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zukemmen suchen. Seine Fehler erkennen, heißt sie bes­sern: deswegen müssen wir schonungslos den Abgrund enthüllen, in den wir uns zu stürzen im Begriffe sind.

Was eigentlich am abscheulichsten in die Erscheinung tritt, ist die Tatsache: das bettelarme. Deutschland, bas von seinem Haus fast keinen Ziegelstein mehr besitzt, ist vor Genußsucht fast verrückt geworden. Bälle, Konzerte, bunte Abende, Künstlerbrettl, Opern und Operetten lo­sen einander ab und die Zahl der Tanzjtundengescll- 'chaften ist Legion, das ist überall so in Stadt undand, in den Großstädten natürlich am schlimmsten, wo wchn- sinnigste Verschwendung und bitterste Armut einander «grinsen. Der frühere Mittelstand ist verarmt und ge­wissenlose Schieber, die meist eine recht dunkle Vergmi- genheit hinter sich haben, sitzen am vollbesetzten Tisch des Lebens und spucken mit der Ungeniertheit ihrer Un­bildung den anderen die Grä'en ins Gesicht. Allzu rasch wechseln die Güter ihre Besitzer und der Maßstab für den Wert oder Unwert eines Dings ist uns völlig verloren gegangen. Der Anfang dieser Erschwang r^t schon bis auf den Krieg zurück. Da wurde den Leu­ten befohlen: zu requirieren und zu annektieren, auf deutsch^ zu rauben und zu stehlen. Gewiß geschah es :cht einem gewissen Rech'.stitel, den der Krieg an die nd aab, aber vielfach blieb es nicht bei dem, was wirk­lich nötig war, bald macksten gar mancher oben und unten t ) kein Gewissen mehr daraus, zuklauen", was er kger konnte. Dann kam die sinnlose Verschleuderung ^s Heeresguls, das uns Milliarden hätte cinbringen .men, aber vielfach spurlos verschwunden ist. Was lgesündigt worden ist, ist nicht zu verantworten. Wohl : Märien d« Soldatenräte, Plünderer und Räu- r werden standrechtlich erschossen" aber kem Mensch mmerte sich darum und gerade in jenen Tagen und l achen rwrbe geplündert und geraubt was Zeug hielt, :..ch als die Negierung nach dem Rechten sehen wollte, ar es meistens zu spät. Allmählich drang die L-chl-

i ins Volk, und herrte ist sie eines der schlimmsten ^.ter Vor allem Lebensmittel sind schwer gefährdet. - -oh- begreiflich, sie sind so selten und so teuer und leicht kommt mancher auf den Gedanken:Und folgst du nicht willig, so brauch ich Gewalt."

Es ist ja nicht zu leugnen, daß die ungeheure Ver­teuerung aller zum Leben nötigen Dinge, der schamlose Wucher, der mit allem, was irgendwie Geld cinbringt, f Jrieben wird, es vielen Menschen fast unmöglich macht, sich auf rechtmäßig« Weise das Allernötigste zu verschaf- fen. Deswegen ist der Geizteufei, der leider so viele Gemüter erfaßt hat, der allerschlimmste. Er ist schuld, wenn Tausende ton Kindern und Erwachsenen an Un­terernährung hinsiechen, weim viele dem Laster des Raubs und Diebstahls sich ergeben, und wenn endlich das Schieber- und Großhamstnmnwesen immer schreck­licher überhand nimmt. Wer heute das fünf- bis zehn­fache seiner früheren Einnahmen erzielt, der sei zu- stieben; er kann es vor Gott und seinem Gewissen nie­mals verantworten, wenn er noch mehr erzielen möchte. Freilich ist es heute unendlich schwer, einen gerechten Ausgleich zwischen den einzelnen Ständen zu schaffen, da Lohnforderungen, Teuerungen, Aufschläge und Va- lutaelend Tag für Tag Verschiebungen eintreten lassen una immer neue gesetzliche Bestimmungen notwendig machen. Wir leiden an der Ueberfülle unserer Gesetze, und besser wird es erst, wenn hier endlich der Abbau einsetzt.

Wir können heute auch dem Stack gegenüber die Richtigkeit des Satzes:Der Gerechte fällt des Tages siebenmal", wohl begreifen; und doch ist die Fülle der Ungerechtigkeit, der Lasterhaftigkeit und Entartung so groß, daß wir uns oft erstaunt fragen: Wie konnte das teutsche Volk so tief finfeh? Eine Hauptschuld trägt der Krieg, der zu lange dauerte, Väter und Lehrer vielfach der Kindererziehung entzog, wirtschaftliche» und sittliches Elend erzeugte und die Gegensätze ins Ungemessene steigerte. Die Jug«rdlichen, die im Kriege höhere Löhne als sonst Erwachsene bezogen, und schwelgten und praßten, während andere in den Gräben lagen, bilden heute den Kern des Spartakistenheeres. Auch die Ver­hetzung des Volkes durch die Unabhängigen und Kom­munisten, wie dieAufNärung" der Sozialdemokraten haben reichlich dazu beigetragen, die Menschen unzu- ^ieden, genußsüchtig, maßlos und übermütig zu machen. Das ist nicht sozial und nicht demokrallsch, noch viel weniger christlich. Wenn wir die scharfen Geoensätze zwischen arm und reich, hoch und nieder, Arbeiter und Besitzer, zwischen Protzentum und Bildung, Aristokratie und Demokratie, Gewaltherrschaft und Volksherrf Haft von einstens verwerfen und froh sind, daß heute der Wille des Volkes den Ausschlag gibt, dann müssen wir aber auch unserer hohen Ausgaben würdig fein: Richt Einwohnerwehr, nicht Reichswehr können für Zucht und Ordnung sorgen, und die schärfsten Gesetze sind wir- hmgsloe, wenn der Wille des Volkes verdorben ist. Hier aber wird auf allen Seiten gleich gesündigt, die

Herren von rechts sind mindestens so große Sünder wie die von links. Man achte die Vorschriften der Ne­gierung und schimpfe nicht immer und täglich über alles. Mr müssen heraus aus dem Sumpf, das sieht jeder ein Wenn jeder den Willen hat, sich zu bessern, dann wird auch das Ganze gesunden. Für des Volkes Wohl möge die neue Jugendfürsorge, die Einheitsschule, Volks- hochschulkurse gewiß von Bedeutung werden. Aber eine innere Besserung werden alle diese Versuche nicht hcrbnführen. Was nützt der Moraluntercicht in her weltlichen Schule für die Siitenerneuerung, wenn das Kreuz aus der Schule heraus muß und die Ewig­keitswerte und ihr Einfluß verschwinden sollen. Die ganze Wirkung des Moralunterrichts wird durch das 11. Gebot: du sollst dich nicht erwischen lassen, wieder aufgehoben, denn der Schein ist gewahrt. Der Got­tesfürchtige aber wird im Denken und Tun stets den Weg der Pflicht wandeln, denn er weiß sich dem ver- anttDorMid), der Herz und Nieren erforscht und der auch das Verborgene sieht. So ist und bleibt es wahr! Eine sittliche Erneuerung des deutschen Volkes ist nur mög­lich, wenn sie Hand in Hand geht mit einer gründlichen religiösen Erneuerung. Darüber das nächste Mal.

x^ DiöfLse Fulda. ^^

In Fuida wird der Hochwürdigste Herr Bischr am 4. éonmag nach Ostern (2. Mai) das Heck. Sakrament der Firmung senden. Noch nicht ge­filmte ältere Gläubige mögen sich sofort bei dem zu­ständigen Pfarramt melden.

Der Hochwürdigste Herr Bischof hat zu Beginn dreier Woche eine Firmungsrefte in das Dekanat N uhof ameireten.

Die hiesigen höheren Schulen haben zu Ostern wie­der Zutvachs erhalten. Slunb 80 Schüler wurden am Gymnasium, das im ganzen augenblicklich 400 Schüler zählt, ausgenommen In der Ober re al schule beläuft sich die Zahl der neuaufgenommenen Schüler auf 88 un> die Gesamtzahl der Schüler, eingerechnet die Vor. schul«, auf 414. In die Schulen der engl. Fräulein wurden 100 Kinder, darunter 42 Se^ilnerrunge, ausge­nommen.

Ter kalh. JängliagSuerein der Stadtpfarrei veo- cmsnrltete nach einer gut besuchten Scneral^.ommuuiou am Siorgen am vorigen Sonntag abend eine gemütliche BereinSveramktlUN'g. Ter Abrnd war als E i n f ü h- rusgSfeier der diesjährigen schulentlassen,,e Jun. gen in den JünglingS-Verein gedacht. Tem en.spre. chend ließ auch der Herr Präses am Schluß seiner An. spräche überVereinsziel, und VereinSarbeit" die nun. mehr in den Verein übertretenden Jungens ein offenes feierliches Bekenntnis ablegen, immer tapfer und treu zur Fahne des ^ünglingk.VereinS zu halrcn Jm übri- gen bot die Veranstaltung reichst« Abwechslung. Nechi erfreulich waren die Leistungen der neu erstandene« Blaskapelle unter her Leitung deS Herrn Sladtbecrmren Ebert sowie der jugendlichen Strecchkavelle unter der Führung des Herrn OberrealschülerS Schneider. Die theatralischen Darbietungen unter der Leitung des Herrn Bürobeamten Justus Pfeifer wiesen gutes Talent und großen Eifer auf. Man gewann' aus der ganzen Feier den Eindruck, daß Mich mit der Jugend von heute noch etwas anzufangen ist und daß der J,ünglingS- Verein wirklich eine Stätte zur Pflege praktischer Fröm­migkeit, edler Gennmcng, schöner Kunst, gesunden Sports und nicht zuletzt von Frohsinn und Scherz bedru. kt. Möge darum die Mahnung des Herrn DiL:esan- präscs, Domkapitular Dr. Leimbach, in den Herzen der Jugendlichen und Eltern reichen Widerhall finden, nämlich dem Jünglingsverein Unterstützung und Ver­trauen entgegenzubringen.

Der Verein kalh. Lehrer in der Diözese Juiba hielt am Dienstag in OrrHarmonie" eine Versammlung ab zu der aus Älen Teilen des Regierungsbezirks Kassel Ver reter der Bezirkevereine erschienen waren. Auch eine große Zahl sonstiger Mitglieder und viele Jung­lehrer nahmen an der Versammlung teil. Die Ver­handlungen betrafen hauptsächlich Standes- und Organi- salicmsfragen. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Direk­tor Ritzel, bat von einer Wiâermahl als Vorsitzender abzusehen, weil es ihm unmöglich sei, dieses Amt wegen Häufung feiner Dienstgeschäfte in gewünschter Weise wahrzunehmen. Unter lebhafter Zustimmung widmete der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Lehrer R i tz- Petersl>erg, dem zurücktretenden Leiter herzliche Dan­kesworte. Er wies auf die Eigenschaften hin, die Herrn Direktor Ritzel als Führer der Lchrerschast besonders befähigten und hob dessen bleibende Verdienste um sie hervor. Kein. Opfer sei ihm zu groß, kein Weg zu weit, keine Arbeit zu viel gewesen, wenn es galt, die Interes­sen der Schule und der Lehrer wahrzunehmen. Mit meisterhaftem Geschick habe er es verstanden di? Ver- einsversammlungen, die als Glanz- und Höhepunkte unseres Vereinslebens in der Geschichte des Vereins aus­gezeichnet sind, zu leiten. Als Redakteur derKathol.

Schuizesiung für Mitteldeutschland" sei er mit bestens Erfolg bestrebt gewesen, Schule, Lehrerstand und Der» ein in der Entwicklung zu fördern, furchtlos sei er für bedrohte Reck te der Amtsbrüder eingetreten, obgleich et sich dadurch wiederholt in scharfen Gegensatz zu seiner rorgesetzten Behörde gebracht habe. Wegen der uner« schrockenen Verteidigung der Standes- und Schulinteres- fen habe er sich auch stets der Liebe mid des unemge- schränkten Vertrauens aller Lehrer erfreuen dürfen. Nur mit schmerzlichem Bedauern sehr man darum den verehrten Vorsitzenden aus seinem Amte, das er 24 Jahre erfolgreich bekleidet habe, scheiden. In Würdi­gung seiner Derdievste wurde Herr Direktor Ritzel zum zweiten Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt. Als Vorsitzender des Vereins wurde Herr Lehrer L o s- k a n t-Fulda gewählt Das goldene Jubiläum des Ver­eins, der 1872 gegründet wurde, soll in zwei Jahren in Fulda gefeiert werden.

Sie Reusrgantistisn der Zrr'.trumrj^rtei muß jetzt überall in die Wege geleitet werden, damit möglichst bald jeder ZentrumSmann in Dorf und Slâ>t an seinem Posten in Reih und Glied steht. Dann kann die Partei dem devoi stehenden Wahl­kampfe im Vertrauen auf die Disziplin der Wähler ruhig entgegenjehen. Dce DiSzipsiu ergibt sich von elbfi, wenn die Wähler sehen, oaß ja sie allein cs sind, die durch die Von ihnen selbst bestellten Delegierte n die Kandidaten aufstellen. Nicht irgend' e N in ben Wolken schwebendes Komitee be« orgt die Nennung der Kandidaten, sondern die All­gemei,ihrrr der Wähler, die habet durch die Dele­gierten repiäsentiert werden. Delegierte können aber regel'echt nur von den Ortsgruppen bestellt wer­den, die auf Grund der neuen Satzung gebildet sind. Die Gemeinden, die sich al o nicht um ihr Milbe- stiinmungsrechtbei der Kandidat'»rnfstellnng bringen wollen, müssen sorgen, daß bald eine Ortsgruppe zustande Iommi, von dec Die Delegierten nach Fulda rntianbt werden können. Auf je 100 abgegebene Zenlrum-stimmen entfällt ein Delegierter. ES eilt! Sie Wabl wll bereits am 6. Iurn jein!

Die Wahlkrriseinlesiung für die Reichstagswahl bleibt nach den Beschlüssen des Ausschusses wahrschr'mlich im allgemeinen bestehen wie sie bei der Wahl zur Na­tionalversammlung war, nur zwei übergroße Wahlkreise werden verkleinert, darunter auch der bisherige Wahl­kreis Hefsen-Naffau, indem Kassel-Wclldeck von Frank­furt-Nassau getrennt wird: bside sollen mit Hessen- Darmstadt einen Verbarrdswahlkreis bilden, in bem die Reststimmen gesammelt werden können. Die endglUig« Bestimmung erfolgt erst im Laufe der Woche durch die Nationalversammlung selbst.

Vom Land. Der Deutsche Landbunh ist angeblich politisch neutral. Das hält ihn ftdoch nicht ab, Tag für Tag in seinen Versammlungen und Zeilschriflei gegen alle politischen Parteien zu hetzen, die nicht zue Rechtsgruppe der Deutschnationalen und Deutschen Volkspartei gehören. Bekanntlich hat auch keiner ilmi- ger das Gelingen des Kapp-Putsches erfleht als bei Landbund. Daß Kapp und Lüttwitz von der Bildfläche wieder verschwinden mußten, tat ihm bitterlich weh. Unter wütendem Geschimpfe gegen die Koalltionsregie- rung sucht das Nachrichtenblatt des Deutschen Land­bundes (Nr. 7) die Wahnsinnstat der Kapp und Genosten zu rechtfertigen, und nur so nebenbei rast es sich zu denk Geständnis auf, daß die Tatheute" nachdem f« leider mißlungen als ein Akt der Gewalt erscheine, den es verwerfen müsse. Ganz nach dem Rezept bet Deutschnationalen ,die auch erst nach dem Sturze Kappe zu der Erkenntnis kamen, daß seine revolutionäre Tat zu verurteilen fei! Nach wei'erem Geschimpfe auf Ne­gierung und Nationalversammlung wird der angebliche! politischen Neutralität des Landbundes zum Schluff« des Artikes die Krone aufgesetzt, indem dieAufstellung eigener Listen der Vereinigten Landwirte" bei den lcnv wenden Wahlen gefordert wird. Mit anderen Worten heißt das also: Gründung einer politischen Partei der Landwirte unter Ausschluß der übrigen Parteien. Da­mit ist der Landbund glücklich aus den Weg gelangt, den er aus Agitationsgründen seither zu vermeiden sich den Anschein gegeben Hat'e. Unsere ländlichen Zen- trumswähler wissen jedenfalls jetzt klar, was sie von demverkappten" Landbund zu halten haben und wer­den ihre Stellungnahme darnach eim'ichten.

Horos. Auch hier wurüe in einer Versamm­lung bei Gastwirt Mart n eine ZentrumS- OrtSgrupPe für Horas und Riesig auf Grün) der neuen Satz mg der Zentrumsp uctei ge- bilDet. Der Vorsitz wurde Herrn Redakteur Schütte übertragen. In die Von freiwilligen Helfern und Helferinnen in der Gememde herumgereichten Listen batten sich rund 200 Mitglieder eingeschrieben. Da­mit ist die Werbetätigkeit aber nicht abgeschlossen. Rege Aufklärungsarbeit wird auch die noch auS-