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Herren und Knechte, an Gelehrte und Ungebildete, an Heilige und Sünder, j^rem nach seinem Bedürfnis, jedem nach seinem Geschmack.
Und wo gibt es ein Schiff auf der Welt, das so sehr allen Stürmen und Gefahren trotzt wie die kathol. Kirche? Wohl vermögen große moderne Passagier- dampfer ihren Fahrgästen eine weitgehende Wahrscheinlichkeit für sichere Ueberfahrt zu gewähren — sei* neswegs aber unbedingte Sicherheit. Denke an die „Titania", dieses Wunder der Technik; und trotzdem, was geschah? Ein schwimmender Eisklotz brachte dem Schiff ein Leck bei und es sank hinab in die grausige Tiefe! —
Die Kath. Kirche ober trotzt mit Erfolg allcn^ Stürmen, aller Bosheit, aller Gewalttätigkeit, allen Staats- Übergriffen, aller Hinterlist der Hölle und der Welt. Ihre Schicksale in den 19 Jahrhunderten sind das Echo auf die Worte des Herrn an Petrus: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht übermäßigen".--
Und wie glücklich macht die Kirche die Gläubigen, die treu zu ihr stehen. Betrachte diese Schar von Kindern mit ihren weißen Kleidern unö Herzen- sie feiern ihren „weißen Sonntag". Sie trinken heute aus der Quelle aller Gnaden, aus dem hl. Altarsakra- «tent, genießen zum erstenmal den Leib und das Blut des Heilandes. Draußen beginnen die Bäume zu blühen wie riesige Feftftrauße u. ton ihren Zweigen lassen die Vögel ihre Lieder erschallen. Freude strahlt aus jedem Kückerauge und ihre Herzen sind rein wie Engel. Die Eltern, die Verwandten, die ganze Gemeinde, der Seel- foraer, die Lehrerschaft, alles nimmt Teil an diesem Glück. Ein solcher $eft der Seele zu feiern, das ist und bleibt das Geheimnis und das Monopol unserer hl. kathol. Kirche. Der Burgpfarrer.
^^ifW6 müsset sorgt, dch eme Ange- hörZZen die Gsterpftècht erfüllen.
»Es ist unmöglich, daß der Sohn so vieler Tränen verloren gehr!" Das ist bekanntlich das Wort, bas der hl. Ambrosius zu der hl. Monika sprach, als sie bei ihm Mar W Verirrungen ihres Sohnes weinte. Dasselbe W«Ä könnte heute so mancher Gattin zugerufen werden, bis über die Pflichtvergeffenheit und Untreue chres Gatten weint, so mancher Mutter, die «m di« Bekehrung ihrer leichtsinnigen, ungeratenen Kinder fleht: „Es ist unmöglich, daß der Gatte, der Sohn so vieler Tränen verloren gehe!" Und wann war die heilige Mission der Gattin und Mutter, die für die Seelen der Ihrigen vor Gott verantwortlich ist, dringender geboten als in dieser ernsten Zeit, her Dsterzeit, damit die Verirrten wieder den reckten Weg finden zur barmherzigen Liebe des guten flirten im £ heiligen Sakrament der Buße und zum Herzen des Heilandes in der hl. Ostrrkomwunian. — Die hl. Kirche soll Dir in diesem priesterlichen Berufe als Vorbild dienen: wie sucht sie durch religiöse Vorträge und Ererzitien das Erdreich des Herzens zu befruchten «nd die verstockten Sünder zu rühren! So toll auch die Gattin und Mutter bitten und mahnen, beten und opfern, bis Gott sie erhört und die Seele der Ihrigen gerettet ist.
Folget darin auch jenem Beispiele einer frommen Gattin, von dem mir ein heiiigmäßiger Priester er- tzählte. — „Dor einigen Tagen kniete ich nachmittags in der Kirche und betete mein Brevier, rfs e' fremder Herr zu mir trat und zu beichten verlangle. Ich begab mich sogleich in den Beichtstuhl, wohin er nur folgte. Als er sich nach beendigter Beicht und Danksagung entfernen wollte, rief ich ihn zurück und sagte „öèorgen um 8 Uhr werde ich die hl. Messe für Sie auf opfern, lammen Sie nüchtern." „Hochwürden", wandte er ein, „wie kann ich das versprechen! Bedenken Sie doch, wie lange es schon ist, seitdem ich nicht mehr gebeichtet hatte." Ich antwortete einfach: „Vertrauen Sie mir, ich kann darüber besser urteilen, als Sie. Ich zweifle nicht, daß Sir mir gehorchen werden." — Am andern Morgen reichte ich ihm die hl Kommunion. Urb das war nicht nur ein großer Beweis von Gottes Güte gegen die Sünder, sondern auch die Frucht jahrebangen (Sehers seiner Gattin, wie ich bald erfahren sollte:
Zwei Tage nämlich nach dieser Bekehrung besuch wich ein Freund aus einem andern ^iad, teile und bat mich, eine seiner Nachbarinnen zu besuchen, bi? großer Kummer drücke, da hr Mm n pi^Hd, gcsto-- ben. Ich zögerte, feiner Ditte zu willfahren und r t Hm, den Pfarrgeistlichen zu holen. Er antwortete, derselre sei verhindert zu kommen, war ihn um >
mehr schmerze, als ihm am besten das fromme Leben der Frau und Kinder bekannt sei. weshalb er auch am tiefsten den Schmerz über den unvorbereiteten Tod des Gatten und Vaters ermessen könne. Ich weigerte mich nicht länger und begleitete meinen Freund in das Sterbehaus. Ich fand die arme Frau gebeugt unter der Wucht des Schlages, aber ergeben. Nie werde ich ihre Worte vergessen: „Gottes Wage sind uner- forschlich. Seit mehr als dr-'ßig Jahren habe ich nie ein Gebet, noch einen lugenbaft verrichtet, ohne die Gnade feiner Rückkehr zu drn yl. Sakramenten «u er flehen. In jeder andern H'nsichl war er ein vollkommener Gatte und Vater, ah er da d nach unserer Verheiratung ließ er sich in eine geheime Gcselljchaft anf- nchmeu und seitdem unterließ er den Empfang der hl. Sakramente."
Nachdem die betrübte Frau m r diele Mittellungen gemacht hatte, betrat ich bis Zimmer. wo b t Leiche aufgcbahrt stand. Ich erstaunte nicht wenig, denn der Verstorbene war das außer^-wöhn..*? Blick,tk-uo vom vorgestrigen Tage. — — Ich wandte mich zu der Witwe und sagte: „Ihr beb’tirlid/is bi bet und Ihr stilles Seufzen und Opfern ist erhöri worden, denn vor kaum 48 Stunden erteilte ich Ihr>m Gatton die y Kommunion, nachdem er am Vorabende Fei mir gebeichtet hatte. Es war am Palmsonntag." ---„O, dann hat mein Mann doch ferne Ostern gehalten", so kam es erlösend aus der Brust der schwer gedrückten Frau, „und kann mit dem lieben Henand Einzug halten ins himmlische Jerusalem und ihm auf ewig bas „Hosanna in der Höhe" singen. Gort sei Dank, daß feine Seele gerettet ist, das ist der größte, ja ber einzige Trost beim Tode unserer Lieben."
Der schönste Tag des Lebem.
Napoleon I. soll gesagt haben, daß der Tag seiner ersten hl. Kommunion der schönste und glücklichst? fernes Lebens gewesen sei. Auf der Höhe seines Ruhmes und seiner Macht, da Europa zu seinen Füßen lag und Könige und Kaiser vor ihm zitterten, miten in Glanz und Herrlichkeit htt er nicht gesunden, war er einst als kleiner Knabe bei feiner ersten hl. Kommunion empfunden hatte.
Was er besannt hat, das müssen wohl auch viele andere, Große wie Kleine, bekennen —, daß sie im späteren Leben nie wieder so glücklich waren, wie an jenem frügen Tage der ersten hl. Kommunion Gar mantbes hat sich vielleicht seither geändert, um sie und in ihnen. Gar manche bittere Erfahrung hat ihnen vielleicht das Leben gebracht. Steile steinige Pfade mußten sie wandeln — vielleicht durch eigene Schuld. Aber wenn sie zurückdenken an ihren Weißrn Sonntag, dann ist es ihnen, als ob das Glück von damals wiederkehren wolle; dann ist es ihnen, als hörten sie wieder gar liebe, traute Dor^e aus Muttermund. Und wenn sie die Scharen glücklicher Kinder in ihrem schönsten Schmuck zum Gottesbouse ziehen sehen, dann steigt noch einmal auch ihr erster Kommuniontag vor ihrer Seele auf. —
Der große Tag war angebrochen. Schöner denn j» schien dem glücklichen Kinde die Sonne. Alles war so feierlich und ernst, und doch so namenlos schön und beglückend Und während es sich zum Kirchoang vor- bereitete, bc sprach die Mutter ihm vom Glück seines großen Tages. Und als es das väterliche Haus verließ, da drückte die Mutter einen Kuß auf feine jun-m, reine Stirn, und Tränen standen in ihren Augen. Und Vater und Geschwister schauen es an so ehrfurchtsvoll, so wie man schau! auf den Tabernakel des Allertzeiligsten. — Und dann in der Kirche. Da kniete das Kind voll heiliger Sammlung vor seinem in Brotsgestalt gegenwärtigen Heiland Näher und näher rückte der Augenblick, nach dem es sich lange gesehnt, worauf es sich fj fleißig vorbereitet hatte mit viel Gebet und eifrigem Gehorsam und vielleicht auch mit so manchem kleinen Opfer, worum nur der liebe Heiland weiß und der Schutzenoel, und zuletzt durch eine recht gute heil. Beichte. Jetzt ist die ersehnte Stunde da. Und nun kam die letzte rutzrer.de Ansprache des Seelsorgers und die ergreifende Erneuerung der Taufgelübde cie Absaoe an den bösen Feind, der feierliche Treuschwur an den göttlichen Heiland. Und dann der große Aue n- bi d, da der Priester die weiße Hostie emporhob und sprach: „Sietze das Lamm Golles, das hinwegnimmt die Sünden ber Welt' H-rr, ich bin nickt würdig, daß du eingehest unter mein Dach, font rn sm ich nur rw, Dort und meine Seele wird wsund!" Und bannjrat das glückliche Kind zum ersten Mole zur Koni- wunionbank hinzu und kniete nieder. Eine große feierliche G ille lag über der gawen Versammlung. Und bann stand der Priester vor ihm mit dem hochheiligen
Sakrament, und seine Stimme zitterte leise, als er sprach: „Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre deine Seele zum ewigen Leben!" Dann legte er ihm die hl. Hostie auf die Zunge. Zum ersten Male ruhte der göttliche Kinderfreund an diesem Kinderherzen. Und es war dem Kinde, als hätte der Himmel sich auf- getan und die ganze Himmclsseligkeit hätte sich herab, gesenkt in sein kleines, reines Herz. — Und als es wieder nach Hause kam, da nahm man es auf wie einen Engel vom Himmel. Und noch oft an jenem Tage überraschte es die Mutter — man hat sie schon lange hinausgetragen auf den stillen Friedhof —, wie sie sich die Freudentränen von den Augen wischte. Und alle waren so lieb und gut an jenem Tage, Vater und Bruder und Schwester und Kameraden. Es war in Wahrheit ein Tag voll des seligsten Glücks. Er liegt nun schon lange hinter ihm — 10, 20, 30 Jahre. Und was haben diese Jahre aus feinen Vorsätzen gemacht und seinem Treuschwur? Was ist geworden aus dem Herzen, so rein und lauter wie die Liebe, so liebeglühend wie die Rose? —
Unter den kleinen Studenten in einem Kolleg in Frankreich war ein Knabe aus sehr guter Familie, der sich durch Begabung, Fleiß, Frömmigkeit und namentlich eine engclgleiche Reinheit, die seinem ganzen Wesen einen wunderbaren Reiz verlieh, aurzeichnete. Es war Sitte, daß die Kleinen vor ihrer ersten hl. Kommunion ihre Vorsätze auf einen Zettel schrieben und dem Rektor einhändigten. Unser Studentlein hatte als einzigen Vorsatz: „Ich verspreche, daß ich nie meine weiße Halsbinde, die ich am Tage meiner ersten hl. Kommunion trage, oblegen werde, außer ich habe das Unglück, in eine schwere Sünde zu fallen." Der Rektor wollte erst nichts von diesem Vorsatz wissen. Ab^r der Junge bestand darauf. Man rief seine Mutter, und der Kleine wußte sie für sich zu gewinnen. Als 14 Tage nach der Kommunion verflossen waren und der Knabe noch immer feine weiße Halrbind« trug, begannen seine Kams- raben ihn zu necken. Sie sagten ihm, er mache sich lächerlich. Darauf vertraute der klein- Engel einem Freunde fein Geheimnis an. Das sprach sich bald herum, und von da an betrachtete man ihn mit hl. Ehrfurcht und gespannter Erwartung.
Es war im Januar 1871 während des deulsch- französifchsn Krieges. Die Preußen hatten in der Nähe von Mans eine vorzügliche Stellung gewonnen, eus welcher sie um jeden Preis verbringt werden mußten. Diese Ausgabe fiel 300 der tapfersten fron- Mischen Soldaten zu. Es gelang ihnen, die Stellung zu nehmen, aber 200 von ihnen fanden dabei den Hel- bentob. Nach dem Kampfe ging der Feldgeistliche auf den Kampfplatz, um den Sterbenden bei,mstehen. Unter ihnen traf er auch einen jungen Soldaten. Er wollte seine Beichte hören. Aber derselbe erklärte lächelnd: „Pater, ich habe vor 3 Tagen gebeichtet, ich kann mich nicht erinnern, eine Süâ begangen zu haben. Bitte, legen Sie mich auf etwas S'roh und geben Sie mir die letzten Sakramente! Ich habe noch eine andere Bitte' Sie sehen, ich trage eine weiße Halsbinde. Wenn ich ts' bin, nehmen Sie mir. bitte, dieselbe ob und schicken Sie sie meiner guten Mutter und sagen Sie ihr daß ich nie befleckt habe! Erst feßt wurde sie mit dem Mute benetzt, das ich für mein Vaterland vergoßen habe."
Glücklich, wer dem Heiland seinen Schwur so treu gehalten hat wie dieser wackere, junge Soldat! Glücklich, wer nach Jahren noch von sich sagen kann: Ich besitze noch das weiße Gewand der Reinheit und Unschuld; nod) brennt die weiße Kerze mit derselben stillen, reinen Lirbeeflamme wie am Tage meiner ersten hl. Kommunion. Siber rar mancher blickt auf jenen Tag zurück mit schmerzlicher Wehmut und umflorten Augen-, Tiefe Trauer erfaßt das Herz beim Gänsen an den scharfen Gegensatz zwischen den ernst g«neinten Vorsätzen von damals und der nmnoelhaften ober vielleicht ganz ungenügenden Ausführung all die Jahre hindurch bis girr Stunde. Das weiße Gewand der Unschuld wurde vielleicht schon längst beschmutzt ober zerrißen; das Licht ber Kommunionkerze ans gelöscht und dafür einge'auscht die guoimende Pcchfackcl sündiger Erdenlnst Das ist schade, sehr schade. Aber so der Arme nur ernstlich will, er kann wieder glücklich werden Wenn er nur hören will aid das Bestreiche H-ilondswort- „Komm! zu mir, ihr alle, die ihr mühselig seid und beladen, ich will euch erquicken," wenn er nur wieder glaubens- und vertrauensvcll zum Tische des Herrn hinzutritt und dem Heiland (einen Treu- und Liebesschwur ernsthaft erneuert, ta wird die Freu' e und der Fric's und das große Glück wieder in fein Herz einzigen vü? am Tage seiner ersten hl. f ommumon, an seinem Weisen Sonntag!