Einzelbild herunterladen
 

111 -

Wergekanken.

Wertn der Gedanke an ein jenseitiges Leben ein Wahn ist, wie konnte er denn je entstehen unb geglaubt werden? Wie kommt es, daß wir dann nicht wie das Wieh hier emf Erden verfänglich grasen, und daß sich unter ollem irdischen Treiben fort und fort ein Sehnen in dem Herzen des Menschen regt, wie das Sehnen nach einer geliebten Heimat? Wie mochte es dann ge­schehen, daß gerade die größten und tiefsten Geister die- |em Glauben zu allen Zeiten anhingen, daß gerade edle Naturen, reine Seelen, ihn mit Begeisterung be­kennen? Was bedeutet es denn, wenn ... wir am Abend unsere Augen zu den funkelnden Sternen am Himmel erheben, der so weit, so hoch über uns steht, daß auch unser Herz sich dehnt und sehnt . . .? Das ist das Zeugnis der Seeke, daß wir für ein anderes, besseres Vaterland bestimmt sind." Frhr. v. Letteler.

Nach der LrHdsMMUnrsR.

Die Seele der Kinder fordert Gott einst aus der Hand der Eltern, denen er sie anvertraut hat. Gerade «ach der ersten hl. Kommunion sollen die El-ern das wichtigste Geschäft der Erziehung ihrer Kinder sich beson­ders angelegen sein lassen. Hier einige Punkte, deren Beobachtung für die Erziehung von Bedeutung ist.

1. Seht darauf, daß die Kinder ihre täglichen Ge­bete gut verrichten und oft und gern die hl. Messe be­suchen. Denn die Kinder brauchen viel Gnade von oben, und diese erhalten wir am ersten im Gebere und in der hl. Messe.

2. Haltet die Kinder an zum häufigen Empfang der hl. Sakramente; denn die Beichte putzt immer wie­der die jugendlich« Seele blank, bringt gleichsam einen frischen, erquickenden Luftzug in die Seele. Die hl. Kommunion gibt der Seele ®otte*traft und Sötte»- gnabe, damit sie gewappnet sei für alle Borkommniste auf dem Lebenswege.

3. Haltet die Kinder mit doppelter Vorsicht von allem bösen Umgang fern; schlimme Neben und schlechte Gesellschaft sind in dieser Zeit so gefährlich, wie den zarten Knospen und Blüten der Nachtfrost schädlich P.

4. Gebt den Kindern selbst ein gutes Beispiel und um (Botte»tu ifl en kein Aergernis! ' Wo im eigenen Hause die Wände_ von Fluchen und Schimpfen wider­hallen, wo Unmäßigkeit und Vergnügungssucht eine Rolle spielen, da ist es für ein Kommunlonkind wahr­haftig nicht gut sein.

5. Betet viel für eure Kinder, daß Gott mit seiner Gnade sie beschütze und sie fromm und unschuldig er< holte. Das Gebet besorgter Eltern ist ein guter Schutz- togel der Kinder.

Der Erzieher im Sakrament

Man kann wohl behaupten, daß der junge Mensch die vielen und großen Gefahren seines Alters glücklich überwinden wird, wenn er sich gewöhnt, auch nach der Schulentlastung jeden Monat die heiligen Sakramente zu empfangen. Solange er dieses tut, hat er einen Er­zieher an dem Stellvertr^er Christi im Beichtstuhl und noch mehr an der Person Christi selbst im heiligen Abendmahl und zwar sind diese die kräftigsten Er­zieher das ganze Leben hindurch bis zum Tod. Die Hauptsache ist eben, daß der Mensch dieses süße Joch nicht abschüttelt und die he lsamen Bande nicht zerreißt, womit ihn Gott halten und führen will auf der so ge­fahrvollen Lkbenrbahn. Alban Stolz.

Weitzer Soastag.

Skizze aus dem Leben.

"Hör mir am, Weib, mit diesem PfaffeuK-ugl Erste Heilige Kommunion! Märchen, Aberglauben! ^ hab' sein Geld zu neuen Schuhen für solchen Hokuspokus; muß es in dic Kasse zahlen, damit cs uns endlich ge, lin^t die Manschen aus der Tyrannei der Reichen und der Herrsclxrft dieser Pfasfen zu befreien. S e mögen schimpfen über uns. Wir bleiben rot und hoffen sie und ihre Sklipion."

. i er schg öäl che Mann, der also spricht, stürmt in fewm Dachznnmer wütend auf und nieder unb läßt hu x ml feine Augen unter den finsteren Brauen rollen, rwahrend Mutter und Kind zitternd in einer Site stehen, erbebt der zornentbrannte Kahr drohend Bte Finger seiner rechten Hand und bleibt vor seinem Kind- stehen.

Frieda", brüllt er das arme Mädchen an, daß er xusammenschrckt,Du bleibst morgen baheim. Tu gehst mir rächt zur Kommunion I Verstanden!"

Vater!" fällt das Kind mit Tränen in den Augen ein

Nichts Vater; Du gehorchst und tust, was ich Dir f6^» nicht der Pfaff sonst . . "

Dröhnend fällt die geballte Faust auf den Tisch ni^oer und redet nur eine zu beredte Sprache. Dann urchtet sich der Sech lenzete bxü wyrr und hebt dre

Rechte wie zum Schwure in die Höhe, indesien die Augen aus ihren Höhlen treten und dem verzerrten Angesicht« einen noch häßlicheren Ausdruck geben. Die Lippen bewegen sich und höhnend schallt es durch d.« Kammer:

Hq, allmächtiger, nein, ohnmächtiger Gtott ter Pfaffen muß ich sagen! Ich fordere dich heraus: Denn bu Kraft und Macht hast, Nazarener, so binde mir die Hände, daß ich morgen mein Kind nicht von der Kom­munionbank zurückhalten kann!"

Vater", schreit die Mutter vor Entsetzen auf,halt ein mit Deinen fürchterlichen Lästerworten!"

Ein spöttisch wilde- Lachen, noch ein grober Fluch und der bedeaucrnswerte Vater ist zur Türe hinaus Sein Weg führt in das WirtshausZur roten Rose", wo er seine Gesinnungsgenossen finbet, die mit ihm bei Trimk und Spiel über Zukunftsstaat und Zutuns.r. rs igtion beraten, bis ihr letzter Heller des sauer ver­dienten WochenlohncS in den tiefen Taschen des Wirt«- verscbwunden ist.

O liebe Mutter, seufzte das arme Mädchen, durch des Vaters Wort tief ins Herz getroffen,Mut er, glaubst Du, daß ich morgen wirklich nicht zur ersten heiligen Kommunion gehen darf? Ach, wie freute ich mich lange schon auf diesen Tag und jetzt?"

Weinend fällt Frieda der Mutter, die auf einen alten Stichl hingesunken ist, um den Hals und fuiS Linderung imb Trost am Mutterherzen, das selbst vor Weh und Schmerz zerspringen möchte. Noch nie h«te Mutter Steifen ihren Mann in solcher Wut gesehen, noch nie audj nur einmal ihn so sprechen hören. C, wie cs in ihren Ohren unablässig klingt:Wenn du Kraft und Macht hast, No-cerener, so binde mir die Hände, daß ich morgen mein Kind nicht von der Kom- munionbanf. zurückhalten kann!"

Heiße ZÄhren fließen aus dem Mirtteraug« weder auf die Wengen ihre- Kindes, das schliuhzcnd an ihrem Herzen ruht und vereinen sich mit den Tränen ihr»? Lieblings »m Vorabend jenes Tages, wo flutet und selige Freude ihre Herzen schwellen sollte.

Und der bedauernswerte Vater?

Ein Silberstrshl des MondeS, der bereits «n Fiu- mantente steht, dringt in das Kämmerlein und läßt die Tränenperlen, die dem Mritter- und Kindesaua' entgiwlkn, so hell und lieblich funkeln, d% sollte dese- wunderbare Farbenspiel bedeuten:O, diese Tränen halien Soldes Wert, Ein Gott im Himmel steht f^ glLngcn und läßt sie siebe*- mäht vergebens fließen."

I

Die hellen Glocken bei Weißen Gönn tags klingen hin über Verg und Tal, über Stadt und Land unb ivecken allüberall in den Herzen frohe Festesst m,nm<. Ai«h an Frieder WeltenS Ohr klingt ihr Schall, doch mcht zur Freude.

9k>th immer ist der Vater, obgleich bie Uhr schon S Mr tolng, nicht vom Wirtshaus zurückgelominen. Mit Furcht unb Zittern, aber doch auch wieder mit Sehnsucht erwarten ihn bie Mutter und ihr K nd Denn hoffnungsreich wie Frieda ist, glaubt sie n ch immer vom Vater bie Erlaubnis zur heiligen Kom­munion sich zu erbitten, zumal sie d e halbe Nach^ mit ihrer Shrtter auf den Knien lag und Gott um Onate und Erbarmen anrief. Eben ist sie damit beschäftigt, ihre alten Schuhe zurechtzurichton, als sie plötzlich ^ie. polt-r und Stimmengewirr die Treppe heraustommen hört.

Es klopft. Frieda öffnet und schrickt heftig zurück. Zw»ei Männer treten, gefolgt von dem Ar^te, mit e'ner Babre in das Zinaner, auf welcher der Vater liegt.

Die Mutter ist bestürzt herbeigeeilt.

Raum steht die Bahre auf tem Boden, so tmrft sich bas Mädchen über den wie schlafend Daliegentzen und ffnf4 fammernd den Schmcrzensrrif hervor:Vater, lieber Vater, wer bat Dir etwas angetan! O, brr Ver­band an Deinen Händen!"

Der Kranke schlüat bie Augen auf sie sprühen nicht mehr Zorn und Haß wie gestern abenb sie ruhen sanft auf dem Kinde. *

Frieda sieh er hat mir mH ne beiden .Hände fest gebunden, er, den ich heraus- gefördert habe gestern abend Geh' zur heiligen Kommunion, Kind und bete auch für Deinen frevelhaften VaterI"

Die Lippen möchten noch mehr sagen. Allein die Züng? verfemt den Dienst, die Augen schli-ßen sich; -er Sinn des Kranken war nur auf einige 'Momen e wach.

Waren diese Augenblicke nicht Gottes gütige Echik. hing?

«

Frieda, mein liebes Kind, bist Du endlich da! Komm' an mein Krankenlager!"

Das überglückliche Mädclmn ist noch kaum zur Türe herein. $urtig legt es die geweihte Kerze auf ten Tisch und eilt mit auigeftredten Armen dem Vater ^i. Lächelnd beugt es sich über das Bett und Vater unS : Kind küsten einander weinenden Auges.

Gelt, Frieda, .halt mich nicht vergess-n, hast auch für D*in"n armen Vater ein wenig gebetet?"

O Vater, wie kannst Du nur so frag-n? Mcin- erste heilig- Kommunion bate ich ganz und nur für Dich unb Mutter aufgeopfert. And Du bist n'cht mehr arm; denn Du glaubst ja wieder an Jesus, der heute bei mir Einkehr nahm."

Und der mir gestern meine Hände binden mußt-, um Dir dieses Elück zu geben", fällt der Kranke e n, ter mir *b*> in seiner Güte mein Herz «ui de- Fein­des Fessel« Aste."

Bitte, Vater, mache mir an meinem Änadcntag die Frende und erzähle mir Deine--"

Bekehrung, willst Tu sagen, gutes Kind."

Frieda errötet leicht und will verlegen aukweichenZ Aber, lieber Vater, wird Drch alluzusehr anp strengen." , ^

Nein. Mutter, komm und setz' Dich auch zu mir; dann imll ich Euch, so gut ich kann, meine wunderbar« Bekehrung schildern und erzählen.

Ich gina, verzeiht es mir, gestern abend von Euch, das Herz so voll Groll und Haß gegen Gott und Reit, gion, wie noch nie in meinem ganzen Leben. Es foct schon finster, trotzdem schlug ich den Weg über bee Bürgersteigzur roten Rose" ein, weil er der kürzere war oder vielmehr, weil Gott er also fügte. Wie ich die Stufen so hinunterging, trat ich mit einem Male fehl, fiel nieder, konnte mich nicht mehr halten und hinab ging es die Treppe bis zur Biegung. Ich kol­lerte geradeaus unter dem Geländer durch und stürzte die steil« Wandung links hinab. Der sähe Schrecken raubte mir bie Besinmimg und et schlug eben 10 Uhr, als ich au8 meiner Ohnmacht erwachte. Dunkel hurt es um mich her; erst allmählich erkannte ich meine Lage. Nun wollte ich die Hände bewegen, um mich aufzurichten; doch da fühlte ich, daß m-m« bei. den Arme gebrochen waren. Furchllmres Schaudern fuhr mit nun durch alle Glieder und in meinem H rzen rief er laut und deutlich:Wenu du Kraft und Macht hast, Nazarener, so binde mir die Hände . . " N xh waren sie mir nicht gebunden, doch ich wuß'e. daß sie mir gefesselt würden, wie sie jetzt gefesselt sind ^n meinem Elend schrie ich laut um Hilse. Jedoch mein Ruf »erhallte ungehört oder weckte höchsten» B:er und dort einen steinen Vogel in seinem Nestchen auf, daß er schr-ner.- auffuhr, als wollte er sich befragen ob ter gestörten Ruhe. Ich rief und rief von neuem doch kel^s Antwort feine Hilfe. Wie srhr bie Arms mich auch schmerzten, wie o^, mer ich konnte mir nicht helfen und konnte mich kein Slückchrn von der Erde heben.

OiU.tvtn, i>K> mir wir bie Ewigkeit erschienen, lag ich in Nacht und Nebel da. Die längste Zeit bei »ollem Bewußtsein und zwar bei welchem? Mein Sünden» leben, das Ich bisher geführt, trat mir in dieser fürcht » lieben Einsamkeit in seiner ganzen Wucht und Schwere »or die Seele; ich sah bereits die Halle offen und e« eonje» Hrer von Teufeln kommen, um mich zu holen te die einigt Pein. Ich faßte ansang» noch Hoffnuna u Vergebung -, doch wie die bist« Stifter wich da angrinfien, als wollten sie meiner spotten, weil ich noch aus verzeih«. ,g rechnen wollte.

Mir schwamm es »or heu Lugen.Sott, um meint lieben Kinder willen hab' mit mir Erbarmen!" rief ich noch dann ward es wieder Nacht um meinen Geist Ich wußte nicht, mehr een dieser Welt. Nach einer halb« Stunde wurde ich wieder wach. Derselbe Schmerz di» selbe Pein, wie vorher doch die Teufel waren »tg unk vor meiner Seele tauchte ein holder Engel auf Da, meine horzenslieb« Frieda als Kommunisnktnd gerate wie Du jetzt vor meinem Bette stehst mit diesem Ge­wände und diesem Tänzchen in den losen Locken. Da senktest Frioden in mein wundes Herz: wie Schuppen fiel es nun von meinen Geisteraugen. Ich bwann zu beten; wa» Ich verzeih'» mir Gott schon seit jenem Tage nicht mehr tat, da ich dem Bund der rotenÖH?A bsoi ücker" in der roten Rose beigetreten bin

Während ich so zu Gott Im Himmel flehte, hört« ick mit einem Mal^ Tritte oder mir auf den Stufon hallen Ich rief mast^hörte mich man kam mir zu Hilfe uni bald war Ich in des Herrn Doktors Haus verbracht. , Schmerz und Pein durchzuckte meine gebrochenen Arm«; aber freudig ließ ich sie mir binden, d. h. in die ©ipsot* bände legen.

Der Schmerz der Einrenkung der Glieder war zu über- menschlich groß. Wieder faßte mich die Ohnmacht ich fühlte es zu deutlich und bat ich den Herrn Doktor, mich gegen 6 Uhr morgens zu Euch zu bringen und die Güt» Gottes rief ich an, sie möge mir bei meiner Ankunft zu Hause wenigstens auf einen Augenblick ba? De. wußtfcin wieder schenken, um Dir mein liebes Kind, die gewünschte Erlaubnis zur ersten heiligen Kommunion er« teilen zu können. Und Gott war gütig, obgleich ich'» nicht verdiente; aber meine Frieda hat ihn durch ihr Gebet be­zwungen.

So, meine Lieben, jetzt habt Ihr meine Bekchrunos- geschichte, die Gott so wundervoll gefügt hat, vernommen. Noch hab' ich eine große Schuld zu tilgen und ich bitte dich, mein Kind, hole heute noch den hochwürdigen Herrn Pfarrer, damit ich morgen bas Engelsbrot empfangen kann. O, die Religion, sie ist sein Pfaffenwerk, wie mich die Roten lehrten, nein, sie ist Gottes Werk. D, ich will anders werden, wie ich früher war, als ich noch glaubte an Gott und feine Rirdye.

Ja, liebes Wcib und liebes,Kind, höret heute einen heiligen Schwur von Eurem Vater:Nie mehr will ich dieNole Rose" je betreten und mög' mir Gott die Füß. binden, wie er meine Arme gebunden hat, sollte ich ein­mal in meinem Leben diesem Versprechen untreu werden wollen!"

Der Vater fdjmeigt, dergleichen Kind und Mutter: sie sind zu tief ergriffen, um ein Wort zu spiechen. Langsam stiehlt sich Träne um Träne aus ihren Augen, Zähren nicht das Schmerzes, nein, der Ergriffenheit undFreude.

Noch ist es Weißer Sonntag. Die Sonne bliest ins stille Kämmerlein und verklärt mit ihrem Frühlingsschein drei vor Herzcnrjubrl strahlende Gesichler.

K«m Hunter auch, nun ist ja alles, alles gut.