Beilage
Aus dem Bauern-ABC des Grafen Franz von Poeci.
„Die Ehen werden im Himmel geschlossen" — das ist ein altes Sprüchlein unb hat folgende Bewandtnis: Als einst Jesus mit dein guten Petrus wandern ging — sagt eine Legende — wußten sie nicht mehr wo aus des Wegs. Da trafen sie einen Hirten auf dem Felde und frugen. Der war aber so fauler Natur, daß er das Maul nicht auftat, sondern auf dem Boden unter einem Baume liegend nur einen Fuß aufhob, um nach der Richtung des Pfades zu deuten. Nicht weit davon stand ein Mägdlein bei ihren Schafen; das sprang so- gleich herbei und ging mit den Wanderern, bis sie nicht mehr irren tonnten. Da segnete Jesus die Magd und verkündigte ihr, daß sie den faulen Hirten heiraten solle. Petrus macht gewaltig Aufhebens und sagt: das sei ein sauberes Mück, wenn sie den faulen Schlingel als Mann kriege. Jesus aber erwidert: „Sie wird ihn selig machen, auf daß er durch seine Trägheit nicht zugrunde gehe; denn ich bin der „barmherzige Gott, der Ehen stiftet nach den Werken der Menschen". Also mags auch sein, daß einem jeden seine Ehe zum Guten ist .mag ihm bisweilen die Sache auch nicht so bedünken, und wenn einer gescheit ist, wählt er zuvor gut, daß Herz und Vernunft die Brautwerber sind. Schießt er demungeachtet daneben und föllts nicht so aus wie er gemeint hatte, mag er bedenken, durch die Ehe gehis in den Himmel und kann vielleicht ein Teil Fegfeuer auf der Welt schon abgemacht werden. Dies gilt den Mannern wie den Weibern. Macht ihr aber Hochzeit, so falls auch fröhlich dabei hergehen. In der Kirche bei der Trauung bittet unfern lieben Herrgott recht cindächttg und inftänbig um Glück und Segen, daheim beim fröhlichen Dlahl denkt an die Frerckigkeit, daß ihr euch zusammengefunden habt. . Seid lustig in Ehren unb weil es denn üblich, daß der Hochzeitlader zur rechten Zeit seine „Abdankung" macht, so vernehmt hiermit sein Sprüchlein:
„Wenn ich, der Hochzettlader, spreche meinen Spruch, So klappert nicht mit Teller oder Krug;
Merkt auf! Zu danken ist nun meine Pflicht, Und höret, was euch meine Weisheit spricht. Vor allein danket Gott, der hat beschlossen, Daß dieses Paar verband sich unverdrossen;
Laßt flehen uns, daß allerwegen Geleit der El> bleib sein Segen. Heut hängt der liebe stimmet voller Geigen, Die Englern spielen selbst den Hochzeitsreisen, Und hör' ich solch ein freudig klingend Singen, Möcht auch mein Herz im Leib gar fröhlich springen! Sind etwas später wohl die Geigen auch Bestimmt, — 's bleibt oft nicht aus — so nehmt's hatt wie
[man’s nimmt:
Nicht allweil kann die Sonne hell uns scheinen, Der Himmel selber muß bisweilen weinen;
Halt'! nur zusammen fest in Freud und Leid, So bleibt auch stets die Hochzeitfreudigkeitl Bor anb’rem wünsch ich euch, daß in der Wiegen, Das nächste Jahr ein holdes Kind mag liegen, ' Korn auf bem Feld,
Sm Deutel Geld,
Gesundes Vieh und Heu und Stroh, Wie's Futter in der Arche Noh' —■ Kurz, alles mög' euch blühen und gedeihen — Nehmt nur nicht, tut's nicht not, zu leihen!
Seid fromm und arbeitsam, kein Streit entzweie: Der euren Friedensbund etwa entweihe;
Geduldig seid — der eine für den andern, So könnt ihr glücklich eure Wege wandern. — Nlm mach' Herrn Pfarrer ich mein Kompliment Zu danken für sein geistlich Regiment, Daß er euch gab der Lkirche heil'gen Segen, An dem vor allem andern ist gelegen.
Des Brautpaars Eltern moU’u wir uns verneigen Und ihnen unsre Huldigung erzeigen!
Wer feine Eltern eirrt, dem wird es wohlergehen, Wohl euch, fann’s in dem Leben noch geschehen! Der ganzen Freundschaft bringen wir in Ehren Ein Vivat hoch, die heute mir uns zehren!
Kurz allen, die am Hochzeitstische sitzen!
Laßt nur die Taler vei dem Opfer blitzen! Den Bauern und Steril euren, wie sie heißen, xvolTn wir mit einem Glückwunsch uns beflißen:
Sonntag, den 18. April
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Dem Schenkein, Trinkaus, Flicker, Knicker, Dem Krummbein, Spitzmaus, Drücker, Zwicker, Dem Weber, Heber, Wagner, Schneider, Dem Schuster, Küster, Fragner, Reiter, Dem Zeisig, Fleißig, Gerstel, Speck, Dem Pankratz, Tollpatsch, Ferstel, Schneck, Dem Hupfüuf, Hartlauf, Weinhut, Kamm'rer, Dem Buckel, Muckel, Tugut, Jamm'rer — Und ihren Weibern wollen wir's jetzt bringen: Sie leben doch — laßt alle Gläser klingen! Auf! Musikanten, blast aus vollen Backen, Ihr andern laßt am Krug den Deckel knacken; Ein solcher Tag, wie heut, kommt nicht gleich wieder, Doch habet acht, daß keiner falle nieder, Hat etwa er des Guten viel getan! Ein Wörtlein nur hört noch aus meinem Munde: Bevor der Zeiger meist die letzte Stunde, Vergeßt den Hochzeitlader nickt — ich bitte — Der sich schon heiser schrie in eurer Mitte — Die Gurgel will geschmiert sein — ihr versteht mich — Die Mahnung ist wohl deutlich und verrät sicht Ich laß jetzt einen Teller zirkulieren, Mögt ihr mich nach Belieben honorieren; Doch wird der allerschönste Lohn mir sein, War't ihr zufrieden mit dem Verselein, Und daß ihr, tvenn man eine Hochzeit macht, Nach mir, als Hochzeitladcr wieder fragt.
Mein Sprüchlein ist zu Ende, Es hörten's alle Wände, Es horten's alle Gäste.
Die fitzen hier beim Feste. Es horten's Katz' und Maus — Und jetzo ist es aus!"
En Fuldaer 3ejuit in Dänemark.
Die , Germania" bracht» dieser Tage die Nachricht, daß das St. Andreas-Kolleg der deutschen Jesuiten zu Ordrup bei Kopenhagen (Dänemark) demnächst eingehen werde. Deutsche ausgewiesene Jesuiten hatten bekanntlich mit Hilfe der edlen Gemahlin des dänischen Kammechecrn Berling im Jahre 1873 den roten Back- steinbau des St. Andreas-Kollegs aufgeführt. Stets war diese von demschen Patres geleitete Schule eine Musterschule Dänemarks. Die ganze internationale Welt, vom Grönländer und Russen im Norden bis zum Italiener und Brasilianer im Süden gab sich hier Stell» dickem. Besonders groß aber war der Zuzug aus Deutschland, so daß die Zahi der deutschen Zöglinge vor dem Kriege 80 betrug. Dieser steht heute genau das Vierfach« — 320 — an dänischen Schülern gegenüber. Schon während des Krieges, nachdem die deutschen Schiller die Anttllt verlassen hatten, stellten sich im Anstaltsbetrieb große Schwierigkeiten ein. Auch der jährliche Staatszuschuß von 10 000 Kronen tonnte das Valutaelend nicht beheben und das Ende nicht mehr aushalten.
So sieht sich die Kollegsleltung gezwungen, die Pforten der Anstalt, dieser Schöpfung deutschen Fleißes und deutschen Geistes im Auslande, am Ende des Schuljahres — also Juli 1920 — zu schließen.
Unzertrennlich mit dem St. Andreas-Kolleg verknüpft ist der Name des Fuldaer Jesuitenpaters A m a n b Breitun p. der vor einiger Zeit (6. Jan.) sein 50jähriges Ordensjubiläum gefeiert hat. Aus diesem Anlaß brachte das „Nordisk Ugeblad", das Wochenblatt der dänischen Katholiken, aus der Feder des Redakteurs eines konvertierren protestantischen Pfarrers (Niels Hansen) einen längeren Artikel, worin er dem Jubilar Glück wünscht „zu den vielen Jahren, die er als Ordensmann treu Gott dem Herrn und feinen Nächsten gedient hat und ihm dankt für all den Nutzen und die geistliche Hilfe, die er so vielen Menschen zu bringen die Gnade erhalten hat." Ueber das Leben des Jubilars schreibt er:
Pater Breitung ist geboren zu Fulda (Deutschland) den 29. August 1850. Seine ersten Studien machte er im bifebofbefjen Seminar daselbst, trat aber fchon am 6. Janucr 1870 in die Gesellschaft Jesu ein, und zwar i i deren damaligen Noviziatshaus in Gorheim bei Sigmaringen. Die ersten Ordensgelübde legte er am 7. Januar 1872 in Münster i. W. âb,
setzte nun seine Studien Provinz Limburg fort,
mußte aber sehr bald das Schicksal so vieler anderer tel- fen; indem er unter dem deutschen „Kulturkampf des Landes verwiesen wurde. Er fehle nun seine Studien (Rhetorik) in der holländischen Provinz Limburg fort, und zwar vom Herbst 1872-74 in Wynandsrade, von 1874-77 in Blyenbeck (Philosophie). Nachdem er erst einige Zeit bei jüngeren Ordensbrüdern den Unterricht in den Naturwissenschaften gegeben, kam er im Herbst 1878 a n s S t. A n d r e a s k o l l e g, wo er außer diesen Fächern auch in den klassischen Sprachen Unterricht erteilte bis Herbst 1882. Jetzt ging er nach England, wo er in Ditton Hall (Lancashire) nach Vorschrift der Ordensregeln 5 Jahre Theologie studierte, worauf er ebenfalls in Ditton. Hall zum Prrester geweiht wurde (29. August 1886) Sein drittes Probejahr verbrachte er 1887—88 in Portico (Lancashire, England). Von 1880—90 war P. Breitung, Lehrer der Natur- geschichte am Kolleg Feldkirch (Vorarlberg, Oesterreich), wo er am 2. Februar 1889 seine letzten Ordensgelübde ablegte. Von dort kam er im Herb st 1890 wieder ans St. Andreaskolleg, wo er bisheutealsLehrerinden Natur fächern und den klassischen Sprachen tätig war.
Pater Breitung ist gewiß derjenige unter den Lehrern des Kollegs, der außerhalb desselben am meisten bekannt wurde. Der Grund hierfür liegt in der energischen Weise, mit der er, besonders im letzten Jahrzehnt des 19. und im ersten des 20. Jahrhunderts, gegen eine Reihe „populärer Wissenschaftler" hier zu Lande austrat, welche den flachsten, gedankenlosen Darwinismus in die breiten Massen des Volkes zu tragen suchten. Niemand war hier in Dänemark für diesen Kampf so gut gerüstet wie P Breitung, da er neben aus» zeichneten theologischen Kennmissen einen genauen Einblick in verschiedene Zweige der Naturwissenschaften, nicht am wenigsten der Embryologie, hatte. Er war tätig durch Vorträge und bei Versammlungen, z. B. in verschiedenen Studentenvereinen, wo er die christliche Schopfungslehre verteidigte, zugleich aber auch den naturwissenschaftlichen mobernen Auffassungen in all den Punkt' n recht gab, wo diese wirklich recht haben. Gerade hierdurch wurde P. Brcitungs Wirksamkeit so bedeutungsvoll, und viele sind ihm noch dankbar für die helfende Hand, die er ihnen reichte, zu einer Zeit, wo eine falsche Wissenschaftlichkeit ihre religiöse Lebensanschauung zu bedrohen schien. Der katholische Studentenverein A. C. („Academicum Catholicum") und die katholische Hochschule (Volkshochschule) haben ebenfalls Grund, P. Brettung zu danken für viele wertvolle Vorträge und Beiträge zu Diskussionen, die unserer katholischen Jugend zu einer guten Stütze dienten. Auch weit im Land herum hielt P. Br, ebenfalls Vorträge, sogar in Versammlungshäusern der „JnnerenMif- f l on" in Jütland (protestantisch), wo man gleichfalls für seine Hilfe gegenüber Angriffen der falschen Wissenschaft dankbar war.
Noch weiter als durch seine Vorträge dehnte jedoch P. Br. seine Wirksamkeit aus durch zahlreiche Artikel ähnlichen Inhaltes in dänischen und deutschen Blättern und Zeitschriften und durch die vier Schriften, die er — immer wieder nach einigen Jahren — über diese Fragen herausgegeben hat. Ihre Titel sind: 1) „Abetesrtens Bankerott" (Bankerott der Affentheorie) Host. 1899 (nur noch antiquarisch zu haben). 2. „Uba» klingslaren og Krister troev" (Die Entwicklungslehre und 'er christliche Glaube") in Kommission bei Milo Odense, 1905. 3) „Overraskeiser fra „Abtleoriens" og Wviklingslarens Oinrade" (Ueberraahungen aus dem Gebieie der „Affentheorie und der Entwicklungslehre) Schönbergs Verlaa, 1917. 4) „Meunesker og aper" „(Menschen und Affen, Erwiderung auf Professor Dr. K. E. Schreiners „Aper og M." (Affen und M-X St. Olavs ferlag, Kristiania 1918.
Im Anschluß an diesen Artikel kommen noch einer der Kongregamsten Pater Brettungs zu Wort, dann ein Protestant als Teilnehmer an Diskussionsabenden bei Akademikern und entfiel) noch einer seiner ältesten Schüler. Aus allen leuchtet hervor die Liebe und Verehrung, die man unserem Fuldaer Landsmann in allen Kreisen entgegenbringt. Möge es dem siebzigjährigen Ordens- mann, der sich noch größter körperlicher und geistiger Rüstigkeit erfreut, vergönnt sein, seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen auch seinem alten Vaterland noch