten 10 800 Mk, 2% jährigen Stuten 14 400 Mk., öfteren Stuten 16 800 Mk. und für Hengste 86 000 Mt. festgesetzt. Für alle anderen Tiergattungen einschließlich des Geflügels sind die im Dezember v. I. und Januar d. J. bekanntgegebenen Einheitspreise um 20 Prozent erhöht worden. Dieser Aufschlag soll gru-ndfätzlich zur Ermöglichung einer stärkeren Staffelung der Preise innerhalb der Viehgat- tmig unter besonderer Berückftchtiguint der schwierig aufzubringenden Lieralterslkaffe dienen. Die schon be. willigten Ausschläge für Mehrlieferungen bleiben be. stehen. Die fvmrzösischcn und belgischen Kommissionen legen besonderen Wert darauf, daß die drei Jahre alten und älteren Thaten entweder bereits früher gefohlt haben oder gedeckt find. Es werden daher zur Erleichterung der Abnahme für gedeckte Siuten höhere Preise als für inmebeäte bewilligt.
Dem Anbau von Flachs sollte der Landtvirt beute, da gerade für Luchwaren so «ußerordenfliche Preifl bezahlt werden müssen, wieder mehr Beachtung schenken. Teils aus Unkenntnis, teils aber auch, weil man eben keine neuen Sämereien mehr anpflanzen will, zögern immer noch viele Landwirte mit dem Anbau von Hanf und Flachs, ohne aber die Neniechiliiät zu bedenken. Hanf und Flachs find wohl noch nicht für freie Wirtschaft freigegeben, doch erhält man bei Ablieferung an die amlkichen Äufläufer oder direkt an die Landwirlschaftskamruer gute und billige Leimvand, die man sonst zum gleichen Preise nirgends erhält. Ein schöner Teil ist auch noch für den etgruen Haushalt
freigegeben. Die Erzeugnisse aus Hanf und Flachs werden dieses Jahr wohl noch nicht billiger werden. Wer sich daher vorsehen will, zögere nicht mit deren Anbau.
Kalkdüngung. Der Kalk ist ein unentbehrlicher Nährswff für sämtliche Pflanzen. Er unterstützt die Verwittcrungsvorgänge im Boden, er schließt die in den Mineralien enthaltenen Pflanzennährstoffe (Kali, Phosphorsäure ) auf, er fördert die Verwesung des Hu. mus und Stallmistes und entsäuert den Boden. Eine Kalkzufuhr ist aber nur dann nötig, oder besser: bars nur dann vorgenommen werden, weirn der Boden auch wirflich kalkarm ist. Aeußere Anzeichen für Kalkarmut sind folgende: Es quillt braunes, hiimushaltiges Was. ser aus dem Boden, bei längerer Berührung mit der Luft scheidet eS rötlichen ©iferuofer aus; gewöhnlich schillert dann das Wasser in Regenbogenfaichen DaS Auftreten von Raseneisenstein oder Eisenortstoin, die unter Umständen im Untergrund deS Ackers die sog. ^Bänke" bilden. Diese Bänke sind der Herd der Schachs, telhalmgewächse, während sie die Wurzeln der Kultur^ pflanzen nicht durchlafien. Das Auftreten von Sauerampfer, Ackerspörgel und Wucherblumen läßt in der Regel auf Kalkarrnut schiießen; dagegen deuten Huf. lattich, Sie wilde ^Brombeere, Hülsenfrüchte und Kloef. arten auf einen größeren Kalkreichtum hin. Im allgemeinen kann man sagen: Der Boden ist kalkat.ru wenn durch chemische Analyse mit kochender Saizsâur weniger als 0,05 Prozent Kalk festgestellt wird, was die VersuchSanswft der Landwirtschaftskammer besorgt; denn es ist nichts verderblicher, Irenn einem Acker Kalk zugeführt wird, während Stickstoff, Kali und Phosphor, säure fehlen. Ist Kalk im Ueberfli.ß vorhanden, so besteht die Gefahr, daß er das im Boden steckende Ka. pital der übrigen Nährstoffe schnell in Lösung bringt; er vermag damit den gesamten Nährstoffvorrat schnev. Ter zu erschöpfen, sodaß bei ungenügender Zufuhr bon Kali, Stickstoff und Phosphorsäure die Emten von Jahr zu Jahr schlechter werden. Wir wiederholen nochmals die wichtige Regel: Wer gut kalkt, muß auch mit fiafi, Stickstoff und Phosphorsäure düngen, und wer mit Kali. Stickstoff undPhoSphorsäure düngt, muß auch gut kalken.
Ein alter Unfug scheint auch dieses Frühjahr wieder einzureißen, es ist das Anzünden von dürrem ®raj an Rainen und Hecken. Manche Leute, meistens sind eS jünaere Burschen, finden eben in der freien Zeitz namentlich an Sonnta»nachmnttagen, kein größer»? Vergnügen als dieses «Feuerwachen". Sie überlegen nicht, daß dabei leicht größerer Schaden an ObstSäumsui und an jüngerem Waldbestand verursacht werde« kam»
Schlechtlegende Hühner. Die Ursache hierfür kann darin liegen, daß die Tiere zu fett sind. ^Sie werden wcchrscheinlich zu reichlich gefüttert. Man gebe den Tis- ren morgens und abends nicht mehr, als sie hinterein. ander fressen. Der Weichfutternapf soll nicht den gan. zen Tag gefüllt im Hühnerhof stehen. Dasselbe gilt von der Körnerfütterung abends. Man reiche den TiÄ. ren, wenn möglich, etwas ©rünfutter oder in Erman, gelung dessen, rohe Runkeln. Man tut leicht, besonders bei Hühnern mit beschränktem Auslauf, in bezug auf Futter des Guten zu viel, und die Folge ist Verfettung der inneren Teile unb Aufhören ver fiegetätigleit.
Harte Verstopfung beim Schwein kann gefährlich «erden, namentlich wenn sie lange anhält. Die Bauchseite reibe man mit warmem Wasser mittels einer Bürste nicht zu stark nach hinten zu und gebe dann ein Abführmittel, z. B. Rizinusöl, Bittersalz, ein Die Schmerzen hängen damit direkt oder indirekt in Verbindung, auch die Steif- best. Das Kauen ohne Futter im Maule zu haben, geschieht vor Schmerzen. Mit Maul- und Klauenseuche hat dieses nichts zu tun. Bei den hohen Viehprelssn sollt« man erst recht sofort gegen Krankheiten einschreiten, denn durch lange Verzögerung, insbesondere bei härterer Der- ftopfimg, sind schon manche Schweine eingegangen. Nach der Kotabsondenmg soll das Tier etwas hungern. Im übrigen sind dann zunächst leichte Futterstofse zu verabreichen. An Bewegung sollte es auch nicht fehlen.
Die Ohrenränbe beim Kaninchen ist eine sehr aty steckende Krankheit, die, wenn nichts dagegen getan wird, bald zur Mittelohrentzündung und ^um Einoehen des Tieres führen Mm streut in jedes Ohr eine Messerspitze voll Schwefelblüte (mtS der Dro. gerie), dadurch werden die Räudeuiilben gebetet und das Tier besorgt sich den t&faüenben Schorf selbst aus den Ohren. Der Stall muß mit Kalkmilch, der etwas Kreolin Ritgefcht ist, desinfiziert werden.
Maultier und Maulesel sind unter sich nicht fdr^ uslanzungsflihür Der Maulesel ist das ^robust der Paarung von Pferdehengst und Efi;lstute; das Maultier das Produtt der Paarung von Eselhengst und Pferde- flute.