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ner tätigfeit im Parlament von der Rücksicht ans seinen Privatnutzen habe leiten lasten. Eine andere Frage ist. ob Abgeordnete sich an Geschäften beteiligen dürfen, in die man sie, weil sie Abgeordnete sind, sei­tens der Industrie hereinzieht. Das parlamentarische System bringt wohl solche Verhältnisse mit sich, schon aus dem Grunde, weil die parlamentarischen Minister keine Pension erhalten, sondern durch eigene Tätigkeit nach ihrem Ausscheiden ihren Lebensunterhalt gewin- nrn müssen.

Was den (mieten Vorwurf betrifft, Erzberger habe es mit der Wahrheit nicht genau genommen, so muß man da mit Behauptungen auch vorsichtig sein. Das gilt vor allem von den aufgeregten Julitagen 1917 gelegentlich der Friedensresolution. Jeder, der im politischen Leben steht und schwierige Lagen durch­lebt hat, in denen die Ereignisse sich überstürzen, weiß, wohin es führen würde, wenn sozusagen stets ein stenographierender Spion hinter einem Hertiefe und jedes m einer Unterhaltung gefallene Wort zu ,Geschichts"schreibungszwecken Festhalten wollte. Auf diese Weise könnte man jeden m Widerspruch mit sich selbst verwickeln. Wenn in aufgeregten politischen Zeitläuften die Lage sich alle paar Stunden ändert, dann soll man einem Manne, der im Brennpunkte der Ereignisse steht, nicht ohne weiteres die stärksten Vorwürfe machen, wenn die Worte, die er zu ver­schiedenen Zeiten gesprochen hat, sich nicht harmo- nisch ineinauderfügen lassen. Jedenfalls geht es nicht an, jede Uebertreibung, Halbwahrheit oder Ungenauigkeit in Reden, welche andere überzeugen sol­len, als bewußte Lügen zu erklären. Wenn alle Mi­nister, welche im alten Obrigkeitsstaat die Parlamente und einzelne Abgeordnete angelogen haben, ihre Stel­len hätten niederlegen müssen, dann würden wir heute unter den Pensionslast ersticken. Wir billigen und ver­teidigen diese Manöver nicht, aber wir gestehen auch den Heuchlern kein Recht zu, sich hinzustellen, als die Gerechten und zu sagen: „Gott, wie danke ich dir, daß ich nicht bin wie dieser Erzberger."

Ein großes verdienst

bleibt Erzberger trotz aller persönlichen Fehler, die ihm wie jedem Menschen anhaften, das ist die Reform und Organisation der Steuergesetzgebung, die er mit einer Energie und Entschlossenheit, die zwar für alle Steuerzahler unangenehm, aber bei der Lage Oeulsch- lands notwendig war, eingebracht und durchgesetzt hat. Damit ist wohl der wichtigste und schwerste Teil der Arbeit für den Wiederaufbau unseres unglücklichen Vaterlandes getan und der inzwischen erfolgte Rück­tritt Erzbergers bringt wenigstens dieses große Werk nicht in Gefahr.

Was haben die Deuff^ttaHonden dagegen an praktischer Arbeit geleistet? Mchlr. Sie haben seit- her nichts anderes zu tuen gewußt, als der Regierung Prügel zwischen die Beine zu werfen, alle Regierungs- Handlungen zu bekritteln und die Personen zu ver­höhnen. Damit haben sie den Boden für dèr Ge­genrevolution vorbereitet und sie sind, mögen sie es auch leugnen, mitverantwortlich für all das Elend, das jetzt wieder über unser Saterlanb gekommen ist. Nicht Erzberger — der für den Wiederaufbau des Vater­landes Großes geleistet — nein, ein Helfferich und Seine Gefolgschaft, Deutschnationale und eh^atto« Äa'erlandsparteile: sind die BeichsvrrrSier und Belchs- verdrrber und ein «Unglück für Deutschland."

Vsn einem Cmüchterrmgrprszch

In der Entente kormte man in den letzten Wochen reden, ihre Machthaber hatten allmählich gelernt mit sich re­den zu lassen, wenn euch nicht aus Liebe zu uns, so doch in eigenem wohlverstandenem Interesse. In Italien erkannte man recht bald, daß die wirtschaftliche Wohlfahrt des Landes eng mit der Wohlfahrt Deutschlands zusammenhängt. In Eng. land rang sich herfdbe Gedanke durch. Wem, dieses Handelsrolk früher Deutschland als jährlichen Re- benbuher betrachtete, so sieht es jetzt in ihm nur noch den guten Kunden und Lieferanten, während die Eifer­sucht sich gegen die aufblühenden Bereinigten Staaten richtet. Auch in Frankreich erheben sich immer mehr Stimmen, die da sagen, daß die beiden benachbarten Länder aufeinander angewiesen feien. Allerdings ist es den Franzosen nicht so leicht, aus ihrer Engherzigkeit herauszukommen, weil sie nicht bloß vom Haß ge­blendet, sondern auch bedrückt von der Angst sind vor einem wiederautlebenden Deutschland, dem sie die gleiche Revancherucht zutrauten, die Frankreich selbst bewiesen hat. Was sich so trotz aller Widerstände durchzuringen beginnt, ist nichts anderes als das Be­wußtsein vor der wirtschaftliches SsMiarM der Döl-

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ker. Was in dem einzelnen Staat oder Gemeinwesen gilt, daß alle Stände und Klassen auf (^deih und ver­derb von einander abhängig sind, wie die Glieder eines Körpers, das gilt heutzutage auch für die Weltwirt­schaft. da kein Kullurstaat bestehen kann ohne den Aus­tausch von materiellen Stoffen und Werten mit den aoberen Staaten, bk an der Erzeugung und dem ver­brauch der Waren auf dem Weltmarkt beteiligt sind. Deutschland ist ein großes und wichtiges Glied an bk« fern Organismus der Menschheit; seine Abschnürung oder Vernichtung würde verderblich sein für die ande­ren Glieder, nicht zuletzt für die vermeintlichen Sieger, denn das deutsche Huhn kann die gewünscht«, Eier nur dann legen, d. h. die „Wiedergutmachung' nur denn leisten, wenn es lebendig und gesund bleibt. Diese hausbackene Weisheit muß schließlich doch den Aus- schlag geben.

Zu uâbsamrs v-rgängeil

kam es im Hotel Adlon in Berlin. Es herrscht in dlesem Hotel, in dem auch Mitglieder der französischen Miliiarmission wohnen und verkehren, die unter den obtwjltenbcn Umständen etwas sehr merkwürdig cn. mutenbe Gepflogenheit, allabendlich bei Wein, Sekt, «nstern und Forellen „Deutschland, Deutschland über alles" zu spielen, toobei sich die Gäste von den El^en zu erheben pflegen. Die franZösisch.-n Ossi, zccre, die in Zivil tvacen, blieben sitzen, wodurch e n Dell der verumtlich d»h*i$ «llurâicrten Gesellschaft ni die bekannte „nationale Entrüstung" verfiel, worauf es schließlich zu einer Prügelei zwischen diesem Teil

G-sellschafl und den fr-mdländ Offiz'-ren kam. Einer der vorlautesten, gewissermaßen der Arrangeur »er Skandals soll -— nach Darseellnnz des Dolffbureau der preußische Prinz Joachim Albrecht gewesen fe:n, der s. Zt. Ivetten Li-besgeschickiten ans d-m Heer ent­fernt und vom Kaiser nach Ostafrika in die Scbutz. truppe geschickt «vorder, war. Wenn er wirklich beteiligt war, dann ist las nicht scharf genug zu v^rur e len Rüpelei hat mit Patriotismus, mit Vaterlandsliebe nichts gemein. Es verrät überbaupt tvenig Takt, in emem Hotel, daS der Sitz verschiedener Ententemissio­nen ist, allabendlich „Deutschland, Deutschland über alles" zu spielen und zu singen. DeMsche Cff^ere, nnb erst reckt preußische Prinzen, taten überhaupt bcs. ser dran, solche Lokale, in denen regelmäßig M tgl eder feindlicher Missionen Verkehren, zu meiden. Für ver­nünftige Menschen dürfte es nicht scbtver fallen, zu be. urteilen, auf welcher Seite im vorliegenden Falle d e Taktlosigkeit liegt Man denke sich hoch nur den um­gekehrten Fall! Würden etwa vreußisibe Offiziere, wenn sie als Sieger in Varis säß-n und es würde einer illuminierten französischen Gesellschaft in einem dortigen Lokal einfallen, die Marseillaise svielen zu las. sen, sich ettva andächtia erheben? s^as wird b:e Fo^ae dieser skandalösen Berliner Krakeelerei sein? Eine neue Demütigung Deutschlands.

Einen dentschen Lieg

bat die WfVmnna in der zweiten norbfAfeS» wigen Zone gebracht, fine *h Mehrheit bat sich für Deutschland entschieden. Die Berliner Geoen« revolution hat glücklicherweise nur in ganz wenigen Orten den Dänen Teilerso'ae verschafft, der treu deutsche Geist der Hauptmasse bet Abstimmenden hat sich nicht beeinflussen lassen.

Kobttra und Sayern

sind nun endgültig vereinigt worden; damit gehört die Selbständigkeit Koburas nach 600jähriyem Bestand der Vergangenheit an. Koburg bat dadurch den Weg be. schritten, der zur alleinigen gefi ehesten Zukunft d-S deutschen Volkes, dem deutschen Einheitsstaat, führt ES hat nach dem alten, echtdeutschen Sinnspruch g-h^ndelt: „Jeder flreSe zum Ganzen; «nd sannst du selbst ein Ganzes nicht sein, so schließe es» dien-ndes Glied dem Ganzen dich an." Badern erhält dadurch einen Zc> wachs von 80 000 (meist evangelischen) Einwohnern

Wie reUgloRrfeiMich

bis ßotfalbemofrafk ist, bot sich dieser Tage in kz-Ämburg a^eigt, wo die „Bürgerschaft" (Stad-pm-^- menst mH ^en fejldrff’f^n eenen hie gesamten bür­gerlichen Stimmen die Wiedereinfübnmg des Reli­gionsunterrichts an den Hamburger Schulen «baelehnt hat. Was for: t Me fo’iafhemo’rafifdkn A-ülsparen, bk auch in katholischen Dörfern Gimpelfang betreiben, zu dieser Tostache?

§sz!a?demokraile und Lchâ

An 80 Berliner sozialarmokraii chen Versamm­lungen wurde vor einiger Zeit die Entschließung ge­faßt, der Religionsunterricht in der Schule solle, so­lange „bie alte sozialistische Forderung der allgemei­nen' weltlichen Schule, die „bekenntnisfrei^ d. h.

ohne Religionsunterricht ist, nicht allgemein durch. aeführt ist, in der letzten Stunde erteilt werden". Hub ein sozialistischer Hauptredner, der die Sozial« demof -atie als fir^enfeiubli* bezeichnete, nannte ben SleHgionfunterridit in der Volksschule eine Berge« wolti,ung deS Kindes. Ein NorsIunterricht sei nicht nö i«. Man müsse eine mSglichst aroße Zahl religionSlsser Schulen jetzt schon ernteten. Die er offenherzigen soz'aidemokratischen Fsrdeiung gegen« fiwr verlangen wir gerade im Namen èa Freiheit: Weg Mit der fonieffianSlofen Schule!

E^e uuge'öße Preisfrage.

Immer gibt es noch Arbeiter, die sich durch den so« zialdemokratischen Proarammsatz „Religion ist Privat, fache", kâuswen lossrn. Und doch beru^ der grrnze ms. Deine Sozialismus auf einer freidenkerischen, «ng Lu- bikikn, rnsderncheidnischen Weltanschanunz die nichts wißen will von einem Gottes- und Ewigkeitsglauben. Der moderne Sozialismus ist in sich gottfeindl'ch un> christukfeindlich

Freilich verschweigen daS meistens die Agitatoren, vor allem, wenn sie zu lern einfachen, gläubigen Volke reden; dann sagen sie: „ReNgion ist Privatsache". — Unter sich aber reden sie anders! Dann heißt cS; „Wir haben keinen ?lnlaß, ein Hehl daraus zu machen, daß die Sozialdemokratie der Kirche fciiidlich gegen- überstehen und daß wir unsere Forderungen mit bcson. derer Entschiedeichrit deshalb stellen, weil wir wissen, daß wir damit die Dèacht der Kirche brechen werden." (Sozial. Monatshefte 1905.) Darf man aber eins christusieindliebe und kirchenfeindliche Sache unterfti? tzen? Niemals! —

Für d ejeni. en aber, die inrm:r noch n ebt eiuflh^ 1 wollen, daß die Bestrebungen d«s modernen Sozialismu- christuSfeinolich sind, sei auch hier die Preisfrage fit« gestellt, die vor einigen Jahren in einer Volksvereins­schrift gestellt und bis heute noch nicht beantwortet wurde: *

1. Wo ist ein einziger hervorragender, geistiger, ooli« scher Führer der Sozialdemokraten, der kirchlich-re­ligiös denkt und lebt?

2. $<o ist ein einziger hervorragender sozialdemokra. bischer GrwerkschâftSführer. der religiös. kirchlich d nkt und lebt?

3. Wo ist ein einziger Redakteur eines sozialdemokra­tischen Parier- oder Gew-rkschaftsblabtes, der reli­giös-kirchlich denkt und lebt?

Also moderner Sozialismus und Christentum stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasier. CS muß sich dem. nach ein jeder entscheiden, ob er bei der Sozicrldeino- kratie oder beim Christentum bleiben will!

Ueber das Schicksal der Türkei

hat die Entente doch noch nicht endgültig en1schir-en. Seither hieß es, der Sultan solle in Konstantinopel bleiben, jetzt wird berichtet, es werde ihm besonders auf Betreiben Wilsons in Kürze eine Kundgebung der Al­liierten zugehen, auf Grund derer seine Uebersiedelung auf asiatisches Gebiet erfolgen müsse. Das wäre das Ende der europäischen Türkei. Jedenfalls werden die Engländer danach strebt«, sich den maßgebenden Ein­fluß in Konstantinopel zu sichern nach dem Wort Na­poleons I. „Wer Konstcmtmopel hat, hat die Brücke nach Asien." ___________ _

§rcmkrerch

wird wieder in Beziehunorn zum P/rpst treten; ein Gr- setzentwurf über die Errichtung einer Gesandtschaft beim hl. Stuhl ist der Kammer zugegangen. Es ist gar kein Zweifel, daß der Antrag angenommen wird, und daß die französische Kirchenvolitik in der nächsten Zeit n»ch Weiber n»ch rechts umblegen wird.

„Ves NLtzkA hat ZapaA'â.

In den vergangenen Jahren ist unter denkenden politischen Köpfen gar mmnhmal bk Aeußerung gesal- len: „Den Rutzen haben allein Amerika und Japan. Das alte Enropa verändert sein ganzes Gesteh; d'S Rolle, welche eS bisher in bet Weltgeschichte gespielt bat, wird es in Zukunft nicht mehr spielen können. Neben Europa, vielleicht an seiner Stelle, werden Ams^ rifa und Japan treten." Einen merkwürdigen Beleg für dir Richtigkest dieser Ansicht liefert eine Statistik über den javanischen Handel, wonach in den Jahren 1901 bis 1919 der Ausfuhrhandel Japans von 252 Millionen Yen (1 Yen 2,09 Mk.) auf 2030 Millionen ^en erstiegen ist; die Einfuhr von 255 auf 2112 MiL Yen; der Gesamthandel von 508 auf 4142 Millionen Yen Das ist ein Aufschwung, wie er selbst von dem sonst einzig dast-ehenden Aufschwung, Deutschlands vom Jahre 1900 bis 1914 nicht annähernd erreicht wird. Besonders in den Kriegsjahren 1914—1919 ist die Aufwärtsbewegung — von rund 500 Millionen auf 2000 Millionen — so sinnfällig, daß jedes wefter« Wort darüber sich erübrigt.