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Lail« Hier bereiten ihm treue Seelen ein Abschieds- mahl. Maria Magdalena salbt seine Füße. Sie tat Äut daran, denn am Karfreitag hatte sie niM mehr Zeit, „(m vollen Sinne den Herrn zu salben. S-e Li es, ohne es zu wissen, für den Tag seines Begrab- Visses".
Während die gute Seele die kostbare Salbe dem Erlöser zum Opfer bringt, klagt sie der Verräter der Verschwendung an. „Warum hat man dieselbe nicht am dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben?" Ein häßlicher Mißton, der das liebliche Bild stört; aber der Verräter, lauernd auf den Judaslohn, weist hin auf die Leidenswoche.
Auch der Dienstag steht im Lichte der Karwoche. Der Prophet Jeremias verrät die bösen Absichten, womit die Feind? Jesu umgeben. „Laßt uns ihn vertilgen aus dem Lande der Lebendigen, daß seines Namens nimmermehr gedacht werde."
Je näher wir dem Höhepunkt des Leidens Christi kommen, desto greller werden die Farben, die das Karwochenbild uns zeigt. „Sage der Tochter Sion, so lesen wir in der Epistel am Mittwoch: Siehe, dein Heiland sammt"; aber wie sieht er aus? „Wer ist der, welcher von Edom kommt, mit gefärbten Kleidern von Bosra?" „Warum ist rot dem Gewand? Ich habe die Kelter getreten, ich allein; ich kelterte sie in meinem Grimme, und zertrat sie in meinem Zorns, so daß ihr Blut auf meine Kleider spritzte, und ich alle meine Gewände befleckte." So schilderte der Prophet Jsaias den Welterlöser.
Wir fühlen es lebendig, das Drama der Welt- erlösung kommt uns immer näher. Das sagen uns auch die Trauermetten am Abend des Mittwochs; Licht um Licht erlischt, die letzte Kerze wird verborgen hinter dem Altare. Die hölzernen Klappern dortselbst verkünden das angstvolle Leben dec Erde.
Donnerstag ist's geworden, Gründonnerstag! Noch einmal spricht die Orgel, tonen die ehernen Stimmen vorn Turme, bann verstummen auch sie. Schaurig wird's, es fröstelt einen fast, die Kirche 'ommt uns so öde vor, es fehlt etwas: Der Welt- .rlöser geht in sein Leiden, verlassen von seinen Jüngern. Er ist allein, inmitten seiner rasenden Feurde; daher diese wehmütige Stimmung, die der Heiland auch uns kosten lassen will. Die Todesangst Christi im Oelgrrèen wirft ihre Strahlen ins Gotteshaus, in dir Herzen gläubiger Christen. „Mein Gott! warum hast du mich verlassen!"
Während der hl. Messe stiehlt sich noch ein Lichtgedanke in die Seele, da zum amtierenden Priester bei der einzigen Tagesmesse Priester und zahlreiches Volk herantreten, um aus seiner Hand die hl. Kommunion zu empfangen. Es ist ein Blick in den ölbendmahlrsaal. Daran erinnert auch die Fuß- waschung, die an zwölf Armen vorgenommen wird.
Doch gleich nach dem Gottesdienst führt uns die Entblößung der Altäre wieder Leidensszenen vor die Augen: Jesus wird der Kleider beraubt bei der Gei
ßelung und bei der Kreuzigung. Für uns aber ist diese Altarentblößung ein Fingerzeig, den alten Menschen mit seinen sündhaften Gewohnheiten auszu- ziehen, um wahre Auferstehung feiern zu können.
Still ist's jetzt geworden, in der Kirche; ein feierliches Dunkel umfängt uns am Karfreitag. Wir kom- men zum Gotteshause; kein Glockenklang hat uns gerufen ,die Liebe, das Mitleid mit dem leidenden und
sterbenden Welterlöser hat unsere Schritte zum Haus des Herrn gelenkt.
Der Priester tritt zum Altare in schwarzem Meßgewand; keine Kerze erhellt die Dämmerung. An den Stufen des Altars wirft er sich auf sein Angesicht, eine stumme aber ergreifende Predigt von des Welterlösers Tod
Nochmals hören wir wie am Dienstag und Mittwoch die Leidensgeschichte Jesu. Dann trä^t der Priester im Namen der Kirche in wehmütigen Choraltönen herzergreifende Gebete für die ganze kath. Kirche, für die Abtrünnigen, für die Juden und Heiden dem barmherzigen Gott vor.
Kreuzenthüllung, Verehrung desselben haben noch immer in jedem Christenherzen eigenartige Töne geweckt. Noch mehr aber die erhabene Stille des hl. Grabes, das in frühester Jugend wie die Krippe der Mittelpunkt unseres religiösen Denkens war.
Der Karfamslag. Der stille Sabat ist „ein Tag roll Stille, Trauer und Hoffnung. Sein Charakter ist ein Dämmern und Durcheinanderwirken von Karfreitag und Ostersonntag".
Der Ostersonntag wirft feine S'rahlen schon herüber und verklärt das geheimnisvolle Dunkel des Karsamstages. , Die Feuerweihe, Lichtweihe, sind ein Mahnruf für das Christenherz, sich zu erneuern im Innern, durch neues Glaubens leben, neuen Cijer ein ^ues Leben zu beginnen.
Das rufen auch Me Glocken mit ihrem ehernen Mund, der Orgelton beim Gloria, das Alleluja am Schluß der Tagesmesie.
„Versieget Tränen, Seufzer schweigt, Der Grabes Grau'n, der Schmerz entfleucht:
Er, der den Tod besiegt, erstand:
Der Engel rust'» im Lichtgewand."
-è» Karfreitag» ***—
Als es Abend geworden war an jenem ersten Kar- sreitag, den die Welt erlebt hat, da gab Pilatus einer Kohorte römischer Soldaten ^den Auftrag, die brei Kreuze auf dem Berge der Stadt gegenüber Herauszu- ziehen. Ihr Anblick, so meinte er, würde dem Volke unheimlich sein. Und Ostern war da, das Fest der Juden. Das sollte nicht durch solchen Anblick beständig gestört werden. Die Soldaten gingen hin. Sie taten, wie ihnen befohlen war. Rechts und links rissen sie die Schächerkreuze aus. Das war leichte Arbeit. Als sie aber an das Kreuz in der Mitte gekommen waren, da versuchten sie mit aller Kraft es herauszuholen aus dem Felsen. Allein es war nicht zu bewegen, es blieb unverrückbar stehen, es war so fest, wie eine tausendjährige Eiche, Die mit allen ihren weitverzweigten Wurzeln im Erdboden verankert und verwachsen ist. „Was werden wir tun?" fragten die starken römischen Legionssoldaten, „es rührt sich nicht von der Stelle, dies in der Mitte. Lasset uns hinabgehen in die Stadt, eine Axt zu holen, um es niederzuhauen." Sie gingen also hinab. Doch was war das? Als sie wieder zurückkamen, war das Kreuz hoch emporgewachsen. Zum Himmel reckte es sich hinauf, wie eine mächtige Eiche, die ihre Krone kühn zu den Wolken erhebt, und nach beiden Seiten breitete es sich weithin aus, so wie der Eichbaum seine Aeste und Zweige in die Breite dehnt, daß ein ganzes Bolk in seinem Schatten wohnen kann. Unö überdies, es war hellauf von Lichtglanz überströmt. Da standen die Soldaten still und staunend davor. Sie wagten nicht mehr, den Ricsen- baum im Lichrerscheine anzurühren. Leise zogen sie sich zurück, und schlichen in die Stadt hinunter, wie Menschen, die in einer heiligen Stunde geheimnisvoll große Dinge geschaut und erlebt hoben. — So eine alte karfreilagsLegende.
Das ist der Baum des Lebens, der tief in die Erde, in den Kalvarienberg hineingesenkt ist, und in alle Ewigkeit nicht kann und wird herausgerissen werden.
Baum gegen Baum: im Paradiese stand einst am Morgen der Menschheitsgeschichte jener Baum mit der verbotenen Frucht: „von dem zu essen Gott verboten hatte". Und doch griffen sie danach. Da kam die Schuld zu den Menschenkindern und machte sie unglücklich am Baum des Todes. Nun steht dieser andere Baum in der Mitte einer neuen Menschheitsgeschichte, der Baum de» Lebens, und von ihm geht neues Heil, Friede, Glück aus. Ihn wird keine Macht und t^walt der Erde und Hölle je wieder heraus- reißen können aus der Mitte der Menschen. Sein Stamm wuchs höher und höher hinauf, über die ganze Erde hin geht fein Licht und sein Segen, bis zu den Himmeln hinauf, und über alle fünf Weltteile hinüber, und verwurzelt ist er auf ewige Zeiten im Felsen von Golgatha: Das Kreuz und das Bild des Gekreuzigten kann nie der Menschheit wieder genommen werden. Das ist ihr Segen und ihr Glück. Denn „er ist unser Friede geworden". (Eph. 2, 14.) Er ist ihr Trostbilo und ihr Gnadenbild Was wollte sie in Zeiten unendlichen Leids, wie die gegenwärtigen schweren Zeiten sind, beginnen, hätte sie nicht den tröstenden Aufblick zu dem Heiland der Leidenden, der den Krcuzgong uns voranginu, damit wir geduldig mit ihm hinausziehen vor die Tore der Stadt, feine Schmach mit ihm zu teilen," so mahnte der Apostel. (Hebr. 13.)
Um diesen Baun« des Lebens steht die ganze Menschheit geschart. Vertrauend blickt sie empor zu jenem Manne der Schmerzen mit der Dornenkrone, der alles Leid b?r Erde auf seine Schultern nahm zu jenem Manne mit dem „Haupt voll Blut und Wunden, roll Schmerz bedeckt mit Hohn." „Sehet da das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt ■^hangen. Kommet, lasset uns ihn anbeten."
I Und sie betet ihn an, weil sie an ihn glaubt: „Wahrhaftig dieser Mensch war der Sohn Gottes." spricht sie mit dem Hauptmann. Sie betet ihn an, weil sie ron ihm allein Erlösung, Gnade u. wahren Friesen erhoffen und erlangen kann. „Wahrlich, unsere Wehen hat er selbst getragen, um unserer Sünden willen liegt die Züchtigung aus ihm," kla^t der Proph'!: im ist unser Trost. Sie betet ihn an, weil nur in seinem Kreuz die Lösung der Leidenssrage und die Erlösung vom Leid der Erde gefunden werden kann.
^S^* Das Areuz. *^
Das Kreuz war am ersten Karfreitag ein Schänd- pfahl, das schmählichste Zeichen der Verachtung und Erniedrigung. Und was ist es heute? Der Gott- meusch, der am Kreuze starb, hat es uns zum Vermächtnis gemacht, und wir werfen uns dämm in Ehrfurcht vor ihm nieder. Es ist bas Gesetzbuch unserer Pflichten, die Bürgschaft unserer Rechte, das Zeichen unserer Befreiung, der Stab unserer Schwäche, der Trost unserer Betrübnis, der Anker unserer Hoffnung, das Siegel unserer Zukunft, das Pfand ewiger Herrlichkeit, die Brücke zum Himmel geworden.
Das Kreuz ist feit dem großen Tage auf Golgatha der Mittelpunkt der Gefchich e gewesen. Die Welt bewegte, änderte sich, das Kreuz blieb stehen. Es wurde der Ausgangspunkt unserer Zivilisation, allen großen Werken hat es den Anstoß gegeben. Die Könige entsagten ihren Insignien und Panieren und nahmen das Kreuz zum Symbole der Macht. Es hat die Paläste geschmückt und in den elendesten Hütten den schönsten Platz gefunden. Vor dem Kreuz zerstoben die Adler der römischen Legionen, vor ihm wich der Halbmond zurück Dor dem Kreuz sanken die Silber der Götter in den Staub. Mit dem Kreuz schreckte Papst Leo die Gottesgeißei Attlla und wehrte der Zerstörung Roms. Ein Kreuz nahmen die Kreuzfahrer, um im Morgenland die Herrschaft des Kreuzes aufzurichten . Ein Kreuz schmückte Kriegsmcmtel und Ordenshabit jener drei Eiben, die Akkon und Rhodus beschirmten und mit Cherubim-Schroert als Hüter am heiligen Grabe standen. Ein Kreuz war das Siegel der Magni Charta — des Grundgesetzes von England. Ein Kreuz zierte die Krone der christl. Könige.
Das Kreuz ist das Schutzmittel jener edlen Frauenscharen, die es auf der Brust tragen, wenn sie die Kranken pflegen und bet den Sterbenden wachen. Das Kreuz war "auch das Ehrenzeichen unserer tapferen Krieger und unserer verdienstvollen Bürger in ben Tages des SMttrieges. Das Kreuz schmückt unsere Berggipfel, krönt unsere Türme und wird inmitten der Wiesen und Felder als Wegweiser zum Himmel aufgepflanzt. Das Kreuz haben unsere besten Dichter besungen und die ersten Maler und Bildhauer haben dis blutige Erlösungstat am Kreuze durch unsterbliche Werke verherrlicht. Unsere Kirchen und gewaltigsten Dome haben zur Grundform das Kreuz erhalten. Wir beginnen und beendigen jedes Gebet mir dem Kreuz. Der Priester segnet die Gläubigen in der Form des Kreuzes, Vater und Mutter segnen ihre Kinder mit dem Zeichen des Kreuzes. Im Tode legt man uns das Sterbekreuz in die Hände, hält uns ein Kreuz vor die brechenden Augen, unserem Sarge wird es vorausgetragen und auf unserem Grabhügel aufgepflanzt. Das Kreuz hat den Ehrenplatz in der Wohnung eines jeden Christen. Aufschauend zum Kreuz findet er Kraft zur treuen 2(rbeit, zum geduldigen Ausharren, zum siegreichen Kämpfen, zum vertrauenden Gebete. Im Kreuze ruht die Lötung aller sozialen Probleme. So ist das Kreuz seit dem Tode Christi mm Sieges- und Ehrenzeichen geworden, und wir fingen am Karfreitag im Kreuzeshymnus mit gebogenen Killen vor dem Zei- cheu der Erlöiung aus der Sünde, Tod und Barbarei:
O Baum, so schön und lichtumstrahlt,
Vom Königspurpur reich umwallt!
Des edler Stamm erkoren ward,
Zu tragen Jesu Glieder zart!
Heil dir! In deinen Armen lag
Der Preis der Welt. Du bist die Wag'
Des Leibes, die das Lösgeld wog, Der Hölle ihre Beut' entzog.
O heiliges Kreuz, fei uns gegrüßt! Du unsre einz'ge Hoffnung bist!
Der Beichtzette!.
Osterbeichtzeit mors! Die Berghofbauerin hatte am Tage vor dem Paln fann ag ihrem zu Lichtmeß auf den Hof gekommenen Knecht, den Flori, einen sonst ganz tüchtigen und arbeitsamen Kerl, während des Mittagessens gefragt, ob er morgen, am Palmsonntag, mit den anderen ledigen Mannspersonen die Osterpslicht erfüllen wo'ie, denn es sei in der Pfarrei so von attercher der Brauch, auch die anderen oor- hergehenden Knechte hätten es so gehalten.
Flor«, dem dieses Gespräch unangenehm war, denn er hielt nicht viel vom Kirchengehen, errötete und suchte nach einer Ausrede, die er auch bald gefunden.
„Aor»en '&^- ", fagfe er „gehts nicht, ich hab -mir in der Stadt bei einem Schneider einen neuen ! Anzug bestellt, den muß ich abholen, sonst bekomm sich ihn nicht mehr vor Ostern."