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Dieser behäbige Rentner mit den runden, roten Bli­cken stand nun eines Tages am Grabe eines Nachbars und als bad dritte Vaienmser gebetet wurde, mufete er unwillkürlich auf b.'n neben ihm sichenden Dorf- schmied Hinblicken, der gerade wieder einen heftigen Hustenanfall bekam.Dem armen Schelm hat es ge­wiß außerordentliche Mühe gekostet, seinen ausgezehr­ten, wankenden Körper noch big zum Kirchhof zu "fcfHcWcn» ^d§ ivirb cii^ tvo^l ixtS dlcric<3ic ^jcil ihn gew sen sein," so sprach unser Rentner auf dem Heimwege zu seinem Schwager.Die Worte: »yut denjenigen, der dem Verstbrbenen folgen wird . Hat er ganz gewiß auf sich selbst bezogen. Er sah auch so scharf auf die Stelle neben dem Grabe. als wollte er sie schon für sich in Anspruch nehmen."

Und" doch ist nicht der arme Schwindsüchtige,- dern unser Rentner selbst auf die Stell« gekommen, und das ganz schnell, schon nach drei Tagen.

Nach Disch legte er sich nämlich zu feinem ge. wohnten Mittagsschläfchen nieder.Um 2 Uhr wecke mich", ferkle er zu seiner Frau.Ich will mit meinem Schwager nach N. auf die Stadjiirmeg gehen.

Die gute Frau hat auf die Uhr genau acht gegeben, aber das Wecken hat nicht helfen wollen und selbst das Schütteln nicht: im Stillose mar er vom Schlage ge­troffen worden und, wie der später herbeigerufene Arzt .erklärte, sofort tot gewesen.

Auf den Schwager desselben, der mir die Geschichte erzählte, hat das erschütternde Ereignis den tiefsten Eindruck gemacht. Er sagt sich jedesmal bei einer Be­erdigung:Du kannst dieser Nächste sein, darum halte dich stets bereit vor Gottes Richte vstuhl 3» kommen."

Mrger Ripoche".

Zur Zeit der französischen Revolution wurde In der Vendee ein Soldat namens Ripoche vexbaftet, weil er für die Sache des Königs und die Sache des ka­tholischen Glaubens gefochten hatte. Man führte ihn mit mehreren anderen Gefangenen seiner Gesinnung vor ein großes Kreuz und gab ihm dort zu verstehen, daß seine Verurteilung zum Tode fast sicher sei, da man genau wisse und Zeugen dafür habe, daß er gegen die Revolutionäre im Kampf gewesen. Wolle er dem sonst unausbleiblichen Todesurteil entgehen, so gebe es nur ein Mittel: er müsse ihnen zu Willen fein und tun, was man von ihm verfange.

Und was ist das? Was verlangt man von mir?" hNicht viel," wurde geantwortet.

$So sagt es!"

' Da reicht man ihm eine Axt hin, zeigte auf das Kreuz und sprach:Bürger Ripoche, nimm die Axt und zertrümmere dieses Kreuz damit."

Ripoche schien einen Augenblick zu sinnen, eis' müßte er überdenken, was er jetzt tun sollte. Dann griff er nach der Axt und schritt auf das Kreuz zu. Seine Genossen, gleichfalls treue Katholiken, erschraken, denn sie fürchteten, Ripoche sei im Begriffe, seinen Glau­ben zu verleugnen und durch schmachvolle Zertrümme­rung des Kreuzes sein Leben zu retten. Doch sie soll­ten sofort erfahren, daß sie sich in dieser Annahme ge­tauscht hatten.

Ripoche stellte sich zu den Füßen des Kreuzes auf, schwang die Axt und ries mit entschlossenem Ausdruck in Blick und Gebärden:Wehe dem, der es wagt, sich am Kreuze zu vergreisen. Meine Hand wird es bis zum letzten Blutstropfen verteidigen und ich hoffe, daß ich noch nie so gut gefochten habe, wie jetzt, wo es der Verteidigung des heiligen Kreuzes und meines katholischen Glaubens gilt."

Die Umstürzler und Kreuzeshasser waren über diese Kühnheit hn ersten Augenblicke so erstaunt, daß sie wie versteinert dastanden. Dann aber erfaßte sie Wut darüber, daß sie sich von dem treuen Katholiken und mutigen Bekenner seines Glaubens hatten über- tölpeln lassen. Voll Haß und Ingrimm stürzten sie sich in großer Anzahl gegen das Kreuz und feinen Verteidiger, um beide zu vernichten. Ripoche machte Gebrauch von der ihm zur Zertrümmerung des Kreu­zes übergebenen Waffe und verteidigte sich und das Bildnis des göttlichen Erlösers, bis er, aus zahlreichen 99unben blutend, zu Boden sank und als Märtyrer zu den Füßen des Kreuzes starb.

Mochte mit diesem wackeren Kämpfer für den ka- tholifchen Glauben doch auch jeder von uns sagen kön­nen:Ich hoffe, daß ich nie fo gut gekämpft habe, als wenn es der Verteidigung des Glaubens und des Kreuzes galt,"_

Zigaretten.

Ein junger bleicher Mann tritt in das Sprech­zimmer eines Arztes. Diefer untersucht ihn.Sind Sie Raucher?"Ich rauche täglich 20 bis 30 Zi­garetten!" Glauben Sie nicht, daß das an Ihrem elenden Zustande schuld ist?"Nicht im ge­ringsten."

Der Arzt schüttelte den Kopf. Er nahm aus einem Glase einen Blutegel.Ich will Ihnen etwas zeigen," sagte er,entblößen Sie Ihren Arm." Der Zigaret- tenraucher wies feinen bloßen Arm vor, und der Arzt setzte den dünnen schwarzen Wurm darauf. Sofort sing dieser an zu saugen. Er wurde dicker; dann aber kam plötzlich ein krampfhaftes Zucken über ihn, er fiel ab tot!Das hat Ihr Blut an dem Tier bewirkt!" sagte der Arzt. Er nahm den kleinen Körper zwischen Daumen und Zeigesinger:Sie haben ihn vergiftet!" Ich vermute, daß es kein gesunder Blutegel war," sagte der Raucher mürrisch.Kein gesunder? Run gut, wir versuchen es noch einmal." Der Arzt setzte zwei andere Tiere auf des Jünglings Arm. Wenn diese beiden auch sterben," sagte der Kranke,dann rauche ich statt dreißig nur noch zehn." Während der beiden letzten Worte zuckte der kleine Blutegel und fiel auf feine Knie, tot; und einen Augenblick später siel auch der andere neben den ersten.Wie abschsulich," sagte der junge Mann,ich bin ja für Blutegel schlim­mer als die Pest."Das ist die Wirkung eines Oistes in Ihrem Blut, das sich bei allen Zigaretten- rauchern findet," sagte der Arzt.

Herr Doktor," erwiderte der Raucher, indem er die drei Blutegel nachdenklich betrachtete,ich glaube fast, Sie haben recht. Wenn dieses Gift eine so ver­heerende Wirkung auf ein Lebewesen auszuüben ver­mag, muß es âuch für mich zweifellos auf die Dauer gefährlich werden. Ich werde Ohrem Rate folgen und das Zigarettenrauchen bleiben lassen."

Und du, mein Freund, wie ist es mit dir und mH den vielen Kollegen deines Bekanntenkreises? Willst du weiter deine Gesundheit ruinieren und müßig zu­sehen, daß deine Kameraden sich nach und nach ver­giften?

KirdK und Shai im Kampfe gegen den MkohMrmus.

Am 12. Dezember 1919 richtete der preußische Wohlfahrtsminister einen Erlaß an die Nachgeordneten Dienststellen, in dem es heißt:

Die weit verbreitete Auffassung, als ob infolge des derzeitigen relativen Mangels an alkoholischen Geträn­ken die Bestrebungen gegen den Mißbrauch geistiger (Setränke überflüssig oder zumindest nicht dringe,rd seien, ist unrichtig. Die Geschichte des Alkoholmißbrauchs be­weist, daß Zeiten wirtschaftlichen unb sittlichen Nieder­gangs der geeignete Boden für Umsichgreifen des über­mäßigen AikoholgenusföL sind."

Nicht weniger dringend empfehlen immer wieder die kirchlichen Behörden die katholische Nüchternheits­bewegung, damit dieseim katholischen Volke jene Würdigung finde, die ihr wegen ihres tiefgreifenden Einflusses auf Sittlichkeit, Gesundheit, Erziehung unb Volkswohlfahrt zukommt. In diesem Zusammenhänge sei an die Beschlüsse der Fuldaer Bischosskonferenz vom 23. August 1919 erinnert, wo es heißt: a) Die Geist­lichen werden ermuntert, im Verein mit den katholischen Lehrpersonen für den Schutzengelbund zu werben . . . d) Die Religionslehrer an den höheren Lehranstalten werden ersucht, den Schüler (Schülerinnen) sachgemäße Belehrung über die Nüchternheitsbewegung zu geben."

Die Sefamüpabc dieser Beschlüsse begleitet der Hochw. Herr Fürstbischof von Breslau mit folgenden Worten:Keine um das Bolkswohl besorgte Behörde oder Institution gibt es, die nicht die Tragweite der Abstinenzbewegung erkennt und nicht ihrem Einflüsse die Wege zu bereiten, bestrebt wäre. . . ."

Möchte bald volle Wahrheit fein, was in demselben fürstbischöflichen Erlasse steht:Die Zeit, in der über die Abstinenzbewegung als Sonderlichkeit gelächelt wurde, ist längst vorüber."

winter-Totenstille winterleben.

Es ist Winter. Der Schnee fällt. Schau diese klei­nen, stillen Sternchen, die so leise und langsam, wie verzauberte Friihlingsblüten Herunterschweben! Am nächsten Morgen ist alles weiß. Der Fuß knirscht im Schnee. Und wo der Schnee wieder hat weichen müs­sen, da brennt der Wind über den hartgefrorenen Bo­den. Eine glitzernde Eisfläche deckt die Gewässer. Ueberall Grabesruhe! Nur die laut schreienden Krähen kreisen über dem Walde. Wie gabs im Sommer auf allen Wegen und Stegen Leben und Bewegung! Denk nur an all die kleinen Käferchen und die vielen Insekten. Ist nun die kleine Welt völlig gestorben? Ist alles tot? Nein, auch hier gilt das Wort des Heilandes:Sie schläft nur", die kleine, niedliche Welt. An dem Leben der kleinen In­sekten, das sich so wunderbar und zweckmäßig abspielt, konnten und wußten wir im Sommèr die Weisheit des

Schöpfers bewundern. Diese Weisheit des Schöpfers ist nicht weniger zu bewundern im Winterschlaf und! in der Winterruhe der kleinen Welt.

Schau an die Rinde der Tannen oder der Obst« bäume, wie viele Infekten sie beherbergen! In den tau» fendgeftaltigen Flechten und Mosen an den Bäumen und auf dem Boden, in den Wurzeln des Klees, unter den Blättern des Wollkrautes, in den hohlen Stengeln des Röhrichs, am Wasser schnarcht es und träumt es.- Du lüsteft ein wenig den Stein dort am Waldrandes Siehe, in dunklen Pelz gehüllt, träumt darunter der Weichkäfer seinen Winterschlaf.' Unter dem Laube der Espen und Buchen schlummern noch mehr der Käser- genossen, und in dem Moosbettlein daneben schläft, un» empfitidlich gegen die strengste Kälte, die schöne Raups des Kiefernspimrers. Wie ein kleiner Igel ist sie zu- sammengerollt, mit Waßer-perlen geziert.

Du untersuchst naher eine vermoderte Buche. Ink kleiner Höhle, wie in einem Erdhüttchen, schlummert die Hummelnunter, die uns so oft mit ihrem Gebrumm erfreut?. Sie überwintert ganz allein, ohne Kinder und Freunde. Niemand heizt ihr ein im Stübchen und doch erfriert sie nicht. Auch die tyrannische Wespe hälts ohne Wärmflasche in ihrer papiernen Zwingburg aus. Sind denn die aus andern, Holze, als ihre Basen! aus der yochgelahrten Bienenfomilie? So ein einzel­nes Bienlein mühte erstarren und sterben; drum mär* men sie sich gegenseitig zu Tausenden in ihrer geschütz­ten, wühlverpackten Wohnung.

An der Miche selber Heben allerlei Puppen, fünft», liche Winterwiegen, worin die Insekten schlummern« Ganz frei, ohne alle Bedeckung hängm sie da, dem Wind und Wetter bloßgestellt, und doch sind recht satt# Sommervögelcin èrin, die rm Sommer nur bei Son» nenschein ausfliegen. Wieder andere haben sich ih^ Wiüterbettlein in Gemäuer, hinter Fensterläden zu* ammengesponnenz und gestrickt, luftig genug, um zu deren. Und doch erfrieren sie nicht. Ueberall Toten* tiUc unb doch fein Tob. Alles lebt. Die Stille ist nicht Stillstand, sondern nur eine Pause im großen! Weltkonzert, das der Frühling wieder erklingen läßt iif Wald und Flur.

Muß das nicht eine allmächtige Hand sein, die fic$ schützend breitet über die tausenderlei Schlafstellen de* kleinsten Wclttinder?

Von einem anderen Leben inmitten der Totenstill könnte ich dir erzählen. An dürren Aesten, an abge­storbenen Halmen, an losen Blattern, finden sich Heines schwarze, weiße, gelbe, rote Pünktchen, das sind Pilze« mit dem Mikroskop betrachtet, wunderliebliche, zierliche Gebilde. Den Schimmelpilz kennst du ja zum oft«» maligen Verdruß. Er verschont nicht das Brot der Ar^' men, noch den Leckerbissen des Reichen, noch die Tintei des Gelehrten. An der alten Fichte siehst du lange Faden herabhängen, ganze Bärte, wunderfein ge* wichst. Das sind Flechten. Die Pilze und Flechten leben und wachsen auch im Winter. So unangenehm sie bisweilen find, so nützlich sind sie wieder. Die Flech-, ten z. B. lockern die Oberfläche der Felsen und Steins und machen sie so urbar; sie festigen den Flugsand, datz die Gebirgspftänzchen haften können. Droben im hoheir Norden wächst bei Eis und Schnee die berühmte Ne?m- tierflechke, die dem Renntiere, dem unentbehrlichere Nutztiere des Lappländers, die einzige Nahrung bietet.

Also Leben allüberall, auch im Winter! Ist nicht Gottes Schopsermacht wunderbar? Willst du es wagen, in diese schöne Gottesnatur, wo unaufhörliches Leben und Entflöhen wirkt, den Tod des Zweifels und des Unglaubens hineinzuttagen?

Die Leute sagen es."

Wie oft hört man im täglichen Leben die Wort«: Die Leute sagen cs!" Wird irgend ein Gerücht kol­portiert etwas Nachteiliges über eine Person verbreitet, vielfach etivas behauptet, was der Erzähler bezw. diè Erzählerin nicht verantworten kann; will man nun nach dem Urheber des Gerüchtes forschen, so erhält man fast ausnahmslos die Antwort:Die Leute sagen C3i* Jadie Leute!' Unter diesem Deckmantel segeln die ärgsten Deiwnzian^en der Menschheit, die hinterlistig­sten Feinde sie alle verschanzen sich hinter der Aus­rede:Die Leute sagen ès. ja die Leute." Mauch edler Döensch, der sich das, was die Leute erdacht haben und nun sagen, allzusehr zu Herzen nahm, ist durch so ein feiges, erfundenes und unwahres Gerede schoii um sein ganzes Lebensglück gekommen! Min solle daher nie eine Behauptung weiter verbreiten, für deren Ittchtigkett man keine Gewähr hat; tvas man vom Hö­rensagen tveiß entspricht in der Regel ber Wahrheit nicht; cs ist in 69 von 100 Fällen nichts anderes, als sein leeres, erdachtes Geschwätz.Sprich nie etwas Böses von einem Menschen, wenn du es nicht gewiß weißt; und wenn du eins) gewiß weißt, daun frag« dich:Warum erzähle ich es?"