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—«► Die Gsterbelcht. .«-G—
Ein junger Mann, kaum in den Dreißigern, kommt in der österlichen Zeit in die Kirche. „Muß doch auch beichten," spricht er bei sich, „die Mutter läßt mir sonst keine Ruhe" Nun geht's an die Vorbereitung. Er sucht einen Platz im hintersten Kirchenstuhl, schaut hin und her und mißt die weiten Räume des Gotteshauses, das er nun endlich seit einem halben Lahre wieder sieht. Er dreht den langen Schnurrbart, richtet seine Haarfrisur zurecht und will anfangen — zu beten, will Hinobschauen in den düsteren Schacht seines Gewissens. Aber pfui, es graut ihm! Er findet es so schnmtzig und so eiskalt und stockfinster da drunten. Das ganze Jahr hatte er keinen Blick in diese garstige Schlammgrube hinabgetan, darum ist er einen solchen Anblick auch gar nicht gewohnt, geschweige denn, daß er sich Mühe geben möchte, diese verlegene Ware aus seinem Innern wegzuräumen. Sogleich mischt sich auch der schwarze Geselle hinein, der arglistige Teufel, der heruntgeht, wie ein brüllender Löwe und flüstert ihm ins Ohr: „Geh zu, besinn dich nicht so lange, mach's kurz."
Recht so; die Gewissenserforschung ist vorbei; er stellt sich beim Beichtstühle auf. Es ist ihm nicht kalt und nicht warm; die Hände hält er gesenkt und legt sie abwechselnd kreuzweise übereinander; dreht sich auf dem Absätze, lehnt sich an die Wand, mustert die Vsr- beigehenden. So gefühllos wie ein Stein, so kalt wie ein Eisklotz steht er ungefähr eine halbe Stunde da; denkt hin und wieder nach Hause an seine Geschäfte und Anliegen und an tausenderlei andere Dinge, nur an feine Sünden nicht; — da trifft ihn endlich die Reihe, sein Dormann macht ihm Platz und nur ein altes Mütterchen auf der dndern Seite des Beichtstuhles verrichtet noch vor ihm feine Beicht. Mit Ungeduld harrt unser Held auf Erlösung aus seiner unheimlichen Lage; allein, das gute alte Mütterchen braucht so lange. „Was nur die alte Hexe wissen muß," brummt der Ungeduldige vor sich hin, „da wäre ich schon zehnmal fertig!" Doch immer noch kein Ende.
Da kniet sich endlich der junge Mann im Beichtstühle nieder, voll sicherer Erwartung, daß der Priester doch alsbald das Kreuz über ihn machen und sich zu ihm herüberneigen werde, um sein Bekenntnis zu hören. Doch immer noch nichts. Ein Gefühl van Unmut und Gleichgiltigkeit wechselte inzwischen ix seinem Innern, bis plötzlich sein Blick auf ein Bildchen siel, welches innen am Beichtstuhl angebracht war, ein Bildchen, gar schön und passend in der Wahl des Gegenstandes, den es darstellt«. David, der stemme Büßer, lag da abgebildet auf seinen Knieen, Bich- tränen flossen aus seinen Augen, und ein Engel Gattes stand ihm zur Seite, eine goldene Schale t« der Hand, um die kostbaren Tränen, die über des Büßers Wangen rollten, aufzufangen und vor den Thron des Allerhöchsten, des ewigen Richters zu bringen.
Der bisher so gefühllos daknieende Mann sicht das erbauliche Bild; er sieht es wieder, und je mehr er es betrachtet, eine desto mächtigere Wärm« durch- glüht ihm das Herz; ein geheimnisvolles Feuer scheint in seinem Innern sich zu entzünden, und ein unerklärliches Gefühl bemächtigt sich seiner Seele; ein namenloser noch nie gefühlter Schmerz preßt ihm das Herz gewaltig zusammen, und er ist, als ob eine Stimme ihm zurufe: „Sieh da, das ist wahre iBuße — und du — bist so trocken und empfindest auch nicht einen Funken Neue."
In solche Gedanken verlieft kniete er da; ein Grm- denstrahl der unendlichen Erbarmungen Gottes hatte ihn plötzlich getroffen, schon glänzt eine kostbare Träne der Reue im Auge des vorher so hartnäckigen Verächters der heiligen Beicht. Die etwas lange Gene- ralbeicht des alten Mütterchens läßt ihm indesien nsch Zeit genug, um einen ernsten Blick in sein teureres zu tun und seine tiefe Versunkenheit zu erkennen. Die Gnade leuchtet immer stärker, mit Wehmut durchschaut er sein bisheriges Leben und findet es strotzend von Sünden und Lastern, leer an guten Werken, verloren für Zeit und Ewigkeit.
Mit der tiefsten Reue verbindet er den heiligsten und ernsten Vorsatz, ein neues Leben zu beginnen und ganz andere Wege zur Rettung seiner unsterblichen Seele einzuschlagen; da neigt sich der Priester zu ihm herüber und erteilt ihm den heiligen Segen zum offenen und rückhaltlosen Bekenntnisse seiner Sünden. Mit gebrochener Stimme fängt der von der göttlichen Gnade gerührte Sünder seine Anklage an; unter Tränen zählte er alle seine Missetaten auf und seine Verachtung gegen Gott und dessen heilige Gebote, gegen die Kirche und ihre Vorschriften, gegen die Religion und Tugend, und je mehr er sich aussvricht, und seine
Sündenlast entleert, desto leichter wird ihm «ms Herz. Der Priester spricht zum tief ergriffenen Büßer, weist ihn auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes hin, mahnt ihn zum innigsten Vertrauen auf den Herrn, zum standhaften Festhalten an seinen eben gemachten guten Vorsätzen, schreibt ihm angemessene Arzneien vor gegen den Rückfall und entläßt ihn so, selbst tief erschüttert über die wunderbaren Wege der erbarmenden Liebe Gottes, nach Erteilung der verdienten Buße und der Lossprechung.
Ach, wie leicht war jetzt auf einmal dem jungen Manne ums Herz! Kaum war das „Ich spreche dich los" gesprochen, so empfand er in sich eine Ruhe, einen Frieden, eine Wonne u. Seligkeit, wie er sie sein Leben hindurch nie gefühlt. Mit Donk im Herzen sucht er sich ein stilles Plätzchen, preist Gott den Herrn für feine grenzenlose Vatergüte und gelobt ihm hoch und teuer, fortan mit seiner Gnade nur die Wege der Tugend zu gehen und sein Seelenheil zu wirken, koste es was es wolle.
G, da§ leidige Seid«
In einem frambüchen Städtchen an der schönen blauen Donau lebte einst ein vermögender Geschäfts- mamt Er war unverheiratet. Durch seine Sparsamkeit und Ordnungsliebe hatte er es zu etwas gebracht. Bei feinen Mitbürgern stand er wohl im besten Ansehen, aber von Religion wollte er nichts wissen. Die £irdje betrachtete er sich meistens von außen. Auf einmal wird er gefährlich krank. Weil nun einmal so Brauch ist, wird der Geistliche gerufen und mit Muh uub Not empfängt er die hl. Sterbesskramente.
Bald darauf stellt sich Bewußtlosigkeit ein. Dir Fieberhitze bringt mächtig durch alle Adern. Er phanta iert. In seinen Gedanken ist er immer im Geschäft, chließt Kaufhär^rl ab, Nagt Schulden ein, leiht Kapita ieu nur usw. Da schreit er plötzlich gerade Humus: „Geld, Geld will ich!" Seine Hausleu'e ßofren ihm nun aus seinem Schreibtisch ein Säckchen nur Geld aufs Bett gelegt. Da ist seine kalte, todes- sck-meißige HM- langsam danach hingekrochen und hat daran herumgetastet wi« ein gieriger Hund an einem Knochen herumsck-nuxpsrt. Nach einer Weile ruft er wieder: „Noch meßt Geld!" Da haben sie aus der Ladenkasse noch ein paar Nollen Geld geholt und fit auf das Bett dazu gelegt.
Sein schon glasiges Aug« sieht sch-rrf hin und er ruft mit röchelnder Stimme immer wieder: „Grld! Geld!" Sein Buchhalter sucht jetzt alles aus und bringt ihm bas Gefundene, wie man einem Kind feine Spielfa>h«n Acheiholt. Jetzt versagt dem Sterbenden die Glimme. Er kann nicht mehr laut reden, oder die Li ppm betragen sich noch. Ein Bekannter beugt sich über ihn hin, hält das Ohr an seinen Muich und hört seine Lippen zum letztenmal hauchm: „Geld, noch mehr Geld!" -- unb stirbt.
Ist denn so etwas möglich? rufst du aus! Ja, solche Sache» kommen vor. Wiewohl der Mensch doch alles zurücklaflen muß, ist er doch so vernarrt und verliebt in das leidige Geld! Und gerade in der gegenwärtigen Zeit ist es dieser schnöde Mammon, mit dem viele Menschen ihre Hände beflecken. Mit dem Geld hat es seine eigene Bewandtnis. Ein einsichtiger Mmm aus dem Volk hat mir kürzlich ein treffendes Wort darüber gesagt. „Das größte Uebel auf der Welt", meinte er, „ist das Geld, im Grld, steckt der Teufel drinnen; Sie haben gar keinen Begriff, wie das Geld die Menschen kalt und herzlos und gewissenlos macht." — O doch, einen Begriff bekommt man schon, man braucht heutzutage nur ein bißchen seine Augen aufzu- machen unb die Tageblätter zu lesen, da sieht und liest man es, wie das Geld Ne Menschen verdirbt. Zur Zeit gibt es Hunderte von Maischen in Stadt und Land, die früher gut und christlich waren, jetzt aber einen freventlichen Tanz um das gelbeste Kaib oder richtiger um den abscheulichen Papi ergötzen aufführrn. Alles ist ihnen gleichgiltig geworden, lshre, Schande, Anfel-en, Gottes Gebote, menschliche Gesetze, die Not, ja selbst das Leben der Nebenmenschen — wenn nur Gelb hereinkommt. Jeder Pfennig ist ihnen recht, mo- gen auch die heißen Tränen armer, jammernder Kinder, mag der Toderschweiß verhungernder Mütter, mag selbst Blut daran kleben. Wie das Gttd einen MensclM herunterbringen kann, das sehen wir Hand- Endlich hat er die Höhe der S raße erre â,. und vor greiflich an dem Erzschelm Judas. Von Haus aus feinen Blicken liegt das Ziel seiner Reise: se n H -im-rt- war Judas gewiß kein schlechter Mensch. Im Gegen- j städtck-cn, das das Liebste birgt, n-as er noch auf Erden teil, er hatt» anfangs einen wahren Eifer für das^be'.ht, die Mutter —, jenes Städten, mo er geboren, Gute, er schätzte und übte die Tugend, er folgte mit (uub — er fühlt es — wo er bald die müden Augen Begeisterung dem Herrn; denn sonst hä te ihn der; schließen soll.
Heiland nicht zu seinem Apostel angenommen. Judas j Eanz umfangen fron dem Eindruck, den das Heimat. Hat im Auftrage bts Herrn mit Feuereifer geprediget,' liche Bild zu seinen Füßen macht, setzt er sich auf eine hat vielleicht sogar Wmader gewirkt. Aber auf einmal, Ruhebank und läßt all die versloffenen Jahre an so fisch ihm der gleißende Schimmer des Geldes in die jnem Geiste vorüberzietzcn.
Augen, er ließ sich von dem Glanze blenden und verliebte sich nach und nach förmlich in den Gcldgötzen, Und jetzt ging es rasend mit ihm bergab, so rasend, wie wenn ein Stein vom Berg ins Tal herunter fu« gcPe. Er bestahl seine Mitapostel und den Heiland, er belog sie, er wurde ein ganz miserabler Heuchler, obwohl er wissen mußte, daß dem Heiland nichts verborgen war, daß sein Herz vor ihm lag wie ein offenes Buch. Aber leider hatte der Geldteufel ihn schon ganz verblendet und ihm sogar den Glauben genommen. Da nüß'e nichts mehr, mochte er auch Tag und Nacht um den Heiland fein, mochte ihn der Heiland mahnen in Güte, in Strenge, allein, vor den anderen, mochte er ihn tausendmal mit seinem liebreichen, tiefen Blicke, der ins hinterste Fältchen der Seele hineindrang, warnend anschauen — alles war umsonst. — Zwingen tut der liebe Gott niemand; er gibt jedem die nötige Gnade, aber läßt auch jedem den freien Willen. Judas schlug alles in den Wind, er vergaß Ehre un- Gewissen, Freundschaft, Liebe und Treue, und zum schrecklichen Ende verriet und verkaufte er seinen Gott und Herrn für ein paar armselige schäbige Münzen. --Wenn einem Apostel, der Jahr und Tags mit bem Heilarch umging, mit ihm aß und trank, immer bei ihm war, so etwas passieren konnte, welche Gefahren drohen dann erst uns von der elenden Geld- sucht? Ja, Tausende und Tausende stolpern auf dem Himmelswege über einen Geldsack oder ein Geldsäck- chen und brechen sich elendiglich das Genick: denn wer dem Geldtrufel dient durch unmäßiges Zusammenscharren von Reichtümern, der kann nie und nimmer ins Himmelreich eingehen. Auch derjenige, der sein G^ld rechtmäßig erworben hat, aber in ungeordneter Liebe, mit ganzem Herzen daran hängt, kann niemals in den Himmel gelangen. Es geht ihm wie einem Menschen, der auf einen hohen, steilen Derg hinaufklettern möchte, aber in beiden Händen einen schweren Metallklotz trägt. Er wird nicht weit kommen. Entweder läßt er das Metall zurück, ober er muß auch selbst unten bleiben. Wenn du aber von deinen Reichtümern gar nicht lassen magst, so will ich dir einen guten Rat geben, wie du trotzdem in den Himmel tommen sannst. Machs w?- die Ts„r^>n
Sebirg, die einen schweren Pack von Vorräten, Instrumenten usw. auf dem Berg droben haben mochten. Sie stellen mehrere Packträger an und lassen sich das Zeug binauftragen. Ich weiß Nr solche Packträgsr, zur Zeit gibt es deren eine Menge, — nämlich die Armen und Vedürfligen, die armen Erflkommunikau- ren, die hlmgernden Kinder in den Großstädten. Usbergib ihnen deine Schätze, wenigstens zum Teil, und laß dir sie von ihnen in den Himinel vor- anfragen, dann kannst du droben durch die ganze Ewigkeit von deinen Reichtüvkern Genuß haben.
Mr bedürsUgs ErMornmuniksmten, be'onders in der Diaspora, hat der Bonif.-Bo e jedes Fahr eine Sammlung eröffnet. Auch in diesem Jahre bittet er alle Leser, b-s-nders die besser situierten Eltern der glück! i^x Erstks nmunikanlen in den kathokschen Gegenden um ein Scherflein,
damit der Not, die bei den Hatzen Kleider- Shuhp.eisen in di-sem Jrrr nah grâß'c einiger malen gesteuert werben kann und ken ulrückbleiben muß, we l es ibn» am Nötigsten
und ist, Kind fehlt
Gaben au Pfarrer Atzert *er Setsen-ruckcret Fulda.
Leser des Banifafiusboten
vergeßt im Zosephsmonat den Zofephspfennig nicht!
Sein letztes Bild.
Ein heißer Sommertag Auf staubiger Landstraße schreitet ein Wcruderer seines Weges. Wohl steht er noch in der Blüte der Jahre, aber man sieht cs Hm an, die Wanderung fällt ihm schwer. Ein dumpfer Husten macht den Körper zeitweilig ereifern, eine schleich nde heimtückische Krankheit zehrt an seinem jungen Leben.