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Achsen unb sonst Ler Radikalismus der Linken, der Unabhängigen, Sozialisten und Kommunisten eine bedeutende Stärkung erfahren und trotzig sein j)&-pt erhoben hat. So sehen wir denn in unserem Vaterland leider wieder einmal ein allgemeines Durch­einander. Fast das ganze rheinisch-westfälische Siu bustriegebiet ist in den Händen der Arbeiter. Räterepubliken sind avsgerufen worden, dieHerr- schaft des Proletariate" wurde proklamiert, rote Ar- meen wurden gebildet, regelrechte Gefechte haben statt« gefunden zwischen dem Militär und den bewaffneten Arbeitern. Bürgerblut ist geflossen. Alle um ruhigen Clemente in der Arbeiterschaft sind wieder in Bewegung geraten und es wird voraussichtlich unermeßliche Arbett kosten, ehe die hochgchenden Wogen der Erregung sich wieder einigermaßen geglättet haben. Das alles hätten sich die verbrecherischen Urheber des Berliner Putsches im Voraus sagen können, auf Bajonette und Ma­schinengewehre kann man heutzutage die Herrschaft über ein 60 Millionen-Volk nicht mehr ausbauen. Die Lage unseres Vaterlandes ist wahrlich traurig genug und unverantwortlich war es, dieses Unglück noch zu verschärfen durch innere Unruhen. Pflicht eines Jeden ist es jetzt, mitzuwirken, daß der in Fieberschauern zuckende Körper des deutschen Volkes bald wieder zur Ruhe kommt und die Giftsaat des VolschewiRrms, dieser geistigen Krankheit von Tollhäuslern und eines Verbrechertums, das nichts zu verlieren hat, nicht wei­ter um sich greift. Das wäre der Schrecken ohne Ende, Hunger und Verzweiflung, Mord und Vernichtung, Zerrüttung aller Verhältniße, Selbstzerfleischung aus allen Gebieten, volle Zügellosigkeit. Es ist ja aller­dings begreiflich, daß sich in unseren aufgeregten Zei­ten einseitige und unklare Schlagwörter Geltung er­schaffen, daß sie die Köpfe verwirren und Unheil stif­ten. Haß nmcht Minö. Und wieviel Haß kocht noch immer im Innern' W'eoiel Unheil hat bei Reichen und Armen in den letzten Jahrzehnten doch der Mam­monismus angerichlct. die endlose Habsucht und Ge­nußsucht! Wir können daher die Sozialisierungswut einigermaßen begreifen. Ich sage: begreifen! Zu billigen ist freilich lange nicht alles, was jetzt über Hals und Kopf gefordert wird. Und überdies verges­sen gewisse Weltverbesserer, manchen Geldmenschen an den Leib zu rücken. Oder ist es Absicht, weil sie zu den Ihrigen zählen? Sie vergessen ferner, daß man arm und trotzdem recht geldgierig und selbstsüchtig sein und bleiben kann. Das Christentum liebt die Armen, und wer sie nicht liebt und ihnen nicht helfen will, ist nur ein Namenschrist. Er hat den Firnis des Christen, christlichen Geist hat er nicht.

Die christliche Gesinnung ist sozial. Sie ist »hier der haltbarsten Bausteine am Neubau der Gesellschaft. Wir haben Eigentum nötig. Dieses steht unter dem Schutze der Verfassung und unter dem Schutze des siebten Gottesgebotes. Aber dieses Eigentum gehört in letzter Linie dem, der es uns zur Verwaltung und zum rechten Gebrauch übergeben hat. Der rechte Ge­brauch wird durch die Rücksichtnahme auf das allge­meine Wohl und durch das große Gebot der Nächsten­liebe geregelt. Soziale Gerechtigkeit und Liebe ohne Ende lautet die Losung des Christentums. Sie wurde zum Beispiel in Deutschland im vorigen Jahrhundert ebenso läut als ernst von dem großen sozialen Bischöfe Freiherr von Ketteler ausgegeben. Sie ist der Inhalt des großen Arbeiterrundschreibens des Papstes Leo XIII. Sie wurde in den siebziger Jahren bereits von unserem Zentrum zu einer Zeit ausgesprochen, als man nur Hohn für diese Forderung in anderen Par­teien hatte. Das Christentum lehrt die Liebe und will praktische, bejahende Arbeit leisten. Endloses Re­volutionieren, Verneinen, Hassen und Hetzen ist keine Kunst. Diese Handlungsweise mehrt die Ruinen, Auf­bau ist sie nicht.

Helfen wir alle der Negierung bei ihrem Bestreben Ordnung zu schaffen und zu erhalten, vergessen wir aber auch nicht, daß die wirksamsten Heilmittel unseres kranken Volker bleiben: Gebet und Arbeit.

Moabit und Berlin

geboren zusammen, auch politisch, sie sind nur ein Szenen­wechsel im politischen Trauerspiel Deutschlands. Die letz­ten Tage in Berlin waren die gerade Fortsetzung dieses Trauerspiels, das acht Wochen lang im Moabitèr Eerichls- faal die Aufmerksamkeit der Welt gefesselt hat.

Am Freitag den 12. März sprachen die Richter in Moabit ihr Urteil, durch das dem politischen Leben in DeutschlandReinigung und Gesundung" werden sollte. tO verkündete mit großer Erste und alldeutschem Pathos immer wieder der deutschnationale Oderregisseur Hetsse- lich. Und nicht nur politische Spießer glaubten diesen

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ungeheure» Schwindel von Deutschlands «Reinigung und GejuudunZ", selbst die Staatsanwälte glaubten an die Pharisäerphrase und vertraten mit Juristenweisheit und Juristenwürde die politische Pharisäeranklage. Und die ganze alldeutsche undnationale" Treffe schrieb in allen Tonarten von DeutschlandsReinigung und Ge­sundung"; und pries Helfferich, der die deutsche Re­gierungreinigte" von dem Huuptvertreter deskorrup­ten" neuen Systems. Und doch bezweckte dieser ganze Pro­zeß letzten Endes nichts anderes als den Sturz der ganzen Regierung und insbesondere die Beseitigung der Rlachl- stelluug de» verhassten Zentrums. das hat der weitere Ver­lauf der Ereignisse gezeigt. Nachdem man durch die wo­chenlange Hetze in den deutsch-nationalen und geiftesoer wandten Blättern den Boden genügend vorbereitet und eine geeignete Amsphäre für das Gelingen des flaues geschaffen zu haben glaubte, führte in Nacht und Nebel Dr. Kapp und Lüttwitz das nationale" Werk der Reinigung und Gesundung weiter. Und als am Samstag morgen die Berliner sich den Schlaf aus den Augen rieben, siehe, da war das ganzeNeini- gungswerk" bereits vollbracht. Berlin wargereinigt" nicht nur von der verfassungsmäßigen Reichsregierung, sondern auch von der deutschen Stationaloerfammtung und dieGesundung" konnte beginnen. Es war Las eine Kur nach Doktor Eisenbarts Rezepten, denn in einigen Tagen hatten sie Deutschland beinahe zu Tode kuriert. Politisch und wirtschaftlich warfen sie das arme, noch aus tausend Wunden blutende Seutjd^anb in neue Abgründe und führ- tsn es bis zu den blutigen Vorpoftengefechten eines furcht­baren Bürgerkrieges. (Schon schreit das Blut von Tau­senden deutscher Bürger zum Himmri.

Glücklicherweise hat die wahnsinnige Märzrevolte der Kapp und Lüttwitz, diesesRemig»ns.srvLrk" k^r ofteldi- schen $J6jVerräter ein rasches Ende genommen und die R«niguygskur" ist vom ganzen Drs?- gerietet, als ein Derbr «ch«« am deutschen Volke, und vielleicht wird auch das Vorspiel dazu jetzt von vielen mit anderen Augen angeschaut werden als es seither unter dsm Eindruck-drr seit Dohr und Tag geaen Erzberger betriebenen maßlosen verlogenen Hetze der Hall war. Leider sind auch in der Zsnüumspartei gewiße Elemente diesem schlimmen Be­ginne gegenüber blind gewesen.

Sa^mhi^er

verlangen die Deutschnationalen, dafür haben sie seit Monaten eine intensive Agitation entfaltet. Nur die Tüchtigsten und Besten sollen ohne Rücksicht auf den Parteistandpunkt in die Ministerien berufen werden. Dabei haben sie natürlich den Hintergedanken, daß sie dabei wieder, wie vor dem Krieg, allein dieTüchtig­sten" sind. Die Leute, die sich aus den Zenkrums- reihen emporgearbeitet haben, sind natürlich keine Fach­leute, während die Konservativen alle Fachminister sind, auch wenn sie früher Generäle waren wie etwa Podbielski, der Postminister, oder Verwattungsmän- ner, wie Rödern, der Finanzminister wurde. Es ist zum Lachen, wenn man derartige pharisäische Redens­arten hört. Der Reichskanzler hat in feiner Stutt­garter Rede diese Phrasen auch ins rechte Licht gerückt, indem er darauf hinwies, daß die ganze Agitation für Fachminister lediglich eine versteckte Agitation für reak­tionäre Ziele sei. Gewiß sei es richtig, daß geeignete Leute in solche Posten berufen werden sollen. Aber man könne in einem demokratischen Lande die Mini- sterposten nicht Unparteiischen und Fachministern aus­liefern. Es müßten deshalb ein führender Politiker und ein tüchtiger und geeigneter Fachmann zusammen­arbeiten, die ihre Aufgaben zu bewältigen verstehen. Bei dieser Gelegenheit sprach er auch dem vielge­schmähten

Erzberger

eine bemerkenswerte Anerkennung aus. Er sagte: Die schwersten Vorwürfe werden gegen unsern Kol­legen Erzberger gerichtet. Angesichts der ungeheuren Angriffe, die gegen ihn gerichtet sind, und angesichts des schwer verständlichen Urteils muß ich feftfteßen, daß es kaum einen süchtigeren AaKminisier gegeben hat als den Kollegen Erzberger. Es wird schwerlich einen zweiten 2Rann geben, der eine solche Riesenarbeit für Volk und Reich geleistet hat. Mas fürFach- minister" Herr Kapp uns bescheren wollte, das zeigt sich am besten durch die Berufung des berühmten Herrn Traub zum Kultusminister, der vom Atheisten sich glücklich wieder zu einem Wodansanbeter durch­entwickelt hat, wodurch er allerdings alsKultur- Minister dertcutfdmalonalen" Puristen sich vorzüg­lich ausweist und des Tagesschriftstellers Schiele in das Reichswirtschaftsministerium und auch was die Mi- nifterlifte sonst ausmies, war alles eher alsFach­leute".

In Bayern

ist es zu einer Un bildung ter Regierung gekommen. Zunächst trat der Ministerpräsident hossmann zurück.

dem das bayerische Volk schwerlich viel Tränen nodj« weinen wird und den, wie man hört, sogar manche einer eigenen Parteigenossen nicht ungern scheiden sehen. Da die sozialdemokratische Partei nach dem Rücktritt Hofsmanns die Erklärung abgab, daß sie mich ihre übrigen Minister zurückriefe, tagte das ge« amte Ministerium sein Drandat in die Hände des Landtages zurück und dieser mußte zur Bildung âer neuen Regierung schreiten. D« SvAsKMnotraten ha­ben es abgelehnt, an dem neuen Wnisterium mit ent­sprechenden Leuten sich zu beteiligen, sodaß in Bayern augenblicklich die bürgerlichen Parteien allein mit Ausnahme der DeutsdjnaHonaten die Regierung innè haben. Die Vayr Voltspartei (Zentr.) stellt den Mi­nisterpräsidenten von Hahr, den Fincmzminister Kof­ler. den Kultusminister Matt und den Sozialminister Oswald, vom Bauernbund übernahm Wutzelhofer das Landwinschaftsminisi-rium, die Demokraten behalten das Justizministerium, mit Dr. Müller und bas Han­delsministerium mit Hamm, das Verkehrsminis^rium behält von Frauendorffer, der sich zu keiner Partei rechnet. Bayern steht mit dieser neuen Regierung, in der die Sozialdemokraten fehlen, in einem Gegensatz zu den übrigen deutschen Regierungen und zur Reichsre­gierung. Auch Larin scheint ein Gegensatz zu bestehen, daß in Bayern die Fachministsr Kahr und Matt er­wählt worden sind und man so den Anschein erweckt, als hätte man damit eine Fordern^ der Berliner Kappleute erfüllen wollen. Das ist nicht der Fall, da Minister Matt dem engsten Parteivorstund der Bayr. Volkspartei angehört und auch Ministerpräsident Kahr als Vertreter der Bayr/ DotksMrtei im Ministerium gilt. Seither waren die Sozialdemokraten allerdings viel zu stark im Ministerium vertreten. Bei soeben einem Drittel der Abgeordneten hatten sie f. Z. nicht nur ein Zahlenmäßiges Ueberge wicht, sondern auch die einflußreichsten Posten: Präsiderrtschaft und Aeußeres, Inneres und Lullus verladt. Wenn sie sich jetzt trotz des WunsHes der anderen Parteien nicht beteiligt haben, obwohl man ihnen nach demokratischen Grund­sätzen, die auf ihre Abgsordrretenzahl treffende Zahl von Ministerien zugestanden hätte, so haben sie das natürlich nur aus wahltaktischen und partetp»lin-.chen Rücksichten getan, weil sie infolgedessen umso unser« miiiDortHdier agitieren sönnen, immerhin liegen dis Verhältnisse in Bayern doch anders als im Reiche« Dem haben die Sozialdemokraten insofern auch Rech- mrng getragen, als sie aus dem Präsidium des Land- wges, in dem sie seither obwohl nicht Die stärkste Wei den Präsidenten stellten, nicht ausgeschieden sind, sie haben sich aber mit dem 1. Vizepräsidenten begnügt, während der Zenttumsabg. Königsbauer erster Präfident wrude. Damit haben sie zum Aus« druck gebracht, daß sie die Verantwortung für die Ar­beiten des Landtages mittrapen wollen. Uebrigens hat sich der neue Ministerpräsident sehr.gut einge­führt. Er wollte, wie er sagte, nur ein Trmhänder ds souveränen Volkes sein und die schwere Bürde des Ministerprä sidiunrs aus sich nehmen bis der Landtag neu gewählt sei. Wie er die Ausübung seiner Tätig­keit als Staatskommijsar am Samstag damit begon­nen habe, daß er Schieber- und Schlemmerlokale in VcündKH geschlossen habe, so wolle er auch als Mini­sterpräsident den Wucher, das Schlebertum und das Schlemmerleben auf das Nachdrücklichste bekämpfen. Der Versorgung des Volkes mit Nahrungsmitteln fei feine ernstste Sorge zugewendet und darum wolle er auch die Csser mindern durch Eindämmung des Zu­zuges Fremdstämmiger (Galizier usw.). Er wolle nicht viel Worte wachen .sondern so handeln, daß es heiße, das beste Wort ist die Tal. Hofftntlich ge­lingt es dem neuen Ministerium In Bayern, das ja km vorigen Jahre schon Mutige Opfer erlebt hat, jetzt die Ruhe aufrecht zu halten.

D e traurige 5cstftel!8N4

sollte sich jeder Deutsche brennend ins Gedächtnis schreiben, daß wir von Januar bis Mitte Oktober 1919 für über 17 Milliarden ausländische Ware über unsere Westgrenze eingeführt haben (ungerechnet die auf ungesetzmäßigem Wege hereingekommene, die sich naturgemäß jeder amtlichen Kontrolle, aber auch einer einigermaßen zuverlässigen Abschätzung entzieht): von diesen Waren im Werte von 17 Milliarden Mark waren nur 4 Milliarden Rohprodukte und notwendige Lebensmittel, alles andere Lurusgrgenstande und nicht lebensnotwendige Genußmittel, darunter allein für 4 Milliarden englische Zigaretten! Man wache sich die erschreckende Bedeutung dieser Zahlen klar! Seitdem ist im November und Dezember noch eine Verschlimmerung der Verhältnisse erst im Januar (vielleicht unter dem Einfluß der hohen Goldzölle) eine allerdings kaum merkliche Besserung eingetreten!