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nicht die Höhe des durch das Abkommen vom 8. August v. 3. bewilligten Kontingents erreiche. Wiewohl aber omit für die alliierten Regierungen gar kein Anlaß vor- ag, zu Sicherungsmaßnahmen zu schreiten, ist dennoch >ie Besetzung der genannten Städte durch französische Truppen erfolgt. Die offizielle Begründung dieser Maß­nahmen zeigt, daß man in Paris noch immer nicht sich von dem Gedanken einer Bedrohung durch Deutsch­land frei machen kann, u. selbst in einer so unaufschiebba- ren Maßregel, wie es der Einmarsch ins Ruhrgebiet ist, den Geist derpreuß. Militärpartei" am Werke sicht. General Degoutte, der Kommandant der Rheinarmee, behauptet nämlich. Die Berliner Regierung habeunter dem Drucke der Militärpartei eine plötzliche Offensive der Reichswehr gegen die Arbeiterschaft im Ruhrgebiet angeordnet." Das heißt denn doch die Tatsachen auf den Kopf stellen. Nur Bosheit oder grenzenlose Un­wissenheit kann so etwas behaupten und es ist unbegreif­lich, wie sich dieses Vorgehen gegen Deutschland mit der Furcht Frankreichs vor der bolschewistischen Ansteckung verträgt. Statt froh zu sein, daß Deutschland rasch und energisch mit dem wahrscheinlich von russischen Agenten organisierten Bolschewistenaufstand im deutschen Industriegebiet aufräumt, hält es seine schützende Hand vor die Anarchie, fällt es uns in den Arm und siefert damit Wasser auf die Mühle der Bolschewisten, die da­durch in ihrem Widerstand natürlich nur bestärkt wer­den. Um den Buchstaben des Vertrages zu schützen, schlägt das säbelrasselnde Frankreich den Geist des Ver­trages tot. Schutz Frankreichs und Aufbau seiner dar­mederliegenden Wirtschaft sind der Zweck des Versailler Friedensdiktates. Diesen Zweck vereitelt Frankreich, in­dem es Deutschland hindert, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Woher soll Deutschland die Kohle nehmen zu den Lieferungen an die Entente, wenn es im Ruhrgebiet durch Wiederherstellung der Ordnung nicht die Kohlen­förderung ermöglichen kann? Wie soll Deutschland die finanziellen Verpflichtungen je erfüllen können, wenn cs im wirtschaftlich wichtigsten Gebiet die Anarchie und den Terror herrschen laiscn muß? Frankreich selbst hat doch das größte Interesse an dem Wiedererstarken des deutschen Wirtschaftslebens und an Ruhe und Ordnung, den notwendigen Voraussetzungen dazu. Ohne Deutsch­land und ein starkes deutsches Wirtschaftsleben wird Frankreich nicht in die Höhe kommen können. Eine Störung des deutschen Wirtschaftslebens, wie sie durch den Einmarsch erfolgte, ist also vollendete ZorhaiL Aber die Unvernunft scheint ja jetzt wirklich Trumpf zu sein in der französischen Politik. Man ist in Frankreich mit Blindheit geschlagen, man vergißt dort offenbar, daß es militärische Ueberariffe gibt, die keinen Bestand haben können und sich selber rächen.

Dieses unvernünftige, tolle Verhalten wird Frank­reich mehr isolieren und in der moralischen Achtung der Welt sinken lassen, als es die deutschen Schuldbekennt­nisse und deutsche Aufklärung je vermocht hätten.

Erfreulicherweise findet das Vorgehen der Fran­zosen bei ihren seitherigen Verbündeten.

keine Billigung.

Wenn auch die bald nach der Besetzung Frankfurts verbreitete Nachricht, auf Wilsons Veranlassung seien die Franzosen wieder abgezogen, falsch war, so zeigt sich doch aus allem, was aus der Presse Amerikas, Englands und Italiens bekannt wird, daß man dort von dem eigenmächtigen Vorgehen Frankreichs nicht erbaut ist. Jedenfalls macht es immer größere Mühe, die politischeEinherlsfront" der Alliierten, von der während des Krieges so viel die Rede war, in allweg aufrechtzuerhalten. Besonders deutlich tritt der Ge­gensatz zwischen England und Frankreich hervor. In England ist man gesonnen, in Europa einer Politik der Vernunft zur Geltung zu verhelfen. Der Druck her Arbeiter und der Radikalliberalen, deren geistigen Einfluß in allen Kreisen des englischen Volkes im Zunehmen begriffen ist, und die Einsicht, daß die Politik der Gewalt ganz Europa dem sicheren Ruin zuführcn wird, haben vermocht, diese offensichtliche Schwenkung in der Londoner Politik herbeizuführen. Aber Paris will dem neuen Kurs nicht folgen. Die Entente war auf den Kampf eingestellt, nachdem sie den Kampf gewonnen, hat sie eigentlich nur noch den Sinn, die am Boden liegenden Gegner niederzu- halten. Da es aber jetzt darauf ankoinmt, den ehe­maligen Feind wieder aufzurichten, will sich das alte, wie gesagt nur auf den Kampf eingestellte Bündnis nicht mehr recht arbeitsfähig erweisen. Dagegen pral­len die selbstsüchtigen Wünsche des alten Kriegsbundes auf mancherlei Gebieten aufeinander, man braucht nur an die Adriafrage, an das türkische Problem und an die Machtverteilung im Orient zu denken. Auch in der Beurteilung her Frage des französischen Vormarsches macht sich der Gegensatz geltend. In der von der eng­

lischen Regierung Frankreich zugestellten Note wird klipp und klar gesagt, daß England jede Verantwor­tung für die überstürzte Besetzung rechtsrheinischen Gebietes durch die Franzosen ablehnt und daß kein einziger englischer Soldat an der Besetzung teilnehme. Amerika, Japan und Italien teilen die englische Auf­fassung. Nur Belgien hat sich auf Grund des erst vor wenigen Wochen geschlossenen belgisch-französischen Militärabkommens und weil es von Frankreich eine Gegenleistung in der luxemburgischen Frage verlangt, mit Frankreich solidarisch erklärt und nimmt mit einem Linienregiment an der Besetzung teil. Die der Regie­rung nahestehende englische Presse vertritt die Ansicht, daß sich jedes Bündnis rasch auslösen muß, wenn ir­gend ein Mitglied der Allianz in einer wichtigen Frage eigenmächtig und ohne Zustimmung der anderen Ver­bündeten handelt. England sei bereit gewesen, das Vorgehen Frankreichs zu billigen, wenn Deutschland wirklich die neutrale Zone zu einer festgesetzten Frist nicht geräumt gehabt hätte, die öffentliche Meinung in England fordere, daß Frankreich die besetzten Städte wieder räume, die zwischen Frankreich und Deutsch­land bestehenden Streitfragen sollten dem Völkerbund zur Entscheidung überlassen werden. Auf der anderen Seite darf man aber nicht übersetzen, daß es in Eng­land immer noch eine starke deutschfeindliche Richtung gibt, die in den Zeitungen des Lord Northcliffe und der überpatriotischen Richtung vom Schlage derMor- ning Post" ihr Echo findet und die der englischen Re­gierung ihre Stellungnahme sehr erschwert. Sie be­nutzt den Zwischenfall zu den schärfsten Angriffen auf Lloyd George, dem mangelnde Bundestreue gegenüber Frankreich vorgeworfen wird. Diese unversöhnlichen Feinde Deutschlands befürchten ein Auseinanderfallen des kampfbewährten Bündnisses u. sieht schon in dieser Eventualität einen großen, nicht wieder gutzumachen­den politischen Sieg Deutschlands. Auch die gerecht denkende Presse wird in ihren Darlegungen durch eine derartige Furcht beeinflußt. Den Solidaritätsgedanken möchte man auch jetzt nicht preisgeben, und man ver­langt von der engl. Diplomatie, daß sie die gegenwär­tigen Meinungsverschiedenheiten überwindet, ohne daß die Entente in die Brüche geht. Wir glauben, daß man auf der Volschasterkonferenz der Entente. die in San Remo demnächst stattfindet, schon einen Ausweg finden wird: unter Umständen macht man die Zustimmung Englands zum Einmarsch in Frankfurt zum Tausch­objekt für französische Zugeständnisse in Syrien-Meso­potamien. Jedenfalls wird man sich vor allzu großem

Optimismus

hüten müssen, sonst ist die Enttäuschung um so größer. Wir glauben sogar, daß man um Gründe nicht verlegen sein wird, auch nach dem Abzug her Reichswehr aus der neutralen Zone Frankfurt als Pfand für die Er­füllung anderer Paragraphen des berühmtenFrie­densvertrages" in der Hand zu behalten.

Die Nationalversammlung

ist am. Montag zusammengetreten. Die Erregung, die das ganze deutsche Volk durch das Vorgehen der Fran­zosen gegen Frankfurt und die übrigen ©iäbte des Maingaues befallen hat, war bei den Abgeordneten aller Parteien sichtbar zu erkennen. Auch dem her ersten Sitzung der Nationalversammlung beiwohnen­den französischen Sozialistenführer Renaudel wird sie nicht verborgen geblieben sein. Deutlich und scharf klang sie auch aus den Worten des Reichskanzlers heraus. Sein scharfer Protest, den er gegen die ver­tragswidrige Besetzung friedlicher deutscher Städte einlegte, wurde zu einem einmütigen Bekenntnis der gesamten Nationalversammlung ohne Unterschied der Parteien. Im weiteren Verlauf seiner Rede machte er für das neue Unglück, das über Deutschland herein­gebrochen ist, vor allem die Deutschnattonalen mit ihrer Verhetzungspolitik verantwortlich, ihre jetzigen Vertuschungsversuche könnten daran nichts ändern. Die heutigen Verhältnisse seien nichts als eine Erb­schaft aus den Kapptagen. Ohne den Kapp-Putsch hätten wir keinen Generalstreik und hätten wir keine Anarchie im Ruhrgebiet. Der größte Teil der Kanz­lerrede war der Erklärung und Verteidigung der Ruhrpolitik der Regierung gewidmet. Der Reichs­kanzler suchte die vorsichtige und langmütige Haltung zu rechtfertigen. Ob er damit überall Beifall findet, besonders bei der von dem roten Terror betroffenen Bevölkerung, ist zweifelhaft, wenn man auch an­erkennen muß, daß hier verschiedene Rücksichten sich dem schnellen und durchschlagenden Eingriff entgegen­stellten. Das eine ist her jetzt in Schwung gekom­mene Generalstreik, der sich leider auch gegen eine be­

sonnene Mehrheit der Arbeiterschaft durch den Ter« rorismus der radikalen Elemente erzwingen läßt und nicht nur mit Lähmung der Arbeit, sondern auch mit Sabotage, mit Zerstörung der Bergwerke, Fabri­ken usw. droht. Dazu kommt noch das außerordent­liche Hemmnis der Friedensfesseln von Versailles, auf die die Regierung Rücksicht nehmen mußte, un nicht durch voreiliges Vorgehen die Schuld für der angedrohten Einmarsch der Franzosen auf sich zu laden, der ja freilich doch erfolgt ist. In der innerer Politik bekannte sich der Reichskanzler zur reinen De< mokratie. Ansprüche der Gewerkschaften, die mit bei Verfassung nicht in Einklang zu bringen seien, würde die Koalitionsregierung entschieden ablehnen. Bis jetzt hätten aber die Gewerkschaften solche Forderunger nicht gestellt. Mit einem Bekenntnis zum Völkerbund mit der Abkehr von allen Kriegsanschauungen uni allen Kriegsmitteln schloß der Reichskanzler feine außerordentlich wirkungsvollen Darlegungen, derer Besprechung erst am folgenden Tage erfolgte, sodaß wir darüber erst in der nächsten Nummer berichten können.

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Der Vandètenherrjchaft

im Ruhrgebiet macht der Einmarsch der Reichswehr nun nach unb nach ein Ende; überall werden dir Truppen mit Begeisterung als Retter von unerträg: lichem Druck begrüßt. Wie schwer die Kämpfe mb den roten Banden waren, geht aus den Vccluster hervor, die die Reichswehr hatte. Nach Mitteilungen des Reichskanzlers sind bis zum 10. April 15 Öffn ziere und 142 Unteroffiziere und Mannschaften pC' fallen, 6 Offiziere und 43 Unteroffiziere und Mann schäften vermißt, 19 Offiziere und 329 Unteroffizier« und Mannschaften verwundet. Der Gesamtverluf beträgt rund 600 Köpfe. Das sind große Opfer, di« die Reichswehr für die Wiederherstellung verfasiungs mäßiger Zustände gebracht hat, dafür gebühr! ihr bei Dank des ganzen Landes. Einzelne Banden treibet sich natürlich immer noch im Land herum und brand schätzen die Bevölkerung, besonders die Landbewohner Auch mit der Waffenabgabe geht es vielfach noch seh« langsam. Darauf muß aber u. E. die Regierung mi aller Energie bringen, sonst haben wir bei der nach sten besten Gelegenheit wieder einen Putsch.

Ein ReiLstaaswahlgesetz

ist der Nationalversammlung noch zugegangen, mal hofft, es noch vor den Neuwahlen zu erledigen. Naä dem Entwurf sollen auf je 60 000 Wählenstimmen eil Abgeordneter kommen, und die Wahlkreise so eingeteil werden, daß immer 45 auf jeden fallen also we Niger als bei der letzten Wahl; um auch kleinere« Parteien die Möglichkeit 7u geben, einen Kandidatei durchzuoringen, sollen meliere Wahlkreise zu einen Derbandswahlkreis zusammengeschlossen werden. Ge dacht sind 122 Wahlkreise, welche in 21 Verbands Wahlkreise sich vereinigen können. Bei Zugrunde legung der vorigen Wahlzifsern bekommt,bas Zen trum (mit der Bayer. Volkspartei) 99 Sitze.

Auch vor den EinWohnerwehren, die doch nur zum Schutz vor Kommunisten, Sparta fisten und Räuberbanden gebildet sind, haben die Fran zosen anscheinend große Angst; wahrscheinlich sehen si darin die Reservcformationen für das neue Heer, da an Frankreich Rache nehmen könnte und deshalb habe sie jetzt ihre Auslösung verlangt. Die französischen Ge waltvolititer sind gewiß erst zufrieden, wenn jeder deut sche Bürger schlimmstenfalls mit einem Regenschirm be waffnet ist. Die deutsche Regierung hat unte diesem Druck die Auflösung verfügt und die Ab gäbe der Gewehre angcordnet; statt dessen soll ein Ort- schutz gebildet werden, der mit Revolvern und Gummi knüppe n ausgerüste wird. Ob es nötig war, so s ne der Entente den Willen zu tun, kann freilich bezweife werden; jedenfalls hätte es die Regierung unter Hir weis auf dm entschiedenen Widerspruch des Volkes er mit einem Protest versuchen können. In vielen Teilen de Reiches, des. in Süddeutschland, ist man nicht geneig die Ortswehren aufzugeben; sie sind eine private Sir richtung, kein Instrument zum Rochekrieg; als selbstär diges Zivilinstrument regeln sie selbst ihre Organisatio« Führung und Ergänzung. Sie sind auch in keinem eit zigen Falle ihrem Zwecke untreu geworden, welcher lat tet:Schutz gegen außerordentliche Gefahren, von bene die öffentliche Sicherheit und Ordnung, besonders duc Gewalttat gegen Leben und Eigentum bedroht wir und Unterstützung der Behörden und Organe der Regi