Einzelbild herunterladen
 
  

*" 82*

bayerijche Abg. Gerstenberger sich zu der Erzbergerfrage äußert. In einem seiner .Neichstagsbriese" imFränk. Volksblatt" spricht er von den Verhandlungen über die Steuergesetze und schreibt: , , , .

Anerkannt wird, daß rwch bei keiner S!euerge,eh. Hebung die sozialen Gesichtspunkte, die Rücksichten auf die Familien usw. so sehr beachtet wurden, wie in die­serErzbergerschcn Steuerreform". Wr Vater kann leider den Abschluß seines großen Werkes nicht selbst b^-treten denn er muß mit hinterlistigen Gegnern mn seine politische Existenz den schwersten Kwnpf durch- fechten den je ein Staatsmann zu führen hatte. Das eine mag aber heute schon mit^eteilt werden, von den Beschuldigungen, als ob er Steuern hinterzogen oder falsche Angaben über seine Einnahmen gemacht hätte, wird auch keine Spur an ihm hängen bleiben. Jnwie- ' weit er Politik und Sorge um seine eigene Existenz miteinander verquickt hat, darüber gehen die Auffassun­gen weit auseinander. Der StaatsmNvtcht hat es 8- B. ihn: auch als Schuld angerechnet, daß er auf Er­suchen des demokratischen Abgeordneten Herrmann der von jenem geleiteten SchneidereinkEfsgenosienschast Nürnberg genehmigt hat, ihre vom Reiche bezogenen Waren mit Kriegsanleihen im Nenntvert zu bezahlen, obtvohl dies sonst nur denen gestattet war, tvelche selbst die Kriegsanleihen gezeichnet hatten. Gewiß, die Ge­nossenschaft hatte nicht selbst gezeichnet aber alle die einzelnen ihrer Mitglieder. Auch diese Mittelstands freundliche Tat Erzbergers wird ihm aus formalrecht lichen Gründen zum Fallstrick. Ebenso daß er katho­lischen Missionen und kirchliche» Körperschaften behilf­lich war. Gelder, die zum Unterhalt ihrer auswärtigen Anstalten unbedingt hinausgeschickt werden mußten, durch Einzahlungen auf sein persönliches Konto in der Schweiz ins Ausland zu bringen. Hat ihm Helfferich doch selbst zum Vorwurf gemacht, er hätte Waren aus der Türkei bezogen. In Wirklichkeit war eS ein Waggon Olivenöl für sämtliche katholischen Bischöfe Deutschlands zur Weihe der hl. Ocle am Gründon­nerstag.

Wer tieferen Einblick in die Kreise der Gegner Erz­bergers gewonnen hat, kann sich nicht verhehlen, daß nicht nur Kapitalisten, tvelche das Reichsnotopfer fürch­ten alles zu seinem Sturze a^rfboten, sondern auch diejenigen im Lager des Evangelischen Bundes, welche es nicht verwinden können, daß Erzberger zrelbeimtßr auch die Katholiken in Stellungen und Staatsämter brachte, die ihnen früher verschlossen waren. Wenn dieservon Gott und der Welt" angegangene und ge­plagte Mann, der Tausenden geholfen hat ohne jede» Dank und ohne Rücksicht auf sich selbst, in den letzten Jahren, als er noch nicht Minister war, auch einige durchaus nichl unerlaubte oder unreelle Geschäfte machte, die seine und seiner Familie Existenz sicherten, so mögen es die ihm als unvereinbar mit seiner Stel. lung als Abgeordneter und alsnicht wohlanständig" ankreiden, die selbst im Vollen sitzen, oder die Neid­hammel, die es jedem mißgönnen, der eS durch Wissen und Fleiß zu etwas bringt. Das katholische Volk aber ist heutzutage zu der Erkenntnis g-kommen, daß es mehr Gutmütigkeit ist, von seinen Führern immer nm Opfer zu verlangen, den Gegnern aber alle einträg­lichen Aemter und Geschäfte zu überlassen,

THU dem Völkerbund,

6er die Hauptvölker der ganzen Welt aufnehrmn soll, wird es nicht so schnell gehen. Das zeigt das Verhalten Amerikas. Obwohl dort in Wilson der HauMräger dieses Gedankens sitzt, finbet er im Senat so wenig Anklang, daß baran die Friedensratifikation bisher ge­scheitert ist. Die Hossming auf endliche Annahme der­selben sind trotz der einbringlid)en Mahnung des Er­nährungsministers Hover, endlich der Unsicherhsit d Europa ein Ende zu machen, in weitere Ferne gerückt. Der Vertrag wird vielleicht die Wchlparole für die nächsten Präsidentenwahlen abgeben.

Frankreich hatte einen Eisenbahnerstreik er ist aber sehr schnell M-bgeflaut. da er von Anfang an völlig unpopulär war. In vielen Ortschaften bereinigten sich die Geschäfts­kreise, um die Eisenbahner zu boykottieren; man ver­weigerte ihnen Brot und Milch, und die Vereine ehe­maliger Kriegsteilnehmer boten sich aus freiem An­trieb an für die Streikenden einzuspringen. Tausende von Technikern, Ingenieuren, die Zöglinge der Poly­technikums und anderer technischen Anstalten wurden binnen zwei Tagen in den Betrieb eingeweiht und der Dienst funktionierte in mäßigem Ausmaß fast auf allen Linien , Wenn aus Anlaß dieser Streiks, wie schon öfters, in deutschen Zeitungen die Rede davon ist. Frankreich stehe am Vorabend der Revolution, so ist das ganz verkehrt. Daran ist nicht zu denken, wie wir schon oft dargelegt haben; siegreiche Völker machen nun einmal keine Revolution und die Franzosen erst recht »licht. .Dazu kommt, haft die Mehrheit der Bevölkc.

rung, der Bauer bißet, der eine Bewegung der Ar­beiter mit allen Mitteln hindern würde. Die Hoffnung der Bolschewisten ist anLerswo in Deutschland und Oesterreich. Es ist gut, daß der französische General­streik das wieder einnuä deutlich gezeigt hat.

Ungarn

hat durch Wahl in der Nationalversammlung einen Neichsverweser" erhalten hi der Person des 42 Jahre alten Admirals Horthy, der aus einer seit Jahr­hunderten in Ungarn ansässigen Familie stammt. In der 3. Märzwache soll die Königsmaht stattfinden, wenn die Entente es zufrieden ist.

>---^K Diözese Fulda» *^x

Durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof erhielten Anweisung: Kaplan Mehlmann in Hünfeld als Kaplan in Großauheim, Kaplan Görgs, bisher in Dermbach, als Kapianelverweser in Marburg, Neupriester Leopold Preis als Kaplan in Hünfew und Neupriester Büttner als Kaplan in Dermbach.

Der Hochwürdigste Herr Bischof ernannte mit Wirkung vom 1. März d. I. den Herrn Stadt­pfarrer Anton Leh in Hünfeld zum Dechant des gleichnamigen Dekanates unb zum Mitglied des Vorstandes der Kommunikantenanstalt (Joiephs- beim) daselbst. Vom 1. März wurde dem Herrn Pastor Johannes Storch in Hofgeismar die Pfarrei Eschwege übertragen und Herr Kaplan Mans- Marburg zum Pastor in Hofgeismar bestellt.

Am Montag wurde wie herkömmlich im Bischöf­lichen Priestersemlnar in Anwesenheit des Hoch- würdigsten Herrn Bischofs, des Domkapitels, des Prosessorenkollegiums und einer Anzahl von Geist- Itdwn aus der Stadt und vom Kloster Frauenberg das Gedächtnis des hl. Thomas von Aquin, des Patrons der katholischen theologischen Schulen, (gestorben am 7. März 1248) durch eine Akademie festlich begangen. Das Orchester spielte ein Stück aus Iphigenie aus Tauris von Gluck und einen Marsch aus Athalia von Mendelssohn, der Chor sang ein 0 sacrum convivium (Text vom hl. Thomas von Aquin) von Haller und die Mrrtierliebe von Kroemer. Die Hauptstelle bei der Feier nahm die Inauguraldissertation ein, die Herr Dozent Dr. Koch vom Priestersenlinar in lateinischer Sprache über denWahrheitsbegriffdesmodernenPrag- matismus hielt. Im ersten Teil seiner Abhand­lung entwickelte der Vortragende diesen Begriff durch zahlreiche, systermtüsch geordnete Belege aus den Schriften der modernen Praomatisten, im zweiten Teil unterzog er die diesbezüglichen Aufstellungen einer fachlichen Kritik.

Kämmerzell. In vergangener Woche ward in hiesiger Pfarrei eine hl. Mission durch Franzis­kanerpatres abgehalten. Alle Pfarrangehörigen ohne Ausnahme nahmen mit großem Eifer an derselben teil. Eine stattliche Anzahl von Männern und Jüng­lingen der Pfarrei trat dem neueingeführten eucha­ristischen Männer-Apostolat bei.

Großenlüder. Nun ist auch der lebte von unsern 30 Kriegs gefangen en glücklich in die Heimat zurückgekehrt. Johann Jller stand im 3. Jahre der aktiven Dienstzeit als Marinesoldat als der Krieg crusbrach, und wurde von den Japanern bei Kiautschau gefangen genommen. 8 Jahre war er von seinen Angehörigen getrennt. Möge nun für olle aus dem Krieg und der Gefangenschaft Zurückgekehrten nach so langem, unruhigen Soldaten- ieben eine Reihe ruhiger, glücklicher Jahre folgen. Eine Begrüßungsfeier für alle ist bereits in die Wege geleitet.

- Hauswurz. Im neu erbauten, se strich geschmückwn Saale des Gastwirts Heil fand am verflossenen Sonntag eine Versammlung des Volks Vereins statt. Dem Geschäftsführer, Herrn Wilhelm Vogt, war es eine Freude, die zahlreich erschienenen Männer und Jünglinge, Frauen und Jungfrauen zu begrüßen und ihnen für das dem Volksverein auch während der harten Kriegszeit un­geschmälert enigègengebrachte Interesse zu danken. Herr Voiksvereinssekretür Frank-Fulda sprach in längerem, fesselndem Vortrage über die folgenschweren Ereignisse der letzten Jahre, die für Deutschland einen so verhängnis­vollen Ausgang genommen hätten. Wenn auch unser ; Staats- und Wirtschaftsleben so schweren Erschütterun- ; gen ausgesetzt gewesen sei und der verlorene Krieg so ! namenloses Unheil über das deutsche Volk gebracht habe, so möge man nicht verzweifeln, sondern mutig und ent­schlossen eine bessere Zukunft Deutschlands gestalten helfen. In welchen Bahnen sich dabei die Mithilfe der Landbevöl­kerung zu bewegen habe, wurde vom Redner eingehend dargelegt. Die Versammlung bezeugte durch ihre Zustim­mung, daß sie es an weiterer treuer Pflichterfüllung den hartbedrängten Volksgenossen gegenüber nicht fehlen lassen werde. Nachdem Herr Frank die organisierte Mitarbeit im

Dolksverein und in der ZenttumsorgM^nNon besonders gewürdigt und seinen Vortrag unter lebhaftem Beifall ge­schlossen hatte, konnten 15 Mtglieder dem Volksoerem neu zugeführt werden. Dieser Zuwachs ist umso erfreu­licher, als der Verein sich während des Krieges auf der alten Höhe gehalten hat.

Hofbieber. Zum ersten Male fand am verflösse. Vo'lksvereins für das katholische Deutschland statt, die trotz des kurz vorher einsetzenden starken Re­gens von Männern und Jünglingen, Frauen und Jung, stauen gut besucht war. Herr Pfarrer Goldbach gedachte in seiner Einleitungsrede des sr»ßen Führers der Katholiken Der>jschlands des unvergeßlichen Windt. Horst, der sich durch die Gründung des Volksvereins ein Denkma'l für ewige Zeiten gesetzt habe. Darauf zeich. nete Herr Volksvereinssekretär Fran k-Fulda in einem von der Versammlung mit Spannung verfolgten Vor. trage ein Bild von der unvergleichlichen Tätigkeit des Bolksvereins zum Wohle und Nutzen aller Berufs­stände. Er schilderte die Aufgaben des Volksvereins a'ls sozialer Verein, als Verein für die heute ganz be. sonders notwendige staatsbürgerliche Belehrung, Schu- lung uiib Erziehung des Volkes. Die Aufgaben des Volksvereins als Schülverein fanden besondere Berück, sichtigung. Nicht umsonst, sollte der Redner seine Zu- Hörer in begeisternder Weise zur Mitarbeit an der Ver­wirklichung der hohen Ausgaben und hehren Ziele des Volksvereins aufgefordert haben, denn es meldeten so­fort 78 Männer und Jünglinge sowie 41 Frauen und Jungfrauen ihren Beitritt an. Da die Vorbedin­gungen für ein reges Vereinsleben gegeben sind, so wird der Volksverein hoffentlich einen recht guten Auf­schwung nehmen.

Hünfeld. Am vorigen Sonntag feierte der Neu. Priester Ludwig B ü t 1 n e r, Sohn des Herrn Kanzlei­sekretärs Büttner, fein erstes hl Meßopfer. In feier, 'licher Prozession "wurde der Primiziant zur Kirche ge­leitet. Dem Neugeweihten assistierte bei feinen ersten hl Meßopfer Herr Dechant Lev; als Diakon und Srrbdiakon waren Herr Rektor ©onbergelb unb Herr Kaplan Mehlmann tätig. Die Festpredigt hielt der Bruder des Primizianten, hochw. Herr Dr. Hermann Büttner. In ergreifenden, zu Tränen rührenden Worten schilderte er die Seele und die Wirk, samkeit des katholischen Priesters Zum innigsten Aus­druck gestalteten sich seine EnrpfindunKen, als er an den Neupriester selbst sich toandte. der durch die Er. hebirng zürn Priestertum nun doppelt sein Bruder ge. worden sei. Verschönt wurde der Gsttesdienst durch eine Anzahl mehrstimmiger Lieder, die der gemischte Kirchenchor unter Herrn Hauptlehrer Webers be. währter Leitung vortrug. Dkit einem Tedeum schloß die Feier, die nicht nur der Familie des Neupriesters, sondern der ganzen katholischen Gemeinde Hünfeld zur Freude und Ehre gereichte.

UimbaÄ (Kreis Sch'ücbieru). Herr Mittel- schull-chrer Amrheim-Frankfurt a. M. hielt hier zwei Vorträstk, einen für Männer, einen für Frauen. Besonders in der Männervrrsainmlunq war der Saal dicht gefüllt mit gebannt lauschenden Zrckörern. Der Redner ermahnte die Versammelten, vollzählig dem Voltsverein für das katholische Deutschland beizutreten und verbreitete sich über die bronnenden Fragen der Gs-en-M«rt.

Gelnhausen. Am vorletzten Sonntag abenb trat der hiesige kathol. Münnervere'in wieder einmal mit der Auf­führung eines größeren Schauspiels an die Oessentkchkeit. Es kam zur AufführungWenn du noch eine Mutter hast" von He'inr. Houben. In ergreifender Weise behandelt es das Schicksal eines jungen Menschen, der durch böse Ge­sellschaft und schlechte Lsktüre irregeleitet, ober durch Trüb­sal, Leid und Buße wieder zur Erkenntnis kommt. Es zeigt den tiefen reichen Segen und Einfluß einer frommen Mutter im Leben ihres Sohnes. Zwei edle Frauen­seelen und ein Kinderherz, das trotz Nbwegr wieder von der Liebe der Mutter geleitet, den rechten Lebensweg be­tritt, sind so in feiner Weise charakterißert. Den geräu­migen Saal der Turnhalle füllte eine oielhundertköpfige Menge, und viele, die noch Einlaß begehrten, mußten auf den schönen Genuß des Abends verzichten.^ Die Spiel­leitung lag in den bewährten Händen des Herrn Huber. Mit großem Geschick und außerordentlich viel Eifer und Mühe" widmeten sich die einzelnen Darsteller der edlen Sache. Besonders ergreifend wirkte die so natürlich dar- gestellte Kerkerszene Reicher Beifall imirbe allen Mit- wirkeröen wie auch der Musikkapelle zuteil. Der unge­wöhnlich zahlreiche Besuch zeigte wiedc? recht offensicht­lich, daß man sich in der heutigen bewegten Zeit auch gern einmal an etwas anderem erfreut und erb out, als nur an Tanzvergnügen, Maskeraden und dergleichen. Der Man-- nerverein kann mit Recht stolz sein auf den glücklichen und erfolgreichen Verlauf dieser Veranstaltung. Allen, Die zu dem guten Gelingen des großen Dornchmens mit so treuem Eifer beigetragen haben, fei auch an dieser Stelle der wärmste Dank zum Ausdruck gebracht.

Bieber, Kr. Gelnhausen. Am Sonntag den 29. Febr. veranstaltete der kath. Jungfrauenverein unter der Leitung von Frl. Lehrerin Will einen gut besuchten Theater-Abend. Es gelangte zur Aufführung das schöne StückAns Riut- terherz", Drama in 3 Aufzügen; ferner der kleine Schwank Aschenbrödel", sowie zwei lebende Bilder imb die -um penmädchen von Harlem. Die Rollen waren durchweg in guten Händen und wurden mit großem Beifall belohnt. Möge der Verein noch öfter derartige genußreiche Abende veranstalten.