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Mehr Rröeit.

Unausgesetzt wird seit Monaten nicht nur von allen unsichtigen Voltsfreunden, sondern auch von allen 8eg<ernngssteUen dem Volk gepredigt, daß nur Arben, mausgesetzte und angestrengte Arbeit uns vor dem -rotzenden Zusammenbruch retten kann. Wir haben reute tatsächlich nur die Wohl, entweder die Arbeits­zeit zu verlängern und die Arbeitsleistung zu erhöhen, -der wir verhungern, hoben keine Schuhe an ben- jen, kein Hemd auf denr Leibe und nichts orrzuziehen. Zunächst brauchen wir längere Arbeitszeit im Berg- )W und lni Derkehrswcsea, um die Wirtschaft wieder n Gang zu bringen, denn ohne Kohle keine Aufnahme »er Fabrikbetriebe, keine Ausfuhr von Menschenarbeit, rein Geld zum Hereinbringen von Lebensmitteln.

Die Kohlensrsge bedeutet alles!

Um zuerst

die Bergleute

für diese Mehrarbeit zu gewinnen, sind der Reichs­kanzler und mehrere Minister persönlich zu Verhand­lungen in das Ruhrgebiet gereift und erfreulicherweise ist es auch zu einer Verständigung gekommen. Danach werden vom 23. Febr an 2 halbe wöchentliche Ueber- schichten eingeführt, wodurch in Zukunft ein Sechstel In der Woche mehr gearbeitet wird als seither. Um sich zu vergegenwärtigen, was das heißt, muß man auf die Förderungszahl der letzten Monate des Jahres zurückgreifen. Sm Durchschnitt wurden 6 bis 7 Mil­lionen Tonnen Kohle monatlich im Ruhrgebiet geför­dert. Die jetzige Schichtverlängerung bringt also eine Steigerung der Leistung von ungefähr einer Million Tonnen im Monat, d. h. 12 Millionen Tonnen im Jahr, die zunächst der Eisenbahn als Votriebskohle zu- gute kommen werden. Das ist gewiß eine erhebliche Summe, aber sie ist noch nid)t groß genug, um alle Schwierigkeiten zu überwinden, jedenfalls muß die Neuerung auch für Oberschlesien und für die Braun- kohlengebiete angestrebt werden, denn während in Friedenszeiten unsere Kohlenförderung 192 Millionen Tonnen betrug, betrug sie 1919 nur 116,5 Millionen. Da ist es kein Wunder, wenn immer mehr Fabriken stillgelegt wurden, wenn von 200 Kaliwerken nur 120 und diese zum Teil nur noch mit Unterbrechungen ar­beiten konnten. Nach den Angaben, die in einer Sitzung im Landwirtschaftsministerium gemalt worden sind, wurden im Jahre 1919 65 000 Taimen Kalkstickstoff produziert, es wäre aber möglich gewesen, die Provuk- tiou auf 280 000 Tonnen auszudehnen. Tatsächlich ist also nur ein Viertel des für die Landwirtschaft so- Eigen Stickstoffes erzeugt worden, den man hätte er­zeugen können. Man schätzt, daß der Ausfall an Stick- stoss etwa drei Millionen Tonnen Getreide bedeutet. So hängt eines von dem andern ab.

Erfreulich ist es, daß auch

bei den Eisenbahnern

die Einsicht zunimmt. In den Eisenbahnwerkstätten haben sich die Leute der Einführung der Akkordarbeit gefügt. Sie leisten heute bei gleicher Arbeitszeit um 20 Prozent mehr. Dazu kommt auch in manchen Be- trieben eine freiwillige Verlängerung der Arbeitszeit, wobei ebenso wie bei den Bergarbeitern die Arbeits- freudigen nicht nur erhöhte Ueberstundengebühren, son­dern auch bevorzugte Versorgung mit Lebensmitteln genießen, denn die hohen Löhne allein machen die Arbeiter nicht glücklich, wenn sie keine Gelegenheit haben, sich für dieses Geld auch Lebensmittel zu kaufen.

Möge die Ueberzeugung, daß neben der Rückkehr »u Gott uns^nur eine möglichst große Dosis Arbeit retten kann, immer allgemeiner werden. Arbeit ist des Lebens Balsam, Arbeit ist des Blutes Quell. Wird mehr gearbeitet, dann wird die Zeit mehr ausgenützt und M«ch d e Menschenkraft. Und Zeit ist Geld und Kraft m mehrGeld. Dann können wir uns langsam zwar, doch allmählich von der schweren Niederlage er­holen. Jetzt heißt es

nicht Feste feiern, sondernfeste" arbeitent

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Die Eisenbahn wird noch teuerer.

Vom 1. April ab werden die Tarife wieder um 100 Proz. erhöht. Die seitherigen Erhöhungen von 15 Pro­zent am 1. April 1918, 60 Prozent am 1. April 1919 und 50 Prozent am 1. Oktober 1919 waren unzurei­chend und konnten die Fehlbekröge nicht verhindern.

Die früheren Ueberschüsse der preußisch-hessischen Eisen­bahnen gehören ja leider auch zu dm stolzen Erinne­rungen der Vergangenheit. Nicht weniger als 7 Mil­liarden wird das Defizit der Eisenbahnen für das Be­triebsjahr 1920 betragen, woran natürlich auch die hohen Löhne bei der Eisenbahn und die unzulängliche Arbeitsleistung mit beigetragen haben, gegen die man jetzt ja energischer vorgeht. Das Defizit ist aber da und wohl oder übel muß durch erhöhte Einnahmen ein Ausgleich versucht werden. Freilich besteht die Gefahr, daß diese neue Erhöhung den heute noch bestehenden Verkehr weiter bis zur Grenze des überhaupt Möglichen einschränken wird, die erwarteten Mehreinnahmen also ausbleiben, während doch Zweck der Eisenbahn sein soll, den Verkehr zu vermitteln, nicht aber ihn zu sperren. Natürlich werden die erhöhten Tarife einzig und allein vom Konsum getragen werden und eine weitere Anziehung der Preisschraube im Gefolge haben.

Neben der bedenklichen wirtschaftlichen Wirkung werden sozialen Folgen sehr zweifelhafter Natur sein. Die Eisenbahnen, soweit sie dem Personenverkehr die-

auch die

nen, werden in Zukunft den Besitzenden zur aus­schließlichen Verfügung stehen, was zum sozialdemo- kratsichen Programm, allen Volkskreisen die Vorteile gewisser Verkehrseinrichtungen in gleicher Weise zu­kommen zu lassen gar nicht passen will. Die Wirk­lichkeit kümmert sich halt nicht um sozialistische Theorien.

Mit der Neugestaltung des Reiches

im Innern geht es langsam; vom Einheitsstaat ist es wieder still geworden und mit dem Aufgehen Preußens im Reich ebenfalls Dagegen haben

Liotzurg und Bayern

sich vereinigt. Am 14. Februar haben die beiderseitigen Bevollmächtigten den Vertrag unterschrieben wonach das Gebiet des Freistaates Koburg den Kreisen Ober­franken und Unterfranken zugeteilt wird, während die Städte Koburg, Neustadt und Rodachunmittelbar" bleiben. Die beiderseitigen Landtage müssen zu dem Anschluß noch ihre Zustimmung geben.

Der Mordversuch auf Erzberger

ist in der vorigen Woche vor beni Schwurgericht verhandelt worden. Der Angeklagte, Oittvig von Hirschfeld, erhielt IV» Fahre Gefängnis wegenkör­perlicher Mißhandlung mittels einer Waffe". Die Anklage auf Mord und Totschlagsversuch wurde von den Geschworenen nicht aufrecht erhalten. Es wurde in der Verhandlung festgestellt, daß Erzberger nur einen Streifschuß erhalten hat und bauernben Nach­teil ans denr Attentat ihm nicht erwachsen wird. Der Angeklagte, nach der Beweisaufnahme ein kör­perlich zurückgebliebener und auch geistig nicht auf der Höhe stehender Bursche, glaubt immer noch, eine patriotische Tat begangen zu haben, «inenAkt der Notwehr für das deutsche Voll", denn Erzberger sei ein Schädling, der von England bestochen sei unb deshalb beseitigt werden müsse; zwar dürfe nicht jeder mit dem Revolver auf der Straße herumlaufen, abersein Falt", so meinte dieser trotz seiner gei­stigen Beschränktheit sehr selbstbewußt auftretende Jüngling, seieine Ausnahme". DieFrans. Ztg." meint sehr richtig, das milde Urteil müsse den pein­lichsten Eindruck machen, es scheine dabei das politische Gefühl und nicht das unparteiische Recht seinen Ausdruck gefunden zu haben.

Die Geschworenen haben sich die ausgeklügelte Aus­rede des unreifen Burschen auf der Anklagebank, er habe Erzberger nicht töten, sondern nur verwunden wollen, zu eigen gemacht, um die Grundlage für eine mildere Strafe zu schaffen, obgleich hier der ganz klare Tatbestand des Mordversuch» vorlag. Der Angeklagte hat daS Attentat mit voller Uebertegung, nicht etwa in plötzlicher Erregung, ausgeführt, er hat auf die Brust gezielt, was keiner tut, der nur verwunden will. In jedem andereu Fall würde unter gleichen Umstän­den der Tatbestand oeö Mordversuchs ober doch zum mindesten des versuchten Totschlags angenommen wor­den sein: das würde im ersteren Fall eine Zuchthaus­strafe von mindestens drei Jahren, im letzteren we- ntgstenö eineinviertel Jahre Zuchthaus bedeutet haben. Statt dessen ist nur auf schuldig wegen vorsätzlicher Körperverletzung mittelst einer Waffe erkannt worden, worauf Gefängnisstrafe von 2 Monaten biS zu 8 Jah. ren steht, und das Gericht hat eS dann unter Zubilli­gung mildernder Umstände wegen der bekanntenedle

Motive' bei anderthalb Jahren bewenden lassen. Eine solche Entwicklung der Rechtsprechung kann mir mit höchstem Bedauern verfolgt werden. Damit wird nicht Recht gefunden, sondern dem Recht Gewalt angetan .. . Eine Rechtsprechung, die so schwere Verbrechen in bet Hauptsache ungeahndet läßt, vernichtet ihre wesentlichste Grundlage: das öffentliche Vertrauen."

Wie weit die Begriffsverwirrung in manchen Kreisen schon geht, kann u. a. daraus ersehen wer- den daß die Ellern des Attentäters zahlreiche Knud- geburgen erhielten, von einem General, von der Universität Heidelberg usw., in denen der Sohn als Held, als jechter deutscher Mann gepriesen wurde, der die deutsche Ehre hochhalte. Ein Pros. Sener schrieb:Alles Große kam immer von einem Einzel­nen", ein Pastor Eorzel schrieb einen Brief an den Vater Hirschfelds; nachdem er diemutige Tat" des geschätzten Sohnes" gepriesen, heißt es darin: möge Gott der Herr seine schützende Hand über das Haupt ihres Sohnes halten". Höher gehis nimmer, ist es nicht ein Hohn, den Namen Gottes in solcher Serbin« dung in den Mund zu nehmen! Der Haß gegen Erz­berger kennt wirklich keine Grenzen.

Der Bau?» der Landwirte

hat in Berlin im Zirkus Busch nach bjähriger Unter­brechung seine Generalversammlung gehalten. Sem Anhängsel, der neu gegründete Landbund, war nâmr- lich auch dabei. An Araftsprüchen hat man es nicht ft bien lassen, besonders der bekannte Herr Oldenbnrg- Fanuschau tat sich dabei hervor. Der Grundton aller Redner war: Fort mit der Regierung, fort mit Erz­berger, fort mit den Juden, fort mit der Zwangs­wirtschaft Ob wir dann das Paradies auf Erden hätten, wenn der Januschauer die Sache zu machen hätte! Wir glaubend kaum; auch eine deutschnatio- nUe Regierung wurde die Verhältnisse nicht von heute auf morgen bessern können.

Drowerteuerung und Landwirtschaft.

rv

Unter dieser Überschrift veröffentlicht die Reichs, nirale für Heimcudieust in Kassel eine Sulfit die sich gegen die Berhetzur-g der städtischen Bevölkerung anläßlich der Prci Erhöhung für lanbtmrtfd:^^ Erzeugnisse tuen bet. Sie hält eS für unbedingt not. wendig, daß man durch Aufklärung dl? Gegensatze r>wr. scheu Stadt und Land zu überbrücken sucht. Um die- sein Zweck zu dienen, führt der GHnfeuber einige Tat- sachen an, die recht ivohl geeignet stirb, dem Verbräm, cher ein wenig die Augen darüber zu öffnen »vie Vie heutige Preisteuerung auch ben Landwirt schwer ' ^^m Voraus darf ich wohl bemerken", so schreibt er, ,M ich als unparteiisch betrachtet tverden kann. Ich lerreibe Lmrdwirtschaft in ganz kkernem Maßstab Meine Familie zählt 8 Köpfe, für 4 habe ich BrotfÄicht selbst gebaut, für die anderen 4 kaufe ich das Brot

Gn Landwirt, der 35 Morgen Geianrtbeub fährt 30 Ztr. Brotfrucht zur Kreisstadt und erhalt t^ für 622,50 Mk. arrsgezahllt. Weil im vergangenen Jahre feine Samenzucht mißraten ist, muß er sich ^ Pfund KleefMucn mitbringien. Dann kauft er nod! 2 Nagenräderrcisen nnb 20 Pfd. Karbid. Er Hezamt das Pfund Kleesamen mit 22 Mk. = 440 Mk., sur d't Reifen zahlt er 175 Mk., für das Karbid 32 Mk., zu­sammen 647 Mk- gegen 622,50 M. Einnahmen. Voc dem Kriege hätte er für 30 Ztr. Frucht 210 Wit bekommen für den M sc es amen hätte er 1520 Mu, für da? Karbid 5 Mk., für die Reifen 12 Mk., zusam­men 37 SRI bezahlt sodaß ihm 203 Mtt. übrig blie. ben Dafür hätte er darnaks seine ganze Familie ve-

kleiden unb beschuhen können ,

Ein anderer Landwirt, der bei bet LeuteknaM^.t während des Krieges feine Reparaturen vornehmen konnte ist geztnungen. jetzt Repacalurbauten aussühren Alt lassen. Der Plan ist gemacht Ec gebraucht sur iiit?- fuhrnng 2030 Festmeter Bauholz. Dße Muefübruug des Baues scheitert aber daran, daß ter betreffen be Landwirt trotz seines ganzen .ÄVcieg?.^ auf seinem 40 Morgen großen Gut nicht Geld genug hat, um den Reparaturbau ausführen zg kölmen. Für das Bauholz allein soll er 09000 .Mk. bezahlen ,M einem Friedenspreis von 400600 Mk." , ,

Diese 2 Beispiele sind an§ der Wirllnhkeck gcgni. fen und sollten jedem zu teufen geben, der die Etagen der Lanowirte über die seitherigen amtlichen preise nich verstehen kann. ' * . c

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wegen der Llustteserung des Kaisers ^ die Holland bekanntlich abgelehnt hat, ist nun dne neue in sehr scharfem Tone gehaltene Note her Ent^M